Ich möchte gemeinsam mit euch die Predigtreihe fortsetzen nach meiner ausgedehnten Elternzeit. Wir befinden uns im Matthäus-Evangelium, Kapitel 22. Es sind die letzten Kapitel, und wir stolpern in eine Gleichniserzählung von Jesus hinein.
Und bevor wir die Verse aus Matthäus 22 lesen, schauen wir darauf zurück, was Jesus vorher beschäftigte. Denn durch die längere Pause, die wir hatten, werden wir gleich nicht fühlen können, in welche Atmosphäre Jesus sein Gleichnis hineinspricht – was gerade bei den Leuten abgeht, wenn er von diesem Gleichnis des Hochzeitsmahls spricht.
Denn es geht diesem Gleichnis keine Segnung von Schulanfängern voraus, wo wir denken: Ja, happy clappy, alles ist schön, alles ist toll, und jetzt kommen wir zu diesem Gleichniswort. Sondern die Szenerie ist eine ganz andere.
Die Stimmung, in der Jesus sich gerade befindet, ist maximal aufgeladen. Es ist nicht so, dass er morgens aufgestanden ist und gesagt hat: Ich möchte den Menschen da draußen etwas erzählen. Dem ging etwas voraus.
Jesus ist in Jerusalem eingezogen, und er weiß: Meine letzte Stunde hat geschlagen. Er ist nach Jerusalem gekommen, um seine Mission zu vollenden. (Matthäus Kapitel 21) Und er steht im Begriff, hingerichtet zu werden. Er befindet sich in den letzten Atemzügen seines Lebens, könnte man sagen.
Die längste Zeit seines Lebens liegt hinter ihm, und in wenigen Tagen wird er hingerichtet. Und er geht nach Jerusalem, in das Zentrum der Anbetung Gottes, und er lässt sich dort feiern.
Vielleicht haben das einige auch noch im Gedächtnis, wie Jesus auf einem Esel reitend nach Jerusalem kommt und er sich dort als Messias feiern lässt – als Retter, als König Israels. Das ist die Situation. Die Erwartung an diesen Jesus ist mächtig.
Und Jesus betritt den heiligen Tempel und provoziert alle.
Vielleicht könnt ihr euch daran erinnern, dass Jesus, als er in den Tempel gegangen ist, Dinge umgeworfen hat, damit mächtig provozierte und eine Eskalation verursacht hat. Er hat einer toten Religion mit formellen Liturgien, die die Menschen einfach abspulen, ein Ende bereitet.
– Ja, hier ist ein heiliger Ort, und hier muss ich mich in einer bestimmten Art und Weise benehmen. Und die Hauptsache ist: Ich spiele nach den Spielregeln anderer Leute, was diese denken, was ich tun soll.
Und Jesus ist die Art und Weise, wie Menschen mit dem Heiligtum umgehen, zuwider. Dass sie Dinge vermengen – das Heilige mit dem Unheiligen. Und er macht dort Ramba Zamba, und die geistlichen Leiter in den damaligen Tagen sind empört.
Wie kann Jesus in das Zentrum der Anbetung Gottes, in diese heilige Stätte, kommen und unsere Spielregeln und den Status quo infrage stellen? Wer gibt ihm das Recht, so zu handeln, wie er handelt?
Ich befürchte, dass auch einige unter uns sehr irritiert wären, wenn Jesus jetzt leibhaftig hier hereinkäme und so manchen Status quo in unserem Leben infrage stellen würde und vielleicht so manchen Tisch, den wir aufgerichtet haben und der dort nicht hingehört, umwerfen würde.
Auch wir müssen darauf achten: Wo leben wir nur tote Religiosität, formelle, fromme Rituale, bei denen es aber eigentlich nicht um den heiligen und lebendigen Gott geht?
Nun, die geistlichen Leiter sind empört darüber, und sie fordern Jesus dazu auf, über sein dreistes Verhalten Stellung zu beziehen. Und Jesus treibt es auf die Spitze und macht ihnen mit vielen Worten klar, dass Betrüger und Prostituierte an der Königsherrschaft, am Reich Gottes, Anteil haben, weil sie von ihrer Sünde umkehren und sich Jesus anvertrauen.
Aber Heuchler werden an ihrer selbstgerechten Selbsttäuschung zugrunde gehen.
Das ist die Message, die er diesen Leitern, den Pastoren der damaligen Tage, entgegenhält: Ihr habt keinen Anteil an den Segnungen Gottes, weil ihr euch selbst feiert in eurer Religiosität.
Aber die Menschen am Rand der Gesellschaft, die ihr verachtet, sind bereit, sich mir anzuvertrauen. Sie heißen die Königsherrschaft Gottes willkommen, und diese werden Anteil an den Segnungen Gottes haben.
Die geistlichen Leiter sind daraufhin in Rage über das, was Jesus da von sich gibt. Dass er die Dreistigkeit hat, sie in ihrer Integrität und Ernsthaftigkeit infrage zu stellen, ihre Motive offenzulegen und sie zu verurteilen und zu verdammen.
Daraufhin lesen wir in Matthäus 21, in den Versen 45 und 46, direkt vor unserem Text, Folgendes: „Und als die Hohen Priester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, dass er von ihnen redete. Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten.“
Sie waren nun drauf und dran, ihn zu ergreifen und ihm ein Ende zu bereiten. Aber sie waren noch vorsichtig, weil sie gemerkt haben, dass seine Popularität sehr, sehr groß ist.
– Wenn wir es uns jetzt verscherzen, dann bekommen wir Probleme mit der Volksmenge.
Also: Die Debatte ist sehr, sehr hitzig. Stell dir vor, du bist in dieser Rolle, und die Leute wollen dir eigentlich an den Kragen gehen. In ihren Gesichtern und in ihrer ganzen Körpersprache wird das deutlich: Wir wollen dich packen und niederstrecken.
Wie reagiert Jesus in der Eskalation?
Er erhebt das Wort und spricht. Kapitel 22, Verse 1 bis 6: „Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitet. Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen. Wiederum sandte er – der König – andere Knechte aus und sprach: Sag den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die Übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.“
Ich wette mit euch: Wenn Jesus im 21. Jahrhundert käme, würden die ganzen Frommen, die etwas zu sagen haben und schon auf Jesu Seite sind, ihm raten: Jesus, das ist eine ganz schlechte Idee, was du gerade machst. Jesus, du musst etwas mehr diplomatisches Geschick an den Tag legen. Du kannst nicht von einer Eskalationsspirale in die nächste gehen. Die Leute sind schon gegen dich. Mit dem, was du gerade sagst, machst du dir keine Freunde.
Jesus nimmt den Spiegel und hält ihn noch näher vor das Gesicht derer, die ihn jetzt schon abgrundtief hassen, und eskaliert damit maximal.
Warum deeskaliert Jesus nicht? Ist Jesus nicht der, der dafür bekannt ist, dass er milde, sanftmütige und geduldig ist? Ist es nicht eigentlich das Bild, das wir von Jesus haben, dass er immerzu freundlich mit den Menschen umgeht?
Und auf einmal werden wir mit einem Bild von Jesus konfrontiert, das irgendwie unangenehm ist, das sich nicht in unsere Erwartungshaltung fügt. Und wir merken: Jesus ist in der Lage, sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Situationen zu reagieren. Jesus weiß, wann es notwendig ist, milde und gemächlich und sacht und freundlich zu sein.
Aber Jesus ist der, der auch ganz anders kann. Er weiß nämlich, dass Deeskalation in diesem Augenblick das falsche Signal sendet.
Diese Leute sind gegen mich, weil ich ihnen offenbare, mit wem sie es zu tun haben. Und diese Leute sind gegen mich, weil ich ihnen offenbare, wie ihr Herzenszustand ist.
Und diese Eskalation ist wichtig. Dieser Offenbarungsmoment ist wichtig, damit sie merken: Hier ist der versprochene König, hier ist der Retter der Welt, und ihr kommt nicht an mir vorbei.
Aber so, wie ihr gerade steht, sieht es düster um eure Seele aus. Und die Leute flippen aus. Und genau das ist nötig für diesen Moment.
Und wenn Jesus deeskalieren würde, müsste er so tun, als würde er von der Wahrheit abrücken. Doch manchmal – und das gehört auch zum christlichen Glauben – gibt es Standpunkte und absolute Wahrheiten, bei denen wir es uns nicht leisten dürfen zu deeskalieren, weil genau das noch größeren Schaden anrichten würde.
Aber Jesus kommt im Segen. Er bringt die Wahrheit, die was macht? Die frei macht! Und darum ist er nicht bereit, ihnen die Wahrheit einfach vorzuenthalten. Denn Wahrheit ist dazu gesetzt, Freiheit zu bringen, die Lüge zu zerbrechen und Licht in die Finsternis zu bringen. Auch wenn es unbequem ist und hart ist: An dieser Stelle, an diesem Punkt der Geschichte, muss er klar bleiben – auch wenn es hart ist, auch wenn es uns unangenehm ist.
Ich finde es übrigens interessant: Wisst ihr, ich glaube, dass das häufig bei Kirchenchristen so ist, die schon lange dabei sind, dass ihnen diese Facette unangenehm ist – dass unser Gott und König auch unbequem sein kann.
Aber schaut: Ich habe kürzlich einen Kontakt aufgebaut zu einer Person hier aus der Region, die auf der Suche nach Wahrheit, auf der Suche nach Gott ist. Und sie beschäftigt sich jetzt mit der Bibel, mit Jesus: Was hat das alles auf sich? Und diese Person erzählte mir, dass sie jetzt anfangen will, in der Bibel zu lesen. Und sie erzählte weiter: Ich habe mir eine filmische Abhandlung über Jesus angeschaut, und das hat mich genervt.
Jetzt fragt ihr euch: Was hat sie genau genervt? Wie heißt dieser Streifen? Das mache ich jetzt nicht, weil ich nicht in die Diskussion verfallen möchte: Welcher Film, was ist jetzt gut oder schlecht. Aber folgende Beobachtung war hoch spannend: Diese Person sagte: Ich habe mir das angeschaut, habe aber bald ausgeschaltet.
Was war der Grund? Von Jesus wird ein Bild gezeichnet, dass er so der Softy–Typ ist, immer der freundliche Nachbar mit einem netten Lächeln, und alles ist immer super, alles ist gut, und er ist so allglatt. Er sagte: Das kann doch nicht sein, dass Jesus fortwährend der Typ „freundlicher Schwiegersohn“ ist, den alle lieb haben. Jesus konnte doch auch anders.
Und hey: Hier ist jemand, der fängt gerade an, sich mit Jesus zu beschäftigen, und kommt selbst zu diesem Schluss.
Und ich dachte mir: Okay, den Zahn muss ich der Person nicht mehr ziehen – Jesus hat auch Facetten, die unbequem für uns sind.
Ja, wie soll es denn auch anders sein, wenn der Himmel die Erde küsst? Der Himmel hat andere Qualitäten, hat andere Merkmale als unsere Erde. Wenn es dasselbe wäre, dann bräuchte Jesus Christus nicht auf die Erde zu kommen. Aber er ist gekommen, weil hier enorm verdorbene Dinge geschehen. Und deshalb muss er mit seinem Licht kommen und in die Finsternis leuchten. Auch wenn es für uns unbequem ist – es soll uns frei machen.
Es hat mich sehr bewegt, dass diese Person selbst zu der Erkenntnis kam: In Jesus ist mehr als nur der liebe Nachbar, der sogar zu deinem lauten Rasenmähen noch freundlich herüberschaut.
Was tut Jesus hier? Jesus bringt einen bildlichen Vergleich, und er malt den Menschen vor Augen: Womit kann man Gottes Königsherrschaften, das Reich der Himmel, in Beziehung setzen? Wie kann man das vergleichen? – Das ist sowieso schon eine Herausforderung: Wie kann man das Himmlische ins Irdische übersetzen?
Und Jesus benutzt dafür Bilder, die alle ihre Grenzen haben. Aber sie sollen uns ein paar Facetten aufzeigen. So kannst du dir in einer gewissen Weise vorstellen, was da gemeint ist.
Und Jesus beschreibt das Reich Gottes mit einem Hochzeitsfest.
Wenn Jesus von einem Hochzeitsfest spricht, dann weckt er gewisse Erwartungen. Wenn du eine Einladung zu einer Hochzeit bekommst, dann denkst du in der Regel nicht: Ach, schon wieder. Oh, wie ätzend, solch eine traurige Angelegenheit.
Außer jemand hat dir deine Braut geklaut und heiratet sie – dann ist es vielleicht ein trauriger Moment für dich.
Aber in aller Regel ist die erste Reaktion: Das ist ein Fest der Ausgelassenheit. Es geht um Freude. Es geht darum, zu genießen. Ich darf essen und trinken und muss nicht dafür bezahlen. Hallelujah. Ich werde wahrscheinlich gute Gemeinschaft haben. Und das nicht nur für ein paar Stunden: Die Hochzeitsfeste im alten Israel dauerten viele Tage. Da ist sozusagen gebilligter Ausnahmezustand. Wir dürfen uns maximal freuen.
Und diese Erwartung weckt Jesus, wenn er sagt: Das Reich Gottes ist so, als ob du dich auf eine Hochzeit vorbereitest. Es ist etwas Wunderschönes, etwas Begehrenswertes. Es ist ein Bild für das ewige Leben. Es ist ein Bild für Frieden mit Gott.
Und alle hier in diesem Bild sind entschlossen, bereit und sehnsüchtig: der König, sein Sohn und auch seine Knechte, die umhergehen und alle einladen. Die Knechte sind die Boten, die umherlaufen, davon erzählen und einladen: Kommt in das Reich Gottes. Kommt in den Segen Gottes. Kommt in den Frieden Gottes. Das ist die Aufgabe dieser Knechte, dieser Boten, die die Bewegung des Königs und des Sohnes in ihrem Herzen tragen. Und alle tragen dazu bei, dieses Fest zu feiern.
Nur eines fehlt: die Gäste, die Eingeladenen. Du kannst diesen Begriff auch übersetzen mit: die Berufenen.
Wir werden später, am Ende des Textes, in Vers 14 sehen – wenn du deine Bibel dabei hast, kannst du es jetzt schon sehen –, dass dieser Begriff von Jesus wiederholt erwähnt wird.
Die Berufenen sind nicht da. Sie müssen eingeladen werden. Aber was muss Jesus feststellen? Wie ist die Reaktion auf das Herrliche, auf das Schöne, auf das Ewige, auf das ewig Friedliche, das der König uns anbietet? Die Reaktion ist Ablehnung und Gleichgültigkeit.
Es heißt in unserem Text: Sie wollten nicht kommen. Sie kümmerten sich nicht. Sie gingen weg. Sie bevorzugten ihre Arbeit. Sie zogen das Gewöhnliche dem vor, was der König ihnen anzubieten hatte: das Außergewöhnliche. Sie wollten lieber das, was sie tagein, tagaus hatten – die Dinge, mit denen sie zurechtkamen, die Dinge, die sie irgendwie beschäftigt hielten. Sie hatten darin eine größere Leidenschaft, eine größere Hingabe, als dem König und seinem Sohn zu begegnen und das Fest mit ihnen zu feiern.
Und dann gibt es nicht nur diejenigen, die einfach weggehen. Es gibt auch die ganz Harten, die die Boten Gottes misshandeln und töten. Sie töten diejenigen, die sie einladen: Komm zur Hochzeit. Komm in den Segen. Und da gibt es Kräfte, die sich nicht anders zu helfen wissen, als diesen wiederholten Ruf zu kommen damit zu beantworten, dass sie den Boten ein Ende bereiten, sie misshandeln und töten.
Und damit bringt Jesus hier eine Vorschau auf das, was genau diese geistlichen Leiter, zu denen er gerade spricht, später mit Jesus tun werden. Er sagt hier bildhaft: Ich stehe hier und rufe: Kommt. Ich bin der Bote aller Boten, der Sohn selbst, der unterwegs ist, und ich sage, dass ihr kommen sollt.
Auch sie werden ihn misshandeln und töten.
Und Generationen vor diesen ignoranten geistlichen Leitern taten es ebenso mit den Propheten und den Boten Gottes.
Das Alte Testament ist voll davon. Das Alte Testament ist voll mit Menschen, die für die Wahrheit einstehen, die sich trauen, nach außen zu treten und das Volk aufzurufen: Kommt. Geht von eurem Gewöhnlichen weg und kommt zu dem Außergewöhnlichen. Geht von eurem Natürlichen weg und kommt zu dem Übernatürlichen. Feiert mit Gott. Gott will feiern. Er will sich freuen mit euch. Freut euch mit ihm.
Und Generation für Generation hat das Volk Gottes entschieden, diese Leute umzubringen und ihre Stimme zum Verstummen zu bringen.
Jesus macht damit klar: In der Geschichte des Volkes, inmitten derer er gerade steht, herrscht eine ausgeprägte Feindseligkeit gegenüber Gott. Und das spricht Bände. Jesus befindet sich dort, wo man sagen müsste: Wenn es geistliches, pulsierendes Leben und Liebe zu Gott gibt, dann an diesem Ort. Und hier steht er und verkündet, dass eigentlich alle in einer Gegenbewegung zu Gott sind. Sie heißen ihn nicht willkommen und warten nicht auf seine Einladung. Stattdessen kehren sie ihm permanent den Rücken zu und sind feindselig gegenüber Gott.
Auch auf dem wiederholten Versuch zur Einladung ist die Reaktion auf Gott pure Gleichgültigkeit und Verachtung. Nur die Intensität ist unterschiedlich. Die einen wenden sich einfach ab und gehen. Die anderen zücken die Messer und bringen die Boten um. Die Intensität der Ablehnung ist unterschiedlich, aber eines haben sie gemeinsam: Sie lehnen alle das Hochzeitsfest ab. Sie lehnen alle den König und seinen Sohn ab.
Und natürlich geht es hier vorrangig um eine geschichtliche Realität. Jesus stellt ihnen ihre Geschichte vor Augen, damit sie sich erinnern: Habt ihr nicht in eurem alten Buch – im Alten Testament – davon gelesen, dass die Propheten Gottes, die Boten Gottes, immer wieder getötet wurden?
Wir befinden uns nun in demselben Augenblick.
Natürlich ist es eine geschichtliche Realität, die Jesus ihnen vor Augen malt. Aber ich bin überzeugt, dass wir diese Worte nicht einfach nur als Geschichtsabhandlung abhaken sollten. Sondern es sollte auch eine Warnung für uns sein – die wir hier und heute diese Worte lesen und hören –, dass nicht wir diese Art von Eingeladenen und Berufenen sind, die fehlen, eingeladen werden, aber dennoch gleichgültig bleiben.
Von denen gibt es nicht wenige.
In Vers 14 lesen wir: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.“ Es ist nicht nur eine kleine Gruppe, die auf diese Weise Gott ins Gesicht spuckt. Es sind viele.
Und in dem Augenblick, wo Jesus das laut verkündet, muss uns das durch Mark und Bein gehen. Damit wir überdenken: Jesus, was willst du mir damit sagen? Und wo stehe ich eigentlich in der ganzen Sache? Denn eins erkenne ich: Gleichgültigkeit liebst du nicht.
Einfach daran vorbeizugehen und in den Alltag zurückzukehren, kann nicht die Antwort auf die liebevolle und eindringliche Einladung von Jesus Christus sein.
Du sitzt hier und hörst von der Liebe Gottes und von der Wahrheit, die dich frei machen möchte. Du kannst dann nicht von diesem Ort weggehen und sagen: Das ist für andere, aber nicht für mich. Ich wende mich meinem Handel zu. Ich wende mich meinem Acker zu. Ich mache mein Ding weiter.
Jesus warnt uns.
Von den Berufenen gibt es eine ganze, ganze Menge.
Wir gehen in den Vers 7. Welche Reaktion erfolgt auf das, was wir jetzt gelesen und gehört haben? Nach der Misshandlung und der Tötung der Knechte heißt es: „Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.“ Noch einmal: „Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.“
Wenn ihr jetzt denkt: Den Vers liest Waldemar zweimal, weil er diese Verse ganz besonders lieb hat – nein, das ist nicht der Grund. Ich lese ihn zweimal, weil es mir ganz besonders schwerfällt. Und wir Verkündiger handeln auch gerne so: Ach komm, wir lesen den Vers schnell, aber sprechen dann lieber über die anderen Dinge.
Aber gerade weil es so drastisch ist, wie Gott auf Gleichgültigkeit reagiert, müssen wir hier innehalten. Jesus spricht hier.
Du kannst dir nicht die Rosinen herauspicken aus dem, was Jesus sagt. Du kannst nicht sagen: Diese Facetten seiner Reden gefallen mir. Die habe ich gerne in meinem Kalender stehen. Die tätowiere ich mir sogar auf meinem Arm oder auf der Brust oder trag sie auf meinen Klamotten.
Aber was ist mit diesem Vers? Warum schafft dieser Vers es nicht in unsere Kalender?
Ja, mir fallen auch ein, zwei Gründe ein, warum.
Aber ihr merkt: Wir sind in der Gefahr, Dinge zu gewichten – und durch unsere Gewichtung zu vergessen, was Jesus noch gesagt hat. Sodass auch langjährige Christen beim Lesen ihrer Bibel bei solchen Versen stehen bleiben und sagen: Nie gesehen. Nie gehört. Und auch noch nie eine Predigt dazu gehört.
Wir haben ein mächtiges Problem. Wir können Jesus nicht zerteilen. Entweder ganz oder gar nicht. Entweder der wahre Jesus – oder ein Bild von ihm, das du dir in deinem Kopf machst. Aber jedes Bild, das wir uns von Jesus machen, kann uns nicht helfen, kann uns nicht retten, kann uns nicht lieben und kann uns nicht antworten. Denn es ist am Ende nur ein Götze. Darum: Hin zu dem wahren Jesus.
Wenn wir die vorherigen Gleichnisse lesen, dann werden wir merken: Jesus hat schon vorher verbal ausgeholt und seine Zuhörer mit dieser Facette konfrontiert. Denn zuvor hat Jesus gesagt, dass er für den Hausbau der Eckstein ist. Er ist das absolut grundlegende Element. Und er beschreibt, dass die Bauleute, diesen Eckstein verwerfen. Und dass derjenige, der diesen Stein verwirft, von diesem Stein zerschmettert und zermalmt wird.
Boah, ey. Ich weiß nicht, ob wir gern dabei gewesen wären, als Jesus so gepredigt und diese Dinge rausgehauen hat.
Und das bringt uns zu einer wichtigen Frage: Kennt ihr diese Unterscheidung: „Der Gott im Alten Testament ist so – aber der Gott des Neuen Testaments ist der liebe Gott“?
Der Gott im Alten Testament war zornig und hat Gericht gehalten, aber der Gott im Neuen Testament – mit Jesus – ist plötzlich ganz anders?
Ähm – wenn ich richtig gelesen habe, befinden wir uns im Matthäus-Evangelium, und das ist der Beginn des Neuen Testaments. Also: Wenn du dich mit dem Neuen Testament beschäftigst, kommst du nach wenigen Stunden zu dieser Passage, und du merkst: Der Gott des Alten Testaments ist auch der Gott des Neuen Testaments.
Gott ist immer noch heilig. Gott ist immer noch gerecht. Gott ist immer noch leidenschaftlich. Und davon hat er nichts abgenommen.
Wir sollen hier lernen: Gleichgültigkeit wird von Gott nicht mit Gleichgültigkeit beantwortet. Noch einmal: Gleichgültigkeit wird von Gott nicht mit Gleichgültigkeit beantwortet.
Ich erkläre es jetzt für diejenigen, die die deutsche Sprache noch nicht so beherrschen und gerade etwas irritiert geschaut haben: Wenn ein Mensch zu Gott sagt: „Es ist mir egal“, dann antwortet Gott nicht: „Na, dann ist mir das auch egal.“ Für Gott ist nicht egal, was für dich egal ist.
Und dann kann man sich, wenn man das liest und sich damit konfrontiert, schon die Frage stellen: Steht die Bestrafung eigentlich im rechten Verhältnis zu der Ablehnung, die man da gerade gehört und gelesen hat?
Die Menschen haben sich einfach nur abgewandt. Sie haben gesagt: „Hey, das ist deine Hochzeit. Da will ich nicht dabei sein. Ich sage ab, und ich gehe meinen Weg.“
Und der König kommt und sagt: Das akzeptiere ich nicht – und beantwortet deine Ablehnung mit einem militärischen Angriff.
Hier – wer ist unser nächstes Hochzeitspaar? Christian und Me… Wo ist Melanie? Sie ist da hinten – so weit voneinander entfernt? Was ist da los? Aber Christian ist hier im Streamingdienst. Sie heiraten demnächst, und wenn sie hier den einen oder anderen einladen und ich ablehnen würde – ich weiß nicht, ob Christian dann mit einem militärischen Feldzug antworten würde.
Wenn ja, dann würde ich sagen: Christian, ich glaube, du hast ein signifikantes Problem, und du brauchst psychologische Betreuung, um die Sache in den Griff zu bekommen. Das ist nicht angemessen. Ich habe nur gesagt: Sorry, das ist nicht meins. Ich kenne dich bislang noch gar nicht. Und keine Ahnung – du bist Russlanddeutscher und das Essen, was ihr esst, ist nicht so meins.
Ist das wirklich im richtigen Verhältnis?
Das ist eine Frage, die viele bewegt: Wie kann Gott so drastisch sein, dass er, wenn Menschen ihn ablehnen, den Hammer schwingt und sagt: Hier mache ich das Licht aus, und ich komme mit einem gewaltigen Gericht. Das gibt uns ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Das geht so nicht. Gott kann mit den Menschen nicht so umgehen. Und in unserer Gesellschaft – und auch bei vielen Christen; man sagt es vielleicht nicht laut, weil man sich nicht traut – ist es eine Frage: Ist das nicht zu krass?
Ich möchte mit euch kurz … Ach, die Zeit ist immer unser Feind. Ich sehne mich nach dem Hochzeitsfest im Himmelreich, wo es keine Zeit mehr gibt, sondern nur Ewigkeit.
Ich möchte mit euch kurz in Jeremia 18, die Verse 1 bis 11, hineingehen und das einmal lesen, damit wir erkennen: Wer ist eigentlich Gott, und wie verhandelt er mit dem Menschen?
Jeremia, ein Bote Gottes, der zu dem Volk Israel gesprochen hat und sich dadurch viele Feinde gemacht hat.
In Jeremia 18 heißt es: „Das Wort, das durch den HERRN zu Jeremia geschah: ‚Mache dich auf und geh in das Haus des Töpfers hinab, und dort werde ich dich mein Wort hören lassen!‘ Und ich ging in das Haus des Töpfers hinab, und siehe, er war gerade mit einer Arbeit auf der Scheibe beschäftigt. Und das Gefäß, das er aus dem Ton machte, missriet in der Hand des Töpfers. Und er machte wieder ein anderes Gefäß daraus, wie es in den Augen des Töpfers recht war zu tun. Und das Wort des HERRN geschah zu mir: ‚Kann ich mit euch nicht ebenso verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel?‘, spricht der HERR: ‚Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel?‘ Einmal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es ausreißen, niederbrechen und zugrunde richten zu wollen. Kehrt aber jenes Volk, über das ich geredet habe, von seiner Bosheit um, lasse ich mich des Unheils gereuen, das ich ihm zu tun gedachte. Und ein anderes Mal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es bauen und pflanzen zu wollen. Tut es aber, was in meinen Augen böse ist, indem es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen, das ich ihm zu erweisen zugesagt habe. Und nun rede zu den Männern von Juda und zu den Bewohnern von Jerusalem und sage: ‚So spricht der HERR: Siehe, ich bereite ein Unglück gegen euch vor und plane einen Anschlag gegen euch! Kehrt doch um, jeder von seinem bösen Weg und bessert eure Wege und eure Taten!‘“
Wir sehen, dass die Juden mit der Übermacht Gottes konfrontiert wurden. Gott ist der Töpfer, der den Ton in seiner Hand hält und er regiert darüber. Niemand kann ihm sagen: „Töpfer, warum gehst du so mit dem Ton um, wie du es tust?“ Der Töpfer steht über dem Ton und ist in der Lage, weise und gerecht zu entscheiden, wie es ihm gefällt.
Dass wir uns schnell über diese drastische Reaktion in Matthäus 22, unserem heutigen Text, ärgern, zeigt, dass wir nicht verstehen, in welchem Verhältnis wir zu dem stehen, der uns einlädt.
Ihr habt noch das Beispiel von Christian und mir im Ohr.
Es wäre falsch, wenn Christian mit militärischem Gerät meine Ablehnung seiner Einladung beantworten würde.
Merk dir das, Christian.
Christian ist Christian. Christian und ich bewegen uns auf Augenhöhe. Er ist einer wie ich. Er steht nicht über mir. Ich stehe nicht über ihm. Wir bewegen uns auf Augenhöhe.
Und haben wir gelesen, was Jesus in diesem Gleichnis erzählt, von wem eigentlich die Einladung ausgeht? Wer lädt hier ein?
Derjenige, der einlädt, ist kein Buddy. Derjenige, der einlädt, ist kein Kumpel. Derjenige, der einlädt, ist nicht der Nachbar von nebenan, der bislang immer ganz freundlich geguckt hat. Sondern derjenige, der die Einladung ausspricht, ist der König. Es ist die oberste Machtinstanz des Reiches. Es ist der Schöpfer und der König der Könige und der Herr aller Herren. Und derjenige ist es, der sich herabbeugt zu dir und sagt: „Auch dich möchte ich gerne dabei haben. Ich beehre dich quasi damit, dass du einen Platz bekommst an meinem Tisch und mit mir essen und trinken und dich freuen darfst.“
Der König lädt die Menschen ein. Es ist kein Kumpeltyp, der an der Seite steht und sagt: „Es wäre nett, wenn du auf meiner Party mit dabei wärst.“
Und wir haben uns leider angewöhnt, dass wir den König auf Augenhöhe betrachten, als würden wir meinen: Wenn der Schöpfer zu seinen Geschöpfen kommt und ihnen sagt, wonach sein Herz ist, dass er mit uns beratschlagen wolle, was gut wäre – als wenn es so ein Spiel wäre: Welche Idee hast du, Mensch? Welche Vorstellungen hast du, die mir bislang noch nicht gekommen sind? Gib mir bitte ein wenig von deiner Weisheit, damit ich ein ganzes Bild habe.
Wir haben hier denjenigen, der dieses Leben kreiert hat, der dich gemacht hat und dich in Beziehung zu Gott gestellt hat. Der gesagt hat: Du repräsentierst mich hier auf dieser Welt. Du bist mein Ebenbild.
Und das Ebenbild sagt sich: Das was du gebietest, ist für mich nur eine Option. Es ist für mich so, als wenn eigentlich ich die Zügel in der Hand habe, das Zepter fest umschlossen – und ich diktiere, wo ich hingehe.
Es ist eine offenkundige Rebellion dieser Personen, sich gegen den König aufzulehnen und mit ihrer Tat zu sagen: „Hey Chef, ich bin König. Du denkst, du kannst kommen und mir sagen, was ich tun soll? Ich werde es dir zeigen. Ich lehne dich ab, und ich mache mein Ding – und wir zeigen es dir, indem wir deine Boten umbringen. Du sollst wissen, wer die Macht hat.“
Und damit erheben wir Menschen uns zu Konterkönigen und wollen dem alleinigen Gott den Platz streitig machen und uns wie kleine Götter aufführen.
Das ist das Problem.
Wenn es eine Einladung auf Augenhöhe wäre, dann bräuchten wir jetzt einen Therapeuten. Aber da es keine Einladung auf Augenhöhe ist, sondern der unendlich heilige und liebevolle Gott kommt, brauchen wir keinen Therapeuten – sondern wir brauchen Umkehr unseres Herzens und Dankbarkeit dafür: – Moment mal: Gott weiß, wie ich unterwegs bin. Er hat gehört, dass ich schon Nein gesagt habe, und trotzdem kommt er zu mir.
Hier sind auch einige, die schon Nein gesagt haben. Aber Gott kommt mit einer wiederholten Einladung. Ich darf kommen. Welche Ehre, was für ein Vorrecht, was für ein Privileg! Das kannst du dir nicht erarbeiten, das kannst du dir nicht verdienen. Es kommt als Geschenk über mich. Und der König kommt und sagt: Ich darf dabei sein.
Die Menschen in den damaligen Tagen, die von Königen regiert wurden, wussten ganz genau: Wenn der König anklopft, dann stehen mein Hab und Gut – dann stehe ich und mein ganzes Haus – diesem König zur Verfügung, weil es so recht ist.
Wenn Menschen schon bei menschlichen Königen so reagiert haben – menschliche Könige, die sehr korrupt und auch unmoralisch sein können – wie viel mehr gilt dieses Verhalten dem König, der absolut weise, absolut gut und absolut herrlich ist und das Beste für dich im Sinn hat.
Schaut: Bevor wir in unserer Empörung stecken bleiben, dürfen wir nicht vergessen: Jesus spricht und warnt noch.
Warum warnt man eigentlich? Warnt man, weil man voller Hass ist? Warnt man jemanden, weil man ihm etwas Schlechtes möchte? Oder warnt man aus Liebe?
Und das ist das, was Jesus hier tut. Jesus ist unangenehm krass, unbequem – aber er warnt, damit sie hören und umkehren. Und Gott sich des Unheils gereuen lässt – wie es in unseren alten Bibeln heißt –, dass Gott sagt: Okay, wir sind zusammen. Du erkennst den Wert meiner Person.
Und nicht nur das, meine Lieben: Wir lesen hier von dem Zorn des Königs.
Jesus warnt nicht nur. Jesus ist in seinen letzten Wochen, um was zu tun? Um sich hinrichten zu lassen und den Zorn Gottes für unsere Sünde zu tragen.
Was Jesus hier tut, ist nicht eine Offenbarung der Ablehnung Gottes gegen dich, sondern er offenbart das, um zu zeigen: Ich liebe euch – darum warne ich euch. Und noch stehe ich hier und rede von dem Zorn Gottes. Ihr werdet am Kreuz sehen, wie ich diesen Zorn trage – stellvertretend für eure Rebellion.
Der König geht in den Staub. Der König geht in den Tod. Weil ihr euch als Könige aufspielt. Erkennt ihr nicht, wie sehr ich mich beuge und demütige vor euch, obwohl ich es nicht nötig habe? Aber das ist der Weg, um euch zu zeigen, wie sehr ich euch liebe.
Bevor wir in Empörung geraten, sollten wir erkennen, dass diese Verse – obwohl sie hart sind – uns eigentlich permanent die Liebe Jesu Christi vor Augen malen.
Lasst uns in unserem Text weitergehen. Könnt ihr noch? Ja. Wir werden irgendwann ans Ziel kommen.
Vers 8 bis 10: „Dann sagt er zu seinen Knechten: ‚Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein‘. Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, die sie fanden, Böse wie Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.“
Was Jesus hier bringt, ist eine gute Nachricht – aber für die, die das gerade hören, ist es eine krasse Provokation. Jesus warnt hier eindrücklich: Schlage meine Einladung nicht leichtfertig aus, denn ich bin drauf und dran, den für dich vorgesehenen Platz anderen zu geben. Das, wozu eigentlich du das Hausrecht hättest, werde ich dir wegnehmen, und ich gebe es anderen.
Und Jesus wiederholt damit, was ich in meiner Einleitung versucht habe wieder aufzufangen – vor meiner Elternzeit –,
aus Matthäus 21, wo er sagte: „Zöllner und Huren werden euch vorangehen, liebe religiöse Elite.“
„Zöllner und Huren.“ Das war für diese ein stehender Begriff: das Allerletzte.
Und Jesus sagt: „Diese gehen euch voran.“ „Ihr glaubt nicht“, sagt er, „aber die Zöllner und die Huren glauben.“
Und das spricht Jesus hier mit einem neuen Gleichnis wiederum an. Das, was die Pharisäer und die Leiter hier so enorm triggert, wird nicht gedämpft, sondern intensiviert.
Jesus will lieber Prostituierte bei sich haben, die von ihrer Schuld umkehren und sich ihm anvertrauen, als Heuchler, die sich in ihrer Scheinheiligkeit selbst gefallen.
In unserem Text, Vers 8, heißt es: Die Eingeladenen, die Berufenen – sie waren nicht würdig. Das bedeutet nicht – und es ist wichtig, dass wir das verstehen –, dass sie nicht gut genug waren, dass ihre Beschaffenheit nicht die richtigen Qualifikationen mitgebracht hat. Es geht nicht darum, dass Jesus die moralisch einwandfreien Würdigen holt. Denn später lesen wir in Vers 10 auch in dem Text: Sie haben alle mitgenommen. Wen? Die Guten und die Bösen. Böse und Gute. Derjenige, der bereits am Abgrund steht, und derjenige, der schon recht fromm unterwegs ist: Alle hat der König zu sich geholt.
Die Ausgeschlossenen in diesem Gleichnis, die Unwürdigen, sind unwürdig, weil sie nicht wollen. Das ist das, was einen Menschen unwürdig macht. Nicht, wie du beschaffen bist; ob du noch mit Sünde kämpfst; ob es Dinge gibt in deinem Leben, die noch nicht in die Ordnung Gottes hineingekommen sind.
„Ich muss mich zuerst einmal selbst von meinem ganzen alten Ballast befreien, und dann bin ich würdig.“ – Nein! Würdig sind die, die wollen? Unwürdig sind die, die nicht wollen. Und wir sehen: Der Saal ist am Ende mit Überraschungsgästen erfüllt. Und die Gäste sind unterschiedlich – Gute und Böse. Alle Menschen, die sie finden konnten, haben sie in den Hochzeitsaal gebracht. Und das ist das Schöne, das uns mit diesem Text weitergegeben wird.
Und Folgendes ist für uns wichtig:
Es gibt keine natürliche Gemeinsamkeit, die die Gäste miteinander verbindet, sodass sie dieses Hochzeitsfest feiern im Reich Gottes. Es gibt keine Qualifikationen, die man mitbringen muss, um Teil dieses Teams zu sein. Das Einzige, was sie in diesem Hochzeitssaal miteinander verbindet und als Einheit kennzeichnet: Sie sind angezogen von dem König und dem Sohn. Das ist die einzige Komponente, die sie verbindet.
Dasselbe muss auch hier gelten. Dasselbe muss auch hier gelten: Was uns hier verbindet und vereint, sind nicht irgendwelche Hobbys und Interessen, bei denen es schnell zum Konflikt kommen könnte. Was uns verbindet, ist die Anziehungskraft des Königs und des Sohnes – sodass wir uns zusammenfinden und dann nach links und rechts schauen und sagen: Okay, dass wir uns gemeinsam hier in einem Raum versammeln, das hätte ich nicht so geplant.
Einen Fußballverein kannst du so nicht aufbauen. Aber das Reich Gottes wird so zusammengesetzt, dass all die unterschiedlichen Personengruppen zusammenkommen. Und Jesus liefert uns hier das Bild für eine krasse Andersartigkeit, die unter uns herrschen soll – und auch herrschen muss.
Sprache, Herkunft, Nationalität, Interessen, Traditionen, Vorlieben, Intellekt spielen im Reich Gottes keine Rolle. Und wenn du in einer Gemeinschaft bist, wo irgendwie alle gleich reden, gleich riechen, gleich denken, dann wird nicht die Vielfalt des Reiches Gottes dargestellt. Wir erleben gerade in der Christusgemeinde etwas Extremes – wie soll ich es sagen: Die Verbindung von unterschiedlichen Kulturgruppen ist massiv.
Glaubt ja nicht, dass das leicht ist. Vor allem mit folgender Kultur … Nein, Spaß. … den Russlanddeutschen. Ich bin’s selbst.
Jeder hat seine Prägungen, seine Geschmäcker und seine Vorstellungen. Glaubt mir: In diesem Saal und überall, wo wir uns zusammenfinden – so viele Plätze wir besetzen, so viele unterschiedliche Vorstellungen und Geschmäcker haben wir auch.
Und das muss auch so sein. Und das müssen wir lieben lernen, weil der König und der Sohn genau diese Leute anzieht – in ihrer Unterschiedlichkeit. Was uns eint, ist nicht, dass wir einander sehr ähnlich sind.
Darum bin ich überhaupt kein Fan davon, wenn wir solche Subkulturgemeinden aufbauen: Hier sind nur die badischen Leute. Da treffen sich alle Dunkelhäutigen, weil sie sich halt gut verstehen. Dann brauchen wir eine Gemeinde für die Latinos. Und die Russlanddeutschen brauchen auch noch einen eigenen Platz. Man meint, die Rumänen könnten dazu kommen – aber nein, besser nicht. Die separieren wir auch, weil es da gewisse Unterschiede gibt.
Meine Bibel spricht nicht von solchen Trennungen. Im Reich Gottes werden alle auf dem Weg gesammelt. Alle werden gesammelt, weil der König ruft, weil der Sohn ruft – und nicht, weil eine Interessengruppe oder eine Subkultur ruft.
Mir ist es völlig wurscht, woher du kommst, welche Sprache du sprichst und welche Vorlieben und Traditionen du hast. Ich frage dich: Liebst du Jesus und folgst du ihm nach? Und wenn das der Fall ist, dann sind wir Bürger des Reiches Gottes. Dann dürfen wir miteinander feiern, uns freuen – und uns auch aushalten lernen. Amen.
Und vielleicht empfindet mancher – und das ist vielleicht wichtig, wenn du neu dabei bist – auch so ein Gefühl: Ich bin irgendwie nicht würdig. Ich bin hier ganz neu dabei.
Einige sind noch nicht lange auf der Suche oder in Gottesdiensten, und dann hat man das Gefühlt: Ich bin ein Fremdkörper. Ich weiß noch nicht: Wann stehen sie auf, und wann setzen sie sich wieder? Einige heben die Hände, einige nicht. Einige gehen auf die Knie, andere nicht. Bin ich eigentlich würdig zu partizipieren, mitzumachen? Bin ich würdig – mit dem ganzen Gepäck, das ich mitbringe –, auch hier zu sein, zu kommen und mitzufeiern?
Wisst ihr: Es gibt unzählige Gründe, die unser Gewissen aufploppen lassen kann, um zu sagen: Du bist nicht würdig. Du bist nicht richtig. Du bist ein Fremdkörper. Geh.
Und wenn dein Gewissen nicht reicht, dann ist Satan auch noch mit im Gepäck, der dir Vorhaltungen macht und sagt: Du bist ein Fremdkörper, und du kommst hier nicht rein. Du darfst nicht mitmachen. Du darfst nicht mitspielen.
Aber das sind Lügen. Und ich sage dir: Wenn du denkst, du bist nicht würdig, dann verwerfe diese Lüge. Nicht würdig ist derjenige, der nicht will. Aber wenn du eine Sehnsucht nach der Hochzeit – wie wir es hier lesen – in dir hast, dann bist du würdig genug, um zu kommen und mitzufeiern.
Seid ihr einverstanden, wenn wir jetzt zum Schluss kommen? Die Predigt ist nämlich ganz schön lang. Ihr werdet euch meine Elternzeit noch zurückwünschen. Ich weiß gar nicht, was das jetzt für ein Lachen war – entweder ein ernst gemeintes oder so ein leidiges Lachen.
Verse 11 bis 14, und dann machen wir den Sack zu:
„Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. Und er spricht zu ihm: ‚Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast?‘ Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: ‚Bindet ihm Füße und Hände, und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.‘“ Und Jesus endet: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.“
Wir kommen hier wieder zu keinem Happy End. Stattdessen wieder zu einer drastischen Formulierung.
Jesus spricht über Himmel und Hölle. Diese Realitäten bringt er vor uns. Viele sind eingeladen. Viele kommen dann auch tatsächlich. Der Saal ist voll. Der König geht durch die Reihen, und er erkennt jemanden. Diese Person hat kein Hochzeitskleid. „Freund, wie bist du hier hereingekommen, obwohl du kein Hochzeitskleid trägst?“ Ja, der Eintritt, meine Lieben, ist frei. Aber der Eintritt in das Reich Gottes ist nicht ohne Bedingungen. Der Eintritt ist frei für jedermann – aber nicht ohne Bedingungen. Im Reich Gottes gibt es keine Hochzeitsgäste ohne Hochzeitskleid. Du musst sicherstellen, dass du das Hochzeitskleid trägst. Jesus hat davor davon gesprochen: Im Reich Gottes gibt es keine Feigenbäume ohne Feigen. Es gibt keine Weinberge ohne Ertrag. Es gibt keine Hochzeitsgäste ohne Hochzeitskleid.
Und die religiösen Heuchler sollen verstehen: Niemand kann sich auf Nebenwegen in das Reich Gottes hineinschmuggeln. Die anderen Gäste haben in dem Tumult vielleicht nicht bemerkt, dass dieser ohne Hochzeitskleid bei ihnen sitzt. Er ist in der Masse untergegangen. Aber der König kommt. Er sieht. Er prüft die Herzen. Und er erkennt, welches Kleid wir tragen. Und nur weil sich diese Leute, zu denen Jesus gerade spricht, auf ihr religiöses Erbe ausruhen – „Ich habe eine Blutslinie voller frommer Menschen. Ich bin safe. Gott liebt mich. Gott muss auf meiner Seite sein, wenn er meinen Familiennamen kennt.“ – gibt ihnen das nicht das Recht, sich als Hochzeitsgast zu betrachten.
Und wie redet der König diesen Menschen an?
„Freund, wie bist du hier hereingekommen?“ „Freund“, sagte er. Diese Anrede „Freund“, das griechische Wort, das sich dahinter verbirgt, zeigt scheinbar ein wenig Nähe, ist aber eigentlich eine distanzierte Ansprache. Wir würden vielleicht sagen: „Freundchen.“ Tatsächlich.
Du weißt: Wenn jemand zu dir „Freundchen“ sagt, möchte er gerade nicht die tiefe Verbundenheit zu dir unterstreichen. „Freundchen.“
Dieser Begriff „Freund“ kommt im gesamten Neuen Testament selten vor – nur im Matthäus-Evangelium. Und nur eine einzige Person wird im neuen Testament als „Freund“, als „Freundchen“ bezeichnet. Und das ist die Person Judas. Als Jesus mit Judas konfrontiert wird in den letzten Stunden seines Lebens und Judas ihn verraten will, sagt Jesus:
„Freund, wozu bist du gekommen?“ (Matthäus 26,50)
Judas war ständig am Tisch des Bräutigams. Judas hat mit Jesus gegessen und getrunken. Und alle haben gedacht: Er ist auch ein Gast – eingeladen am Tisch. Er gehört dazu. Aber in der letzten Phase wurde offenbart, dass er kein Freund, sondern nur ein „Freundchen“ ist. Einer, der kein Hochzeitskleid trägt und tief im Innern Jesus nicht liebt.
Meine Lieben, das ist für uns ein wichtiges Wort. Es ist uns gegeben, dass wir uns prüfen: Wo stehen wir? Jesus hasst Religiosität. Jesus hasst Scheinheiligkeit. Jesus will das Echte.
Ich komme zum Schluss.
Vielleicht die brennendste Frage hier unter uns: Wie können wir sicherstellen, dass wir das Hochzeitskleid tragen? Du hörst das und denkst: „Ja, wie kann ich sicher sein, dass ich am Ende der Tage nicht der Judas 2.0 bin? Was kann ich tun, damit ich das Hochzeitskleid habe?“
Jesus sagt ganz zum Schluss unseres Textes: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.“
Woher weiß ich, ob ich einer dieser Auserwählten bin?
In der Offenbarung erzählt der Apostel Johannes, dass er im Himmelreich – hört hin – eine große Volksmenge sieht – so wie hier in unserem Text –, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, bekleidet mit weißen Gewändern. Und zum Schluss sagt er: … und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blute des Lammes.
Du willst wissen: Habe ich das Hochzeitskleid an? Du fragst dich: Bin ich einer der Berufenen oder einer der Auserwählten?
Die Auserwählten sind diejenigen, die dieses Gleichnis hören und sagen: Ich bleibe nicht gleichgültig gegenüber diesem Ruf. Ich merke: Ich bin gemeint. Ich bin gerufen. Und Gott will mich bei sich haben. Und wenn du diesem Ruf antwortest und die Liebe von Jesus Christus siehst – dass er gekommen ist, nicht zu deiner Verdammnis, sondern um deine Verdammnis auf sich zu nehmen und sein Blut zu vergießen, damit du dein Blut nicht vergießen musst – um diese Realitäten geht es.
Wenn du diesen Jesus liebgewinnst und sagst: „Herr, vergib mir meine Schuld. Und ich danke dir, dass du stellvertretend den Zorn des Königs – der gerecht ist – für mich getragen hast.”
All diese sind es, die hier und heute sagen können: Aus reinem Herzen bin ich gewiss. Mein Kleid ist rein. Mein Kleid ist weiß. Nicht, weil ich ein toller Hecht bin. Nicht, weil ich es allen gezeigt habe. Und erst recht nicht, weil ich ein religiöses Erbe von meinen Eltern habe. Sondern weil Jesus Christus mein Erlöser und mein Herr und mein Gott ist. Und darum bin ich ein Hochzeitsgast. Und ich bin ein Auserwählter. Der Herr hat mich erwählt. Und ich gehöre ihm. Amen. Amen.
Bibelstellen:
Matthäus 22,1–14; Matthäus Kapitel 21; Matthäus 21,45.46; Jeremia 18,1–11; Matthäus 26,50.
