Es sind hier vorne ein paar Plätze frei geworden. Wir sind als Gemeinde sehr beschenkt mit vielen Kindern, und dafür können wir dem Herrn auch einen Applaus geben. In unserer deutschen Kultur ist es nicht so üblich, Gott zu applaudieren.
Der Deutsche denkt: Warum applaudiere ich Gott jetzt? Es ist etwas seltsam, Gott einen Applaus zu geben, oder? Aber das Gleiche haben wir gerade mit unserem Gesang gemacht. Wir haben dem Herrn Ehre gegeben, halt nicht mit unseren Händen, sondern mit unserem Mund.
Der Applaus ist nur eine andere Art, Gott zu loben und zu sagen: Wir sind begeistert von dir. Und wir freuen uns über dich. Wir sind glücklich, dass du in unserem Leben bist. Wir freuen uns, dass wir Weisung von dir bekommen, Herr.
Und ich bete zu dir: Danke, dass wir nicht im Dunkeln sind, sondern dass wir durch dein Wort Licht für unser Leben haben, dass wir erkennen, was Wahrheit ist, dass wir erkennen, was gut ist, dass du unseren Charakter formst und uns von innen heraus veränderst, dass wir einen Unterschied machen. Herr, das ist ein starker Grund zu danken und zu loben. Danke, dass du so gut zu uns bist. Bitte segne uns, damit wir die Worte, die wir heute hören, auch erkennen, erkennen, was du uns zu sagen hast, und dass du in unser Innerstes wirkst. Herr, ich bitte dich, lass alle Störungen, die uns hindern wollen – jetzt gut zuhören – von uns weichen. Herr, ich bitte dich für diejenigen unter uns, die sehr belastet, bedrückt und voller Sorge sind, gib du ihnen Ruhe, Herr.
Herr, durch die Kraft des Heiligen Geistes ist das möglich, und ich bitte dich, dass du uns hilfst, zu hören, aber nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen, und du uns dann auch in die Lage versetzt, das, was wir gehört haben, in die Tat umzusetzen, Herr. Amen.
Ja, die Lesung haben wir aus Matthäus 7 gehört. Wenn ihr eure Bibeln dabeihabt, dürft ihr sie mit mir aufschlagen. Ich möchte noch einmal die ersten vier Verse lesen. Diese werden uns zu Beginn besonders beschäftigen.
Jesus sagt in Matthäus 7, Verse 1 bis 4: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge?
Der 1. Vers: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ – ist, so glaube ich, eins der bekanntesten Worte des Neuen Testaments. Viele verbinden genau diese Aussage mit Jesus. Ein Ausspruch der Barmherzigkeit und der Weitherzigkeit. Hört auf zu richten, richtet nicht.
Und oft ist es so, wenn es Auseinandersetzungen und Wortgefechte gibt, dass dann schnell Matthäus 7, Vers 1 gezückt wird: Richte nicht! Du sollst es nicht tun. Jesus hat es doch gesagt. Und es ist auch so: Jesus verbietet unmissverständlich, dass wir andere richten, verdammen und verurteilen. Und die Frage ist … – wir befinden uns ja gerade in der Bergpredigt. Jesus hat sich niedergelassen. Viele Menschen sind um ihn herum, auch seine Jünger, seine Freunde, die zu ihm gehören, die ihm nachfolgen, und er predigt zu ihnen und er erzählt ihnen eine ganze Menge. Seit Kapitel 5 befinden wir uns in der Bergpredigt. Wir sind jetzt in Kapitel 7, und Jesus hat ihnen schon viel erzählt. – … warum kommt er ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, als er mit ihnen spricht, auf die Idee, ihnen zu sagen: Hey Leute, wenn ihr mit anderen Menschen zusammen seid, sollt ihr sie nicht richten. Ihr sollt nicht in die Falle tappen, andere Menschen zu verdammen und zu verurteilen. Warum macht Jesus das in diesem Augenblick?
In Kapitel 5, Vers 20 lesen wir, wie Jesus einleitend seinen Jüngern, die jetzt eine lange Predigt von ihm hören werden, Folgendes sagt: Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit, die der Schriftgelehrten und Pharisäer – die Pastoren der damaligen Zeit – weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer kennzeichneten sich dadurch, dass sie eine fromme Maskerade spielten. Sie waren sehr religiös, haben aber keine echte Beziehung zu Gott gelebt. Und Jesus hat von seinen Jüngern erwartet: Hey, habt eine bessere Gerechtigkeit, als die der Schriftgelehrten, sonst werdet ihr nicht in das Reich Gottes kommen.
Und dann dröselt Jesus auf, was die Ethik des Reiches Gottes ist. Wie lebt man als Kind eines Königs?
Und dann geht er viele Punkte durch. Er spricht über Mord und über Hass; über die Ehe und sexuelle Reinheit; über Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Feindesliebe, Armenfürsorge, das Gebetsleben, Fasten und das Reich Gottes.
Gottes Anliegen sollen in unserem Leben an erster Stelle stehen. Seine Prioritäten sollen meine Prioritäten sein. Ich habe es das letzte Mal mit „Kingdom First“ umschrieben – nicht „America First“, sondern „Kingdom First“.
Und man hört, wie Jesus in exzellenter Art und Weise über eine Ethik des Königreichs spricht, die den König wider-spiegeln und auf ihn aufmerksam machen soll. So wie er ist, sollen wir sein.
Es kann sein, dass sich auch ein Eifer entwickelte, wenn Jesus gesprochen hat. Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn wir durch die Texte gehen. Einige sind nicht das erste Mal hier, sondern regelmäßig. Entwickelst du einen Eifer, wenn du von Jesus hörst? Hat das für dich einen Geschmack und eine Lieblichkeit, bei denen du sagst: Das möchte ich, das ist begehrenswert, das möchte ich in meinem Leben sehen, das soll sich etablieren in meinem Leben.
Und wenn wir auf den Geschmack der Worte Gottes kommen und immer begeisterter von der Schönheit der Worte Gottes sind, dann passiert es automatisch, dass wir uns von den Maßstäben dieser Welt, die Gott nicht kennt, entfremden. Das ist ganz normal. Wenn ich mich zu etwas oder zu jemandem hingezogen fühle, dann entfremde ich mich in dem Augenblick auch von jemand anderem.
Meine Frau ist heute bei den Kindern, denn einige sind krank. Wir brauchen euer Gebet.
Meine Frau sollte merken, dass meine Hingezogenheit zu ihr auch einen Effekt auf die anderen hat – nämlich, dass ich mich gegen andere und für sie entscheide. Ich komme ihr nahe und entfremde mich von anderen, die dadurch weniger wichtig werden.
Ich möchte jetzt nicht sagen, ihr seid mir alle egal, aber ihr versteht, worum es geht.
Wenn etwas für uns attraktiv, schön und begehrenswert ist, dann suchen wir die Nähe, und wir entfernen uns von einer Sache, die nicht so begehrenswert für uns ist.
Und das passiert auch, wenn Jesus spricht. Wenn du Jesus nicht kennst – du bist vielleicht das allererste Mal hier –, dann schnapp dir eine Bibel und lies die Evangelien, um zu sehen, wie Jesus gehandelt und gesprochen hat.
Jesus hat eine Anziehungskraft, die seit 2000 Jahren gilt. Jesu Worte haben eine Anziehungskraft, sie haben Kulturen geprägt wie niemand anderes auf diesem Planeten.
Niemand war so einflussreich in der Menschheitsgeschichte wie Jesus Christus. Woran liegt das? Seine Worte haben eine Anziehungskraft. Darin liegt Unwiderstehlichkeit und Schönheit. Und wenn wir uns ihnen aussetzen und ihnen näherkommen, dann entfremden wir uns von den Maßstäben dieser Welt.
Aber beachte: So wunderbar das ist, darin liegt auch eine große Gefahr. Wir stehen in der Gefahr, überheblich zu werden und uns über andere zu stellen, sie mit unseren Gedanken oder Worten zu vernichten und als wertlos zu erachten und zu verurteilen.
Wenn wir Jesus in seiner Perfektion kennenlernen und merken, wie er das Leben denkt und wie er gepredigt hat, dann soll sich das in meinem Leben manifestieren, damit ich dem immer näher komme und auch ähnlicher werde.
Ich zumindest habe den Eindruck, dass ich dem ähnlich werde. Doch es gibt noch genug Baustellen in meinem Leben.
Aber wenn ich ihm ähnlicher werde, dann kann es passieren, dass ich zurückschaue und mir das „Gesocks“, den „Pöbel“ ansehe und denke: Was sind das denn für „Lappen“? Die sind nicht so wie ich. Schau dir meine Moral an. Schau dir meine Wertvorstellungen an. Sind sie nicht löblich? Sind sie nicht gut? Und schau dir jetzt das an: widerlich, zum Kotzen, ekelhaft, es widert mich an.
Christen, Jünger Jesu Christi, können in die Falle tappen, andere zu verdammen, weil sie so von der Schönheit erfüllt sind, dass sie, wenn sie das Schlechte sehen und nicht das, was ihnen gleicht – was ihnen lieb geworden ist –, anfangen, andere zu verurteilen.
Denn, wenn das nicht möglich wäre, würde Jesus nicht darüber sprechen. Jesus redet mit seinen Jüngern deshalb, weil sie in der Lage sind, andere zu verurteilen.
Frage: Hast du schon einmal eine solche Dynamik in dir erlebt? Du warst von etwas so begeistert – gerade in Glaubens-dingen, Jesus ähnlicher zu werden – und wenn du dann andere gesehen hast, die ihm gar nicht ähnlich waren und das auch gar nicht wollten, hast du in deinem Herzen verurteilende Gedanken entdeckt? Hast du das schon einmal erlebt? Raus!
Hey, das ist ein ernstes Thema. Wisst ihr – die, die sich soeben gemeldet haben – die anderen heucheln gerade. Ja, wir sind wenigstens ehrlich, Wilfriede, nicht wahr? Die anderen verstehen es noch nicht. Hey, das trifft auf jeden zu, das trifft auf jeden zu. Darum sagt Jesus diese Worte und deshalb sind sie auch so populär.
Wir erleben es oft, dass wir andere Menschen abkanzeln, sie fertig machen, sie in ihrem Wert erniedrigen, weil sie nicht so sind wie wir oder weil sie nicht das leben, was wir an Jesus lieb gewonnen haben. Und vor allem dann, wenn du sehr intensiv in einer christlichen Blase lebst und plötzlich Menschen erlebst, die Jesus nicht kennen – haa, solche Menschen gibt es ja noch – denkst du: Oh, das ist mir so zuwider, weil sie einen Lebensstil an den Tag legen, der nicht so ist wie meiner.
Jesus sagt, richtet nicht, verurteilt nicht, verdammt nicht.
Paulus sagt in 1.Korinther 4, Vers 5: So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt. Verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr, Jesus Christus, wiederkommt. Denn Jesus Christus wird wiederkommen – als Retter und als Richter. Jesus sieht die Dinge, er sieht unser Leben, und Jesus hat es auf seiner Agenda, dass wir einst, am Ende aller Tage, vor seinem Thron stehen werden und Rechenschaft ablegen müssen für das, was wir mit unserem Leben getan haben – und auch für das, was wir nicht getan haben.
Es ist eine unangenehme Wahrheit, aber wir erleben es auch im Natürlichen: Das, was wir tun, erfordert Rechenschaft. Du bist kein isoliertes Wesen, du lebst nicht nur für dich selbst. Du kannst nicht einfach nur für dich allein Rechenschaft ablegen, sondern du bist ein soziales Geschöpf. Du lebst mit Menschen in Beziehungen – egal, wie schlecht oder schwach diese Beziehungen sind, wir leben zusammen. Auch heute haben unsere Taten, das, was wir gerade tun, einen Effekt. Und wir müssen Rechenschaft ablegen – schon im Hier und Jetzt – für die Dinge, die wir tun und die wir nicht tun.
Wenn deine Frau dir sagt: Bringe den Müll hinaus, dann solltest du es besser tun, ansonsten musst du Rechenschaft ablegen. Das ist ein ganz simples Beispiel. Aber wir merken: Wir sind keine isolierten Wesen, die nur für sich selbst funktionieren, sondern wir sind in Verantwortung gestellt.
Meine Lieben, das unterscheidet uns von Tieren: dass wir Verantwortung übernehmen für das, was wir tun. Und die Bibel ist klipp und klar: Du hast dich selbst nicht erdacht, du hast dich selbst nicht kreiert, sondern ein guter Schöpfer hat dich erschaffen. Er hat dir Ressourcen und Talente gegeben. Er hat eine Idee für dein Leben und hat dich in Beziehung zu ihm selbst gestellt. Du kannst diese Beziehung zwar leugnen, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht existiert.
Einige Ehen funktionieren so: Sie möchten am liebsten ihre Ehe leugnen, aber sie existiert trotzdem. Es geht sogar so weit, dass Kinder ihre Eltern oder Eltern ihre Kinder verleugnen. Leute, solche Dinge gibt es. Echt krass. So etwas wie: Du bist für mich gestorben. Du bist nicht mehr mein Kind, und ich behandle dich auch so. Meine Lieben, ändert das etwas an der Realität und an dem Fakt, dass sie zusammengehören? Jeder steht daneben und sagt: Das ist nicht okay, das gehört sich nicht.
So viel Moral haben wir noch in unserem Land, dass wir sagen: Das ist nicht in Ordnung. Das gehört zusammen. Da braucht es eigentlich Frieden, Harmonie und Gemeinsamkeit – bei aller Unterschiedlichkeit.
Und Gott, unser Schöpfer, unser Vater im Himmel, handelt genauso. Er schreibt uns nicht ab, aber wir schreiben ihn ab. Ändert das irgendetwas an der Realität, dass Gott unser Vater sein will, dass er unser Schöpfer ist, dass er uns erdacht hat? Gar nichts ändert das daran.
Verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt. Er wird urteilen. Wer aber richtende, verurteilende und verdammende Gedanken in seinem Herzen Raum gibt, tut Dinge, die nur Gott zustehen. Das obliegt mir nicht. Jesus hat nicht gesagt: Werdet mir ähnlicher, damit ihr alle anderen verurteilt, die nicht so sind wie ihr. Nein, Jesus hat gesagt: Hey, ich kümmere mich um diese Dinge. Lasst ihr euer Licht leuchten und zeigt, wer euch verändert hat. Haltet meine Werte hoch, natürlich, ja, aber verachtet die Menschen nicht.
Woher kommt diese Tendenz zum Richten? Denn einige haben sich gerade eben schon geoutet, dass sie diese Tendenzen kennen. Und euer Pastor auch. Viel zu oft bemerke ich das, und es bekümmert mich. Aber woher kommt das? Woher kommt es, dass wir das überhaupt tun? Wer andere richtet und verdammt, hat vergessen, aus welche Lage Gott ihn gerettet hat, und vergessen, woher er kommt.
Er denkt permanent an diesen wunderbaren Ort, an dem alles rein, sauber und schön ist, hat aber vergessen, aus welcher Gosse Gott uns errettet hat. Aus welchem Dreck Gott uns geholt hat. Aus welcher Dunkelheit Gott uns holen musste, damit wir im Licht stehen. Du bist von dir aus, nämlich nicht im Licht. Du bist nicht in dir selbst gut. Da gab es Schatten in deinem Leben, und die musste Gott entfernen. Und wenn ich vergesse, aus welcher Lage Gott mich errettet hat, wo er mich aufgegabelt hat, dann passiert es, dass ich unbarmherzig werde mit anderen Menschen und in Selbstgerechtigkeit verfalle.
Das Resultat sind meine Balken, denn die Balken- und Splittergeschichte steht für moralisches Versagen. Wir fallen als Geschöpfe. Wir machen die Dinge nicht immer richtig, sondern wir machen alle jeden Tag viele Fehler. „Außer mir, aber ihr schon“. Also, wir haben viel Versagen und viele Fehler in unserem Leben. Wenn ich aber in diese Selbstgerechtigkeit verfalle und vergesse, woher ich komme, dann sind die Balken in meinem Auge für mich nicht existent. Ich habe das nicht. Ich bin frei davon. Ich bin besser als die anderen. Die anderen sollten endlich Gas geben, damit sie dort stehen, wo ich bin.
Aber Jesus spricht nicht von deren Balken, sondern nur von deren Splittern. Jesus spricht aber von deinen Balken. Wie kann das sein? Ich bin doch schon so nahe an Jesus. Wie kann das sein, dass nicht der andere den Balken hat, sondern den Splitter? Und ich habe den Balken und nicht den Splitter? Wie kann das sein? Ich bin doch Jesus schon etwas ähnlicher geworden. Ich hebe mich doch bereits von der Masse ab.
Paulus sagt, dass er der größte Sünder von allen ist. Leute, wenn Paulus jetzt hier predigen und sagen würde: Ich bin der größte Sünder von allen, würde ich aufstehen und sagen: Paulus, du lügst. Stimmt nicht. Ich kenne weitaus größere Sünder. Lern mal meine Gemeinde kennen. Du bist nicht der größte Sünder, du bist ein vorbildlicher Mann.
Aber mein Lieben, je näher wir in Gottes Gegenwart kommen, umso näher wir seiner Schönheit und seinem Licht sind, desto mehr merken wir: Gott, du bist so viel größer als ich. Und deine Gnade ist so unermesslich groß, sie reicht bis in alle Ewigkeit.
Und es ist auch notwendig, dass sie bis in alle Ewigkeit reicht, damit ich merke: Wenn ich mich im Licht Gottes betrachte, ich bin der größte Sünder von allen. Darum kann Jesus über unsere „Balken“ sprechen. Und was Jesus hier bezwecken und erzielen möchte, ist, dass wir uns unserer Balken bewusst werden, dass wir eingestehen, dass auch wir Balken in unserem Leben haben. Und dass auch wir weiterhin auf Gnade angewiesen sind. Wir sind abhängig von der Gnade Gottes.
Nicht nur zu Anfang, wenn wir Christen werden und merken: Wow, das ist ja … ich habe Gott erlebt in meinem Leben. Ich habe seinen Ruf gehört, er meint mich. Gott möchte mich bei sich haben. Okay, aus Gnade hat er mich angenommen. Ich kann mir nichts verdienen. Das bleibt auch weiterhin so. Ich brauche auch weiterhin seine Gnade, denn auch wenn ich schon einen ganzen Wald voller „Balken“ aus meinen Augen gejagt habe, es gibt immer noch unbekannte Schuld. Es gibt immer noch verborgene Sünde und verdeckte Laster, die es zu entfernen gilt, oder?
Hey, wenn ich hier stehe, dann kann ich sagen: Ich würde sagen, in meinem Leben habe ich alles, was ich weiß, auf-geräumt und mit Gott geklärt. Aber jetzt sitzen einige in den Reihen und denken: Auweia, das ist echt schlimm. Schade, Waldemar, dass dir das nicht auffällt in deinem Charakter, dass dir dies oder jenes nicht auffällt in deinem Wesen, denn uns allen fällt das auf, aber dir offenbar nicht. Merkt ihr? Wir denken manchmal: Wann fällt der Groschen bei ihm oder bei ihr? Und das ist auch so in meinem Leben.
Ich denke, ich habe schon einen guten Lauf hingelegt, aber meine Brüder, meine Schwestern und vor allem meine Frau – sie weiß Dinge, „Balken“, von denen ich mir noch nicht einmal bewusst bin, dass es sie gibt. Aber es gibt sie. Ich falle nicht auf die Lüge herein, dass mein Leben schon irgendwie in Ordnung ist. Stattdessen rechne ich damit, dass ich jeden Tag mit einem fetten Balken in meinem Leben konfrontiert werden kann.
Wo ich dann denke: Das habe ich noch nie bemerkt … und das schon 35 Jahre lang, und ich erkenne es erst jetzt. Und so mancher sitzt in den Reihen und hat erst nach 50, 60, 70 Jahren so manchen Balken entdeckt, der noch recht stabil ist.
Gottes Gnade hält mich weiterhin, Gottes Gnade trägt mich. Aber wenn ich vergesse, woher ich komme, dann werde ich anfangen, andere fertig zu machen – wenigstens in meinen Gedanken. Meine Lieben, es macht keinen Unterschied, ob wir die Dinge sagen oder denken. Dass wir Dinge denken, reicht schon. Dann sollten wir erschrecken: Wohin geht mein Herz eigentlich?
Und wenn ich merke, dass auch mir Gnade gilt, dass auch in meinem Leben noch Balken sind und Jesus mich trotz-dem akzeptiert und lieb hat – wenn mir das gilt, dann habe ich kein Recht, über andere so zu denken oder zu reden, als ob für sie jegliche Hoffnung verloren wäre.
Dass sie so weit von Gott entfernt sind, dass Gott in ihrem Leben keine Gnade mehr zeigen könnte. Dass er ihnen nicht sagen könnte: Ich möchte dir gerne deine Sünden vergeben. Ich möchte dich gerne in meiner Gegenwart haben, und das, was uns voneinander trennt, möchte ich gerne abtragen und dir vergeben, damit wir zusammen sind.
Wir als Christen glauben – in der Theologie nennt man das – an die totale Verdorbenheit des Menschen. Das ist ein hartes Wort, aber in der systematischen Theologie spricht man von der totalen Verdorbenheit des Menschen.
Wenn ein Mensch das zum ersten Mal hört, dann reagiert er in der Regel: Moment mal, nein, nein, nein, ich bin doch gar nicht so schlecht. Die totale Verdorbenheit des Menschen bedeutet nicht, dass wir Kreaturen sind, die wir unmöglicher nicht sein können. Nein, wir sind ja auch zu guten Dingen fähig, wir sind auch zur Freundlichkeit fähig. Die totale Verdorbenheit des Menschen bedeutet, dass jeder Bereich unseres Lebens von Sünde in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass es keinen Lebensbereich gibt, keinen Sektor, keine Zelle in meiner Existenz, wo Sünde nicht auch eine Komponente wäre, mit der ich zu kämpfen habe. Das bedeutet nicht, dass ich immer ein Vergewaltiger, Räuber oder Mörder sein muss. Aber ich merke auf jeder Ebene, dass ich den Standards Gottes weit unterliege … weit unterliege.
So, wenn wir erkennen, dass der Mensch wirklich auch allumfassend mit Unperfektheit zu tun hat, dann ist das auch eine gute Nachricht für uns. Warum? Weil Gott vollkommen verdorbene Menschen liebt, weil Gott vollkommen verdorbene Menschen annimmt, weil Gott für Menschen, die in der Finsternis sind, die in ihren Sünden verstrickt sind und gar nicht nach Gott fragen, alles ans Kreuz gegeben hat, um ihre Seelen zu gewinnen.
Denn Gott hat seinen Sohn gesandt und ihn sterben lassen für unsere Schuld, damit die Strafe abgetragen ist und er uns jetzt freisprechen kann, sodass wir sagen können: Wir sind versöhnt mit dem Vater. All das, was wir an Fehlern gemacht haben – wo wir uns gegen Gott aufgelehnt haben – ist nicht einfach unter den Teppich gekehrt worden, sondern jemand hat die Verantwortung dafür getragen. Ich bin frei davon, und jetzt kann ich Gott nahen.
Und wenn das wahr ist, dann bedeutet das, dass niemand so verloren ist, dass Gottes Gnade ihn nicht finden könnte. Und wenn ich merke, woraus ich gerettet wurde, dass Gott mich geliebt hat, als ich noch sein Feind war, und ich jetzt bei ihm bin und dieser Ethik Jesu nachspüre, ihm ähnlicher werde und dann zurückschaue, dann sehe ich nicht nur bemitleidenswerte Geschöpfe, auf die ich herablassend schaue und sie in meinem Herzen verurteile – oder noch schlimmer: in meinen Gedanken. Stattdessen sehe ich hier eine Chance für die Gnade Gottes. Der Zug ist hier noch nicht abgefahren, sondern Gott kann Unmögliches möglich machen.
Meine Lieben, das ist ein Wort hauptsächlich für diejenigen unter uns, die der festen Überzeugung sind, dass sie Kinder Gottes sind, dass sie Jünger Jesu sind, dass sie Christen sind. Denn wir Christen sind schnell dabei, Unterschiede zu machen und zu sagen: Ja, Gott hat mir auch vergeben. Ja, da gibt es auch Sünde in meinem Leben, aber immerhin nicht eine solche Sünde.
Und wenn wir dann mit Menschen konfrontiert sind, die einen Lebensstil an den Tag legen, der konträr zu unserem ist, den wir nicht löblich finden, den wir schwierig finden – um es nett auszudrücken – dann kommen wir in Probleme. Dann spüren wir, dass wir in uns mehr Ablehnung haben als die Liebe und die Gnade Gottes.
Wisst ihr, bei vielen Christen ist der Römerbrief sehr bekannt, weil Gott in Kapitel 1 ungeschminkt über das menschliche Herz spricht – wie wir uns verirren und, wenn wir uns verirren und von Gott weglaufen, wozu wir fähig sind. Dieses Kapitel ist deshalb unter Christen so populär oder bekannt, weil es dort auch um sexuelle Verfehlungen geht.
Ein prominentes Thema in unseren heutigen Tagen – die Homosexualität. Die Bibel ist da ganz eindeutig. Gott hat sich Mann und Frau erdacht, und die beiden sollen in einem Ehebund ihre Sexualität miteinander ausüben, die Gabe Gottes der Sexualität genießen und sich daran erfreuen. Amen.
Das ist die Ethik. Viele kennen das und sagen: Die bösen Homosexuellen da draußen! Wenn ich mit ihnen zusammen bin, dann ist mir das zuwider. Mit denen möchte ich nichts zu tun haben. Aber sie vergessen, dass Paulus in diesem ersten Kapitel nicht nur über Sexualität spricht, sondern am Ende eine ganze Latte aufzählt, was uns alle in irgendeiner Form ausmacht.
In den Versen 29 bis 31 sagt er: Die Menschen sind erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke; Verbreiter übler Nachrede, Verleumder, Gotteshasser, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige.
Die Auflistung ist nur exemplarisch, es geht noch weiter. Aber diese Zeilen zeigen: Wir alle sind auf derselben Ebene. Du kannst ja nicht sagen: Paulus, das funktioniert so nicht. Ja, schau mal, der streitet sich – das mache ich nicht. Ja, aber du bist deinen Eltern ungehorsam. Glaubst du, Gott macht Unterschiede? Nein, Gott macht da keinen Unterschied.
Diese Dinge sind uns gegeben, damit Gottes Licht in unsere Finsternis leuchtet und wir merken: Ich bin anders als Gott. Ich lebe nicht in seiner Spur. Das ist bei jedem anders. Das ist bei dir anders als bei dir, als bei dir, als bei dir, als bei mir. Jeder steht an einer anderen Stelle, aber merkt: Im Lichte Gottes gibt es viel aufzuräumen, viele Balken, die entfernt werden müssen.
Und direkt nach diesem Kapitel, das viele Christen kennen, sagt Römer 2, Verse 1 und 3: Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, Mensch. Er sagt nicht: Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, sexuell Verfehlter, sondern: Mensch. Alle! Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe.
– Paulus hat anscheinend häufig Jesus und Matthäus 7 gelesen, das ist genau das Gleiche –. Römer 2, Vers 3: Denkst du aber dies, Mensch, der du die richtest, die so etwas tun, und dasselbe verübst, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst?
Wenn wir andere Menschen richten, dann verabschieden wir uns von der Gnade Gottes und sagen: Diese Gnade brauche ich nicht in meinem Leben, denn ich bin mir selbst genug in meiner Gerechtigkeit, und ich zeige, dass ich es ohne Gnade schaffe.
In dem Augenblick überhebe ich mich über andere Menschen, bin nicht gnädig ihnen gegenüber – egal, welche Verfehlungen sie haben, egal, wo ich sie finde in ihren Lebensphasen und an welcher Station sie gerade stehen. Wenn ich anfange, sie zu verurteilen, egal wofür, sagt die Bibel klipp und klar: Du tust dasselbe.
Nein, das ist bei mir schon anders. Nein, es ist am Ende alles eine Verfehlung dessen, was Gottes Ideale sind. Und ob du sagst: Der ist streitsüchtig. – Na ja, der ist unversöhnlich – Aber der hat jemanden ermordet. Leute, wenn wir so denken, dann vergleichen wir uns immer mit uns selbst. Das habe ich schon häufiger gesagt.
Na, ich bin ja kein Menschenmörder, ich bin ja nicht im Gefängnis. Das Problem ist, dass wir in dem Augenblick den Standard für Moral und für Werte bei den Menschen im Gefängnis suchen. Aber unser Standard, unser Kompass, ist doch nicht geeicht auf den Knast, sondern auf den, der vom Himmel kam: Jesus Christus. Jesus sagt: Ich bin euer Standard, ich bin das Licht, ich bin die Eichung für euren Kompass. Messt euch an mir.
Und darum warnt Paulus – so wie Jesus in Matthäus 7, Vers 2: Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Du erntest, was du säst.
Du wirst ernten, was du säst, also lass es besser sein. Richte nicht, so sehr dir ein Lebenskonzept auch fremd ist und du es auch verneinst und es nicht als biblisch haltbar erachtest. Wage es nicht, dich über die Geschöpfe Gottes zu erheben. Du bist nicht ihr Schöpfer und darum auch nicht ihr Richter. Du bist nur ein Vermittler der Liebe, der Gnade und der Werte Gottes. Mehr nicht. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
In Vers 5 sagt Jesus: Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.
Also, wer beim Hören oder Lesen dieses Verses nicht ins Stolpern kommt, dem ist nicht zu helfen. Was ist das bitte schön für ein Übergang, den Jesus hier macht? Hey Leute, richtet nicht. – Heuchler! – Ihr sollt nicht verurteilen. – Heuchler! – Also Jesus, du hast gerade gesagt, wir sollen andere nichts verurteilen und nicht abschreiben. Und das nächste, was aus deinem Munde kommt, ist eine ganz klare Ansage: Ihr seid Heuchler. Das passt doch irgendwie nicht zusammen.
Wie passt das zusammen, was wir hier lesen? Es existiert ein sehr einfältiges Verständnis über diese Passage. Viele kommen mit Matthäus 7, Vers 1 um die Ecke: Ihr sollt nicht richten, damit ihr nicht gerichtet werdet! Aber sie haben nicht gelesen, was Jesus noch in diesem Text sagt. Und zwar wendet er hier eine sehr deutliche Sprache an: Jesus verbietet klipp und klar das Verurteilen, aber nicht das Beurteilen. Noch einmal: Jesus verbietet klipp und klar das Verurteilen, aber nicht das Beurteilen – das Unterscheidungsvermögen, Dinge zu bewerten, ob sie im Sinne Gottes sind oder nicht, ob Dinge Gott widerspiegeln oder nicht.
Und das tut er hier, er bewertet das: Das, was ihr an den Tag legt … ach, dazu sage ich nichts? Nein, es ist Heuchelei, was hier passiert. Das ist unehrlich, was hier geschieht. Und er haut das den Menschen ziemlich vor den Latz.
Mein Freund aus dem 19. Jahrhundert, Charles Spurgeon, hat gesagt, Zitat: „Wir haben nichts dagegen, dass sich die Menschen eine faire Meinung über unseren Charakter bilden, und es ist uns auch nicht verboten, dasselbe gegen-über ihnen zu tun. Aber so, wie wir uns dagegen wehren würden, dass sie über uns zu Gericht sitzen, sollten wir nicht über sie zu Gericht sitzen. Dies ist nicht der Tag des Gerichts, und wir sind auch nicht die Richter seiner Majestät. Und deshalb dürfen wir die Zeit, die für die endgültige Abrechnung bestimmt ist, nicht vorgreifen oder uns die Vorrechte des Richters der ganzen Welt anmaßen.“
Also: Verurteilen, zu Gericht sitzen, jemanden abschreiben oder verdammen – dazu sind wir nicht bestimmt. Aber wir sind dazu bestimmt, uns ein Urteil zu bilden, eine Bewertung der Sachlage abzugeben, mit der wir konfrontiert werden. Damit ich, wenn ich Unrecht und Ungerechtigkeit sehe, nicht einfach blind weitergehe und sage: Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Ich habe gar keine Kenntnis. Was ist denn Ungerechtigkeit? Jesus war ein Meister darin, Ungerechtigkeit zu entlarven und an die Oberfläche zu bringen, damit wir von unserer Blindheit befreit werden und endlich sehen. Doch in vielen Kirchen und Freikirchen herrscht das Missverständnis, dass eine harte Auseinandersetzung keinen Platz hat.
Da hörst du so schnell, wenn es einmal im Stile Jesu ordentlich zur Sache geht und man über ein Ärgernis deutlich spricht: Hey, richte nicht, richte nicht. Das ist aus meiner Sicht ein Missbrauch der Worte Jesu. Jesus sagt: Richtet nicht, verdammt die Leute nicht. Das ist nicht euer Job. Aber ich darf eine Bewertung vornehmen.
Und tatsächlich verwendet Jesus diesen Ausdruck in der Bergpredigt immer wieder. Schon dreimal hat er die Schriftgelehrten und die Religiösen – die Priester und Pastoren der damaligen Zeit – als Heuchler betitelt: Heuchler, Heuchler, Heuchler! Wenn Jesus weitergeht, werden wir sehen, dass er Menschen sogar mit Hunden, Schweinen und später auch mit Wölfen vergleicht. Also, Jesus hat irgendwie ein Faible für Tiere. Womit ich hier konfrontiert werde, zeigt mir einiges vom Wesen dieser Tiere, die für dieses oder jenes in den damaligen Tagen bekannt waren.
Jesus verwendet permanent unangenehme, politisch unkorrekte, harte und wachrüttelnde Sprache. Wenn Jesus heute käme und in dieser Weise zu uns reden würde, ich glaube, wir könnten es nicht ertragen. Auch die Jünger haben damals zu ihm gesagt: Diese Rede ist hart, wer kann sie hören? Was bedeutet: Wer kann sie ertragen?
Jesus deckt echt krass auf und beurteilt die Situation. Das „Richten“ hat ein Bedeutungsspektrum. Das eine haben wir uns schon angeschaut: verdammen, rächen und verurteilen. So lesen wir in Johannes 3, Vers 17: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richtet – im Sinne von verdammen –, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird. Also hier, beim ersten Mal, ist Jesus nicht gekommen, um zu verurteilen, sondern um zu retten. Aber das griechische Wort des Richtens, das hier gebraucht wird, finden wir immer wieder in der Bibel, und es hat auch eine andere Färbung. Nicht bloß: verdammen und verurteilen, sondern auch: analysieren, bewerten, beurteilen.
Darum sagt Paulus auch in 1.Korinther 5: Hey Leute, ihr habt kein Geschäft darin, über andere ein Urteil zu fällen. Stattdessen richtet die, die drinnen sind. Das heißt: Diejenigen, die in eurer christlichen Gemeinschaft sind. Übt hier Korrektur aus, sprecht hier Wahrheit aus, setzt euch für die Wahrhaftigkeit ein und nennt Ungerechtigkeit beim Namen.
Richtet die, die drinnen sind. Das ist interessant. Jesus sagt: Richtet nicht. Paulus sagt: Richtet. Aber nicht verurteilen und verdammen, sondern analysiert, bewertet, seid aufrichtig, spiegelt einander.
Wir werden von Jesus auch belehrt und unterwiesen, warum Unterscheidungsvermögen notwendig ist. Ich möchte zum letzten Punkt kommen, aber vorher lasst uns noch einmal Vers 5 lesen: Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.
Viele vernachlässigen dieses Wort und üben es in der Praxis nicht aus. Jesus’ Devise lautet nach diesem Vers nicht: Lasst uns einander liebhaben und uns in unserem Mangel stehen bleiben, mit unseren Balken und Splittern. Für Jesus gibt es keine Option, dass Balken- und Splitterbesitzer so bleiben, wie sie sind. Am Ende steht, wenn wir diesen Text aufmerksam lesen: Balken und Splitter – ade! Beide sollen weg, beide sollen verschwinden.
Also wir haben kein Recht und keine Befugnis, andere zu verdammen. Aber doch haben wir das Mandat –hier heißt es –, die Splitter des anderen zu identifizieren und zu bewerten. Und wir dürfen ihnen helfen, sie herauszuziehen. Auf welche Art und Weise, das schauen wir uns gleich an. Wir müssen klären: Wem gilt eigentlich unser Bemühen? Wo sollen wir das praktizieren? Das ist auch eine sehr persönliche Sache.
Aber wo sollst du dieses Prinzip, den Splitter deines Bruders herauszunehmen, anwenden? In Vers 6 sagt Jesus wieder bildlich gesprochen: Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen!
Jesus plädiert hier außerordentlich dafür, dass wir weise beurteilen und unterscheiden können, damit die Perlen des Reiches Gottes nicht vor die Schweine geworfen werden. Ich muss wissen, wer in diesem Bild gemeint ist: „Kein Schwein“ und „ein Schwein“. Das ist sehr hart gesprochen. Also, wem gilt meine Zuwendung auf diese korrektive Weise? Jedem? Soll ich überall herumlaufen und alle Menschen korrigieren?
Jesus sagt: Wenn du zu Menschen gehst, die unbelehrbar sind, ignorant, unverbesserlich und feindselig dir gegenüber, und du bemühst dich darum, dass sich in ihrem Leben etwas verändert, obwohl sie es gar nicht hören wollen, dann sage ich dir: Das, was du ihnen bringst, wird zertreten, und du wirst noch zerrissen werden.
Du hast nicht das Mandat, zu jedermann zu gehen und sie zu korrigieren – ihnen den Spiegel vorzuhalten. Nein, ignorante Menschen – und das meint Jesus mit den Tierbegriffen – die kein Interesse an den Perlen haben, werden sie einfach zertreten und den Wert darin nicht sehen. Das sollst du nicht tun. Du sollst genau hinschauen, wem du spiegelst.
So heißt es im alten Testament, in Sprüche 23, Vers 9: Zu den Ohren eines Toren – eines Unverständigen –, rede nicht, denn er wird deine klugen Worte verachten! Ich gehe nicht zu jemandem, von dem ich weiß, dass er meine Worte verachtet. Dieser verachtet eigentlich jede Korrektur in seinem Leben.
Splitter werden bei Brüdern entfernt. Bei Menschen, die auf dem gleichen Weg sind und diese Korrektur auch wert-schätzen. Solche, die sagen: Ich sage dazu: Ja, danke, dass du mir zeigst, wie ich meinem Jesus ähnlicher werden kann. Das ist eine Vereinbarung, die man trifft.
Übrigens, Olga und Heinrich, falls ihr bis vorhin noch nicht wusstet, was Mitgliedschaft eigentlich bedeutet, das bedeutet sie: Hey Heinrich, ich sehe dich, ich erlebe dich und ich liebe dich. Doch da gibt es Dinge in deinem Leben, die mir nicht egal sind. Siehe, wenn du auf diese oder jene Weise handelst und sprichst, dann verletzt du Menschen. Aber du verletzt nicht nur Menschen, sondern auch deinen Schöpfer. Und leih mir bitte dein Ohr. Ich möchte dir gerne sagen, was ich hier sehe und wie wir Wege finden können, dass Gott sich verherrlicht und dich verändert. Damit du sagen kannst: Hey, ich bin mit lieben Leuten durch einen Prozess gegangen. Sie lieben mich, weil Gott mich liebt. Und ich bin nicht mehr derselbe. Und ich bin so froh über die Menschen, die den Mut hatten, mir die Dinge zu sagen, die ich hören musste.
Aber bitte verschont mich damit, dass ihr jetzt alle sonntags nach dem Gottesdienst auf mich zustürmt und 150 Leute auf mich einreden.
Wir kommen zum Schluss. Du sollst sehr wohl beurteilen und unterscheiden, wem du dieses Geschenk der Korrektur gibst. Ist mein Gegenüber überhaupt empfänglich dafür? Will es das überhaupt? Und deswegen spricht Jesus so sehr von dem Bruder, der mit mir auf dem Weg ist.
Wenn Jesus sagt, am Ende müssen Balken und Splitter verschwunden sein, stellt sich die Frage: Wie sollen die Splitter aus dem Auge meines Bruders oder meiner Schwester entfernt werden? Bevor wir uns an den kleinen Splitter wagen, sollen wir uns laut Jesus zuerst selbst demütigen, beugen und Gnade für uns bei Gott suchen.
Denn es heißt doch: Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und dann … – da hören schon viele auf zu lesen – … mach deine Hausaufgaben. Und wenn du deine Hausaufgaben erledigt hast, dann wirst du klar sehen, um den Splitter – im Auge deines Bruders – aus dem Auge zu entfernen.
Also, bevor wir an andere herangehen, machen wir zunächst unsere eigenen Hausaufgaben. Erst einmal erkennen: Ich habe hier Balken. Und Jesus sagt: Es ist notwendig, den Balken herauszunehmen. Warum? Damit ich klar sehe. Was passiert, wenn ich nicht klar sehe und versuche, dein Auge zu berühren? … besser nicht. Wenn ich zum Arzt gehe, möchte ich, dass er einen klaren Blick hat, vor allem, wenn er an meine Augen geht.
Aber wenn er seine Brille verschmiert hat, gerade noch einen Döner gegessen hat, es daneben platscht – Ah ja, komm, den ziehen wir noch eben heraus! –besser nicht, besser nicht. Mach erst deine Hausaufgaben. Sorge du zuerst bei dir für Reinheit, und wenn du in dieser Reinheit stehst – wenn du weißt: Oh ja, ich habe mich befleckt, ich brauche Sauber-keit, ich brauche wieder frisches Wasser – dann kann ich auch hingehen und das gleiche Werk tun.
Und wer zuvor bei sich einen Balken entfernt hat, wird auch in einer ganz anderen Haltung diesen Splitter herausziehen.
Meine Lieben, wenn wir unsere Balken nicht entfernen und dann andere korrigieren wollen, dann werden wir ziemlich fies werden. Es wird wehtun, es wird schmerzhaft werden. Aber wenn du deinen Balken entfernt hast und weißt, wie gnädig Gott mit dir sein muss, dann wirst du auf eine ganz feine, liebevolle und nachsichtige Weise mit Geschwistern und Menschen umgehen, die deinen Rat wollen. Du wirst sie nicht zerstören, indem du an ihnen herumwurstelst und nur noch mehr ruinierst. Dann hättest du es lieber ganz sein lassen.
Das abschließende Wort kommt aus Galater 6, Vers 1. Dort sagt Paulus: Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die Geistlichen – also die, die schon ihre Hausaufgaben gemacht haben –, einen solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht. Und dabei gib auf dich selbst acht, dass nicht auch du versucht wirst.
Gib acht, sei sorgfältig, sei behutsam, sei liebevoll. Warum? Meine Lieben, so manche Personen sitzen heute hier mit fetten Balken in ihren Augen. Machen wir uns nichts vor. Und das sage ich nicht, weil ich solch ein schlechtes Bild von euch habe, sondern ich weiß, wie mein Leben ist. Manche haben dicke Balken. Lasst uns jetzt mit Bedacht vorgehen. Warum? Weil Jesus Christus in unserem Leben auch nicht wie ein Elefant im Porzellanladen ist. Jesus ist feinfühlig, er ist ein liebevoller Arzt und legt in aller Ruhe Hand an.
Ich hoffe, dass du heute hingehört und auch tiefer gehört hast. Der Herr will dich. Er will dich an sein Herz. Er will eine Beziehung mit dir.
Nur die Frage ist: Sind wir heute bereit zu sagen: Herr, nimm mir meine Balken. Es gibt so viel Unreinheit in meinem Leben, so viel Schuld, die ich mir aufgeladen habe. Ich kann sie nicht zählen, ich kann mich noch nicht einmal an alle erinnern. Du, aber Gott, bist allwissend, du weißt diese Dinge.
Lasst uns beten, dass Gott uns jetzt die Gnade gibt, dass er uns unsere Sünden vergibt und wir als Kinder Gottes mit ihm laufen.
Ich möchte gerne mit uns beten, lasst uns aufstehen.
Vater Himmel, ich danke dir für diesen Bibeltext. Der Text fordert uns heraus. Woche für Woche habe ich das Gefühl, du forderst uns heraus, du forderst uns heraus. Du forderst uns heraus, damit wir aus unserer Ecke, aus unserer Dunkelheit herauskommen, um ins Licht zu gehen und Freiheit zu erleben. Und Herr, ich bete, dass die lieben Leute, die hier in diesem Saal sitzen, sich gemeinsam aufrichtig und ehrlich vor dir machen. Und Herr, diese Balken, die in unserem Leben sind, die stören uns und andere schon viel zu lange. Ich bitte dich, Herr, dass du uns vergibst und unsere Schuld von uns nimmst. Jesus, du hast uns gezeigt, dass du uns unsere Balken nimmst und dich an einen Balken gelegt hast, um dich für uns kreuzigen zu lassen. Herr, mein Balken ist dein Balken, du hast ihn für mich genommen.
Wer bin ich, dass ich noch daran klammere? Du hast am Kreuz alles gezeigt, hast jegliche Sanktion und Strafe, die für meine Schuld auf deiner Richterliste steht, abgetragen, damit ich frei leben kann, dass ich die Liebe Gottes schmecke, nicht den Zorn, nicht die Wut über meine Sünde, sondern dein tiefes Erbarmen. Und ich bete, Herr, dass du heute Menschen befreist und erlöst.
Und wenn du heute in den Reihen sitzt und Jesus Christus noch nicht dein Retter und dein Arzt ist, wende dich ihm heute zu und bete: Jesus, bitte entferne meine Balken, entferne meine Schuld, dass ich frei von ihr bin und ein neues Leben beginnen kann, mit dir. Herr, komm uns jetzt nahe und bewege du unsere Herzen. Amen.
Bibelstellen:
Matthäus 7,1–6; Matthäus 5,20; 1.Korinther 4,5; Römer 1, 29-31; Römer 2,1.3; Johannes 3,17; 1.Korinther 5; Sprüche 23,9; Galater 6,1;
