Wir haben soeben den berühmten Pfingsttext gelesen, Apostelgeschichte 2, Verse 1 bis 13. Das wird aber nicht der Text sein, über den ich heute predige. Stattdessen beschäftigen wir uns mit der Reaktion, die danach von Petrus kam – seiner Pfingstpredigt ab Vers 14 [14 bis 21]. Das ist Petrus’ erste Predigt. Pfingsten, ein ganz besonderes Fest. Wir haben es vorhin in der Begrüßung gehört: Das ist die Geburtsstunde der Kirche, und mit dem Pfingstfest hat sich alles verändert. Nichts war mehr wie zuvor. Das Leben der Christen, das Leben der Gläubigen hat sich dramatisch verändert. Und die Frage ist: Können wir, wenn wir heute Pfingsten feiern, dasselbe sagen – dass sich etwas dramatisch verändert hat? Sind wir mit dem Heiligen Geist verbunden, der zu Pfingsten kam, der die Christen erfasst und in Brand gesetzt hat?
Wir haben gerade gesehen: Als der Heilige Geist kam, ist er auf die Gläubigen als Gemeinschaft gekommen – nicht auf irgendwen, nicht auf Einzelne, sondern auf alle Gläubigen. Und die Kraft Gottes wurde sichtbar. Gottes Gegenwart hatte einen spürbaren, einen wahrnehmbaren Effekt auf die Gläubigen. Und sie fallen auf. Sie sind anders als ihre Umgebung. Sie verhalten sich so, dass andere irritiert darüber sind, was dort in den Christen passiert.
Es ist so dramatisch und seltsam für die Menschen, als sie mit diesem Pfingstwunder konfrontiert werden – mit dem Eingreifen des Heiligen Geistes bei den Gläubigen –, dass Petrus sich genötigt sieht, dazu Stellung zu nehmen. Er wollte es nicht einfach stehen lassen.
Und wir lesen in Apostelgeschichte 2, Verse 14 und 15: „Petrus aber stand auf mit den elf Aposteln, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Männer von Judäa und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, dies sei euch kund und hört auf meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages …“
Umgerechnet bedeutet das: Es ist gerade erst neun Uhr morgens. Sehr interessant, dass das für ihn ein Argument ist. Ich hoffe auch, dass das für uns ein Argument ist. Wir haben gleich elf Uhr – es ist auch jetzt noch nicht die Zeit, betrunken zu werden. Und auch sonst zu gar keiner Stunde, hoffe ich.
Auf jeden Fall sehen wir: Das Wirken Gottes bei den Gläubigen ist für die Zuschauer etwas, das sie nicht einordnen können. Es ist irrational, es ist seltsam, es ist ungewöhnlich. Außenseiter können nicht einordnen, was die Ursache für dieses Verhalten der Christen ist. Sie sind irgendwie verwandelt. Sie handeln nicht in der normalen Weise, so wie man es erwarten würde, sondern da ist ein spürbarer Unterschied in ihrem Verhalten.
Und vor allem: Es ist keine Art von positiver Verwunderung, sondern die Atmosphäre ist stark davon geprägt, dass die Menschen anfangen, über die Christen zu spotten: Die sind doch balla, balla. Die haben nicht mehr alle Latten am Zaun. Die Tassen sind schon lange nicht mehr im Schrank. Und – um mit Vasili zu sprechen – sie haben gar keinen Schrank mehr. Vasili, das war übrigens ein sehr starkes Bild in deiner Predigt. Wo ist der Schrank geblieben?
So war das, wenn die Leute auf die Christen geschaut haben. Sie sind nicht konform und sie sind nicht angenehm – nicht charakterlich gesehen, sondern in ihrem Verhalten in Verbindung mit dem Heiligen Geist. Das ist einfach drama-tisch anders.
Das zeigt uns, dass das Wirken Gottes bei Menschen durchaus auch Spott bewirkt. Ich möchte ein Zitat aus einem Bibelkommentar lesen.
Der sri-lankische Theologe Ajith Fernando sagt: „Wir sind überrascht, dass eine so deutliche Demonstration der Kraft Gottes, wie sie zu Pfingsten stattfand, eine spottende Reaktion hervorrufen konnte. Aber die Ablehnung des Evangeliums ist ein Thema, das sich durch die gesamte Apostelgeschichte zieht. […] Deshalb ist es wichtig, dass wir mit Ablehnung rechnen und nicht desillusioniert sind (das bedeutet, dass wir nicht aus allen Wolken fallen), wenn sie kommt. Wenn jeder mit dem zufrieden ist, was wir tun, sind wir Gott wahrscheinlich nicht wirklich treu gewesen. Das Evangelium und Gottes Wahrheit unterscheiden sich so radikal vom Denken der Welt, dass diejenigen, die ihm folgen, damit rechnen müssen, dass einige sie ablehnen.“
Das ist ein lupenreiner Kommentar über das, was zu Pfingsten geschehen ist. Die Geburtsstunde der Kirche löst Spott aus. Die Kirche ist seltsam, sie passt nicht ins Raster, sie ist nicht konform. Die Kirche ist so anders, dass Menschen darüber lachen und sich über sie lustig machen. Sie streuen Gerüchte: Die sind bestimmt alle betrunken, die haben zu viel süßen Wein getrunken.
Man könnte zurückfragen: Wo ist deine Evidenz? Wo sind deine Beweise für diese Anklage? Aber es ist damals so wie heute: Die Beweise interessieren nicht. Die Hauptsache ist, du kannst maximal provozieren und Abstand nehmen von dieser komischen Gruppe, mit der du nichts zu tun haben möchtest und die du deshalb diffamierst. Du cancelst sie, würden wir heute sagen. Du stellst sie möglichst in ein negatives Licht, sodass jeder sagt: Wenn das wahr ist, was über sie gesagt wird, dann möchte ich überhaupt keinen Anteil daran haben.
Das Problem ist: Die Kirche im 21. Jahrhundert spielt nicht so wie die Kirche im ersten Jahrhundert. Wir sind drauf und dran zu sagen: Wir wollen eine Kirche sein, mit der alle einverstanden sind. Alles, was wir tun, soll konform sein, sodass es für jeden nachvollziehbar ist und es zu keinem Zeitpunkt Anlass zum Anstoß gibt.
Bitte: Wenn ich in der Kirche bin oder mit Gläubigen zu tun habe, möchte ich keinen Anstoß erleben. Ich möchte lediglich eine Bestätigung meiner eigenen Vorurteile und Sichtweisen bekommen, aber ich möchte keine Irritation erleben.
Überraschung: Der Heilige Geist ist gekommen, um uns heftig zu irritieren. Er möchte, dass unser Leben aus den Fugen gerät – denn unsere Fugen sind keine heiligen Fugen. Ich weiß nicht, ob das Bild greifbar ist, aber ich hoffe, dass ihr versteht, was ich meine.
Und vielleicht haben wir als westliche Christen auch deshalb so wenig Effekt, weil wir versuchen, unsere Botschaft, die wir haben und das christliche Leben, das wir leben, so annehmbar und schmackhaft für den anderen zu machen, dass er sagt: Diesen Geschmack kenne ich. Es ist genau der gleiche Geschmack, den ich jeden Tag esse und trinke; es gibt hier überhaupt keinen Unterschied.
Aber das christliche Leben mit dem Heiligen Geist hat den Effekt, dass Menschen sagen: Iiih, bäh! Das will ich nicht, das stößt mich ab. Und andere fangen sogar an, uns zu canceln, Gerüchte zu streuen und zu sagen: Von denen muss man sich fernhalten.
– Petrus steht auf. Petrus steht auf für die Wahrheit. Er ist nicht länger feige.
Schaut: Da ist eine Volksmenge, die sich zum Pfingstfest versammelt hat von Tausenden von Leuten. Tausende, die gerade mit ihren Attacken und Vorwürfen gegen die christliche Gemeinschaft kommen – und Petrus steht auf.
Wenn ich die Apostelgeschichte selbst erdenken müsste, dann würde ich sagen: An dieser Stelle ist Petrus der Aller-letzte, der aufsteht. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass Petrus, wenn es darauf ankommt, Muffensausen bekommt. Er hat die Hosen voll, sucht das Weite und sagt: Ganz genau, diese sind ziemlich seltsam. Ich habe sie noch nie gehört. Ich habe sie noch nie gesehen. Und wieder kräht der Hahn.
Petrus ist dafür bekannt, dass er verleugnet. Er will die Dinge nicht zu nah an sich heranlassen, sobald er annimmt, dass es ihn etwas kostet. Aber wir sehen: Im Leben von Petrus hat sich etwas verändert. Auf ihn ist die Kraft aus der Höhe gekommen. Der Heilige Geist ist gekommen, hat ihn beseelt und ihm Mut gegeben, für die Wahrheit aufzustehen – auch wenn die ganze Welt gerade gegen ihn ist.
Und ich verspreche dir: Wenn Tausende Menschen vor dir stehen und kritisch auf dich schauen, wirst du sehr gut über-legen, für wen oder was du gerade Partei ergreifst. Wir sollten nicht meinen: Na ja, was sollte er denn auch anderes machen? Er hat eine dreijährige Ausbildung in der Schule von Jesus gehabt – natürlich wird er aufstehen.
Junge, dieser Mann hat gekuscht, als einzelne Personen ihn – als es darauf ankam – ansprachen und sagten: Du gehörst doch auch zu diesem Jesus. Ich weiß nicht, von wem du sprichst. Gehörst du nicht auch zu diesem Jesus? Ich kenne ihn nicht.
Und plötzlich sind da Tausende – nicht so ein kleiner Verein wie hier. Tausende stehen vor ihm – und Petrus hat Mut, und er steht auf.
Was mir an diesem Text gefällt – und das sollte uns allen eine Ermutigung sein: In Vers 14 heißt es: „Petrus aber stand auf mit den elf Aposteln.“ Ich stelle mir das – vielleicht ein wenig kitschig – aber auch heroisch vor. Inmitten eines Tumults: Plötzlich steht er auf, und mit ihm die anderen Jünger. Yes! Seht: Wir benötigen die Information, dass die anderen Apostel mit aufgestanden sind, eigentlich nicht. Die ganze Geschichte würde auch funktionieren, ohne das zu wissen.
Die anderen Apostel haben gar keinen Effekt auf das Gesagte. Es heißt dort nicht, dass sie auch reden. Wir hören nur das kleine Detail, dass sie mit aufgestanden sind.
Wie mutmachend ist es, für die Wahrheit aufzustehen und zu wissen: Ich habe Backup. Ich habe Support. Es gibt Leute, die mit mir sind. Ich bin nicht allein in dieser Herausforderung. Das sollte uns zu denken geben.
Pfingsten zeigt: Die Mission, die Jesus uns gegeben hat, ist nichts, was wir alleine machen. Wir brauchen keine isolierten Einzelkämpfer und Helden, auf die alle schauen – es geschieht im Team. Petrus steht auf für die Wahrheit, und seine Männer sind mit am Start. Sie stehen auf wie Soldaten und ziehen gemeinsam in den Kampf. Ich weiß, das ist etwas kitschig, aber ich mag es manchmal kitschig.
Die Leute sind irritiert, sie spotten. Wichtig ist, dass wir verstehen: Die Irritation der Menschen wurde nicht durch etwas hervorgerufen, das die Männer und Frauen zu Pfingsten aus sich heraus bewerkstelligt haben. Es ist nicht so, dass gespottet wird, weil sie sich etwas einfallen lassen, etwas Menschliches erdacht haben, das nun auf Empörung stößt. Das, was die Leute empört und irritiert, ist die Wirkung Gottes.
Das müssen wir erkennen, wenn wir diesen Text lesen. Denn du kannst auch andere irritieren, weil du sonderbar bist. Wir können manchmal ziemlich unsensibel und etwas freaky unterwegs sein, sodass einige sagen: Das ist klar, wenn man mit ihm zu tun hat, dann ist man irritiert.
Aber das sagt der Text nicht. Es ist nichts, das sie sich ausgedacht haben und was dann die Irritation bei den anderen ausgelöst hat, sondern der Anstoß kommt durch die Wirkung Gottes in ihrem Leben. Das bedeutet: Wenn wir als Christen Anstoß sind für diese Welt, dann sollten wir uns vergewissern, dass es nicht an uns liegt – das wir seltsam sind, weil wir denken, in der Seltsamkeit liegt ein heiliger Wert.
Kennt ihr solche Christen? Wer kennt solche Christen? Einige Hände gehen, langsam hoch. Man muss sich schnell melden, ansonsten ist man es selbst.
Die Wirkung Gottes ist es, die die Provokation in der Gesellschaft auslöst. Das, was Gott tut, ist für die Leute komisch. Damit wollen sie nichts zu tun haben. Darüber lachen sie jetzt noch.
Johannes 3, Vers 8 – Jesus spricht über den Geist Gottes und darüber, was er in den Menschen bewirkt, die mit ihm verbunden sind – da heißt es: „Der Wind weht – oder du kannst auch übersetzen: der Geist weht – wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“
Das ist ein Qualitätsmerkmal des Heiligen Geistes: Er ist nicht berechenbar und passt in keine unserer Schubladen – so, wie wir Menschen das gerne hätten.
Der Geist Gottes ist souverän in seinem Handeln. Er interessiert sich nicht für deine Agenda – da, wo du ihm Platz gemacht hast. Der Geist Gottes hat eine eigene Agenda: die Agenda der Dreieinigkeit, die er in den Gläubigen umsetzt. Der Geist Gottes ist nicht kontrollierbar – und somit auch diejenigen nicht, die aus ihm geboren sind, die neues Leben empfangen haben von Gott, wo Gottes Geist Platz genommen hat und jetzt in einer Kooperation und Partnerschaft mit den Gläubigen lebt.
Wenn du versuchst, ein Christsein zu leben, das konform ist, das unauffällig ist, dann wirst du – wie Ajith Fernando es gesagt hat – sehr wahrscheinlich nicht in Übereinstimmung mit dem leben, was der Vater im Himmel von dir möchte.
Es gehört dazu, dass Christsein in anderen Irritationen auslöst.
Woher kommt das? Und wohin geht das?
Die Wirkungen Gottes stören den natürlichen Menschen. Der Mensch, der mit Gott nicht verbunden ist, der Mensch, der nicht geistlich denkt, wird gestört vom Wirken Gottes.
Wir lesen weiter in 1. Korinther 2, Vers 14. Dort sagt Paulus den korinthischen Christen: „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.“ Es ist für ihn Idiotie, es ist für ihn verrückt – etwas, womit er nichts anfangen kann und nichts anfangen will. Und das liegt an der natürlichen Beschaffenheit des Menschen.
Und deswegen spricht die Bibel auch von einem Prinzip, das man vielleicht so formulieren kann: Das Fleisch – ich meine nicht das Filetstück, das gestern auf dem Grill lag, sondern die menschliche Beschaffenheit wird in der Bibel immer wieder als „Fleisch“ bezeichnet –. Das Fleisch streitet gegen den Geist. Sie stehen in einer Rivalität zueinander, und sie haben unterschiedliche Agenden, unterschiedliche Begierden und Wünsche und unterschiedliche Ziele.
In Galater 5, Vers 17 spricht Paulus von diesem Prinzip, von dem Kampf: Fleisch gegen Geist. Dort heißt es: „Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“
Beachtet, dass dieser Vers von Christen spricht. Auch du als vom Geist geborener, mit dem Heiligen Geist beseelter Mensch bist durchaus in der Lage, deinem alten Wesen – deinem Fleisch – Raum zu geben und diesen Kampf zu erleben, dass du merkst: Ich folge in einigen Dingen immer wieder mehr dem Fleisch als dem Geist.
Das ist das Dilemma, in dem wir im Hier und Jetzt leben: Etwas Neues hat begonnen, aber es ist noch nicht in Vollkommenheit da. Dieser Krieg, dieser Kampf spielt sich auch in uns ab. Und es ist wichtig, dass wir realisieren, dass dieser Vers zu Christen gesprochen wurde.
Diese Herausforderung, sich auf die Wirkung des Geistes, auf die Andersartigkeit des Geistes einzulassen, ist sogar eine Herausforderung für Christen. Es ist nicht nur eine Herausforderung für die da draußen, die gar nichts mit Jesus zu tun haben.
Das bedeutet: Du selbst wirst herausgefordert. Bin ich einverstanden mit der Regierung Gottes in meinem Leben? Bin ich einverstanden mit der Regierung des Heiligen Geistes in meinem Leben?
Wenn es um die Regentschaft Gottes geht, dann gibt es keine demokratischen Wahlen. Du wurdest nicht geladen, zur Urne zu gehen und dein Kreuz zu setzen: Wer soll regieren? Sondern diese Regierung ist gesetzt und hat eine feste Agenda. Das Glück, das wir darin haben: Diese Agenda ist vor der Wahl und nach der Wahl dieselbe.
Oh – jetzt gibt es politische Wallungen in der Christusgemeinde. Ganz entspannt bleiben.
Aber was Gott ankündigt, wird er auch umfänglich durchsetzen. Er wird nicht sagen: Na ja, du siehst das anders – okay, ihr alle seht das anders, Christusgemeinde – ja gut, dann ändern wir die Pläne, weil es euch so gefällt.
Nein! Mein Plan ist dieser. Die Frage ist: Bist du in Kooperation mit mir, oder lebst du im Ungehorsam und in der Rebellion gegen mich?
Das Fleisch kämpft gegen den Geist. Da gibt es natürliche Widerstände gegen das Wirken Gottes in unserem Leben. Pfingsten hat das ganz dramatisch gezeigt.
Aber auch wir alle sind herausgefordert: Wollen wir uneingeschränkt regiert werden vom Heiligen Geist, oder stellen wir uns im Denken und Handeln gegen das, wonach der Geist Gottes sich sehnt?
Die Kraft Gottes ist nicht nur eine faszinierende Angelegenheit, sondern durchaus auch unbequem. Sie passt nicht in dein Denken, sie wird dein Denken sprengen.
Deswegen sagt Paulus zu den Christen in Thessaloniki – 1. Thessalonicher 5,19: „Den Geist löscht nicht aus!“
– Paulus, zu wem redest du? Du redest doch bestimmt zu denen in Apostelgeschichte 2, die damals am Pfingsttag gespottet haben und gesagt haben: „Na ja, die sind alle betrunken, die haben zu viel Wein getrunken.“ Über diese sprichst du doch, dass sie den Geist Gottes nicht auslöschen sollen – oder?
Sie sind sicher auch gemeint, weil sie sich so verhalten. Aber Paulus wendet sich hier in diesem Vers auch wieder an Christen – an Menschen wie dich und mich. An solche, die sagen: Ich liebe Gott. Ich folge Jesus. Ich möchte meine Ewigkeit verbunden mit ihm verbringen. Und er soll über mein Leben regieren.
Und zu diesen Menschen sagt Paulus: Ihr steht in der Gefahr, den Geist Gottes niederzuhalten, auszulöschen, seine Wirkung zu verachten, darüber hinwegzusehen, hinwegzugehen, weil es euch gerade nicht passt.
Aber, der Heilige Geist wird seine Agenda für dich nicht verändern. Und das ist gut. Es ist gut, dass er es nicht tut, denn er liebt uns. Deswegen verändert er seine Agenda nicht.
Das ist so, als ob eine liebende Mutter zu ihrem Kind sagt: In diese Richtung müssen wir gehen. Und das Kind rebelliert: Nein, ich will nicht! Nein, ich will nicht! Nein, ich will nicht! Hey, das kennen wir alle.
Und dann wirst du weich und denkst: Na ja, komm, irgendwie müssen wir über diese Situation hinwegkommen. Du hast mich kleinbekommen – ja, du bekommst jetzt deinen Willen.
Jeder kennt es. Und vor allem, wenn man nicht selbst betroffen ist und die Szene als Zuschauer betrachtet, denkst man: Lass dir die Butter nicht vom Brot nehmen. Oh nein – das Kind hat das ganze Brot genommen. Kein Brot mehr. Kein Schrank mehr da.
Und wir wissen: Aus einem solchen Verhalten resultiert häufig Negatives, wenn Eltern nicht konsequent bleiben. Also: Ich rede jetzt nicht über Lappalien. Auch Eltern müssen manchmal schauen: Ist das, was ich jetzt gerade will, wirklich so dramatisch wichtig, oder gibt es Bedürfnisse, die ich nicht gesehen habe, auf die ich einlenken muss?
Aber wenn es um den Heiligen Geist geht, ist es nicht so, dass er sagt: Ach ja, es stimmt, das habe ich gerade gar nicht in meine Rechnungen einbezogen. Jetzt weiß ich mehr. Danke, Waldemar, dass du mich darauf hingewiesen hast. Jetzt machen wir es so, wie du es willst.
Nein, der Heilige Geist bleibt bei seinem Programm. Das, was er tun will, wozu er gesandt ist, wird er auch tun – ohne Kompromisse, weil er uns liebt, weil er weiß, dass das, was er wirken will, Segen für uns ist und für die, denen wir dienen. „Den Geist löscht nicht aus.“ Und nur weil wir sagen: „Na ja, Pfingsten haben wir hinter uns, wir sind jetzt eine etablierte Kirche Jesu Christi“, sollten wir nicht meinen, dass dieser Spott sich nicht in unserem Herzen wiederfindet – dass wir auch spöttisch über die Wirkung des Heiligen Geistes reden oder denken könnten. Reden vielleicht nicht, das wäre zu auffällig. Das macht man nicht als Christ. Wir wissen, wie man sich im Hause Gottes benimmt. Wir wissen, was man sagen soll und was man nicht sagen soll, damit es nicht auffällt. Hey, aber unsere Leben predigen auch etwas.
Du merkst, wenn du mit Christen unterwegs bist, ob sie eine Leidenschaft in sich haben, von anderen anerkannt zu werden und sich anpassen, oder ob sie bereit sind, sich zum Narren zu machen um der Sache Jesu willen. Dass, wenn auch das ganze Dorf vor mir steht und sagt: Du bist dämlich, so wie du redest, handelst, glaubst und predigst – dann soll es so sein. Dann will ich der Narr dieser Welt sein.
Ich frage dich: Wollen wir Narren sein? Wollen wir in den Augen dieser Welt Narren sein?
Dass wir an dieser Stelle kein Amen hören, predigt uns auch etwas. Wir sind sehr langsam darin, hier einzusteigen und zu sagen: Ja, Prediger, auf diese Botschaft habe ich gewartet. Ich bin heute Morgen aufgewacht und habe gedacht: Bitte fordere uns auf, die Idioten dieser Welt zu werden. Das ist das, was ich Pfingsten erwarte. Und sobald es aus deinem Mund kommt, sage ich „Amen“. – Es hat niemand „Amen“ gesagt, und ich möchte euch nicht überstülpen: „Wenn du jetzt nicht ‚Amen‘ gesagt hast, dann ist das, was ich gerade sagte, eins zu eins auf dich zu münzen.“ Und trotzdem sollte es uns beschäftigen. Amen.
Dass wir nicht mutig genug sind zu sagen: „Wenn es sein muss, will ich ein Narr sein für Jesus Christus“, zeigt uns, dass wir durch die Annahme, die die Welt uns gibt, anscheinend etwas bekommen – in unserem Herzen –, von dem wir meinen, dass Jesus Christus uns das nicht geben kann. Aber wenn du bereit bist, für die Menschen im 21. Jahrhundert als Narr zu gelten aufgrund dessen, was Jesus in deinem Leben wirkt, dann wird dir Jesus etwas geben, was dir die Welt nicht geben kann.
Und da ist das Problem: Wir haben noch zu sehr die Sehnsucht in uns, etwas von dieser Welt zu bekommen, das uns Zufriedenheit ins Herz gibt, anstatt zu sagen: „Sei’s drum, denn das, was ich tagein, tagaus von diesem Jesus Christus bekomme, ist so viel mehr, als mir die Welt geben kann.“ Deswegen sagt Jesus auch, wir müssen uns sterben.
Wir müssen uns selbst sterben, unser Kreuz auf uns nehmen und dieses natürliche Begehren, bei anderen akzeptiert zu sein, überwinden lernen – zusammen mit Jesus. Das ist eine Wirkung des Heiligen Geistes, sodass Petrus sagen konnte: Hey, jetzt stehen hier nicht nur eine, nicht zwei, nicht drei Personen und vielleicht noch der Hahn von vor- vorgestern, sondern da stehen 3000 und mehr. – Wir wissen, dass sich 3000 Menschen an diesem Tag bekehrt haben, aber das heißt nicht, dass alle, die da waren, sich bekehrt haben. –
Ich weiß nicht, wie groß die Volksmenge war, aber jetzt stehen da alle. Aber die Wirkung des Heiligen Geistes in mir, diese Verbundenheit, diese Fülle im Geist Gottes, gibt mir alles, was ich brauche, sodass ich wirklich ein noch größerer Idiot wäre, das aufzugeben, um bei den anderen gut anzukommen.
Heute ist ein Tag, an dem wir uns entscheiden müssen: Wollen wir von der Welt geliebt werden, oder wollen wir gelobt werden von unserem Herrn Jesus? Beides gleichzeitig wird nicht gehen.
Hör mich: Einige spielen Spiele, einige versuchen, beides gleichzeitig in ihrem Leben zu realisieren. Dieses sündige Verhalten muss gekreuzigt werden im Namen Jesu. Das muss ans Kreuz. Diese Sucht nach Anerkennung müssen wir überwinden – in Gottes Namen. Das ist nichts, womit wir Spaß machen können. Jesus hat sein heiliges Blut vergossen, ist von den Toten auferstanden, ist zur Rechten Gottes gekommen und hat seinen Heiligen Geist gesandt, damit er in uns lebt. Nichts Besseres könnte uns passieren – und wir überlegen noch, ob wir von der Welt geliebt werden wollen.
Lasst uns doch neu hinschauen, wie sehr der Herr uns liebt. Er vergießt sein Blut für uns – das tut die Welt nicht. Er gibt das Kostbarste, was er hat – das tut die Welt nicht. Die Welt wird dich fallen lassen, wenn du nicht jeden Satz d’accord mitbetest und mitredest. Sie wird darauf warten, bis du versagst, und wird dich mit Füßen treten. Unser Herr Jesus ist aber nicht so.
Vers 14: „Petrus aber stand auf mit den elf Aposteln, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Männer von Judäa und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, dies sei euch kund, und hört auf meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages; sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist.“
Und dann zitiert er Worte aus dem Alten Testament. Die werden wir uns gleich anschauen.
Aber Petrus macht hier etwas ganz Interessantes, etwas ganz Entscheidendes, wovon wir viel lernen können. Petrus verweist nicht einfach auf seine Erfahrungen und sagt: Hey, das ist alles okay und hat jetzt auch für euch Autorität, weil ich gerade etwas Fulminantes erfahren habe in Kombination mit dem Heiligen Geist.
Petrus sucht eine Autorität, die größer ist als seine Erfahrung. Er will das, was gerade passiert, legitimieren. Er will ihnen sagen, warum das, was hier gerade passiert, wichtig und entscheidend ist. Und er sagt nicht: Ich habe etwas Heißes erfahren, und das solltest du auch wissen. Stattdessen sucht er nach etwas, woran er sich festhalten kann, bei dem er sagen kann: Weil das wahr ist, ist das, was hier gerade passiert, legitim.
Petrus sucht eine Autorität, von der seine Erfahrung am Ende abhängig ist. Petrus sucht die Grundlage für seine Erfahrung im Wort Gottes. Er zitiert die Bibel nicht ohne Grund, nicht zum Spaß, sondern er bringt die höchste Autorität ins Spiel und sagt: Das, was für euch so komisch wirkt, steht auf einer festen Grundlage – und zwar auf dem Wort Gottes. Und darum zitiere ich euch – liebe Männer von Judäa und alle, die ihr in Jerusalem wohnt – gleich aus dem heiligen Wort Gottes.
Was müssen wir daraus lernen? Ich glaube, dass wir als Christen unserer Zeit einiges lernen müssen: Petrus betrachtet die Kraft des Geistes nicht isoliert von der Kraft des Wortes Gottes. Er schneidet das nicht einfach ab und sagt: Schaut nur auf die übernatürlichen geistlichen Wirkungen. Petrus möchte schon in der Geburtsstunde der Kirche – das haben wir vergessen – das Wirken des Heiligen Geistes in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes sehen. Und nicht: Wer subjektiv Dinge erfährt, hat recht. Es hat schon Autorität in sich selbst, weil du Dinge erfahren hast.
Ich verspreche dir: Wir haben hier schon einiges erfahren, und manches ist nicht d’accord mit dem, was im Wort Gottes steht. Und die Frage ist: Wer hat die maximale Autorität? Und Petrus sagt nicht: Weil ich etwas für mich erfahren habe, hat es auch Autorität in deinem Leben, sondern: Hey Leute, was hier gerade passiert, ist in Übereinstimmung mit dem, was wir in Gottes Wort unmissverständlich lesen. Das ist die Grundlage für alles.
Ich möchte ein Zitat von dem alten Prediger Martyn Lloyd-Jones lesen, der Folgendes zu dieser Passage sagte: „Achten Sie zunächst darauf, dass Petrus nicht einfach nur von seiner Erfahrung sprach und sagte: ‚Es ist wunder-bar, und ihr alle könnt das auch haben.‘ Nein, sagte er: ‚dies ist, was … gesagt ist …‘, und dann zitierte er einen Propheten, und dann noch einen, und er legte die heiligen Schriften aus.“
Oh, ich liebe das. Er will die Kraft des heiligen Geistes, aber nicht ohne das Wort Gottes.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass in einigen christlichen Kreisen – wenn man sich zu sehr in die Heilige Schrift hineinbegibt und die Schrift auslegt – das Gefühl aufkommt: Ah, jetzt dieses Trockene. Prediger, hindere doch das Wirken des Heiligen Geistes nicht.
Petrus kam nicht darauf. Er hat das mächtige Wirken des Geistes gesehen, und dann hat er eine ordentliche Portion Predigt und Heilige Schrift in diese Versammlung von Tausenden hineinplatziert, weil es ihm heilig war. Es war ihm wichtig. Den Geist will er nicht ohne das Wort Gottes.
Und es ist für uns enorm wichtig, dass wir nicht ein Glaubensleben kultivieren, das auch ohne das Wort Gottes funktioniert und damit keine gesunde Orientierung gibt.
Wer Geisteswirken ohne das Wort Gottes forciert, wird in Unordnung fallen, wird in Unordnung fallen. Das Wort Gottes ist uns Licht auf unserem Weg. Und wenn du nur auf Wirkungen und Segnungen schaust, wirst du dich in einer Situation erleben, in der dein Leben überwiegend von deinen Emotionen bestimmt wird – und das momentane Gefühl, dir als Bestätigung dient: Ist das jetzt gut? Ist das heilig? Ist das richtig?
So wirst du mit Menschen aller Art sprechen. Viele Menschen haben spirituelle Erfahrungen gemacht. Also, es ist bei weitem nicht so, dass unsere Gesellschaft komplett atheistisch unterwegs ist. Es ist krass, wie viele spirituelle Erfahrungen Menschen gemacht haben.
Und für sie ist die Legitimation dieser Erfahrung das, was sie dabei empfunden haben. Aber was ich dabei empfinde, spielt bei der endgültigen Bewertung dieser Sache nicht unbedingt eine endgültige Rolle. Wichtig ist: Ist das, was ich dort gefunden und erlebt habe, im Einklang mit dem, was ich hier gelesen habe? Und wenn es davon abweicht, mag es sein, dass es hier eine andere Quelle gibt.
Unsere Kanzeln sind voll von Motivationsansprachen, bei denen Leute gestärkt und auferbaut herausgehen und sagen: Irgendwie hat mir das etwas gegeben. Ja, was hat es dir gegeben? Ist das, was dir gegeben wurde, im Einklang mit dem, was du in der Bibel gelesen hast, dann wird es bleibende Frucht bringen. Aber wenn es nicht im Einklang damit ist, dann wird es dir ein momentanes gutes Gefühl geben, vielleicht einen kurzen Push – aber wenn der Spott kommt, wenn die Verfolgung kommt, dann wird dir alles egal sein, weil du keine Grundlage hast, auf der das steht, was du gefühlt und erlebt hast.
Darum lasst uns auf das Wort Gottes achten, dass wir, wenn wir über Pfingsten und über den Heiligen Geist nachsinnen, nicht denken: Okay, du kannst Bibel lesen, aber Heiliger Geist? Für Petrus ist zu Pfingsten beides gleichermaßen präsent. Wir erleben die Kraft des Heiligen Geistes. Auch wenn sie uns irritiert, folgen wir dieser Kraft –aber in Übereinstimmung mit seinem Wort.
In Jeremia 23, Vers 29 lesen wir: „Ist mein Wort nicht brennend wie Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?“
Ich bin es wirklich müde zu hören, wenn Menschen in unserem christlichen Camp die Effektivität, den Kraftgehalt des Wortes Gottes schmälern, weil sie meinen: Na ja, die Bibel ist irgendwie nicht so das Wahre, wir brauchen etwas anderes, das mehr kitzelt.
Aber Petrus hat noch etwas anderes ausgezeichnet: Petrus will das Wort nicht ohne den Geist.
Schaut, in welcher Situation Petrus hier ist: Er ist von Juden umgeben. Die Menschen, die zu Pfingsten dorthin gekommen sind, waren keine ausgemachten Atheisten, die gesagt haben: Sobald jemand über Gott redet, wollen wir spotten. Die Volksmenge, die dort zusammenstand, das waren alles Menschen mit Gottesbezug. Wir können davon ausgehen, dass sie alle fromm waren, alle in einer Weise gläubig. Es heißt nämlich in Apostelgeschichte 2, Vers 5 – in dem Text vor unserem Predigttext –: „Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation unter dem Himmel.“
Die Menschen haben gesagt: Wir sind nicht gegen Gott. Wir wollen Gott, wir fürchten Gott, wir respektieren ihn, wir wollen uns nicht gegen ihn auflehnen, er ist unser Gott. Und jeder hingegebene Jude in dieser Zeit hat davon geträumt, dass die Worte, die Petrus gleich aus dem Buch Joel zitiert, wirklich wahr werden. Jeder hingegebene Jude hat darauf gewartet, dass das passiert, was der Prophet Joel angekündigt hat.
Sie haben es nicht ganz auf die Kette gekriegt, in welcher Art und Weise das passieren soll, aber jeder hingegebene Jude wusste: Das, was Gott durch den Propheten Joel gesagt hat – oh, es wäre eine große Freude, das mitzuerleben.
Das bedeutet: Petrus ist konfrontiert mit einer riesigen Menge von Menschen, die das Wort kennen, die den Propheten Joel kennen. Aber wenn sie plötzlich mit der Wirkung des Geistes konfrontiert sind – von der die Schrift spricht –, dann sind sie empört und spotten sogar über das, was da passiert.
Und das gibt mir eine andere Warnung. Nicht einfach: Hey, sucht Zeichen und Wunder, es ist egal, was das Wort Gottes sagt. Wir sehen in unserem Text auch eine andere Gefahr: Die Leute hätten alle gesagt: Jawohl, die Bibel – super, richtig, ist meins, lese ich, liebe ich, will ich.
Au, aber wenn auf einmal das passiert, was dort drinsteht, dann fange ich an zu spotten, fange an, mich dagegen aufzulehnen. Und Petrus will dies ebenso nicht. Er will nicht nur das Wort, aber nicht die Wirkung dessen, von dem dieses Wort spricht, sondern er ist mutig und stellt sich hin: Das, was uns so lieb ist, liebe Männer von Judäa, ihr Gottesfürchtigen – das zeigt sich jetzt in Kraft und Macht durch die Wirkung des Heiligen Geistes, und darin leben wir.
Aber da gab es einige, die wollten das Wort ohne den Geist, und das führt unweigerlich zu einer Form von oberflächlicher Religiosität – zu einer rein intellektuellen Disziplin. Wir bestätigen mit unserem Kopf die Dinge, aber wenn sie dann unser Herz berühren, wollen wir damit nichts zu tun haben.
Wir müssen leider weiter. Was heißt leider? Wir haben noch gute Worte vor uns.
Die Verse 17 und 18. Jetzt zitiert Petrus in diesem Geistereignis von Pfingsten die Worte von dem Propheten Joel. Hier lesen wir: „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen – übrigens: weissagen und nicht wahrsagen. Das bedeutet: prophezeien, von Gott her sprechen, von Gott her inspiriert reden – und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Erscheinungen sehen, und eure Ältesten werden in Träumen Visionen haben, und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen“ – oder: prophetisch reden.
Vers 17 beginnt mit den Worten: „Es wird geschehen in den letzten Tagen.“ Einige Menschen fragen sich: In welcher Epoche der Weltzeit leben wir eigentlich? Es gibt eine Epoche, die nennt sich „die letzten Tage“. Das ist eine lange Epoche, sie hat viele Tage, aber sie wird in der Bibel immer wieder so beschrieben – als eine Zeit der letzten Tage. Und zu Pfingsten, ungefähr vor 2000 Jahren, hat es begonnen – beim ersten Pfingsten –, dass diese „letzten Tage“ angebrochen sind, und diese Epoche dauert so lange, bis Jesus Christus beschließt, wieder zurückzukehren und sein angebrochenes Reich zu vollenden.
Das Hauptmerkmal dieser gegenwärtigen Ära, in der wir jetzt leben – dieser „letzten Tage“ – ist, dass Gott ein Feuer in den Gläubigen anzündet und durch sie wirkt. Jesus hat es angekündigt in Johannes 7, Verse 38 und 39, wo es heißt: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“
Jesus hat es schon angekündigt: Da wird etwas passieren, der Geist Gottes wird von dir Besitz ergreifen und Ströme lebendigen Wassers werden aus dir fließen. Eine Lebensquelle wird Gott in dir aufrichten. Es ist interessant, dass Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dem werden Ströme lebendigen Wassers kommen.“ Die Schrift und das Wirken des Heiligen Geistes sind etwas, das parallel passiert.
Wir sehen: Jesus hat in seiner Zeit in Vollmacht gehandelt. In der Kraft des Geistes ist die Königsherrschaft Gottes in dieser Welt angebrochen, und die begleitet uns nun, sodass wir Jesus widerspiegeln in dieser Welt und ihn repräsentieren, bis er wiederkommt.
Diese letzten Tage, von denen wir zu Pfingsten lesen, sind das, was uns heute in Emmendingen und in Lahr in gleicher Weise auszeichnet. In 1. Korinther 1, Vers 7 sagt Paulus zu den Christen: „Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel“ – also an keiner geistlichen Wirkung, die durch den Heiligen Geist kommt –, „während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet.“
Was sagt er damit? Ihr lebt in diesen letzten Tagen, ihr habt keinen Mangel, Ströme lebendigen Wassers fließen aus euch, und ihr wartet, bis Jesus Christus wiederkommt. Ihr seid in dieser Epoche, und Gottes Geist wirkt bei euch.
Und wir sehen hier, welche Begriffe der biblische Text uns nennt: Gott wird den Geist ausgießen, es wird überfließen, es wird keinen Mangel geben.
Woran liegt das? Jesus hat es angekündigt: Der Geist wird kommen, wir werden in den Geist getauft werden – das sagt er in Apostelgeschichte 1, Vers 5. Und das ist zu Pfingsten mit Feuer passiert.
Kurzer Side-Fact: Es gibt drei markante biblische Ereignisse, in denen Gottes Geist – oder die Herrlichkeit Gottes – kommt und Wohnung nimmt.
Das erste Mal passierte es, als Mose das Volk Israel aus der Knechtschaft rettete und ins verheißene Land führte. Dort errichteten sie die Stiftshütte. Gott hatte gesagt, dass er dort Wohnung nehmen will und dort Gottesdienst gefeiert werden soll. Dann kam Feuer aus dem Himmel! und Gott hat dort Wohnung genommen.
Das zweite Mal, als es passierte, war, als sie im verheißenen Land waren und den Tempel errichtet hatten. Gott möchte Wohnung nehmen und kommt mit Feuer in den Tempel, um dort zu wohnen.
Und das dritte Mal weiht Gott seinen „neuen Tempel“ ein – zu Pfingsten –, als er wieder neu mit Feuer kommt, um hier zu wohnen. Dieses Mal nicht in einem Gebäude, nicht an einem einzigen Ort, sondern in jedem Einzelnen, der an Jesus Christus glaubt, um einen Tempel zu errichten, der einmal den ganzen Globus umspannt, wo Gott mit seinem Feuer wohnt.
Und Joel prophezeit hier etwas – die Theologen nennen das „die Demokratisierung des Heiligen Geistes.“
Habt ihr gelesen, wer den Heiligen Geist empfangen soll? Sind das nur die Priester, die Pfarrer und die Pastoren in den Gemeinden? Sind das die Leiter, die eine besondere Ausbildung absolviert haben, sodass nur sie in diesen Genuss kommen, dass Gott Feuer vom Himmel sendet und bei ihnen wohnt? Wir sehen, dass die Schrift uns hier sagt: Der Geist wird kommen über Söhne, Töchter, junge Männer, über die Ältesten, über Knechte und Mägde. Das ist krass. Das war damals bei den Juden undenkbar, dass sie mit ihren eigenen Augen sehen, dass die einfachen Leute erfasst werden von dem Geist Gottes – und er bleibt – in dieser Macht und Kraft.
Egal, welches Geschlecht – Mann, Frau, Söhne, Töchter –, egal, welches Alter, ob du jung bist oder schon steinalt – und „steinalt“ beginnt bei kleinen Kindern bereits bei Menschen „ab 30“ – und es ist auch egal, welchen sozialen Status du hast, ob Knecht oder Magd: Das hindert Gott nicht daran, mit seinem Feuer zu kommen und bei dir Wohnung zu nehmen.
Ich habe jetzt eigentlich noch einen Vers aus 1. Korinther, den überspringen wir aber, weil die Zeit so weit fortgeschritten ist und ihr so langsam im Zuhören seid. Ich möchte noch auf einen wichtigen Punkt hinaus und schließe diesen aber noch ab.
Gott hat eine Leidenschaft, durch den ganzen Leib, durch die ganze Kirche, in dieser Welt zu wirken. Gott hat eine Leidenschaft. Welche Leidenschaft hast du? Ich frage dich … ich frage dich: Lebst du in der Fülle der Kraft, die Gott dir darreicht? Lebst du in der Fülle, die Gott durch dich wirken will?
Wenn du denkst: Ah, das geht nicht, weil … – das Einzige, was dagegen wirken kann, ist, wenn du nicht willig bist, wenn du dich dazu entscheidest, im Ungehorsam zu verharren. Aber wenn du hier und heute sagst: Ich will das. Herr, erfülle mich mit dem Heiligen Geist. Das Feuer in mir – fache es an. Es soll nicht nur eine kleine Flamme sein, sondern es soll ein brennendes Feuer werden. Komm und zünde es in mir an. Was glaubt ihr, wie der Herr auf eine solche Bitte antworten wird?
Herr, ich möchte mehr von dir. – Er wird dir nicht weniger geben. Herr, ich möchte dir gehorsam sein. – Ah, das habe ich überhört, das höre ich gar nicht gern?
Der Herr liebt es, durch alle seine Kinder zu wirken und diese Welt mit seinem Feuer zu erleuchten.
In die nächsten Verse müssen wir noch hinein, das bleibt euch nicht erspart. Könnt ihr noch ein bisschen? So, wer ist da? Wir machen es mal wie Dany. So, ja, sind alle noch da? Atmet mal schön ein. Christusgemeinde? Feuer! Christusgemeinde? Feuer. Amen.
Ja, Herr, gib uns dieses Feuer, gib uns dieses Feuer. Danke, dass du in uns ein Licht anzünden willst, das die Welt erfasst und die Welt ergreift. Und auch wenn es bedeutet, dass sie über uns spotten, selbst wenn sogar Mitchristen sagen: „Darüber schüttle ich nur den Kopf, so wie du unterwegs bist“, wollen wir wie Kinder an das glauben, was in deinem Wort steht, und wir wollen dir folgen, egal wohin. Amen.
Die nächsten Verse zeigen uns dramatisch, welches Ziel Gott damit konkret verfolgt. Bitte achtet auf Folgendes: Gott hat uns seinen Geist nicht gegeben, damit wir lediglich übernatürliche und schöne Erfahrungen machen. Ich möchte niemandem schöne, übernatürliche Erfahrungen wegnehmen, weil der Herr auch ein liebevoller Herr ist und er sich auch in Erbarmen und Freundlichkeit offenbaren möchte. Aber die nächsten Verse, die Joel ausgesprochen hat, zeigen, wofür die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist noch da ist und was am Ende ihr Zweck ist. Und das dürfen wir nicht verpassen. Aber ich befürchte, in den Pfingstbotschaften unserer Kirchen wird dieses Detail gerne ausgespart. Ihr werdet gleich hören, warum.
Verse 19 und 20: „Und ich werde Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde: Blut und Feuer und qualmender Rauch; die Sonne wird verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.“
Die letzten Tage, werden, wie es in unserem Text heißt, einmal zu einem Abschluss, zu einem Finale gebracht mit einem großen und herrlichen Tag des Herrn. Die letzten Tage enden mit einem letzten Tag des Herrn. Und dort wird Jesus Christus in Gerechtigkeit und in seiner heiligen Majestät wiederkommen, und er wird der Rebellion dieser Welt ein Ende bereiten.
Die Pfingstbotschaft ist eng damit verknüpft, dass Gott ankündigt: Ich mache hier jetzt etwas, aber es wird einen Moment geben, in dem ich zum Gericht wiederkommen werde. Jesus Christus kommt wieder und wird der Ungerechtigkeit Einhalt gebieten. Er wird alles Böse zur Rechenschaft ziehen und alle Gottlosigkeit im letzten Gericht richten.
Das Pfingstfest ist nicht nur dazu da, dass es uns gut geht und wir schöne Erfahrungen machen, sondern es dient einem Zweck; und zwar will es uns zeigen: Es gibt eine große Gefahr, und zwar wird das Gericht Gottes an diesem einen Tag kommen. Es ist unausweichlich, dass Gott kommen wird, und alle, die ihre Knie nicht gebeugt haben, wird er zur Rechenschaft ziehen und ihnen die gerechte Strafe für ihre Rebellion gegen einen heiligen Gott geben.
Ich weiß, es ist unbequem, und weil es unbequem ist, lese ich, was der Prophet Joel in seinem 2. Kapitel zu diesem Tag des Herrn geschrieben hat. Verse 1 bis 4. Dort prophezeit Joel im Namen des Herrn Folgendes: „Blast das Horn auf Zion und erhebt das Kriegsgeschrei auf meinem heiligen Berg! Beben sollen alle Bewohner des Landes! Denn es kommt der Tag des HERRN, ja er ist nah; ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wetterdunkels. Wie Morgengrauen ist es ausgebreitet über die Berge, ein großes und mächtiges Volk, wie es von Ewigkeit her nie gewesen ist und nach ihm nie mehr sein wird bis in die Jahre der Generationen und Generationen. Vor ihm her verzerrt das Feuer und nach ihm lodert die Flamme; vor ihm ist das Land wie der Garten Eden und nach ihm eine öde Wüste. Auch gibt es vor ihm kein Entrinnen. Sein Aussehen ist wie das Aussehen von Pferden; und wie Reitpferde, so rennen sie.“
Wenn du jetzt denkst: Was soll das mit den Pferden? Pferde sind doch schöne Tiere, auf denen man reiten kann. Es geht hier um Krieg. Wenn Joel heute schreiben würde, würde er sagen: Hörst du die Ketten der Panzer rollen? Wir sind ja nicht in einem Wendy-Magazin mit netten Pferdchen, sondern es ist Kriegsgeschrei, Kriegsgebrüll, Kriegsklang in der Luft.
Verse 5 bis 11: „Wie das Rasseln von Kriegswagen klingt es, hüpfen sie über die Gipfel der Berge; wie das Prasseln der Feuerflamme, die Stoppeln verzerrt; sie sind wie ein mächtiges Volk, zum Kampf gerüstet. Vor ihm zittern die Völker, alle Gesichter erglühen. Wie Helden rennen sie, wie Kriegsleute ersteigen sie die Mauer; und sie ziehen, jeder auf seinem Weg, und die Pfade verlassen sie nicht; und keiner drängt den anderen; sie ziehen, jeder auf seiner Bahn; und sie stürzen zwischen den Waffen hindurch, ihr Zug bricht nicht ab. Sie überfallen die Stadt, rennen auf die Mauer, steigen in die Häuser; durch die Fenster dringen sie ein wie der Dieb. Vor ihnen erbebt die Erde, erzittert der Himmel; Sonne und Mond verfinstern sich, und die Sterne verlieren ihren Glanz. Und der HERR lässt vor seiner Heeresmacht her seine Stimme erschallen, denn sein Heerlager ist sehr groß, denn der Vollstrecker seines Wortes ist mächtig. Denn groß ist der Tag des HERRN und sehr furchtbar. Und wer kann ihn ertragen?“
Jesus wird wiederkommen, und er wird wiederkommen, um Krieg zu führen. Die letzten Tage sind eine Phase der unver-dienten Gnade an die Menschheit, und diese Phase wird an Tag X enden. Jesus wird beschließen, in Gerechtigkeit zu kommen, um Krieg zu führen, bis alle seine Feinde zum Schemel seiner Füße liegen.
– Was hat das mit der Pfingstbotschaft zu tun?
Ich komme zum Schluss.
Apostelgeschichte 2, Vers 21, der letzte Vers unseres Predigttextes, in dem Petrus die Prophezeiung von Joel laut verkündet: „Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden.“
Gott kommt, um seine Kinder heimzusuchen und sie mit Segen zu füllen, damit sie ein Licht sind und in dieser Welt leuchten. Auch wenn sie Spott ertragen müssen, werden sie im Einklang Jesus als König repräsentieren und ihn in dieser Welt den anderen verkündigen.
Es wird einen Tag des Gerichts geben. Das ist nicht unsere Idee, es ist nicht unser Wunsch, es ist nicht unser Plan, sondern es ist eine Offenbarung von Jesus Christus, und ihr sollt es alle hören: Jetzt sind die letzten Tage. Kommt zu diesem Herrn, ruft diesen Herrn an. Er hat alles gemacht, damit ihr in dieser liebevollen Gemeinschaft mit ihm sein könnt.
Eigentlich geht die Pfingstpredigt noch weiter. Wir bräuchten noch einmal eine Stunde, in der Petrus erklärt: Diesen Jesus, hat Gott mit Zeichen bestätigt: Er hat ihn in den Tod gegeben, er hat ihn aus den Toten auferweckt, er hat ihn in den Himmel erhöht, und er hat ihn zum Herrn gemacht – so heißt es am Ende der Pfingstpredigt.
Darum ruft diesen Jesus an, kommt zu ihm, damit euch nicht einmal der Tag des Herrn erwartet und ihr vor ihm vor Angst erzittert und erbebt, sondern kommt zu ihm als einen gerechten und gütigen König.
Jesus könnte, wenn er wollte, auch ganz anders. Jesus könnte, wenn er wollte, mit Majestät und Gerechtigkeit über diesen Erdball fegen, aber er hat sich entschieden zu lieben, weil Gott Liebe ist. Und er ruft uns zu: Warum willst du länger in der Finsternis sitzen? Komm zu mir! Komm zu mir! Denn ich kann dir etwas geben, das die Welt dir nicht geben kann.
Wenn du aber dein Glück und deine Annahme in der Welt suchst, dann wirst du irgendwann den Tag des Gerichts erleben, und es wird kein glücklicher Tag für dich sein, sondern ein dramatischer, ein furchtbarer Tag. Wer kann es ertragen? Wer kann es hören?
Lasst uns aufstehen zum Gebet.
Bibelstellen:
Apostelgeschichte 2,1–13; Apostelgeschichte 2,14–21; Johannes 3,8; 1.Korinther 2,14; Galater 5,17; 1.Thessalonicher 5,19; Jeremia 23,29; Apostelgeschichte 2,5; Johannes 7,38.39; 1.Korinther 1,7; Apostelgeschichte 1,5; Joel 2,1–11.
