29. Mai 2022

Gebet als Schlüssel für Gottes Wirken

Gebet als Schlüssel für Gottes Wirken

Matthäus 7 ist unser Text. Die Verse 7 bis 11 haben wir in der Textlesung schon gehört.

Wir befinden uns immer noch in der Bergpredigt von Jesus. Jesus hat bereits über einige Themen gepredigt. Er hat über die moralischen Standards gesprochen, über unser Verhalten als Kinder Gottes, über das Wesen des Reiches Gottes – welcher Art es ist und welches Verhalten Gott von uns erwartet, wenn wir in seiner Nachfolge sind. Die Ideale Gottes sollen unser Verhalten bestimmen. Das wird in der Bergpredigt über viele Zeilen und Passagen von Jesus gepredigt. Jesus ruft dazu auf: Ihr sollt exzellent sein in eurem Verhalten! Ihr sollt einen Unterschied machen in dieser Welt! Aber bitte: Habt Acht, dass ihr nicht andere Menschen verdammt und verurteilt, die diesen Standard nicht leben.

Vergangene Woche haben wir uns damit beschäftigt, dass Jesus einen Unterschied macht zwischen verurteilen und beurteilen. Ja, ihr sollt Dinge richtig unterscheiden lernen. Ihr sollt erkennen, was gut, heilig und schön ist. Aber auch, was unheilig und böse ist – und euch davon fernhalten. Aber: Ihr sollt die Menschen, die noch in diesen Dingen verstrickt sind, und die noch nicht so leben, wie ihr es tut, nicht verdammen und verurteilen.

Demut soll uns auszeichnen.

So lesen wir zum Beispiel in Kolosser 3, Verse 1 und 12, dort sagt Paulus: Vers 1: Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Vers 12: Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut! Das soll unser Wesen sein! Wenn wir uns nach Jesus ausstrecken, wenn wir uns danach ausstrecken, was oben ist, so wie Jesus ist, dann soll unser Wesen von herzlichem Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut geprägt sein. Das sind die Merkmale der Kinder Gottes. Das ist die Wirkung des Heiligen Geistes in uns.

(„Niko, ist alles gut soweit? Muss ich etwas machen?“ „Nein, nein, du nicht. Das passt schon.“)

Die Frage ist nun: Wenn unsere Ethik zum Himmel hinwachsen soll, wenn wir Jesus immer ähnlicher werden sollen – aber wir trotzdem andere nicht verurteilen und verdammen sollen – wie stellt Jesus sicher, dass zum einen unser Verhalten in die Höhe wächst, aber unser Herz sich nicht über andere erhebt?

Richtet nicht! Sehr schön gesagt! Es geht schnell über unsere Lippen! Aber zumindest in unseren Gedanken sind wir dann doch schnell dabei – und wenn wir wachsen, dann kann es auch geschehen, dass unser Herz sich erhebt. Wie stellt Jesus sicher, dass das nicht passiert?

Ich glaube, nicht ohne Grund spricht Jesus jetzt über das Gebet, wenn er sagt, Verse 7 und 8: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden! Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird geöffnet werden. Jesus hat das Gebet dazu auserkoren, dass wir nicht überheblich werden. Weil das Gebet der Schlüssel ist, dass wir demütig bleiben. Denn achtet auf die Worte: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden … Diese Worte sind nicht in erster Linie an Menschen gerichtet, die Jesus noch nicht kennen. Nein! Jesus spricht diese Worte vorrangig zu Menschen, die ihm nachfolgen, die ihn kennen und mit ihm unterwegs sind. Zu Menschen, die seine Worte gehört haben, wie das Wesen im Reich Gottes ist, wie unser Verhalten sein sollte als Kinder Gottes. Zu ihnen spricht er und zu ihnen sagt er: Bittet, und euch wird gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden.

Jesus beschreibt unsere Haltung. Unsere Haltung ist eine bittende, suchende und anklopfende Haltung.

Warum ist es so wichtig, dass an dieser Stelle zu sage? Weil wir als Kinder Gottes angewiesen bleiben. Weil wir bedürftig bleiben. Auch wenn wir hoch hinauswachsen in unserer Moral, wenn wir immer löblicher leben, wenn wir ein stärkeres Vorbild für andere werden – wir erreichen niemals den Punkt, an dem wir sagen können: Wir sind in uns selbst genug. Jetzt können wir uns über andere erheben. Stattdessen sagt Jesus: Ihr sollt einen Unterschied machen, in dieser Welt. Ihr sollt Licht sein, in der Finsternis. Aber vergesst nicht, ihr bleibt immer bedürftig. Diesen Status werdet ihr niemals beenden. Ihr werdet nie Ade dazu sagen können, als ob ihr es nicht mehr nötig hättet, zu bitten, zu suchen und anzuklopfen.

Und ich finde es spannend, achtet mal darauf – wenn wir die Verse 7 und 8 lesen – wie redundant, das heißt, wie wiederholend Jesus ist. Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden!

An dieser Stelle könnten wir weitergehen und fragen: Okay, Jesus, was gibt es Neues zu sagen?

Dann kommt der nächste Vers: Denn jeder Bittende empfängt und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird geöffnet werden. Jesus, das hast du gerade gesagt.

Ich glaube nicht, dass Jesus vergesslich ist. Warum wiederholt er diese Dinge?

Jesus, wir haben wenig Zeit. Bitte gib uns möglichst viele neue Informationen, damit wir möglichst viel Neues von dir hören. Aber Jesus wiederholt das Gesagte einfach. Und wir könnten uns tatsächlich fragen: Glaubt Jesus von uns, dass wir doof sind? Glaubt Jesus, wir sind doof und verstehen das nicht schon beim ersten Mal? Wenn Jesus das einmal sagt, dann sollte es doch reichen. Warum wiederholt er es denn noch einmal?

Ich glaube: Jesus weiß, wie schnell wir dabei sind, unsere Hilfsbedürftigkeit zu leugnen. Wir wollen diesen Status schnell verlassen. Wir wollen eben nicht diejenigen sein, die Hilfe benötigen. Wir denken sehr bald, wenn wir Dinge erkannt und ergriffen haben, wenn wir Jesus in unserem Leben erleben und Veränderungen erfahren, jetzt haben wir es erfasst und nun haben wir es geschafft. Jetzt sind wir diejenigen, die andere ständig belehren können. Und ich glaube, deshalb wiederholt Jesus: Ihr seid gar nicht in der Lage, aus euch selbst heraus die Dinge immer fest im Griff zu haben. Ihr seid Menschen, die permanent mit mir auf dem Weg sind, und das weiterhin in Bedürftigkeit.

Der Weg mit Jesus Christus ist ein Weg der Abhängigkeit, und das bleibt auch so! Egal, wie sehr Gott dein Wesen schon verändert, dein Herz gewandelt und transformiert hat. Egal, wie sehr du Jesus schon ähnelst und welchen echten Unterschied du in dieser Welt schon machst, wir bleiben in Abhängigkeit von Jesus. Ein Gebet lässt uns in der Demut wachsen. Wer betet, erkennt an: Jesus, ich brauche dich! Jesus, ich habe noch nicht genug! Ich muss im Gebet ausharren. Ich muss immer wieder zu Gott kommen, weil ich weiß, dass ich selbst nicht genug bin. Und wenn ich ehrlich bin, dann kann ich auch anderen nichts vorspielen.

Wenn wir beten, dann wachsen wir in Demut. Und wenn wir in Demut wachsen, dann wächst auch unser Erbarmen gegenüber anderen. Wenn ich im Gebet bin, dann habe ich auch Erbarmen mit denen, die noch nicht dort stehen, wo ich stehe. Im Gebet vergegenwärtige ich mir: Nur durch meine Beziehung zu Jesus – nur durch seine Güte mir gegenüber – erfahre ich Veränderung, erhalte ich Geschenke von ihm. Dann merke ich, wenn ich auf andere schaue: Hey, sie sind genauso bedürftig, wie ich es bin. Denn da ist nichts, was ich aus mir selbst heraus habe. Alles, was ich habe, ist mir gegeben. Alles, was ich habe, ist mir geschenkt worden.

Wenn ich in dieser Gebetshaltung bin, dann ist es eigentlich nicht möglich, sich über andere zu erheben. Es ist nicht möglich zu sagen: Wer seid denn ihr? Es ist nicht möglich, Menschen zu verdammen, zu verurteilen und abzuschreiben, als wären sie hoffnungslos.

Wie oft geschieht es, dass ich denke: Wo diese Person steht – das ist dermaßen weit weg.

Immer wieder kontaktieren mich Menschen aus der Gemeinde und klagen mir ihre Not: Wie um Himmels willen kann man diese Person erreichen? Sie ist so verstrickt in Sünde und Schuld. Sie ist so weit weg von Gott. Das ist hoffnungs-los! Nein! Das ist es nicht! Wenn du im Gebet bist, dann weißt du, dass du selbst bedürftig bist. Und wenn Jesus dein Herz verändern kann, dann kann er das auch bei anderen tun.

Das ist die erste Lektion, die wir in dieser Passage der Bergpredigt lernen sollen: Wachst! Wachst in das Reich Gottes hinein! Werdet eurem König immer ähnlicher! Denn ihr seid nicht einfach nur Untertanen. Nein! Ihr seid in seinem Reich auch eingesetzt als Repräsentanten. Als „königliche Priester“ heißt es in einer Passage. Ihr sollt diesen König widerspiegeln. Wachst dort hinein, aber wenn ihr dort hineingewachsen seid, dann habt Acht: Denkt nicht abfällig über andere! Ihr sollt nicht richten. Ja, ihr sollt wohl beurteilen, was heilig ist und was unheilig ist – aber verdammt diese Menschen nicht!

Auf welche Weise stellen wir sicher, dass wir niemanden verurteilen? Bleibt im Gebet! Gebet macht uns demütig. Gebet macht uns demütig! Aber Jesus hat nicht nur aus diesem Grund über das Gebet gesprochen.

(Einen Augenblick – meine Bibel kämpft gerade gegen mich. – Oder … der Wind? Ich sage es mal so: Der Wind kämpft gegen mich, und nicht meine Bibel!)

Wir sollen ja nicht nur Bittende, Suchende und Anklopfende sein – und dann für immer in dieser Haltung stehen bleiben. Das Ziel ist, dass wir empfangen. Das Ziel ist, dass wir finden. Das Ziel ist, dass wir offene Türen in unserem Leben finden. Das Ziel ist, dass unser Suchen auch beantwortet wird. Das Ziel, das Jesus für uns hat, ist: Dass sich seine Königsherrschaft in unserem Leben erweist. Dass wir im Glauben wachsen. Dass wir Gebetserhörungen erleben. Dass wir die Kraft des Heiligen Geistes erfahren. Dass wir Freiheit von Gebundenheiten erleben. Dass wir Trost in der Trauer erleben. Dass wir Freude im Leid erleben. Dass wir Vergebung statt Scham erleben.

Also: Unser Leben soll einen echten Unterschied machen! Und genau dafür ist das Gebet da! Ihr seid nicht nur einfach in der Bedürftigkeit.

Das Gebet ist auch dazu da, dass Gott wirksam wird in eurem Leben! Dass er den Mangel ausfüllt. Dass es einen Unterschied gibt in eurem Leben. Dass der Heilige Geist mächtig wirkt in eurem Leben.

Einigen ist das, so glaube ich, noch nicht bewusst, dass das Gebet diese Wirkung haben soll.

Einige leben nämlich ein Leben, das sehr stark von Epheser 1, Vers 3 geprägt ist. Und das ist ja auch wahr. Dort heißt es: Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus. Gott hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung, die in der Himmelswelt ist, in Jesus Christus. Also: Wir sind gesegnet! Wir haben schon alles!

Aber meine Lieben: Die Frage ist nur – wie wird es Realität in unserem Leben?

Das ist kein Automatismus! Dass die Segnungen Gottes in unserem Leben wahr werden, geschieht nicht einfach so. Und wir sehen hier, dass Jesus uns ein Mittel an die Hand gibt, wie wir an diese Segnungen herankommen, die uns versprochen sind. Und dieses Mittel ist das Gebet. Gott hat sich das Gebet ausgesucht, um seine Vorsätze und seine Pläne zu erfüllen.

Mein guter Freund Charles Spurgeon hat einmal gesagt – das Zitat ist etwas schwierig zu formulieren –: „Das Gebet ist eines der notwendigen Räder der Maschinerie der göttlichen Vorsehung. Es ist eine für uns ungewöhnliche Sprache. So hat er früher gepredigt. Aber damals haben die Leute verstanden, was er sagte. Das Gebet ist eines der notwen-digen Räder der Maschinerie der göttlichen Vorsehung. – Also Gott hat eine Vorsehung, einen Ratschluss, einen souveränen Plan. Aber ein Rad in diesem Plan ist das Gebet.

Das bedeutet: Wenn Gott etwas vorhat, wenn er eine Bestimmung hat, wenn er einen Plan für unser Leben hat – Wie wird dieser Plan dann in die Tat umgesetzt? Und da greift das Gebet. Gebet ist eine Kooperation, eine Partnerschaft, in die Gott uns mit hineinnimmt. Und er sagt: Ja, alle Segnungen sind für euch verfügbar als Kinder Gottes. Der Tisch ist voll! Aber … du musst auch zu diesem Tisch kommen und etwas nehmen. Du musst anfangen zu beten und zu bitten, zu suchen und anzuklopfen, um die Wirksamkeit Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes in deinem Leben zu erfahren.

Darum sagt Jesus nicht einfach: Sprich mal ein Gebet, und dann ist es gut. Nein! Was er hier schreibt, bedeutet: Habt ein anhaltendes, ein beständiges Gebet. Die griechische Formel, die hier in diesen Verben verwendet wird, meint nämlich genau das: „Seid Bittende!“ Nicht nur einmal bitten und dann ist es gut.

Ich habe einmal einen Christen erlebt, der sagte: Gott ist ja nicht vergesslich, er weiß ja alles. Wenn ich etwas möchte, dann sage ich es Gott genau einmal – und dann war es das. Da dachte ich mir: Okay … Ja, aber Jesus sieht das anders! Wir sollen anders sein! Wir sollen Gott in den Ohren liegen! Das Gebetsleben muss etwas Permanentes, Dauerhaftes sein.

Was wir mit Gott ausmachen, braucht Gebet. Es ist nicht einfach so: Geld in einen Automaten einwerfen und zack, kommt die Dose heraus, die wir bestellt haben.

Gebet ist ein Beziehungsgeschehen, in dem wir involviert und mit Gott gemeinsam unterwegs sind.

John Eldredge hat ein Buch über das Gebet geschrieben. Und er bringt dort immer wieder eine Formulierung: „Es gibt eine Weise, wie Dinge funktionieren.“

Es gibt eine Weise, wie Dinge funktionieren. In allen Bereichen. Das merken wir auch hier bei unserer Technik. Wenn wir nicht herausfinden, wie die Dinge funktionieren – dann hören wir nichts mehr! Es gibt eine Weise, wie die Dinge funktionieren. Und das ist im Geistlichen und im Gebet genauso. Wenn wir die Segnung Gottes in unserem Leben erleben wollen … Wenn wir Empfänger sein wollen … Wenn wir Findende sein wollen … Wenn wir offene Türen finden wollen … Dann passiert das nicht einfach so! Sondern es gibt eine Weise, wie die Dinge funktionieren. Und zwar: Seid bittend! Seid suchend! Seid anklopfend! Bleibt permanent darin! Beständiges Gebet ist der Schlüssel für Gottes Wirkung in unserem Leben.

Wenn du sonst nichts aus dieser Predigt mitnimmst, dann doch diesen Satz: „Beständiges Gebet ist der Schlüssel für Gottes Wirkung in unserem Leben. Darum sagt die Bibel an vielen Stellen: 1. Thessalonicher 5, Vers 17: Betet unablässig! Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

Haben wir gehört, was der Wille Gottes für unser Leben ist? So viele Christen tigern herum und fragen sich: Was ist der Wille Gottes für mein Leben?

Bete unablässig! Sei dankbar in allem! Das ist der Wille Gottes für unser Leben. Damit wir mit ihm in Beziehung sind und mit ihm verbunden bleiben.

Kolosser 4, Vers 2: Haltet fest am Gebet und wacht darin mit Danksagung.

Römer 12, Vers 12: In Hoffnung freut euch; in Bedrängnis harrt aus; im Gebet haltet an.

Jeremia 33, Vers 3: Rufe mich an, dann will ich dir antworten und will dir Großes und Unfassbares mitteilen, das du nicht kennst.

Gottes Reden und Gottes Wirken werden nur dann in unser Leben kommen, wenn wir anfangen, den Herrn anzurufen. Wenn wir anfangen, ihn zu suchen und bei ihm anzuklopfen.

Und das gilt nicht nur für Menschen, die Gott noch nicht kennen. Nein! Das gilt auch für uns!

Jakobus 5, Vers 16: Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung.

Apostelgeschichte 12, Vers 5: Petrus nun wurde im Gefängnis verwahrt; aber von der Gemeinde geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott.

In dieser Situation erkennt diese Gemeinde: Hier ist jemand in einer außerordentlichen Not. Und es hat ihr nicht gereicht, nur ein kurzes Gebet zu sprechen. Dieser Gemeinde reichte es nicht zu sagen: Okay, wir nehmen uns jetzt sonntags um 10:30 Uhr, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln, 15 Minuten Zeit, um für Petrus zu beten. Statt-dessen haben sie sich verbunden, vernetzt und waren anhaltend miteinander im Gebet. Sie haben die ganze Nacht gebetet und nicht davon abgelassen.

Ein ständiges Gebet ist der Schlüssel für Gottes Wirken in unserem Leben. Glauben wir das?

Wir müssen uns diese Frage stellen, wenn wir zu Matthäus 7 kommen. Glauben wir, dass das Gebet – das Gespräch mit Gott – der Schlüssel für das Wirken Gottes in unserem Leben ist? Wir würden schnell bejahen, dass wir das Wirken Gottes in unserem Leben haben wollen. Ja, wir wollen Gott in unserem Leben! Wir wollen seine Auswirkungen in unserem Leben spüren! Aber die Frage ist: Sind wir auch bereit, das Mittel zu nehmen, das Gott für uns auserwählt hat, um das zu erfahren? Wir sind schnell dabei zu sagen: Ja, wir wollen Gott in unserem Leben erfahren. Aber sind wir auch bereit, in dieses beständige Gebet zu gehen, so wie Gott es gesagt hat?

Und das, was Jesus hier sagt, muss deshalb so deutlich in unserer Zeit kommuniziert werden, weil wir in unseren Kirchen dazu neigen, eine Kultur zu schaffen, die verstärkt die Bedürfnisse derer bedient, die Gott gar nicht kennen, anstatt Gott den Raum zu geben, den er beansprucht und den er verdient hat.

Spurgeon hat mal gesagt, Zitat: „Es wird eine Zeit kommen, da werden in der Kirche nicht mehr die Hirten die Schafe füttern, sondern Clowns die Ziegen unterhalten. Noch einmal: „Es wird eine Zeit kommen, da werden in der Kirche nicht mehr die Hirten die Schafe füttern, sondern Clowns die Ziegen unterhalten.

Das ist ein krasses Wort.

Aber: Wir sind in dieser Zeit angekommen! Denn wir schaffen als Christen eine Kultur, in der wir uns fragen: Was ist attraktiv? Was ist ansprechend? Wie können wir die Leute bei Laune halten, damit sie gut unterhalten sind? Damit sie kommen und dann auch wiederkommen? Wir machen uns so viele Gedanken darüber, was in den Augen der Menschen attraktiv sein könnte. Und so können wir ein Setting von Christsein und Kirche schaffen, das ganz wenig mit dem zu tun hat, was Jesus Christus selbst ausgelebt hat und was Gott von uns fordert. So kann es sein, dass wir in völligem Aktionismus verfallen und uns wie Clowns verhalten, um Ziegen zu bespaßen und zu entertainen – aber wir vergessen, was die Schafe der Herde Gottes wirklich brauchen.

Jesus sagt: Meine Lieben, ihr braucht Gebet! Ihr braucht Gebet! Ihr braucht die Gemeinschaft mit mir! Sprecht mit mir! Sehnt euch danach!

Und die lebendige, erweckte und pulsierende Kirche war in der Geschichte immer eine Kirche, die vollständig in Gottes Wort verwurzelt war und voller Gebet. Dort waren die Zeiten des Miteinanders sehr stark von gemeinsamem Gebet geprägt.

Und ich frage mich: Warum fällt es der Kirche Jesu heutzutage so schwer, viel Zeit miteinander im Wort und im Gebet zu verbringen? Und wir können jetzt sagen: Hey, Waldemar, in dieser Gemeinde hören wir 50-minütige Predigten – und wir laufen nicht weg. Das ist gut. Das ist schön. Das haben wir. Dahinter können wir einen Haken machen. Ja, wir verbringen viel Zeit im Wort!

Aber ich frage selbstkritisch – und ich frage uns alle – auch mich selbst: Woran liegt es, dass wir es aushalten, eine einstündige Predigt zu hören und danach Hunger verspüren, aber wenn wir das Gebet großschreiben und dafür viel Zeit investieren wollen, dann nehmen wir beide Beine in die Hand und ergreifen die Flucht?

Denn ich sage ganz ehrlich: Wenn wir ankündigen würden: Wir werden jetzt in jedem Gottesdienst eine Stunde miteinander beten! … dann würden wir wieder in unseren Saal zurückkehren – und es würde leerer werden. Wir würden wieder in unseren Saal gehen und merken: Die Leute kommen nicht mehr! Warum? Weil es nicht attraktiv erscheint, viel Zeit im Gebet und in der Anbetung Gottes zu verbringen.

Aber wenn wir gemeinsam unsere Stimmen erheben, wenn wir lernen, darin wirklich auszuharren, Gott anzurufen und von ihm zu erwarten … wenn wir einfach gemeinsam in seiner Gegenwart bleiben, um unsere Sorgen, Nöte und Bitten vor ihn zu bringen und füreinander zu beten …

Wenn wir damit beginnen, das zu tun, was Jesus von seiner Gemeinde gewollt hat, dann werden wir sehen, dass die Menschen nicht mehr kommen.

Und das ist das Dilemma: Wenn wir anfangen, das zu tun, was Gott auf dem Herzen hat, verlieren wir Menschen. Aber meine Lieben, wir haben keine andere Möglichkeit! Wenn wir die Wirksamkeit Gottes in unserem Leben erfahren wollen, dann brauchen wir Gottes Wort. Wir brauchen das pulsierende Gebet. Wir brauchen die Anbetung Gottes durch die Gemeinde! Gott wohnt im Lobpreis seines Volkes! Und er hat den Lobpreis erwählt, um uns dadurch zu segnen, uns nahezukommen und Wunder zu wirken unter uns. Glauben wir das?

Ich höre wenig Amen.

Paulus sagt in Epheser 5, Verse 17 bis 20: Darum seid nicht töricht, – seid nicht dumm! – sondern versteht, was der Wille des Herrn ist! Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, – darum geht es ja! indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!

Meine Frage ist: Wollen wir die Wirksamkeit Gottes in unserem Leben erfahren? Wollen wir Gott in unserem Leben erfahren? Ihr Lieben, dann ist es sonnenklar, wie das vonstattengeht: Indem wir miteinander den Herrn erheben und in der Anbetung bleiben! Suchen. Anklopfen. Bitten. Und darin bleiben!

Und wenn dann jemand danebensteht und sagt: Das, was ihr macht, ist total unattraktiv. Ihr betet ja nur. Da möchte ich nicht dabei sein. Hey, wir sind nicht zusammengekommen, um Ziegen zu entertainen! Wir sind zusammengekommen, damit die Schafe Gottes Futter bekommen! Damit sie dem Hirten nahekommen! Damit sie ihn lieb gewinnen.

Ich möchte in unsere Herzen einbrennen: Wir brauchen als Gemeinde eine Kurskorrektur. Auch als Christusgemeinde. Wir brauchen eine Kurskorrektur, wenn es darum geht, Gott zu suchen.  Es ist sein ausgesprochener Wille – wir haben heute schon zweimal davon gelesen –, dass wir im Gebet ausharren. Warum? Weil beständiges Gebet der Schlüssel für Gottes Wirken in unserem Leben ist.

Und manchmal frage ich mich: Warum erlebe ich Gottes Wirksamkeit so wenig in meinem Leben? Hey, die Antwort ist doch klar: Mein Gebet ist schwach. Mein Gebet ist schwach!

Und dieser Text ist eine Ermutigung, aber ich muss euch auch ehrlich sagen: Dieser Text ist für mich eine wahnsinnige Ermahnung, weil er mir den Spiegel vorhält: Hey Waldemar, in welche Dinge investierst du? Und ich sage euch: Ganz ehrlich, ich investiere oft in Dinge, die ich selbst in der Hand habe. Ich denke: Ich muss schaffen, ich muss machen, ich muss tun. Denn wenn ich es nicht tue, dann wird es nicht vollbracht!

Wer findet sich darin wieder?

Und dann sage ich: Ja, ich werde gleich beten … und dann kommt das nächste. Ja, ich werde gleich – es sind noch 20, 30 Minuten Zeit für das Gebet … Und dann kommt die nächste Sache. Dann kommt der nächste Anruf. Ist doch wichtig! Da ruft doch jemand an.

Und dann … ist Feierabend. Ich bin müde. Morgen. Morgen werde ich mir Zeit nehmen.

Dieser Text von Jesus ist für mich persönlich hart zu lesen. Aber ich bin so dankbar, dass Jesus uns sagt: Hey Leute, es gibt eine Möglichkeit, die Wirksamkeit Gottes zu verstärken! Beständiges Gebet.

Christusgemeinde, bist du bereit? Christusgemeinde, bist du bereit? Christusgemeinde, bist du bereit, zu investieren – ins Gebet? Ins beständige Gebet?

Ich möchte zum Schluss noch die Verse 9 bis 11 lesen und einen weiteren Aspekt hineinbringen, den Jesus hier für wert erachtet. Warum können wir mit Zuversicht und Hoffnung in solchen Gebetszeiten gehen? Was kann uns Zuversicht geben, dass Gott uns auch erhört, wenn wir uns entschließen, ins beständige Gebet zu investieren?

Jesus bringt ein Argument. Das Argument lautet: Die Vaterschaft Gottes. Hier fällt alles nieder – vielleicht ist es ein Zeichen für die Wirksamkeit Gottes. Die Vaterschaft Gottes ist der Grund, warum wir Hoffnung haben können, dass beständiges Gebet beantwortet wird. Vers 9 bis 11: Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihm um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten! Jesus ist völlig begeistert von der Wahrheit der Vaterschaft Gottes. Und die Vaterschaft Gottes ist die Garantie, dass unser Gebet nicht ins Leere läuft, sondern dass Gott Gebete beantworten wird! Warum? Weil Gott Vater ist.

Immer wieder werden in der Bibel und bei Jesus familiäre Beziehungen aus unserem natürlichen Leben verwendet, um zu veranschaulichen, wie Gott in Wahrheit ist. In dieser Passage geht es besonders um die Vaterschaft Gottes. Aber der Vergleich der Vaterschaft Gottes bringt manchen Christen in Not und Verzweiflung. Denn wenn wir Bilder aus dem natürlichen Leben aufgreifen – so wie die Vaterschaft – dann sind wir natürlich dazu geneigt, zu überlegen: Was sagt mir meine Biografie über Vaterschaft? Wie waren meine Eltern zu mir?

Wenn Jesus jetzt dieses Bild bringt und sagt: Welcher Mensch ist unter euch, der seinem Sohn nicht das gibt, was er braucht? Welcher Mensch? Jesus stellt diese Frage. Dann würden einige antworten: Jesus, eine ganze Menge! Eine ganze Menge Menschen sind unter uns, die das nicht tun! Weißt du das nicht? Schau mal in meine Familie! Du kennst doch meinen Vater! Du kennst doch meine Mutter! Das ist doch kein Geheimnis für dich! Zu viele Menschen sind unter uns, Jesus, die genau so sind. Sie geben nicht das, was das Kind braucht. Ich habe es so nicht erlebt, wie du es sagst!

Und genau darum kommen wir in eine Not, wenn wir von der Vaterschaft hören, von der Jesus spricht.

Dieser allgegenwärtige Schmerz, den viele Kinder in sich tragen – und ich meine nicht nur die Kleinen, denn wir alle sind Kinder – hindert uns oft daran, Gott als fürsorglichen Vater zu akzeptieren. Dennoch scheut sich Jesus nicht, genau dieses Beispiel zu verwenden. Und das, obwohl es auch früher schlechte Väter und Mütter gab. Es ist ja nicht so, dass es im ersten Jahrhundert, zur Zeit Jesu, nur Glanzleistungen von den Väter gegeben hätte. Nein! Auch damals gab es pure Versager – so wie es vielleicht auch deine Eltern waren.

Wenn du gute Eltern hattest, dann darfst du den Herrn dafür loben und preisen. Aber so mancher hatte es hart. Und obwohl es damals diese Situationen auch gab, scheut Jesus sich nicht, über die Vaterschaft Gottes zu sprechen. Warum? Weil Jesus unseren Schmerz kennt.  Unser Schmerz deutet auf eine Erwartungshaltung hin, die wir ganz natürlich empfinden – wie ein Vater sein sollte. Aber oft wird diese Erwartung nicht erfüllt – sondern wir werden enttäuscht. Denn jeder von uns weiß intuitiv, wie ein liebender Vater sein sollte. Und wir setzen dieses Verhalten voraus.

Als Kinder erwarten wir, dass unser Vater entsprechend handelt. Jeder weiß es, wie ein Vater sein sollte. Und es ist auch richtig so, dass wir als Kinder diese Erwartung haben, dass ein Vater fürsorglich und liebevoll ist. Und Jesus teilt diese Erwartung. Er holt dich ab mit dieser Erwartung, die in deiner Biografie vielleicht nicht erfüllt wurde. Und er sagt: Das ist doch die Erwartung, die wir als Kinder haben!

Welcher Mensch? Das sollte Standard sein, dass ein Vater fürsorglich und liebevoll zu seinen Kindern ist. Und weil wir – unabhängig von unseren Erfahrungen – tief in uns wissen, was wahre und gesunde Vaterschaft ausmacht, gebraucht Jesus diesen Vergleich. Und möchte damit sagen: Deine kindliche Erwartungshaltung – diese aufrichtige Hoffnung, diese ehrliche Selbstverständlichkeit, die du an die Vaterschaft stellst – sie ist legitim! Sie ist legitim! Und darum spreche ich davon. Weil der Herr nicht so ist wie die Enttäuschung, die du erlebt hast.

Wir kommen zum Schluss. In Jesaja 49, Vers 15 heißt es: Vergisst etwa eine Frau ihren Säugling, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes?

Das ist eigentlich dieselbe Frage.

– Schön, dass du heute da bist mit deinem runden Bauch. Gott segne dich. –

Wir sehen eine schwangere Frau und wissen: Sie wird sich kümmern. Sie wird Sorge tragen. Sie wird es nähren und hegen. Und sie freut sich darauf.

Vergisst etwa eine Frau ihren Säugling, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Wir kennen die Antwort darauf. Aber der Text geht weiter: Sollten selbst diese vergessen, ich werde dich niemals vergessen.

Die Bibel ist nicht ignorant. Sie weiß, dass es Krisen in unserem Leben gibt.

Wir erfahren: Tatsächlich versagen Eltern so radikal, dass sie sogar ihre eigenen Kinder vernachlässigen und links liegen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Und dennoch gebraucht Gott dieses Beispiel. Er bringt es immer wieder. Du kennst diese natürliche Erwartungshaltung. Was du von deinem Vater und von deiner Mutter erwartest – selbst wenn du enttäuscht bist. Hier bin ich. Ich bin dein Schöpfer. Und diese Erwartung ist legitim. Wirf deine Hoffnung nicht weg, sondern wirf sie auf mich!

Und Jesus motiviert uns damit zum Gebet, indem er unsere tiefsten Sehnsüchte nach Geborgenheit, Versorgung, Annahme und Liebe nimmt und sie mit Gottes perfekter Vaterschaft in Verbindung bringt.

Meine Lieben, Jesus spricht hier über das Gebet, damit wir in Abhängigkeit bleiben und nicht hochmütig werden.

Aber nicht nur das! Er möchte, dass wir die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in unserem Leben erfahren und im Glauben mächtig wachsen. Und als Schlüssel hat er dazu das Gebet gegeben, damit wir Empfänger werden und nicht einfach nur Blinde, die suchen.

Und er hat uns einen Grund geliefert, warum wir das mit Hoffnung tun können. Denn du bist nicht die Hoffnung für gewaltiges Empfangen! Denn selbst unser beständiges Gebet ist immer Mangelware.

Aber Gott ist ein liebender und fürsorglicher Vater. Und das posaunt Jesus hinaus, damit wir voller Eifer sagen: Herr, du bist ein guter Vater.

Vielleicht hattest du einen guten Vater und es fällt dir leichter, anzudocken.

Aber vielleicht sagst du: Herr, ich hatte einen schlechten Vater. Aber du sagst, dass meine Erwartung legitim ist. Und ich muss meine Hoffnung nicht aufgeben! Denn bei dir finde ich Heilung für meine Seele. Ich darf erleben, dass du mich wirklich versorgen wirst und dass du ein guter Fürsorger für mich bist.

Amen.

 

Bibelstellen:

Matthäus 7,7–11; Kolosser 3,1.12; Epheser 1,3; 1.Thessalonicher 5,17; Kolosser 4,2; Römer 12,12; Jeremia 33,3; Jakobus 5,16; Apostelgeschichte 12,5; Epheser 5,17–20; Jesaja 49,15