22. Juni 2025

Unaufhaltbare Gemeinde trotz Verwüstung

Unaufhaltbare Gemeinde trotz Verwüstung

Einige werden sich vielleicht gefragt haben – vor allem diejenigen, die in der letzte Woche die Predigt gehört haben –: Warum war das solch eine intensive Geschichte, als wir uns der Predigt gewidmet haben, in der es um die Bedeutung ging, Jesus nachzufolgen, und wir feststellten haben, dass Jesus nicht gekommen ist, um sogenannte „Sonntagschristen“ ins Leben zu rufen?

Es war durchaus eine intensive Botschaft. Warum diese Intensität? Wir sprachen davon, dass Sonntags-christen sich nicht retten lassen. Sonntagschristen bestehen nicht hartnäckig auf heilige Prioritäten in ihrem Alltag. Sonntagschristen lassen sich in Gottes Hand nicht als Werkzeug verwenden, um andere Menschen zu segnen und zu erreichen.

Warum diese Intensität?

Nun, ich möchte gerne in einer gewissen Art eine Fortsetzung machen von dem, was wir letzte Woche gehört haben. Der Herr hat mir aufs Herz gelegt, noch eine weitere Facette mit euch anzuschauen und zu besprechen, die in diesem Zusammenhang für uns äußerst wichtig ist.

Denn Sonntagschristen werden – wenn die Zeit kommt, in der das Christsein ungemütlich und heraus-fordernd wird – sich unweigerlich in die Situation bringen, dass sie den Attacken des Feindes nichts entgegensetzen können.

Wir leben jetzt weitestgehend in einer ruhigen Zeit. Wir haben es vorhin gehört. Wir dürfen in Freiheit und Freimütigkeit miteinander Gott besingen und uns darin erfreuen. Aber was passiert, wenn – wie im Titel angekündigt – die Verwüstung hereinbricht? Was ist, wenn diejenigen verfolgt werden, die an Jesus glauben?

Und Sonntagschristen, die sich nicht retten lassen, die keine heiligen Prioritäten in ihrem Alltag setzen und die sich nicht gebrauchen lassen vom Herrn, werden dann auf der Strecke bleiben. Sie werden diesen Verwüstungen und Verfolgungen nichts entgegensetzen können, und sie werden nicht standhalten können, wenn die Bedrohung und die Bedrängnis kommt.

Jesus selbst hat einmal darüber gesprochen, dass, wenn er sein Wort wie Saatgut aussät, dieses Wort auf unterschiedlichem Boden fällt. Das bedeutet: Die Beschaffenheit der Herzen, die das Wort Gottes hören, sind sehr unterschiedlich. Einige reagieren freudig darauf. Einige sind ablehnend. Einige behalten es in ihrem Herzen und es bringt viel Frucht.

Und Jesus spricht in Markus 4, Verse 16 und 17 von einer Beschaffenheit eines Bodens, der das Wort Gottes hört und in folgender Weise darauf reagiert: „Und ebenso sind die, die auf das Steinige gesät werden, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen, und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind Menschen des Augenblicks; wenn nachher Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen entsteht, nehmen sie sogleich Anstoß.“

Jesus bringt gleich Klarheit in das Spiel und sagt: Nur, weil jemand in diesem Augenblick sagt: „Oh ja, das hört sich gut an, das möchte ich für mich nehmen, darauf setze ich mein Vertrauen“, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Art Glauben auch wahrer Glauben ist, rettender Glauben ist und auch ein sich bewährender Glauben ist.

Es gibt viele, die zur Zeit Jesu und danach – und auch unsere Zeit ist voll davon – dieses Wort gerne hören, gerne in Anspruch nehmen, aber sie haben in sich keine Wurzeln. Sie sind Sonntagschristen geblieben.

Sie sind in einem Modus, in dem sie ihrem Leben ein wenig Frömmigkeit hinzutun. Sie bauen kein Wurzel-werk auf. Und wenn dann der heftige Wind kommt, wenn die Bedrohung kommt, werden sie diejenigen sein, die sofort Anstoß daran nehmen und sagen: „Ich bin raus! Ich habe kein Interesse, daran festzuhalten. Die Verfolgung ist zu stark für mich. Die Unversehrtheit meiner Person steht auf dem Spiel. Ich werde bedroht. So wichtig ist mir das dann doch nicht.“

Es war für eine Zeit gut und wohltuend, aber wenn es darauf ankommt, bin ich bereit, das zur Seite zu legen und zu sagen: „Eigentlich habe ich damit nicht zu schaffen.“

Wir haben gelesen, welches Wurzelwerk die Christ in der Apostelgeschichte – als der Heilige Geist in Macht und Kraft gekommen ist – aufgebaut haben und welche heiligen Prioritäten sie in ihrem Leben setzten.

Und die Apostelgeschichte ist nicht nur ein Buch über die Wirkungen des Geistes, insofern, dass sie wohl-tuend für uns sind, sondern die Apostelgeschichte ist auch ein Buch mit vielen Kapiteln, in denen gezeigt wird, dass der Glaube an Jesus auf die Probe gestellt wird.

Und die Frage, die sich stellt, ist: Sind die Christen in der Apostelgeschichte – als sie Gott erleben, als sie das Wort Gottes lieb gewinnen, als sie erfüllt werden mit dem Heiligen Geist – so geisterfüllt, dass sie auch zum Leiden bereit sind?

Die Gemeinde zu Pfingsten wuchs stark an. Am Anfang waren es 120 Leute. Das waren weniger als wir heute hier. Und aus diesen 120 wuchs die Gemeinde auf über 3000 Leute an und später noch auf über 5000.

Das sind Dimensionen, die wir uns nur schwer vorstellen können. Auf einmal verändern sich die Dinge und viele Menschen kommen zum Glauben an Jesus. Und die Gemeinde wächst und wächst und wächst.

Und irgendwie kann man schon beim Lesen denken: „Wow, da flutscht einfach alles.“ Das Evangelium, die Botschaft von Jesus, ist willkommen, es ist eine einfache Zeit, und deswegen wächst alles so stark.

Aber so ist das nicht. Das Evangelium von Jesus war nicht immer willkommen – auch nicht in der Apostel-geschichte. Wir lernen sogar sehr früh in diesem Buch: Die Botschaft von Jesus wird von einigen will-kommen geheißen und von andere nicht. Die Christen müssen sich darauf einstellen, dafür angefeindet zu werden.

Wir werden uns heute maßgeblich in Apostelgeschichte 7 und 8 bewegen.

Apostelgeschichte 7 ist ein langer Bericht von einer Predigt – nicht eines Apostel, nicht eines Ältesten, nicht eines Pastor –, sondern eines Diakons, eines Dieners der Gemeinde, der in praktischer Weise der Gemeinde behilflich war und sie gestärkte.

Und diese Person ist ins Visier gekommen, weil sie vollmächtig von Gott erzählt und von Jesus gepredigt hat.

Apostelgeschichte 7 berichtet uns sehr detailliert, was der Diakon Stephanus den Menschen erzählt hat und was er sie wissen ließ. Und er hat voller Gnade, voller Kraft, voller Weisheit und voller Geist Jesus verkündigt.

Wir werden uns jetzt nicht anschauen, was er verkündigt hat. Stattdessen schauen wir uns an, wie die Reaktion darauf war, was er von Jesus gepredigt und erzählt hat.

In Apostelgeschichte 7, Verse 54 sowie 57 und 58 lesen wir Folgendes.

Vers 54: „Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn.“

Vers 57 und 58: „Sie schrien aber mit lauter Stimme, hielten ihre Ohren zu und stürzten einmütig auf ihn los. Und als sie ihn aus der Stadt hinausgestoßen hatten, steinigten sie ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes mit Namen Saulus.“

Wir haben in der letzten Woche gehört, dass Menschen, als von Jesus erzählt wurde, in ihrem Herzen bewegt waren und so sehr getroffen wurden, dass sie sich diesem Jesus anschließen wollten.

Wir sehen hier, dass Herzen auch ganz anders auf die Botschaft von Jesus reagieren können. Ihre Herzen wurden durchbohrt – oder, wie es in einigen Übersetzungen heißt: „Ihr Herz ergrimmte.“ Sie waren voller Zorn über das, was sie über Jesus gehört hatten.

Und das, was Stephanus – dieser Gläubige, treue Christ – erzählt hat, wovon sein Herz voll war, war nicht willkommen.

Er hat auch das Wort Gottes weitergegeben. Er hat es ausgesät, ausgestreut, aber diese Menschen waren feindselig; sie wollten nichts damit zu tun haben, und es hatte heftige Konsequenzen für ihn.

Sind wir bereit? Sind wir bereit, dieselbe Botschaft zu predigen – selbst dann, wenn wir wissen, dass die Leute die Steine schon in ihren Taschen haben.

Es ist einfach zu sagen: Wir predigen von Jesus. Wir legen Zeugnis ab von unseren Erlebnissen: Wir haben Jesus lieb gewonnen. Wir haben Sinn und Erfüllung und Vergebung unserer Schuld erlebt – wenn wir wissen, dass die Antwort nur sein kann: „Das ist schön für dich.“

Aber was ist, wenn es übergeht von einem: „Schön für dich“ in ein: Ich mache dir den Garaus! So wird das nicht weitergehen. Du wirst das letzte Mal von diesem Jesus erzählt haben. Wir werden dafür Sorge tragen, dass wir diese Botschaft in unserer Stadt in dieser Art und Weise nicht mehr hören“?

Diese dramatische Hinrichtung von Stephanus hatte weitreichende Konsequenzen. Denn diesem Mob war es nicht genug, diesen vollmächtigen Stephanus zu steinigen. Die ganze Gemeinde wurde in Mitleiden-schaft gezogen. Und sie könnten sagen: „Hey, Moment mal, das ist Stephanus‘ Sache. Das ist sein Problem, wenn er sich so exponiert hinstellt. Was haben wir damit zu tun?”

Aber die Leute wussten: Es ist nicht nur Stephanus. Stephanus sehen wir und hören wir öffentlich, aber diese Gemeinschaft ist eins. Sie ist verbunden. Sie glauben dasselbe, sie verkündigen dasselbe, sie beten zum selben. Wir wollen die Gemeinde kriegen. Stephanus haben wir niedergestreckt – und die Gemeinde werden wir jagen.

Apostelgeschichte 8, Verse 1 bis 4. Verse 1 und 2: „Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein. An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel. Gottesfürchtige Männer aber bestatteten den Stephanus und stellt eine große Klage über ihn an.“

Das war schon eine sehr, sehr heikle Angelegenheit. Denn wenn jemand für diesen Tatbestand so hingerichtet wurde, dann hast du darüber nicht öffentlich und lauthals geklagt. Du hast dich wieder in Gefahr begeben, weil du das monierst, das kritisierst, was hier an großem Unrecht geschehen ist.

Vers 3: „Saulus aber verwüstete die Gemeinde, indem er der Reihe nach in die Häuser ging; und er schleppte sowohl Männer als auch Frauen fort und überlieferte sie ins Gefängnis.“

Mir ist wichtig, dass wir gut hören, was wir hier lesen. Höre diese Botschaft heute für dich. Du bist nicht Stephanus – geschenkt –, aber wenn du Jesus nachfolgst, dann bist du Gemeinde. Und dann merken wir: Das, was Stephanus erlitten hat, fällt auf die Gemeinde zurück.

Und was erlebt die Gemeinde? Es heißt hier: sie wurde verfolgt, sie wurde verwüstet, sie wurden zerstreut, sie wurden heimgesucht, verschleppt und verhaftet.

Sie wurden heimgesucht im wahrsten Sinne des Wortes. Die Leute haben ausfindig gemacht, wo diese Christen wohnen: Wo wohnt er? Wo wohnt sie? Und wir werden dein Haus finden. Und wir werden mit Gewalt in dein Haus einbrechen. Und wir werden dich jagen. Wir werden dich verschleppen und wir werden dich ins Gefängnis werfen.

Ich weiß, dieses Thema ist nicht so ganz angenehm. Aber es ist wichtig, dass wir uns dieser Realität stellen. Was macht das mit uns? Ich bin kein Stephanus, aber ich bin Teil der Gemeinde – und ich habe ein Haus. Und was ist, wenn die Zeit kommt und sie der Reihe nach die Häuser abklappern werden, um uns zu suchen und zu finden?

Die Reaktion der Gemeinde ist aus meiner Sicht hochinteressant. Wir lesen nämlich in Vers 4: „Die Zerstreuten – also diejenigen, die vor dieser Verfolgung geflohen sind – nun gingen umher und verkündigten das Wort.“

Was sind das für Menschen? Was sind das für Personen? Sie merken: Das Feuer der Verfolgung kommt in unsere Häuser. Wenn wir die Möglichkeit haben, dann fliehen wir. Wir packen alles ein, was wir mitnehmen können, und laufen weg.

Und anstatt dass wir uns verstecken, werden wir das Wort, das uns das alles eingebrockt hat, nehmen und an den Orten, wo wir neu angekommen, verkündigen und anderen Menschen davon erzählen.

Ein Sonntagschrist reagiert nicht so. Ein Sonntagschrist handelt nicht in dieser Art und Weise. Ein Sonntagschrist wird sagen: „Was tust du? Lass das Wort weg! Du weißt doch, wohin dich das geführt hat. Du bist auf der Flucht, aber du hast nichts Besseres zu tun, als an dem neuen Ort, wo du angesiedelt bist, treu zu diesem Wort zu stehen – und dir unter Umständen neue Probleme zu verschaffen, indem du wieder zu demselben Wort zurückkehrst, um es anderen zu sagen, dass sie auch Jesus kennenlernen sollen?“

Diese Christen scheinen von außen gesehen Flüchtlinge zu sein – aber sie benehmen sich nicht wie Flüchtlinge. Sie benehmen sich wie Missionare. Sie haben einen Auftrag, und es ist egal, wie hart die Bedrohung ist. Sie wissen: Wir haben einen heiligen Auftrag. Und diesen Auftrag erfüllt niemand außer die Gemeinde von Jesus.

Und wenn Gott es zulässt, dass diese Gemeinde jetzt in alle Herrenländer zerstreut wird, dann sind wir bereit, das zu nehmen und als Chance zu sehen, Gottes Wort auszustreuen, damit es noch mehr hören als jemals zuvor.

Das wirkt für uns wie eine Tragödie. Aber was muss das für eine gewaltige Gemeinschaft gewesen sein!

Da hast du die Apostel, die Jesus nachgefolgt sind – und bei denen warst du im Gottesdienst. Was für ein Vorrecht ist das eigentlich mit den Leuten zusammen zu sein, die mit Jesus waren!

Und dann hörst du sie predigen. Du hörst ihre Geschichten aus erster Hand. Und du hast Gemeinschaft. Du merkst: Boah, krasse Wunder geschehen. Tausende über Tausende kommen zum Glauben. Und trotzdem sind sie bereit zu sagen: Auch wenn ich nicht mehr in deren Nähe bin, habe ich etwas in meinem Herzen, das ich unbedingt teilen muss.

Es ist auf dem ersten Blick eine Tragödie. Aber in Wahrheit ist es ein Puzzle im Plan Gottes. Es ist nichts,  worauf Gott vom Himmel her schaut und denkt: „Ja, wie konnte das passieren? Es ist traurig, dass diese vertraute Gemeinschaft in Jerusalem jetzt zu einem Ende kommt.“ Nein, so ist das nicht. Es ist im Plan Gottes, dass diese Dinge geschehen müssen, damit das Wort nicht allein in Jerusalem bleibt und die Leute sich nicht nur um die Apostel versammeln und ihren Frieden und ihre Freude feiern. Und Jesus hat es angekündigt, dass etwas passieren soll.

Am Anfang der Apostelgeschichte, im 1. Kapitel, Vers 8, hat Jesus angekündigt, was passieren soll. Sagt er: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet in Jerusalem bleiben bis zum St. Nimmerleins-Tag und werdet euch daran erfreuen?“

Das hat Jesus nicht gesagt.

Er sagte: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“

Wohin sind die Leute laut Apostelgeschichte 8 zerstreut worden? Was haben wir dort gelesen in Vers 1? Heißt es dort nicht: „… und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut“?

Wir sehen hier eine Erfüllung dessen, was Jesus vorausgesagt hat.

Wenn du in Apostelgeschichte 1, Vers 8 die Worte von Jesus gehört hast: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist“, wirst du vielleicht gedacht haben: Das wird eine schöne Begebenheit sein, dass wir so weit expandieren und im Frieden und in Freude diese Kraft von Gott empfangen, um sie fröhlich weiterzugeben – ohne Bedrängnis, ohne Leid und ohne Schwierigkeit. Und das sogar bis nach Samaria und darüber hinaus, bis an das Ende der Erde, bis nach Emmendingen und nach Lahr.

Die Jünger waren vielleicht überrascht – Jesus aber nicht. Und ich glaube, wir lesen diesen Vers so: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist.“

Christen – vor allem die, die den Heiligen Geist lieb haben – zitieren diesen Vers sehr oft. Aber sind wir uns eigentlich im Klaren darüber, dass, wenn wir diesen Spruch zitieren: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist“, Jesus damit gleichzeitig denkt: Du wirst Kraft empfangen, damit du, wenn die Bedrängnis kommt, nicht unter die Räder kommst, sondern treu bist und treu bleibst; dass du standhaft bist und dem Feuer der Verfolgung auch etwas entgegenzusetzen hast?

Es geht nicht einfach darum: Wir werden von einem schönen Happening in das nächste schöne Happening, von einem schönen Zeugnis in den nächsten schönen Lebensbericht wandeln. Sondern die Zeiten werden hart – härter, als ihr denkt – und deshalb braucht ihr diese Kraft. Denn ohne diese Kraft habt ihr überhaupt keine Chance, dieser großen Verfolgung – wie es heißt – und der Verwüstung standzuhalten. Ihr werdet, wenn sie an euren Türen hämmern, sagen: „Dieses Wort kennen wir nicht. Mit diesem Wort haben wir nichts zu tun.“

Ihr braucht Kraft vom Heiligen Geist.

Ein Sonntagschrist reagiert aber nicht so. Ein Sonntagschrist wird Anstoß nehmen an diesem Wort. Er wird sagen: „Die Segnungen und die schönen Dinge, die nehme ich gerne in mein Portfolio auf. Das möchte ich gerne in meinem Lebenslauf stehen haben, weil das gut ist für mich. Aber in dem Augenblick, in dem ich einen Preis zahlen muss für das Bekenntnis an Jesus, steige ich aus. Das ist nicht so, wie ich mir mein Leben vorgestellt habe. Ich wollte eigentlich in Jerusalem bleiben. Ich wollte im Zentrum der Gegenwart Gottes bleiben.“

So war damals das alttestamentliche Denken: Hier wohnt Gott, hier ist seine Stadt, hier ist seine Gegenwart. Warum um Himmels willen sollte ich von hier weggehen? Ich will hier verweilen, ich will hier bleiben – und ich will die Segnungen und die Wunderwirkung erleben.

Aber mit Pfingsten ist etwas Neues entstanden. Mit Pfingsten hat sich die Gegenwart Gottes neu sortiert. Damals galt Jerusalem in Wahrheit als das Zentrum der Gegenwart Gottes. Als aber Pfingsten gekommen ist und damit der Heilige Geist auf die Gläubigen kam, hat Gott sich dazu entschieden, mit seinem Heiligen Geist nicht mehr in einem Gebäude aus Stein zu leben, sondern in Individuen – in den Gläubigen – Wohnung zu nehmen.

Und indem Jesus zulässt, dass diese Verfolgung kommt und die Gemeinde in alle Herrenländer zerstreut wird, hat er damit bewirkt, dass Jerusalem nicht länger das Zentrum der Gegenwart Gottes blieb. Es ist seine Gemeinde – die den ganzen Globus umspannen soll – damit diese Begegnung mit dem allmächtigen Gott an jedem Ort möglich ist, im Namen Jesu Christi.

Und damit hat der Herr einen gewaltigen Shift in seiner Heilsgeschichte hineingelegt.

Es ist nicht mehr der Ort in Jerusalem, der das Haus Gottes ist. Sondern, wenn du an Jesus Christus glaubst – haben wir hier einige? – dann bist du der heilige Tempel. Dann bist du der heilige Tempel Gottes, in dem Gott Platz genommen hat. Bist du dir dessen bewusst? Und dieser heilige Tempel soll in Bewegung kommen. Gott möchte nicht, dass seine Herrlichkeit alleine in Jerusalem zu Hause ist. Gott möchte, dass seine Herrlichkeit den ganzen Globus umspannt. Und darum ist es notwendig, dass das Wort Gottes, das Evangelium von Jesus Christus, weit läuft, weit gestreut wird – und nicht in Jerusalem bleibt.

Ist es eine Tragödie, dass die Gemeinde zerstreut wurde? Ja, auf menschlicher Ebenen selbstverständlich. Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Geschichten die Familien einander dort erzählt haben über das, was sie in diesen Tagen erlebt haben.

Wir brauchen dafür auch nicht viel Fantasie, denn wir leben heute in einer Zeit, in der die Kirche von Jesus Christus so massiv verfolgt wird wie zu keinem Zeitpunkt der Weltgeschichte. Das merken wir vielleicht nicht hier im schönen Südbaden, aber weltweit gesehen wurde die Kirche von Jesus noch nie so heftig verfolgt.

Deswegen können wir es uns als Christen im Westen überhaupt nicht leisten, einfach zu sagen: „Das ist ein Thema, das mich gar nicht betrifft. Es geht mich eigentlich nichts an. Prediger, fahr fort. Lass uns über schöne Dinge reden.“

Wir können aber nicht einfach nur über schöne Dinge reden. Wir müssen über die Verwüstung und die Verfolgung reden, die Gläubige erleben, weil viele – Tausende über Tausende über Tausende – genau darin leben. Und wer sagt dir, dass es so ruhig bleibt in unserem Land? Was ist, wenn wir auf einmal in Apostelgeschichte 7 und 8 hineinkommen?

Was ist, wenn unsere Leiter, die so exponiert dastehen, auf einmal Verfolgung erleiden – und damit die Gemeinde ebenso? Was passiert dann? Wir müssen vorbereitet sein auf diesen Moment, denn er kann schneller kommen, als du denkst. Die Kraft des Heiligen Geistes, nach der du dich so sehnst, wird vielleicht etwas ganz anderes von dir fordern, als du gedacht hast, als du dich nach dem Heiligen Geist ausgestreckt hast.

Und ich frage mich: Was haben die Christen, die in Apostelgeschichte 8 so gelitten haben und dennoch so mutig waren und hinausgegangen sind, um weiter von Jesus zu erzählen, eigentlich erlebt – von Apostelgeschichte 2 bis Apostelgeschichte 8?

Was haben sie in einer Zeitspanne von ca. einem Jahr eigentlich verstanden, dass sie dieser massiven Bedrohung standhalten konnten und so mutig hinausgegangen sind?

Ich möchte, dass wir Christen von diesen Christen lernen und ein Ohr dafür haben: Liebe Geschwister, was habt ihr, was uns vielleicht noch fehlt?

Ich befürchte nämlich: Wenn wir in eine Situation wie Apostelgeschichte 8 kommen und sie durch unsere Häuser gehen, dann werden wir nicht in dieser Mannschaft bleiben wie jetzt. Und das ist ein großes Problem.

Aber ich habe Hoffnung. Wir müssen uns dieser Sache aussetzen: Was haben die Christen von Apostel-geschichte 2 – der Beginn ihres christlichen Lebens – bis ungefähr ein Jahr später in  Apostelgeschichte 8 erlebt? Ja, ca. ein Jahr. Wir haben keinen Kalender, in dem steht „am 1. Februar ist das passiert“, aber ungefähr kannst du von einer Zeitspanne von einem Jahr sprechen. Was haben diese unglaublich jungen Gläubigen eigentlich erlebt?

Kurze Frage: Wer von uns ist mehr als ein Jahr mit Jesus verbunden, ist gläubig und folgt ihm nach? Wer ist über ein Jahr dabei? Wer ist unter einem Jahr dabei? Hey, es sind einige am Start. Preis den Herrn. Wir haben hier Leute, die sind sehr frisch dabei. Wenn wir jetzt sagen würden: „Übrigens, du bist jetzt seit zwei Monaten am Start. Schau mal auf deinen Tacho. Du hast noch ein paar Monate Zeit. Mit Ablauf von 12 Monaten kommt die Verfolgung.“

Ich befürchte, dass wir in Deutschland sagen würden: „Was hast du nach nur einem Jahr schon für Wurzeln in dir, dass du dieser Verfolgung standhalten kannst?“ Hey Leute – dort hatten sie nur Gläubige, die so kurze Zeit dabei waren.

Und eben gingen ganz viele Hände hoch: „Ich bin ein alter Hase im Reich Gottes. Ich bin schon lange dabei.“ Uns Alten macht niemand etwas vor. Wir sind seit Jahren und einige seit Jahrzehnten am Start. Und ich frage mich: Können wir über uns so reden wie die Christen in der Apostelgeschichte?

Ich hoffe, dass wir zu diesem Niveau, zu dieser Kraftausrüstung des Heiligen Geistes kommen. Es geht ja nicht darum, irgendetwas zu leisten. Wenn ich von „Niveau“ spreche, meine ich nicht, dass wir auf uns schauen und Kraftanstrengungen vollbringen, damit wir mit unseren eigenen Muckis durch die Bedrängnis kommen. Darum geht es ja nicht.

Wenn junge Christen dieser Verfolgung standhalten, dann liegt es nicht daran, dass sie in sich irgendwelche Qualitäten haben, sondern daran, dass sie mit dem Heiligen Geist so sehr vertraut sind und so gekräftigt sind, dass sie dem standhalten können.

Jetzt möchte ich gerne mit euch kurz – nur im Überblick – anschauen welches die Highlights waren, die uns die Apostelgeschichte erzählt. Was haben die Christen seit Apostelgeschichte 2 – wo sie zum Glauben gekommen sind – erlebt bis zu dem Punkt, als die Verfolgung kam und sie durch die Häuser gelaufen sind.

Die Apostelgeschichte berichtet uns zum einen das, was wir in der letzten Woche gehört haben und was absolut zentral ist: Die Christen haben Prioritäten gesetzt, sie haben Gemeinschaft gepflegt, sie hatten Teilhabe, sie haben sich Gottes Wort gewidmet – der Lehre der Bibel – und sie haben es kultiviert, miteinander zu beten.

Ein wichtiger Punkt an dieser Stelle – wie soll ich das zum Ausdruck bringen? – Es gibt viele Christen, die schon jahrelang dabei sind, aber sie kennen Gebet entweder nur passiv, indem sie jemand anderem zuhören, oder wenn sie alleine sind. Aber sie sind nicht fähig, mit anderen Christen gemeinsam zu beten. Ich habe schon gestandene Christen in Begleitung und Seelsorge erlebt – Menschen, die ich durchaus schätze –, die aber nicht in der Lage sind, mit einem weiteren Glaubensbruder oder einer Kleingruppe laut zu beten.

Das ist schade. Das ist fatal. Das ist ein riesen Problem. Warum? Es geht nicht darum, wenn dich das betrifft, zu sagen, dass du besonders verwerflich bist. Aber der Herr ruft dich ins Gebet mit anderen.

Es ist doch irgendwie seltsam, dass wir irgendwo im Café, im Restaurant sitzen oder im Wohnzimmer von jemandem, und wir können Stunden miteinander palavern, „schwätze“, wie man hier sagt. Wir reden und reden und reden. Wir reden nötiges und auch unglaublich unnötiges Zeug.

Aber wenn es dann darum geht: „Nun lasst uns für einen Moment miteinander Gott im Gebet anrufen“, dass auf einmal einige verstummen und nicht in der Lage sind, das vor anderen zu artikulieren. Du sollst ja nicht vor Pilatus beten.

Du bist gefragt, mit jemand zu beten, der Jesus liebt. Der hat keine Steine in der Hand und wartet: „Wenn du nur Jesus sagst, dann kille ich dich.“ Sondern da ist jemand, der ist mit dir. Und wir verstummen und wissen nichts mehr zu sagen.

Das ist ein schwerwiegendes geistliches Problem, mit dem wir konfrontiert sind. Der Herr will uns Freimütigkeit geben. Er will uns Freiheit geben, dass wir mit unserem Schöpfer reden, dass wir ihn anrufen und ihm sagen, was uns auf dem Herzen ist – auch wenn ein Bruder und eine Schwester dabei sind.

Ich sag dir, warum das nötig ist. Ich möchte dich nicht klein machen, sondern ich möchte dir sagen: Dein Gebet hat das Potenzial, deinen Bruder, deine Schwester im Glauben zu stärken und zu ermutigen. Auch wenn du denkst: „Ja, was soll ich sagen? Es ist nicht so kunstvoll.“ Einige sagen mir das auch: „Waldemar, wenn du betest, dann ist das immer so eloquent. Dann frage ich mich, was soll ich da jetzt noch beten?“

Wenn meine Kinder beten, dann sind sie nicht so eloquent wie ich. Hey, aber wenn ein Kind mit aufrichti-gem Herzen betet – mit einem rudimentären Sprachschatz, mit einer unausgereiften Theologie, obwohl sie Kinder eines Pastors sind –, wo ich dann manchmal ein Gebet höre und denke: „Das ist theologisch nicht so ganz einwandfrei, Sohn.“ Aber hier ist ein Herz, das etwas in Gottes Herzen bewegen möchte, das Gott anfleht, dass er eingreift, dass er wirkt.

Ich bin jetzt sehr, sehr pathetisch, ich weiß, aber es sind einfache Gebete, die uns plötzlich ermutigen können. Wer hat es erlebt? Hey, wenn Kinder in der Lage sind, uns im Gebet zu ermutigen und zu stärken –wie viel mehr wir, die wir mündig sind, die wir schon groß sind und stark.

Ich möchte dir eine Vision aufzeigen: dass es ein schwerwiegender Mangel ist, wenn wir nicht miteinander beten, weil ich kein Zutrauen habe, dass Gott mich gebrauchen kann; dass ich einen Wert habe in dieser Gemeinschaft, auch geistlich im Gebet einander zu dienen. Wenn wir miteinander beten, dann passiert etwas auf geistlicher Ebene – habe Anteil daran.

Ich wollte eigentlich durch diese Liste nur kurz durchgehen, und meine Zeit ist schon um – das ist ein Elend. Moment, ich hatte eigentlich geplant heute kürzer zu predigen. Okay: Gemeinschaft, Teilhabe, Lehre, Gebet. Was haben Sie noch erlebt?

Es wird davon gesprochen, dass sie Einheit hatten als Gemeinde, dass sie Fürsorge getrieben haben, dass sie Bedürftigkeit unter sich erkannt und auch tatkräftig geholfen haben.

Das bedeutet: nicht nur zu beten, sondern wenn jemand wirklich eine Not hat, nicht nur zu sagen: Ich bete für dich“, sondern: „Ich helfe dir auch.“ Sie haben miteinander gebetet und haben erlebt, dass sie gemein-sam als Kollektiv auch mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, als sie miteinander gebetet haben.

Sie haben Gottes Machtdemonstrationen als Gemeinde erlebt. Sie haben erlebt, wie Gott in seiner Macht Krankheit überwunden und Heilung geschenkt hat, wie dämonisch gebundene frei wurden von satanischen Bindungen. Sie haben erlebt, dass Gott seine Macht demonstriert hat durch ein Gerichtshandeln in der Gemeinde. Als Jünger in der Gemeinde den Heiligen Geist belogen und ein falsches Spiel getrieben haben, hat Gott massiv und ehrfurchtgebietend eingegriffen und den Menschen im selben Augenblick das Leben genommen, um zu zeigen: Mit mir spielt man nicht. Ich bin ein heiliger Gott.

Was haben Sie noch erlebt in diesen Kapiteln? Sie haben standhafte Leiter erlebt – trotz Verfolgung. Sie haben gemeinsam gebetet für ihre Leiter, die in Verfolgung waren und in Gefangenschaft. Sie haben erlebt, dass ihre Leiter verhaftet wurden und dass sie befreit wurden.

Und ich sehe, wenn wir uns Apostelgeschichte 2 bis 8 anschauen, dass diese einjährigen Christen drei Ebenen erlebt haben: Erstens die Verbundenheit der Christen untereinander, zweitens die Kraft Gottes im Miteinander und drittens das Beispiel ihrer Leiter.

Meine Frage, die ich uns heute stelle, ist: Sind wir ausgerüstet für die Attacken und Angriffe – und das ist meine ganz persönliche subjektive Überzeugung – die kommen werden? Sind wir ausgerüstet? Lebst du in Verbundenheit wie die ersten Christen? Heißen wir die Kraftwirkungen Gottes unter uns willkommen, oder sträuben wir uns dagegen, die Kraftwirkung Gottes zu erfahren?

Und haben wir leidensbereite Leiter als Beispiel und Vorbild? Das ist ein besonderes Wort an diejenigen, die in der Ältestenschaft und als Diakone wirken. Das ist ein wirklich herausforderndes Wort.

Sind wir solche, die sich als Vorbild und als Beispiel sehen für die Gemeinde – so wie ein Diakon Stephanus, der Verantwortung hatte und damit auch Einfluss auf die Menschen, denen er gedient hat und die auf ihn gehört haben?

Haben wir eine Leiterschaft innerhalb unserer Gemeinde, die auch bereit ist zu leiden? Oder haben wir eine Leiterschaft, die Bekanntheit, Prestige, Status, Annehmlichkeiten und Privilegien möchte – aber dann, wenn die Bedrohung kommt, sagt: „Damit habe ich aber nichts zu tun. Das sollen bitteschön die Pastoren ausbaden.“

Haben wir Leiter, die leidensbereit sind? Wie wir sehen, haben diese einen Effekt auf die Gemeinde. Die Gemeinde hat immer wieder die Leiter gesehen: Sie werden bedrängt und verfolgt – und sie bleiben standhaft. Sie werden verhaftet – und sie halten am Glauben fest.

Das hat Einfluss auf die Gemeinde gehabt. Und das ist überhaupt keine Dimension, die heutige Leiter lernen, wenn sie sich darauf vorbereiten, in den Dienst zu gehen im Weinberg Gottes.

Wenn du Theologie studierst und dich darauf vorbereitest, Pastor zu werden, ist das nicht einmal eine Sekunde Thema – ob du ein leidensbereiter Diener sein willst. Über Verfolgung wird überhaupt nicht aufgeklärt, es wird einfach davon ausgegangen, dass immer alles schön und gut ist.

Aber wenn ich die Apostelgeschichte sehe – unser Ausbildungsbuch für die Kirche Jesu Christi, für die Gemeinde Gottes – dann bedeutet das, dass eigentlich in unserer Ausbildung, Nathanael, als Pastoren ganz oben stehen sollte: Was passiert, wenn die Verfolgung kommt?

Doch das ist kein Thema, das wir auf dem Schirm haben, weil wir uns als Christen im Westen arrangiert haben. Wir haben uns so unglaublich mit dieser Sattheit des Westens arrangiert.

Christusgemeinde, sind wir gerüstet? Ich frage uns: Sind wir gerüstet? Was geschieht, wenn wir verfolgt, verwüstet, zerstreut, heimgesucht, verschleppt und verhaftet werden? Die Apostelgeschichte ist keine Abhandlung, die zeigt, wie man von Segen zu Segen zu Segen zu Segen läuft. Und ich habe auch gar nichts dagegen. Ich möchte auch diesen Segen-Segen-Segen-Segen erleben. Und davon erzählt – Hallelujah – die Apostelgeschichte auch. Und das ist ein Punkt, den wir betonen dürfen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Apostelgeschichte auch eine Beschreibung darüber ist, wie sehr das christliche Leben auch Leid mit sich bringt.

Wenn du ein Leben ohne Leiden führen möchtest, dann rate ich dir: Folge Jesus nicht nach. Wenn du ein Leben führen möchtest, das Leid umgeht, dann folge Jesus Christus besser nicht nach. Aber wenn du Jesus Christus erleben möchtest in deinem Leben, wenn du Teilhaber sein möchtest an seinem Reich, an dieser himmlischen Perspektive, dann bedeutet das unter anderem auch: Leid in Kauf zu nehmen.

Wie ein Pastor mal so schön sagte: „Der Weg nach oben führt nach unten.“ Der Weg nach oben führt nach unten. Jesus hat seinen Jünger nicht umsonst gesagt: Denkt nicht, wenn sie den Meister verfolgt haben und er leiden musste, dass es euch besser ergehen wird. Wenn ich gelitten habe wie ein Hund, dann wird es euch genauso ergehen. Aber das ist eine Dimension, die wir in unserem westlichen Christentum nicht wollen.

Die Apostelgeschichte ruft uns dazu auf, erfüllt mit dem Heiligen Geist zu leiden. Ich möchte ein Zitat lesen von Ajith Fernando. Ich glaube, wenn wir dieses Zitat verinnerlichen, dann werden wir sehr, sehr, sehr viel lernen für unsere persönliche Nachfolge, und wir werden einen heftigen Unterschied machen in der geistlichen Welt.

Er sagte: „Gewöhnlich verbinden wir die Fülle des Geistes mit irgendeiner dienenden Tätigkeit, wie Predigen, Heilen oder Prophezeien, oder mit einer ekstatischen persönlichen geistlichen Erfahrung, wie dem Beten in Sprachen. Das ist sicherlich richtig, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Fülle des Geistes auch dazu da ist, uns auf das Leiden vorzubereiten, das ein so wichtiger Teil des Lebens im Gehorsam ist. Gott ist mächtig am Werk, sowohl wenn die Sonne hell scheint, als auch wenn dunkle Wolken über uns aufziehen. Wichtig! Wir müssen daher eine Theologie der Fülle des Geistes in der Finsternis entwickeln.

Eine solche Lehre ist nicht leicht zu verstehen in dieser sinnlichen, lustbetonten Welt, die Angst vor dem Leiden hat und so viel tut, um es zu vermeiden. Doch die Bibel sagt uns, dass wir das Leiden vorwegnehmen sollen, anstatt es zu vermeiden. Wenn wir eine Theologie der Fülle des Geistes in der Finsternis haben, werden wir eifrig nach den Segnungen suchen, von denen wir wissen, dass Gott sie uns in der Finsternis schenken wird. Ich glaube, dass die Fülle des Geistes in der Finsternis so wichtig für unsere geistliche Gesundheit ist, dass Gott es zulässt, dass wir durch dunkle Zeiten gehen, damit er uns von neuem erfüllen kann.“

Und tatsächlich ist es so, dass wir, wenn wir für das Evangelium leiden, eine tiefe Einheit und Gemeinschaft mit Christus persönlich haben.

Paulus sagt an einer Stelle im Philipperbrief, dass er Gemeinschaft mit Christus will. Darum gibt er alles auf. – Philipper 3, Vers 10 – „… um ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleich werde.“

Christus, das Reich Gottes, ewiges Leben – gibt es nicht nur isoliert.

Die Kraft der Auferstehung wollen wir haben. Wenn du die Kraft der Auferstehung willst, dann gehört es auch dazu, eins zu werden in den Leiden, die Jesus ertrug! und darin Gemeinschaft zu kultivieren, Jesus nahezukommen – auch im Leid in dieser Welt.

Und nicht nur wir haben Anteil an seinem Leiden, sondern, meine Lieben, Jesus hat auch Anteil an unserem Leiden. Jesus leidet mit uns mit, wenn wir leiden. Als dieser Saulus, der auch Paulus genannt wird, in die Häuser gegangen ist, um sie zu verfolgen und zu verhaften, ist irgendwann in seinem Leben etwas passiert, dass er sich diesem Jesus Christus zugewandt hat. Und dann ist ihm selbst auch all das widerfahren. Aber als er noch auf Verfolgungsjagd war, hat Jesus ihn vom Himmel her konfrontiert. Und Paulus hat sehr viel Leid – sehr viel Leid – verursacht.

Und als er die Kirche so hart verfolgte, heißt es in Apostelgeschichte 9, Vers 4, dass Jesus zu ihm ruft: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Jesus sagt nicht: „Warum verfolgst du die Christen? Warum fügst du ihnen Schaden zu?“

Die Gemeinschaft mit Jesus im Leid ist so eng verschlungen, sodass, wenn die Christen geschlagen werden, Christus diese Schläge abbekommt und diesen Schmerz mitfühlt. Das bedeutet es, wenn wir einen mitfühlenden Hohepriester haben. Er ist mit uns, er lebt mit uns, und er leidet mit uns. Das ist eine Gemein-schaft, die wir mit Christus erfahren. Das erleben Sonntagschristen nicht, weil sie die wahre Gemeinschaft mit Jesus scheuen, wenn es darum geht zu leiden, so wie Jesus gelitten hat.

Und diese einzigartige Einheit zu durchleiden ist vielleicht der Grund, warum die Kirche durch Verfolgung nie schrumpft, sondern wächst. Und das ist das Interessante: Wenn die Kirche verfolgt wird und die Feinde denken: „Wir machen ihnen den Garaus. Wir werden dafür Sorge tragen, dass das zu einem Ende kommt“,

dann passieren in diesem Augenblick Dynamiken im geistlichen Bereich – durch die Gemeinschaft der Kraft der Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden –, sodass Jesus sich noch mehr vervielfältigt und noch mehr Menschen zum Glauben kommen. Wo du nicht an Jesus glauben darfst, dort wächst das Christentum am stärksten.

Paulus sagt in Philipper 1, Vers 12, als er im Gefängnis saß für den Glauben: „Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums ausgeschlagen sind…“ Das, was gerade passiert, ist förderlich für die Botschaft von Gott.

Ich komme gleich zum Schluss.

Der nordafrikanische Theologe Tertullian, der im zweiten Jahrhundert gewirkt hat, schrieb den damaligen Herrschern des römischen Reiches folgende bekannte Worte: „Tötet uns, foltert uns, verurteilt uns, zermalmt uns zu Staub … Je mehr ihr uns niedermäht, desto mehr wachsen wir; das Blut der Märtyrer ist der Same für neue Christen.“

Märtyrer sind nicht diejenigen, die sich den Granatengürtel umschnallen und sich in die Luft jagen. „Märtyrer“ bedeutet: zu leiden und zu sterben für die Überzeugung, die man in seinem Herzen hat. Insofern war Jesus ein Märtyrer. Johannes der Täufer war ein Märtyrer – die mit der Friedensbotschaft und Liebesbotschaft Gottes gekommen sind und dafür den Preis bezahlt haben.

Und Tertullian hat damals schon gesagt: „Macht uns alle nieder. Dieses Blut, das ihr vergießt, ist ein Same dafür, dass neue Christen entstehen werden und das Wachstum der Kirche sogar noch mehr angetrieben wird.“

Ich möchte zum Schluss kommen.

Es mag alles sehr weit weg für uns wirken. Vielleicht denkst du, das ist eine Zeit, die irgendwann ist, irgendwo auf diesem Planeten, aber sie berührt mich eigentlich nicht.

Die Wahrheit ist: Es kann uns schneller heimsuchen, als uns lieb ist und als wir alle denken. Und ich möchte uns fragen: Wie werden wir reagieren, wenn unsere Leiter bedroht werden? Wie werden wir als Gemeinde reagieren, wenn diejenigen, die exponiert wie auf einem Präsentierteller am Wort dienen – wenn sie verfolgt werden, wenn sie geschlagen werden und wenn sie verhaftet werden, wenn sie verurteilt und verspottet werden? Wie werden wir als Gemeinde eigentlich dann reagieren?

Was tun wir, wenn sie uns in unseren Häusern aufspüren und uns verschleppen wollen? Wie werden wir dann reagieren? Werden wir das Wort verkündigen, wenn aufgrund des Wortes die Gemeinde verwüstet wird?

Die Gemeinde in der Apostelgeschichte konnte nicht aufgehalten werden. Man konnte sie nicht zum Stoppen bringen. Warum? Weil sie erfüllt waren mit dem Heiligen Geist, und sie waren eins mit Jesus. Sie haben die Kraft seiner Auferstehung genossen und haben sich nicht gescheut, sich eins zu machen in der Gemeinschaft seiner Leiden. Das ist das Geheimrezept für die unaufhaltsame Gemeinde in der Apostelgeschichte.

Und ich frage uns: Sind wir gerüstet? Sind wir ausgerüstet, wenn die Verfolgung kommt?

 

Bibelstellen:

Markus 4,16.17; Apostelgeschichte 7,54.57.58; Apostelgeschichte 8,1–4; Apostelgeschichte 1,8; Apostelgeschichte Kap. 2–8; Philipper 3,10; Apostelgeschichte 9,4; Philiper 1,12