6. April 2025

Zöllner & Huren kommen rein – Heuchler bleiben draußen

Zöllner & Huren kommen rein – Heuchler bleiben draußen

Wir haben soeben Worte aus Matthäus 21 gehört, und der aufmerksame Zuhörer und Bibelleser wird sich gedacht haben: Einen Moment mal, da gibt es doch ein Problem. Und zwar welches? Ganz genau – Verse wurden übersprungen.

Wir haben heute ab Vers 33 gehört, aber vergangene Woche ging es bis zu Vers 22. Will Waldemar wirklich Verse überspringen? Auf gar keinen Fall!

Wir werden heute etwas ausprobieren, und es wird uns nicht nur der heutige Lesungstext beschäftigen, sondern auch die zehn Verse davor. Das bedeutet Verse 23 bis 46. Hallelujah!

Die Stimmung ist ein bisschen gedämpft. Einige denken: „Waldemar, was hast du in der vergangenen Woche genommen, dass du noch mehr Verse für eine Predigt nimmst?“ Wir machen es deshalb, weil es im Grunde eine große Sinneinheit ist. Und wir werden voraussichtlich nicht bei jedem Vers genauso lange hängenbleiben wie in der letzten Woche, als es schon bei den ersten Versen eskalierte.

Wir befinden uns in der Phase, in der Jesus nach Jerusalem geht. Das Ende seines Dienstes bahnt sich allmählich an. Matthäus, Kapitel 28, ist nicht mehr fern. Das bedeutet: Das Matthäus-Evangelium neigt sich dem Ende zu.

Jesus ist an seinem Zielort angelangt – in Jerusalem. Und wir lesen in Matthäus 21, Vers 23, Folgendes: Und als er in den Tempel kam, traten, als er lehrte, die Hohen Priester und die Ältesten des Volkes zu ihm und sprachen: In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?

Die Frage, die die Ältesten und Hohen Priester hier an Jesus stellen, ist berechtigt: Warum machst du all diese Dinge? Wer autorisiert dich dazu? Wer hat dir das Recht gegeben, dich so aufzuführen?

Nun, wie hat sich Jesus aufgeführt? Wenn wir uns die vorherigen Passagen noch einmal in Erinnerung bringen, dann sehen wir: Jesus ist auf einem Esel nach Jerusalem hineingeritten. (Matthäus 21, Verse 1 bis 11).

Das war für die Juden eine sehr, sehr prophetische Aussage.

Moment – will er uns etwa damit suggerieren, dass er der ist, auf den wir warten? Und dann lässt er sich noch als König, als Sohn Davids, und damit als der Messias Israels feiern. Er geht in den Tempel, macht dort Tabula rasa und wirft alles um, was da nicht hineingehört. (Matthäus 21, Verse 12 bis 17).

Es hat ihm niemand gesagt, dass er das machen soll.

Nach dem Ereignis kommen Kranke zu ihm. Er heilt sie, macht sie gesund. Kinder sind dort – sie rufen ihm zu: Hosanna, dem Sohn Davids. Und Jesus begibt sich in den Tempel und predigt und lehrt dort.

So darf sich nur jemand verhalten, der dazu autorisiert ist.

Jesus, was fällt dir ein, hierherzukommen und das zu tun, was du tust?

Denn wir dürfen nicht vergessen: Die Hohen Priester und die Ältesten, von denen uns Vers 23 berichtet, sind die formale Tempelleitung. Und nun ist Jesus so vollmächtig unterwegs – und sie sind irritiert: Eigentlich haben wir die Hosen an. Eigentlich sind wir diejenigen, die sagen, wo es langgeht, was passiert – und was hier nicht passieren soll. Und jetzt kommst du, Jesus, wirfst buchstäblich alles um und setzt eine neue Agenda. Wer hat dich autorisiert?

Sich der Leitung zu widersetzen oder sie zu übergehen, bedarf mindestens eines göttlichen Auftrags. Und ich kann die Jungs auch verstehen.

Ich würde auch ziemlich komisch schauen, wenn ein Gast – wir haben heute einige Gäste, die ich nicht kenne – aufstehen und Tabula rasa machen würde. Plötzlich singen ihm die Kinder Loblieder, und dann schubst er mich zur Seite und fängt an, hier eine Stunde zu predigen. Wir sind bestimmt gastfreundlich – aber irgendwo hört der Spaß auch auf.

Wer hat dir eigentlich das Recht gegeben, so mit uns umzuspringen und hier die Agenda zu setzen? Wer hat hier die Hosen an?

Und deshalb fragen sie ihn: Wer hat dir die Vollmacht gegeben – die Autorität, die Macht –, so zu handeln?

Aber wir dürfen nicht glauben, dass diese Typen auf eine Art und Weise gefragt hätten, in der sie sich dachten: „Hier keimt etwas Neues auf. Diese Person Jesus zieht Menschen an, die eigentlich sehr fern von Gott sind. Vielleicht keimt hier etwas? Vielleicht ist hier ein Aufbruch? Wer hat dir diese Autorität gegeben? Es würde uns brennend interessieren, wer du wirklich bist.“

Wir sollten also nicht annehmen, dass sie mit einem gläubigen Interesse auf ihn zugegangen sind und ihn gefragt haben.

Sie wussten nämlich: Beruft sich Jesus jetzt auf Gott, dann begeht er damit Gotteslästerung. Wenn Jesus sagt: Ich bin vom Allerhöchsten autorisiert worden, und darum bin ich hier, dann ist das ein Fall von Gotteslästerung – Blasphemie. Und dann werden wir dich gefangen nehmen und töten.

Das ist auch später der Fall. Jesus wurde hingerichtet. Weshalb? Wegen Blasphemie – Gotteslästerung. Und sie haben schon mit dieser Frage versucht, ihn aufs Glatteis zu führen, ihm eine Falle zu stellen. Sie haben gehofft, dass er jetzt unbedarft antwortet. Und dann hätten sie ihn überführt und könnten ihn gleich verurteilen und töten.

Wir sehen ganz zum Schluss in unserem Text, in Vers 46, heißt es: Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmenge, denn sie hielten ihn für einen Propheten.

Die ganze Dynamik der Leiterschaft beruht also darauf: Wir wollen diesen Jesus ergreifen und ihn zur Strecke bringen.

Da ist kein gläubiges Interesse: „Sag mal, wer bist du eigentlich? Wir haben dich hier noch nie gesehen, aber du tust und lehrst so wunderbare Dinge. Wir wollen mehr von dir hören, vielleicht beginnt hier etwas Neues.“

Aber Jesus fällt nicht darauf rein, sondern er antwortet, wie man das von einem geschulten, guten Rabbi erwarten kann.

In den Versen 24 bis 27 antwortet Jesus, indem er eine Gegenfrage stellt. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen, und wenn ihr es mir sagt, so werde auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.

Und jetzt kommt seine Rätselfrage:

Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: von Menschen, so haben wir die Volksmenge zu fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten. Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen es nicht. Da sagte auch er zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.

Das ist schon eine witzige Situation: Jesus antwortet, indem er eine Frage stellt – und sie wollen doch von ihm hören, in welcher Autorität er diese Dinge macht.

Und wir werden auch sehen, dass das Matthäus-Evangelium in Kapitel 28, Vers 18, mit den Worten von Jesus endet: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.

Mir ist alle Autorität, mir ist alle Vollmacht gegeben. Das ist für denjenigen, der das Matthäus-Evangelium liest, kein Geheimnis. Er sieht von der ersten bis zur letzten Seite, dass Jesus sich auch genau so artikuliert – und sich so verhält –, als wenn er derjenige ist, der die Autorität hat. Und er sagt ganz zum Schluss zu seinen Jüngern: Ihr sollt wissen, die Autorität, die ich habe, regiert im Himmel und auf Erden.

Doch an dieser Stelle antwortet Jesus noch nicht im Klartext. Jesus holt zur Gegenfrage aus – aber das ist kein Ausweichmanöver. Jesus weicht ihnen nicht aus; er macht ihnen klar, dass die Männer, die hier scheinbar mit einer interessierten Frage um die Ecke kommen, nicht nur ein Problem mit Jesus selbst haben, sondern dass ihr Widerstand, den sie gerade empfinden, sich gegen jede göttliche Autorität richtet.

Man könnte denken, sie haben nur ihre Schwierigkeit mit Jesus. Aber den Rest, den Gott wirkt, den er tut, den wollen sie gerne haben. Nur aus dir, Jesus, werden wir nicht ganz schlau. Bitte erklär es uns.

Und mit der Frage, die Jesus an diese Leute adressiert, zeigt er ihnen: Eure Irritation hat nicht erst bei mir begonnen, sondern sie ist in eurem Herzen. Ihr widerstrebt jeder Autorität Gottes. Wo Gott Autorität über euer Leben ausüben möchte, dort widerstrebt ihr. Ihr widerstrebt und widerstrebt – nicht erst bei mir. Das hat schon vor mir begonnen.

Und dass ihr nicht wie die anderen lobend darin einstimmt, hat nicht den Grund, dass ihr gerade erst irritiert seid, sondern ihr habt ein grundsätzliches Problem mit Gott selbst. Und deshalb bezieht sich Jesus auf Johannes.

Diejenigen, die das Matthäus-Evangelium kennen – die Geschichte von Jesus – wissen: Jesus hatte einen Vorläufer, einen Propheten – seinen Cousin. Johannes der Täufer wird er genannt. Er ist durch das Land gezogen, hat in der Wüste gepredigt und erzählt, dass jemand anders kommen wird. Der Messias kommt nach mir, und ich bereite ihm den Weg.

Bereitet eure Herzen darauf vor, denn er wird kommen. Die Zeit, auf die wir alle gewartet haben, ist angebrochen – endlich geht das Versprechen Gottes in Erfüllung. Der Retter kommt, und er wird es wieder gutmachen.

Das ist – sehr einfach ausgedrückt – die Botschaft von Johannes gewesen.

Er hat das alles vorbereitet, und Jesus knüpft an Johannes und an seine Autorität und Vollmacht an.

Von wem war Johannes denn autorisiert? Bitte, liebe religiöse Elite – es ist noch nicht so lang her, dass Johannes unter uns war. Er wurde später enthauptet, wegen seiner radikalen Botschaft. Aber es ist noch nicht so lange her. Wir können uns noch gut daran erinnern.

Aber wie habt ihr euch eigentlich zu ihm gestellt? Von wem hat er denn seine Botschaft weitergegeben? Oder war das nur ein Hirngespinst? Hat er das aus sich selbst heraus überlegt? Oder hat er in göttlicher Mission gehandelt?

Johannes hat mit seiner Taufe auf den Messias vorbereitet. Johannes hat gepredigt. Und wir sehen: Als Jesus die Szene betritt, predigt er dieselbe Botschaft wie Johannes. Sie sind im Einklang miteinander unterwegs – und wer Johannes glaubte, der landete früher oder später bei Jesus. Er ist nicht bei Johannes geblieben.

Johannes sagt es einmal in Johannes 3, Vers 30: Er muss wachsen, ich aber abnehmen. Oder einige sagen: Er muss zunehmen und ich muss abnehmen.

Damit ist kein Diätprogramm gemeint, sondern es geht um Einfluss. Der Einflussbereich, den ich bislang in der vorbereitenden Aktivität hatte, wird jetzt Stück für Stück weniger werden. Denn das, wofür ich gekommen bin – meine Mission, mein Auftrag – ist zu Ende.

Jetzt kommt das in Erfüllung, was ich verkündet habe. Ihr werdet mich immer weniger erleben. Ich werde eine immer kleinere Rolle spielen. Jesus ist die Erfüllung. Ich habe nur auf ihn hingewiesen. Er muss jetzt zunehmen. Sein Einfluss ist entscheidend. Ich war lediglich derjenige, der ihn angekündigt hat. Jetzt ist er da.

Und indem Jesus auf Johannes verweist, fragt er diese religiöse Elite: Wie handhabt ihr es mit dem, was Gott tut? Seid ihr überhaupt offen für das, was Gott wirklich wirken will? Oder welchem Reich dient ihr?

Ihr habt nicht nur ein Problem mit mir – sondern ihr habt ein grundsätzliches Problem, liebe religiöse Elite, liebe Älteste, liebe Hohe Priester.

Wenn sich die Führer jetzt eindeutig zu Johannes positionieren, dann steht die Frage im Raum: Warum sind sie Johannes nicht gefolgt? Warum waren sie so rebellisch gegen Johannes? Warum haben sie nicht gesagt: „Hey Leute, es ist eine neue Ära angebrochen. Wir müssen uns jetzt vorbereiten, weil der König, der die Macht hat, kommen wird. Wir wissen zwar nicht genau, wie, was und wo – aber es wird passieren.

Nein! Das haben sie nicht gemacht. Sie haben Johannes übergangen. Und wenn sie jetzt Johannes recht geben, dann sind sie gezwungen, auch Jesus recht zu geben.

Sie sind – als Menschen, die die Kontrolle und die Macht haben – gezwungen zu sagen: Wir geben unsere Macht ab, und wir ordnen uns Jesus Christus unter. Wir bekennen, dass er derjenige ist, der die Autorität über den Tempel hat. Er hat die Autorität über die Lehre Gottes – das, was wir von Gott hören müssen. Und er hat die Autorität über unser ganz persönliches Herz.

Dazu sind sie natürlich nicht bereit.

Aber sie sind auch nicht bereit, sich gegen Johannes zu positionieren, denn dann besteht die große Gefahr eines Volksaufstands – weil die Menschenmenge aktuell gebannt und begeistert ist.

Wir können uns das vielleicht schwer vorstellen, aber wenn eine Masse in Bewegung ist, und du dich gegen sie positionierst – was das für Auswirkungen haben kann!

Sie sehen sich in einer Situation, in der sie eigentlich nur verlieren können, in der sie ihren Status und ihre Macht verlieren würden. Aber sie sind nicht bereit, ihren Status aufzugeben.

Sie sind süchtig danach, diesen Status, diese Stellung im Volk zu haben. Sie sind nicht bereit, auf die eine oder andere Seite zu wechseln.

Diese religiösen Führer haben kein Interesse daran, die Wahrheit zu erkennen. Und sie haben kein Interesse daran, Menschen in Gottes Gegenwart zu führen.

Es sind Menschen, die den Weg des geringsten Widerstands gehen. Es sind Menschen, die voller Menschenfurcht sind – und ihre Entscheidungen immer dahingehend abwägen, was andere von ihnen halten und denken.

Und so navigieren sie sich durchs Leben. Hauptsache, sie kommen gut dabei weg. Es sind Menschen, die niemals zugeben werden, dass sie in der Vergangenheit falsch gehandelt haben.

Sie hätten hier die Möglichkeit gehabt zu sagen: „Wir haben die Dinge falsch gesehen, es tut uns leid.“ Aber es sind selbstgerechte, selbstherrliche, religiöse Menschen.

Sie werden nie – nie – in der Öffentlichkeit sagen, dass sie einen großen Fehler begangen haben. Dafür sind sie viel zu stolz.

Es sind Menschen, die nur ihre eigene Position stärken möchten und andere Menschen dazu gebrauchen, ihre Stellung zu festigen.

Es sind Menschen, die nur ihren Vorteil suchen. Es sind Menschen, die Gott nicht kennen. Es sind Menschen, die Gott nicht lieben. Es sind Menschen, die Gott nicht wollen – obwohl sie den höchsten Rang innehaben, den das jüdische, gläubige Volk gerade zu bieten hat.

Aber hier sitzen die Gottlosen.

Und anstatt sich von den Leitern vorführen zu lassen, dreht Jesus den Spieß um – und führt sie vor.

Verse 28 bis 32. Nachdem er ihnen gesagt hat: „Ich werde euch nicht sagen, in welcher Vollmacht ich hier handle, wenn ihr nicht aufrichtig und ehrlich sein könnt“, erzählt er ihnen das erste Gleichnis.

Was meint ihr aber hierzu? Ein Mensch hatte zwei Söhne, und er trat hin zu dem Ersten und sprach: Mein Sohn, geh heute hin, arbeite im Weinberg! Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging hin. Und er trat hin zu dem Zweiten und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Ich gehe, Herr; und er ging nicht. Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der Erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. Denn Johannes kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm; euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, sodass ihr ihm geglaubt hättet.

Wir haben eingangs des Gottesdienstes gehört: Das Thema heute lautet: Zöllner und Huren kommen rein – Heuchler bleiben draußen.

Und man merkt schon bei der Ankündigung: So ein heftiger, starker Titel, irgendwie ist es unangenehm, das auszusprechen.

Hau das doch mal so raus! – „Och, der Waldemar.“ Nix der Waldemar – der Jesus.

Was Jesus hier treibt, ist heftig. Wenn ich Jesus wäre – ich würde das so nicht so machen. Jesus, das ist keine gute Idee – damit machst du dir keine Freunde. Such doch zuerst einmal mit der anderen Seite, wie man im Englischen sagt – einen middle ground – etwas, das uns verbindet und connectet. Für eine gute Emotion, für ein gutes Gefühl, für eine schöne Atmosphäre. Etwas, worauf du aufbauen kannst.

Jesus hat kein Interesse daran, mit diesen Leuten einen middle ground zu finden, etwas, das sie auf irgendeine Art verbindet. Jesus hat überhaupt kein Interesse, darauf einzugehen. Stattdessen kommt er extrem radikal um die Ecke und haut ihnen diese Sätze vor den Latz.

Jesus bringt in seinem Gleichnis das Bild eines Weinbergs. Die Juden wussten, wenn Jesus anfängt, ein Gleichnis über den Weinberg zu erzählen, worüber er hier gerade spricht.

Im Gegensatz zu uns kannten sie das Alte Testament ausgezeichnet und wussten, was die damaligen Propheten erzählt haben. Es war gängig, es war typisch, dass sie das Motiv – das Bild des Weinbergs – für das Volk Gottes gebrauchten. Das wurde immer wieder in den prophetischen Texten besprochen:

Bringt dieser Weinberg Frucht? Ist das ein verdorbener Weinberg? Wie wird er gepflegt? Wie sieht er aus?

Und das wurde dann übertragen: Auf das Volk, auf die Gläubigen. Wie ist das Volk Gottes unterwegs? Ist es ein schöner Weinberg, der wächst und gedeiht?

Ihr erinnert euch vielleicht noch an letzte Woche – an den Feigenbaum. (Matthäus 21, ab Vers 18) Auch das war eine extrem harte Passage, in der Jesus über einen Feigenbaum spricht. Und das vergleicht er bildlich mit dem geistlichen Zustand der Gläubigen in seiner Zeit.

Und in diesem Gleichnis stellt Jesus fest, dass es unterschiedliche Reaktionen in der Bevölkerung darauf gibt, was der Herr des Weinbergs will.

Es gibt zwei Reaktionen. Die einen sind schnell bereit und geben ihre Zusage: „Ja, wir sind dabei.“

Kennt ihr Menschen, die schnell sagen: „Ja, ich bin dabei!“ – und danach wurden sie nie wieder gesehen?

Einige ducken sich bereits weg … Solche Leute gibt es – auch unter uns.

Jesus erwähnt solche Dinge nicht einfach nur so. Wir kennen das aus dem Alltag. Jeder hat jetzt Personen vor Augen. Das Witzige ist nur: Wir haben uns nie selbst im Verdacht. Wir denken das immer nur über Bruder X und Schwester Y – oder unseren Nachbarn, wie auch immer. Leute, die schnell zusagen, aber deren Versprechen überhaupt keinen Wert hat

Sie haben zwar gesagt, dass sie es tun – die Worte waren wohl gewählt. Sie haben einen schönen Satz gesagt – genau das, was der Vater hören wollte. Aber ihr Versprechen war null und nichtig. Sie haben schöne Worte gesprochen, aber es war keine Substanz dahinter.

Die anderen sind nicht von Anfang an dabei. Sie reagieren zunächst hartherzig:

„Mein Sohn, geh heute hin, arbeite im Weinberg!“ Der aber antwortete und sprach: „Ich will nicht.“

Wer kennt so etwas aus seiner persönlichen Erfahrung?

„Mach das doch jetzt, mein Sohn – meine Tochter!“ „Ich will nicht.“

Alle schauen gerade ihre Kinder an und wollen etwas klären. Wir kennen diese Reaktion auch.

Und wenn wir das jetzt geistlich vergleichen: Boah – das ist schon echt … Mit so einer Packung um die Ecke zu kommen – einfach so. „Nee! Wer bist du denn eigentlich?“

Aber das Entscheidende an dieser Personengruppe ist: Sie bereuen es. Sie bewerten ihre Entscheidung neu, und es tut ihnen leid, dass sie so prompt dagegen geschossen haben.

„Ich will nicht!“ – und dann: „Moment mal – was habe ich da eigentlich gerade gemacht? Was habe ich gesagt? Das war nicht in Ordnung. Das ist nicht okay. Es ist nichts Falsches an dem, worum ich gerade gebeten wurde. Es ist legitim und richtig. Ich folge gern.“

Und Jesus fragt: Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan?

Das Tröstliche an dem Beispiel von Jesus ist: Perfekte Menschen gibt es nicht. Er zeichnet kein Bild eines dritten Sohnes, mit dem wir uns gerne identifizieren würden:

„Jawoll! Ich mache es – und bin immer dabei!“ So ein Musterschüler. Ein Musterkind.

Kennt ihr solche Geschwister, die so Muster-Geschwister sind?

Ich nicht. Also – falls mein Bruder das später sieht: Ich hab dich lieb.

Perfekte Menschen gibt es nicht. Beide Gruppen machen Fehler – so wie sie unterwegs sind und reagieren.

Und was ist das für eine Frechheit, den Vater im Himmel so kalt und hart abblitzen zu lassen: „Ich will nicht!“

Und doch sind diese im Willen Gottes unterwegs – die, die ihre falschen Entscheidungen erkennen, einsehen, beim Namen nennen und sich davon abwenden.

Das ist eine so wichtige Passage. Wenn du ein gottesfürchtiges Herz hast und den Wunsch, im Willen Gottes zu leben, dann gibt es nichts Wichtigeres für dich, als dir diese Frage zu stellen: Lebe ich im Willen Gottes?

Aber dabei geht es hier nicht um Perfektion. Jesus zeichnet das Bild zweier Söhne, die beide etwas komisch unterwegs sind – aber einer hat die Möglichkeit, im Willen Gottes zu leben.

Und das ist nicht der, der immer aalglatt ist, bei dem alles super läuft, bei dem das Zeugnis nur aus Einsern besteht – auch das geistliche Zeugnis.

Sondern es ist der, der es verbockt hat, und der – wie ich finde – richtig dreist ist, der aber dann zur Einsicht und Umkehr kommt.

Hier ist eine Person, die im Willen Gottes, im Willen des Vaters unterwegs ist.

Was für eine gute Nachricht!

Der Wille Gottes ist nicht nur für diejenigen, bei denen wir denken: „Na ja, die haben überall ihre geistlichen Abzeichen.“

Sondern: Wenn du selbst ein solcher Sohn oder eine solche Tochter bist, die in Rebellion gegen Gott gelebt hat oder noch lebt, aber zur Umkehr kommt, dann bekommst du von Jesus hier die Einladung: Auch dein Leben kann im Willen Gottes gelebt werden.

Es ist nicht so: „Na ja, du hast es halt vergeigt – und jetzt wird es nichts mehr. Für den Rest deines Lebens steht über dir: „Du bist und bleibst ein Versager, egal, was jetzt noch kommt.“

Preist den Herren, dass es im Reich Gottes nicht zu einer solchen Festlegung kommt.

Wir werden sehen, wie Jesus damit umgeht. Selbst über die Allerletzten, die zur Umkehr kommen und zum Vater gehen, wird Jesus sagen: Sie tun den Willen des Vaters.

Jesus prangert hier die religiösen Leiter an: Ihr redet zwar davon, Gottes Willen zu tun – sie können ausgezeichnet zitieren und beten, sie sind die Weltmeister auf den Bühnen – aber ihr seid weit entfernt von dem, was ihr mit eurem Mund redet und predigt.

Und Jesus zeigt ihnen: Ihr lebt in einer heftigen Selbsttäuschung, und ihr erkennt es nicht. Ihr denkt, ihr seid die Manifestation des Willens Gottes und präsentiert euch vor den Menschen. Und ihr glaubt, dass ihr den Willen Gottes verkörpert.

Aber dabei täuscht ihr euch selbst – von morgens bis abends.

Jesus reizt sie extrem und macht ihnen klar: Im Gegensatz zu euch ist den Zöllnern und den Huren das Reich Gottes hundertprozentig sicher.

Die Sicherheit, in der ihr euch wägt – ihr meint, das ist eure Rangstellung, das ist es, was ihr verdient, was euch zusteht.

So sicher ihr euch seid – so sicher sage ich euch: Diese Sicherheit gehört den Zöllnern und den Huren, die ihr Leben verkorkst haben, aber es dann bereuen, weil sie merken: Ich bin nicht im Einklang mit meinem Vater im Himmel. Ich möchte umkehren und zurück zu ihm. Ich möchte nun ein Leben leben, das ihm folgt, das ihm gefällt, worüber er sich freut.

Diesen wird die Sicherheit geschenkt, die ihr für euch beansprucht. Aber ihr beansprucht sie fälschlicherweise.

Und Jesus spricht hier Personengruppen an, die diese religiösen Leiter maximal getriggert haben müssen.

Er hat nicht irgendwelche Personengruppen genannt, er hat diejenigen genannt, die für die gläubigen Juden wirklicher Abschaum waren – das allerletzte Gesocks, das überhaupt keinen Anspruch hat. Sie dürfen sich noch nicht einmal anmaßen, einen Anspruch zu erheben.

Und genau diese sind es, mit denen Jesus sich zu identifizieren beginnt.

Er sagt: Diese gehören zu mir. Sie sind mit mir verbunden, und der Vater im Himmel hat sie lieb.

Ihr müsst euch das so vorstellen: Jesus kommt nach Jerusalem. Dort ist die religiöse Erwartung in diesen Tagen extrem hoch – und Jesus freut sich darüber, dass die Kranken, die sozial Ausgegrenzten, zu ihm kommen, damit er sie heilen kann.

Er freut sich darüber, dass Kinder ihm Lob singen – obwohl Kinder in diesen Tagen nichts zählten.

Und als ob das noch nicht genug wäre, nennt Jesus zwei weitere Gruppen: – die Zöllner, die beständig in Korruption gelebt und die Bevölkerung finanziell ausgenommen haben mit ihren Extrasteuern, – und diejenigen, die sich auf sexuelle Perversionen eingelassen, in sexueller Unmoral gelebt und vielleicht als Prostituierte davon gelebt haben.

Junge, was ist das für eine Armee, die Jesus sich aus Kranken, Kindern, Zöllnern und Huren zusammenstellt? Das sind die Personengruppen, die uns für das Reich Gottes präsentiert werden.

Wen suchen wir für das Reich Gottes? Mit wem pflegen wir Gemeinschaft? Wen wünschen wir uns in das Reich Gottes hinein?

Ich glaube: nicht solche Personengruppen.

Leider! Wenn wir ein Herz haben wie Jesus, werden wir auch solche Menschen lieb haben und uns darüber freuen, wenn sie anfangen, Jesus nachzufolgen und zum Vater im Himmel zurückzukommen.

Das sind Menschen, von denen diese religiösen Leiter nichts erwarteten. Sie haben sie abgewertet und verachtet und behauptet: „Diese Versager haben keine Chance bei Gott.“

Aber das sind genau diejenigen, die von Gott geehrt werden.

Und das ist auch für uns eine so große Ermutigung, wenn wir versagt haben.

Unser Sonntagsgottesdienst bildet unsere emotionale Befindlichkeit nicht ab – wie es uns in Wahrheit geht.

Glaubt mir, wir wissen nicht, wie es uns wirklich geht. Wir haben keine Ahnung, durch welche Kämpfe wir gehen, welche Schwächen und Fehler uns zu schaffen machen.

Wir sitzen hier, singen und freuen uns aneinander – in Wahrheit gehen viele nach Hause und sind sehr betrübt, weil sie das Gefühl haben: Bei den anderen läuft alles rund – aber bei mir ist – verzeiht mir den Ausdruck – die Kacke mächtig am Dampfen.

Wir fühlen uns isoliert und denken: Nur wir sind diejenigen, die verlassen und verloren sind. Wir haben keinen Zugang zu den Segnungen Gottes – aber bei den anderen läuft alles richtig gut.

Aber wir wissen nicht, wie miserabel es vielen unter uns geht.

Wir kämpfen untereinander wie Hunde, die ihre Position verteidigen. Wir haben keine Ahnung.

Wir sind Menschen, die sich damit arrangiert haben, in Illusionen zu leben. Wir geben uns der Selbsttäuschung hin, dass bei den anderen alles gut ist.

Oder wir kehren selbst das Gute nach außen, damit niemand erfährt, wie es uns wirklich geht.

Und wir denken: Das hat hier keinen Platz. Ich kann nicht so kommen, wie ich bin – so verdorben.

Jesus predigt nicht umsonst auf diese Weise: Wir sind die Zöllner und Huren.

Und wenn jetzt jemand sagen will: „Moment mal! Vergleich du mich nicht mit denen. Auf diesem Niveau befinde ich mich nicht.“

Dann darfst du jetzt aufstehen und gehen, denn das Reich Gottes ist genau für diese Leute da.

Und wenn du denkst, dass du besser bist als sie, dann hast du das Evangelium anscheinend nicht nötig.

Aber Jesus ist nur für die Menschen gekommen, die es vergeigt haben, die komplett gegen die Wand gefahren sind und sagen: Mein Leben ist unheilig. Ich bin unrein. Ich bin nicht besser als ein Zöllner oder eine Hure.

Wir sind auf demselben Niveau. Nur weil man das  äußerlich nicht sieht, bedeutet das nicht, dass es nicht geistlich genauso ist.

Ich kann mir vorstellen, wie es Matthäus ergangen ist, als er das gehört und niedergeschrieben hat.

Der Matthäus, der uns hier diesen Bericht gibt – er ist doch selbst ein Zöllner. Er kommt aus diesem Business – mit dieser Falschheit, der Korruption, mit der aufgebauten Fassade.

Wie er gehört hat, wie Jesus über ihn und seine Kollegen spricht. Und er schreibt das auf und weiß ganz genau:

Das schreibe ich jetzt für alle Ewigkeit fest, damit alle Zöllner, die so unterwegs sind wie ich, wissen: Bei Jesus ist Gnade und Erbarmen zu finden.

Jesus sucht nicht die Selbstgerechten. Jesus sucht nicht die Heuchler.

Wer hier in Selbstgerechtigkeit steht und sagt: „Ich habe es aufgrund meiner Vita verdient, in die Nähe Gottes zu kommen“ – sei dir gewiss: Jesus wird an dir vorübergehen, und er wird dir keine Gnade schenken – weil du nicht nach Gnade fragst.

Und die Herzen der Heuchler sind so hart – und das sehen wir in diesem Text.

Jesus prangert heftig an, dass ihre Herzen nicht einmal dann weich werden, wenn die Herzen der Versager zu Gott umkehren.

Sie könnten doch sagen: „Wir sehen, dass sogar die Ausgestoßenen und die offensichtlich Gottlosen sich zu Gott hinwenden. Auf einmal wollen sie das Wort Gottes hören, sie wollen Gott gefallen und sie wollen ihn lieben …“

Vielleicht wäre das ein Moment, in dem man denkt: Aha, vielleicht ist doch etwas daran. Vielleicht könnte auch mein Herz für die Bewegung weich werden, die Gott gerade initiiert.

Doch auch als sie das sehen, verspüren sie keine Gnade, kein Reuegefühl in sich – denn sie leben in einer toten Religion voller Selbstgerechtigkeit, die keine Gnade für Versager kennt. Es ist eine tote Religion, die nur Heuchelei und Scheinheiligkeit kennt.

Und als ob das noch nicht reichen würde, setzt Jesus nach und zeigt, wie ernst er es meint mit dem, was er diesen Religiösen, Gesetzlichen vermitteln möchte.

Wir lesen die Verse 33 bis 39: Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes. Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso. Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.

Jesus verwendet wieder ein Gleichnis vom Weinberg. Und es ist sehr enttäuschend, was dort – auf dem Weinberg – passiert.

Und die Parallelen zu den alttestamentlichen Texten sind nicht zu übersehen. Wenn du das Jesajabuch, Kapitel 5, Verse 1-7, gelesen hast, wirst du sehen, dass Jesus sein Gleichnis so beginnt, als hätte er es bei Jesaja abgeschrieben. So weiß jeder: Das, was jetzt kommt, hat eine alttestamentliche Bedeutung. Damit sind die Parallelen für die Juden offenkundig.

Was zeigt Jesus uns mit diesem Gleichnis? Er beschreibt Gott in seinem Handeln.

Er ist der Aktive. Er ist nicht derjenige, der andere einen Weinberg bauen lässt, sondern Gott ist derjenige, der den Weinberg baut: Er pflanzte, er setzte, er grub, er baute und verpachtete. Gott, Gott, Gott – er tut, er tut, er tut.

Schaffe, schaffe, Häusle baue – aber das machen ja die Schwaben, nicht die Badener – habe ich gelernt.

Gott investiert sich, ohne dass dieser Weinberg – das Bild für das Volk Gottes – etwas dazugetan hätte, dass es das Volk Gottes ist. Es zeigt die pure Gnade, die Gott für sein Volk hat.

Er ist ein gnädiger Gott, der sich komplett hingibt und sich investiert, damit sein Volk für ihn lebt, gedeiht und floriert.

Dann sendet dieser Herr des Weinbergs Knechte – die Propheten, die immer wieder zu dem Volk gegangen sind und die Frucht ernten wollten: Kehrt um zu Gott! Kehrt um zu Gott! Lebt für ihn!

Seht ihr nicht, wie Gott sich in euch investiert hat? Wie er euch errettet hat? Seht ihr nicht, wie er euch aus Ägypten herausgeführt hat, und dass euch die Geschichte Israels immer wieder durch die Propheten erklärt wird?

Habt ihr vergessen, was Gott für euch getan hat? Kommt, bringt die Frucht. Kommt zurück. Lebt für Gott.

Und Gott ist geduldig. Er sendet einen Propheten nach dem anderen. Manchmal sind es sogar mehrere gleichzeitig, die im Volk unterwegs sind, um zu rufen und zu schreien: Kommt zurück zu Gott. Gott liebt euch. Gott hat sich in euch investiert.

Kommt zurück und bringt diese Frucht. Kommt zurück und lebt für euren Gott.

Gott ist ein geduldiger Gott.

Das ist auch das, was wir in 2. Petrus 3, lesen. Da sagt Petrus über Jesus, als einige fragten: Jesus ist schon einige Jahre fort – wann kommt er denn wieder?

Also – meine Kinder fragen mich ständig: Wann kommt Jesus denn eigentlich?

2. Petrus 3, Vers 9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.

Das ist also die Motivation, warum Jesus noch nicht kommt: Weil er noch wartet und aushält. Weil er nicht möchte, dass jemand verloren geht, sondern dass alle umkehren und ein Leben für Gott leben.

Dennoch rebellieren die Führer hemmungslos gegen ihren Herrn, ihren Schöpfer, ihren Erretter.

Er hat sie aus der Sklaverei befreit – und sie wenden sich mit Haut und Haar gegen ihn.

Sie wollen den Weinberg, aber sie wollen nicht den Herrn des Weinbergs.

Sie sagen nicht: „Wir geben den Weinberg auf, weil uns der nichts nützt.“ Nein – sie wollen alle Segnungen haben, sie wollen diesen Status haben, aber sie wollen mit dem, von dem alles kommt, nichts zu tun haben.

Es heißt hier: Sie töten seinen Sohn – außerhalb des Weinbergs.

Wir haben leider nicht die Zeit, intensiv darauf einzugehen, dass Jesus hier in einer Bildrede das allererste Mal öffentlich davon spricht, dass er der Sohn des Vaters ist und andeutet, welchen Tod er sterben wird.

Nicht ohne Grund sagt er hier, dass der Sohn außerhalb des Weinbergs getötet wird – denn genau das wird später mit Jesus passieren.

Nach außerhalb von Jerusalem wird er geführt – mit dem Kreuz – um dann auf Golgotha gekreuzigt zu werden. Dies soll außerhalb der Stadttore geschehen.

Jesus deutet auf prophetische Art und Weise an, was mit ihm passieren wird.

Verse 40 und 41: Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.

Es ist eigentlich zum Heulen. Diese Führer, sind so verblendet, sie leben in einer harten, selbstgerechten Selbsttäuschung, dass sie während des Gleichnisses nicht einmal bemerken, dass es um sie geht – und dass sie ihr Urteil über sich selbst aussprechen.

Er wird die Übeltäter übel umbringen – zu Recht. Und er wird das, was ihnen galt, anderen geben.

Sie erkennen, dass das eine gerechte Tat Gottes ist und dass niemand ihm sagen könnte: Was tust du?

Verse 42 bis 46 – und dann haben wir den ganzen Predigttext gelesen – Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen – und er zitiert aus dem Alten Testament: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden und er ist wunderbar in unseren Augen“? Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen. Und als die hohen Priester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, dass er von ihnen redete. Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten.

Jesus zitiert hier ein Bibelwort und vergleicht sich mit diesem Stein – der wichtig ist, aber von den Bauleuten verworfen wurde. Aber dann wurde er der elementarste Stein, auf den alles aufgebaut werden sollte.

Jesus möchte diesen Personen, die gerade vor ihm stehen, erklären: Leute, an mir scheidet sich alles. Ich bin der Dreh- und Angelpunkt echten Glaubens. An mir kommt ihr nicht vorbei.

Ihr könnt mich zwar verwerfen, aber das ändert nichts daran, dass Gott mich auserkoren hat, das zu tun, was ich tun soll. Entweder bin ich für alle Ewigkeit der Segen für dich – oder ich bin für alle Ewigkeit dein schlimmster Albtraum.

Es ist nicht so, dass, wenn ihr den Sohn getötet habt – nächstes Bild – der Stein keinen Zweck mehr hätte. Sondern: Dieser Stein ist aktiv, und er ist im Gericht aktiv.

Ihr denkt, ihr habt dann das ganze Problem gelöst – euer Problemchen, dass ihr von eurer Stellung und eurem Status nicht absehen müsst.

Aber der, den ihr töten werdet, wird derjenige sein, der euch richten wird.

Die Geschichte ist nicht vorbei, wenn ihr denkt, mit mir fertig zu sein.

Entweder entscheidet ihr euch gegen mich – oder für mich. Da gibt es kein „Wir wissen es nicht“. Entweder – oder. Schwarz oder weiß.

Es gibt im Leben manche Fragen, die sind schwarz oder weiß. Viele Fragen kann man im Alltag so oder so sehen – aber es gibt einige Fragen, da gibt es keine Graubereiche. Da gilt es: Entweder – oder.

Wenn es um Jesus geht und die Stellung, die er in unserem Leben haben will, da gibt es nur entweder – oder.

Und diese Frage fordert uns hier extrem heraus. Wer ist Jesus für mich? Ist er der Stein, auf dem alles aufgebaut wird, wo wahrer Glaube entsteht, wo Frucht gebracht wird?

Oder wird Jesus am Ende der Tag derjenige sein, der mich zerschlagen, mich zermalmen wird?

Diese zwei Möglichkeiten zeigt Jesus. Etwas dazwischen ist nicht vorgesehen.

Und er zeigt diesen religiösen Männern: Wenn ihr hart bleibt, dann sollt ihr wissen: Das Reich Gottes, das ich euch anbiete, werde ich einer anderen Nation geben. Einer Nation aus umkehrbereiten Zöllnern und Huren – denn sie wird die Frucht bringen, die ihr nicht bringen wolltet.

Und die Geschichte zeigt, dass es wahr geworden ist. Petrus wird das später so sagen, dass wir eine heilige Nation sind.

Eine heilige Nation – woraus? Nicht aus selbstgerechten Priestern, sondern aus Zöllnern und Huren – so wie wir es alle sind.

Jesus spricht diese Warnung aus, und ich möchte mit folgendem schließen: Man kann sich fast keine härtere Warnung von Jesus vorstellen – und trotzdem bedeutet das nicht, dass harte Herzen weich werden und umkehren.

Jesus zeigt ihnen auf, was mit den Leuten passiert, die den Sohn töten wollen – und hartherzige Menschen hören das und sagen: Ich werde noch mehr Hass gegen diesen Sohn entwickeln.

Die Schlussfolgerung, die sie ziehen, ist: Lasst uns ihn umbringen. Wie kaputt und krank kann das sein?

Das ist das Allerletzte, auf welche Moral aus der Geschichte sie kommen!

Das ist so, als wenn du sagst: „Das solltest du nicht tun – sonst wirst du sterben.“ – Lass es uns tun – und sterben.

So dämlich ist das.

Diese Geschichte warnt uns: Achte auf dein Herz.

Verhärte dein Herz nicht, wenn du Gottes Stimme hörst. Verhärte dein Herz nicht.

Wenn wir mit einem harten Herzen das Wort Jesu hören, dann werden wir noch härter – und die Bestrafung wird uns sicher sein.

Stattdessen sollten wir aus dieser Geschichte Folgendes hören: Egal wie weit weg du bist – egal, was für ein verlogener Zöllner oder was für eine Hure du sein magst …

Ich benutze diese Sprache bewusst, nicht, weil ich sie gern habe, sondern damit wir die Dramatik der Sprache Jesu hören und zulassen:

Egal, was für ein verlogener Zöllner du bist, oder was für eine Hure du sein magst – wir sind nicht zu weit von Gott entfernt.

Jesus verspricht hier nämlich etwas: Ich will ihnen das Reich Gottes geben.

Das bedeutet: Du kannst es dir nicht verdienen.

Jesus sagt nicht: „Wenn sie sich bewähren und sich ein paar Punkte im Himmel erarbeitet haben, dann  haben sie es sich verdient.“

Nein – ich gebe es ihnen.

Die Vergebung bei Gott und der Frieden mit Gott sind ein Geschenk. Das können wir uns nicht erarbeiten.

Stattdessen dürfen wir hier und heute, so wie wir sind – mit allem Dreck, den wir an uns haben – das Reich Gottes, die Segnungen Gottes und den Frieden Gottes in Empfang nehmen, wenn wir bereit sind, unsere Sünden beim Namen zu nennen, sie zu bereuen und zu sagen: „Das war falsch. Ich gebe es dir – und ich kehre um. Hier bin ich – bitte beschenke mich.“

Daran ist nichts falsch. Das ist im Reich Gottes auch nicht dreist – denn so funktioniert das.

Wir sollen kommen wie die Kinder – und Kinder kommen auch dreist zu ihren Eltern und sagen: „Diese Forderung habe ich – denn du hast es mir in Aussicht gestellt. Du hast das Versprechen gegeben und darum komme ich jetzt zu dir und möchte es gerne einfordern.

Bitte beschenke mich, Vater im Himmel.

Amen, Amen.

 

Bibelstellen:

Matthäus 21, 33–46; Matthäus 23-27; 28–32; Matthäus 28,18; Johannes 3,30; Jesaja 5,1–7; 2.Petrus 3,9;