15. Februar 2026

Vorbereitung auf das Weltende

Vorbereitung auf das Weltende

Wenn du deine Bibel dabeihast, dann darfst du sie gerne mit mir aufschlagen. Wir werden uns heute mit Matthäus Kapitel 24 befassen. Und ich hoffe, ihr habt Erbarmen mit mir. Meine Stimme – vielleicht hört ihr es – ist nicht ganz intakt. Mir geht es mittelmäßig, aber mit Gottes Gnade werden wir das miteinander schaffen. Amen.

Matthäus 24. Unser heutiger Text, die Verse 1 bis 22, dient als Grundlage. Viele haben sehnsüchtig auf dieses Kapitel gewartet und waren gar nicht damit einverstanden, dass wir Anfang des Jahres nicht direkt dort hineingegangen sind.

Matthäus 24 bis 25 ist eine ganz berühmte Rede von Jesus, die sogenannte Ölbergrede.

Und die Rede ist deswegen so spannend, weil Jesus beschreibt, was seine Jünger wissen sollen, was die Endzeit anbelangt. Was sollen sie über die Endzeit wissen? Schon immer hat es Bibelleser brennend interessiert, was die Zukunft bringt und worauf man sich vorbereiten sollte. Welche Hinweise gibt uns Gottes Wort über das Ende? Kleiner Hinweis: Ich habe bis zum Schluss gelesen – und es geht gut aus.

Und so stürzen sich viele voller Vorfreude auf diesen Text und denken: Jetzt wissen wir ganz genau, was wir wissen sollen. Und dann beschäftigt man sich mit diesem Text und muss feststellen, dass einer der vielleicht stärksten neutestamentlichen Theologen unserer Zeit, D. A . Carson, Folgendes zu diesem Kapitel schreibt – Zitat: „Nur wenige Kapitel der Bibel haben zu noch größerer Uneinigkeit unter den Auslegungen geführt als Matthäus 24.“

Und tatsächlich ist das der Fall. Wenn du dich mit diesem Kapitel beschäftigst und dir anschaust, wie Bibellehrer der verschiedenen Zeiten dieses Kapitel interpretiert und angewandt haben, wirst du merken: Junge, Junge, Junge – das ist so komplex. Das driftet teilweise so weit auseinander, was die Bibellehrer jeweils aus diesem Kapitel machen.

Das liegt daran, dass es immer wieder eine Herausforderung ist, Texte der Endzeit und apokalyptische Texte zu interpretieren, prophetische Texte zu verstehen und zu überlegen: Was bedeutet das, was ich hier gerade lese, für die ersten Empfänger – die Jünger, die das von Jesus gehört haben? Was haben sie unter den Bildern verstanden, die präsentiert werden?

Und somit ist es immer eine gewisse Herausforderung, endzeitliche Texte zu hören, zu verstehen und auch korrekt anzuwenden.

Ich sage in diesem Zusammenhang immer wieder: Im Alten Testament gibt es auch Texte über die Endzeit, über das Kommen des Messias. Und wie wir wissen, haben alle Gläubigen in den damaligen Tagen diese Texte falsch interpretiert.

Und als Jesus gekommen ist, war niemand im Begriff zu sagen: „Endlich, der Messias ist da.“ Stattdessen hat praktisch jeder Bibelausleger Jesus verpasst, obwohl sie alle ihre Bibel in der Hand hatten und gesagt haben: Hier ist Wahrheit.

Aber das dann richtig zu interpretieren, ist doch eine Herausforderung. Denn die Frage ist immer: Was von diesen Texten ist symbolisch gemeint? Was ist buchstäblich oder wörtlich gemeint?

Auch die Frage, wann genau das Vorausgesagte zutreffen wird, wird stark diskutiert. Und ich muss heute aufpassen, dass ich nicht zu technisch werde, wenn wir uns in dieses Themengebiet hineinbewegen.

Denn wenn wir heute Morgen über die Denkschulen sprechen würden, die aus der Auslegung dieser Texte hervor-gegangen sind – den sogenannten Präterismus, den Futurismus, der Idealismus oder der Historismus – dann würden jetzt schon die allermeisten abschalten und sagen: Was bitteschön sind das für Fremdwörter? Kann man das essen?

Nein, all das ist Thema, wenn du dich an solche Texte wendest. Und ihr merkt schon: Das hat ziemlich viel Tiefgang. Und wenn ich jetzt in die Details – vor allem in die technischen Details – gehen würde, dann würden wahrscheinlich die allermeisten aufstehen und gehen. Nur die Endzeitspezialisten würden sitzen bleiben und sagen: Komm, lass uns an die Filets herangehen.

Also egal, welche Auslegung ihr zu diesen Versen hören werdet – es wird immer vertrauenswürdige Christen geben, die die Details unterschiedlich interpretieren. Auch wenn ich meine Überzeugung habe – die ich heute darlegen werde – macht mich das ziemlich demütig.

Ich habe nicht die Erwartung, dass jeder mit meiner Interpretation der Texte einverstanden ist und damit d’accord geht. Ich biete an, was ich aus diesem Text verstehe – wohlwissend, dass große Theologen, weitaus größer als wir alle zusammen, hier sehr unterschiedlich gewichten.

Und dann muss ich einfach sagen: „Herr, hab Gnade.“

Ich würde dieses Kapitel am liebsten überspringen. Aber das mache ich nicht. Das können wir uns nicht leisten. Denn Jesus hat hier Worte gesagt – und mit denen müssen wir ringen.

Und ich bitte euch, liebe Christen: Wir müssen als Gemeinde Jesu wieder lernen, miteinander über Texte der Bibel zu ringen. Und wir müssen auch demütig werden und sagen: Ich habe hier meinen Standpunkt und meine Überzeugung. Aber ich muss lernen, einander zu ertragen, wenn andere über das, was wir hier lesen, zu anderen Schlussfolgerungen kommen.

Und das ist eine Kompetenz, die vielen Christen über viele Jahrhunderte abhanden gekommen ist. Aber heute ist ein neuer Tag, an dem wir uns diese Kompetenz aneignen können. Amen.

So, wir befinden uns im 24. Kapitel. In den vorherigen Kapiteln hat Jesus ein hartes Gerichtswort ausgesprochen. Er ist mit den Pharisäern – der geistlichen Elite der damaligen Tage – ziemlich hart ins Gericht gegangen. Er sprach über die gewaltige Gottlosigkeit der frommen Führer und den katastrophalen, korrupten geistlichen Zustand in Israel.

In Kapitel 23 befindet sich Jesus noch im Tempelareal, im Zentrum des jüdischen Glaubens. Er spricht dort, adressiert die Leiter und bringt zum Ausdruck: Anstatt den Messias, auf den ihr alle wartet, mit offenen Armen zu empfangen, vernichtet ihr diejenigen, die Gott euch geschickt hat. Prophet um Prophet, den Gott gesandt hat, habt ihr nieder-gestreckt.

Jetzt ist der Messias da – die Person, auf die der Tempel hinweist, die Gegenwart Gottes in menschgewordener Erscheinung – und anstatt ihn mit offenen Armen zu begrüßen, lehnt ihr ihn ab. Ihr wollt seine Autorität, seine Gegenwart nicht genießen.

Und Jesus verkündete innerhalb des Tempels: „Gottes Zorn wird ausgegossen über diese Generation.“

Gott ist es nicht egal, wenn man den Sohn Gottes, Jesus Christus, nicht als Herrn und Retter anerkennt.

Aus diesem gewaltigen Gerichtswort heraus kommen wir in unser Kapitel (24) hinein. Wir lesen in den Versen 1 bis 3 folgende Worte: „Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. Er aber beantwortete und sprach zu ihnen: ‚Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.‘ – Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: ‚Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?‘“

Wir sehen hier, dass Jesus aus dem Tempel hinausgeht und damit bereits auf eine prophetische und zeichenhafte Weise zum Ausdruck bringt, dass Gott seine Gunst von diesem Tempel, von diesem jüdischen Glaubenssystem, abwendet. Der Sohn Gottes verlässt den Tempel.

Was Matthäus uns hier präsentiert, bedeutet nicht einfach: Jesus ist von A nach B gegangen. Sondern es bedeutet: Die Gegenwart Gottes – in Jesus Christus – verlässt den Tempel. Jesus ist überhaupt nicht damit einverstanden, wie es um die Juden und wie es um den Glauben steht.

Und Jesus erklärt, nachdem die Jünger auf dem Ölberg gesagt haben: „Schau dir diese wunderbare Tempelanlage an.“ – Wir müssen uns vorstellen: Das sind gewaltige Monumente, die da gebaut wurden, mit hellen Steinen. Das leuchtete, das war prächtig, das war schön anzusehen.

Und sie zeigen es Jesus: „Schau dir das einmal an“. Und Jesus sagt ihnen: „Seht ihr das alles? Ihr genießt das alles. Dieses Prachtstück schaut ihr euch an und freut euch darüber. Ich sag euch: Das wird sich drastisch ändern. Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Das, was eure Hoffnung ist, was euch Identität verspricht, was euren Glauben ausmacht – ich sag euch, das wird alles zunichtegemacht werden. Das wird dem Erdboden gleichgemacht werden. Eure ganze Hoffnung wird dahingehen – wenn das wirklich eure Hoffnung ist.“

Und die Jünger sind natürlich maximal irritiert. Wenn an diesem Tempel alles hängt – und Jesus auf einmal so über den Tempel spricht – ja, Moment mal: Was soll dann eigentlich geschehen?

Und es heißt hier: Die Jünger kommen zu Jesus und sie stellen ihm Fragen. Im Prinzip stellen sie ihm zwei Fragen: Wann wird dieser Tempel zerstört? Und: Woran erkennt man, dass deine Ankunft und das Ende der Welt bevor-stehen?

Also: Wann geschieht das mit dem Tempel, das, was du hier so vollmundig prophezeist? Und: Was sind die Zeichen für das Ende dieser Welt?

Es ist interessant, wie die Jünger fragen. Eigentlich sind das zwei ganz unterschiedliche Dinge. Aber für die Jünger ist beides eins.

Wenn der Tempel zerstört wird, dann ist uns Juden klar: Die Welt, wie wir sie kennen, ist zu Ende.

Wenn Gott ausgerechnet den Ort zerstören lässt, den er auserwählt hat, dann muss dies das absolute Weltende markieren. Und dann ist es aus mit uns.

Bevor Jesus ihre Fragen konkret beantwortet, bringt er in den Versen 4 bis 14 sehr nüchtern zum Ausdruck, worauf die Jünger sich in der Zukunft ganz grundsätzlich einstellen müssen – was die Merkmale der nächsten Zeit sein werden.

In den Versen 4 bis 14 lesen wir Folgendes: „Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: ‚Seht zu, dass euch niemand verführt! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus und sie werden viele verführen. Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen; und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.‘“

Also: Jesus geht noch nicht darauf ein, wann das absolute Finale ist, sondern er sagt, welche Merkmale es in der nächsten Zeit geben wird, bevor das Ende kommt. Jesus spricht über unterschiedliche Warnungen, die seine Jünger erwarten sollen. Aber all diese Dinge, die er aufzählt, sind nicht das Ende, sind nicht Kennzeichen dafür, dass das Finale jetzt unmittelbar bevorsteht.

Vielleicht habt ihr es beim Lesen gehört: Jesus spricht hier dreimal vom Ende. Er bringt es immer wieder. Was sind die Zeichen des Weltendes, der Vollendung der Zeitalter? Und Jesus spricht dreimal vom Ende, sagt aber: Wenn ihr das alles hört – das ist noch nicht das Ende. Dann werdet ihr dies und jenes hören – das ist noch nicht das Ende. Harrt aus bis ans Ende, damit ihr gerettet werdet.

Also beschreibt er hier eine Phase in der Weltzeit, in die die Jünger hineinkommen werden, in der du durchaus das Gefühl bekommen kannst: So kann es nicht weitergehen. Das sind sehr, sehr bedrohliche Dinge, die Jesus hier aufzeigt.

Er sagt aber: Seid entspannt. Lasst euch nicht verführen. Kommt nicht in unheilvolle Spekulationen. All diese Dinge werdet ihr hören. Sie werden euch auch irritieren. Einige werden Angst haben vor diesen Dingen. Aber sie sind noch nicht das Ende. Es ist der Anfang der Wehen.

Gläubige sollen sich also von den Bedrohungen, die Jesus prophezeit, nicht irritieren lassen, sollen nicht immerzu hektisch sein und sich die drohende Apokalypse vor Augen malen. Sie sollen sich nicht in Spekulationen hinein-manövrieren, wenn sie religiöse Verführungen und Kriege sehen, wenn Hungersnöte ausbrechen und  Naturkatastrophen über uns hereinbrechen und wenn schwere Christenverfolgungen geschehen.

Das alles ist aus Jesu Perspektive – worauf er seine Jünger vorbereitet – nicht ungewöhnlich.

Und das ist wichtig für uns, dass wir erkennen: Diese Merkmale, die Jesus hier nennt, sind keine Anzeichen des Endes, sondern sie sind der Anfang der Geburtswehen.

Jeder, der einmal bei einer Geburt dabei war oder sie durchlebt hat, weiß: Die erste Wehe ist noch nicht das Finale. Schön wär’s – aber das ist leider nicht so. Wehen geschehen in aller Regel in Intervallen. Das habe ich mir sagen lassen und konnte es auch ein paar Mal beobachten. Es kommt – geht, kommt – geht, kommt – geht – und wird im besten Fall immer intensiver, bis das Finale kommt.

Aber die Wehen, die man beobachtet, sind noch nicht das Finale, sondern sind im Prinzip das Vorspiel, das unweigerlich dazugehört, damit das Finale kommen kann.

Und es ist wichtig für uns , dass wir das hören. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Christen diesen Text nicht kennen und bei jeder Krise, die in der eigenen Nation aufkommt, oder bei Kriegen, die ganz weit weg sind von uns, gleich ihren Endzeitkalender herausholen und versuchen dieses Ereignis dort zu datieren. Und dann fragen sie: Kommt jetzt das Ende?

Die Coronamaßnahmen – ist jetzt das Ende gekommen? Jetzt haben wir einen Krieg in der Ukraine – kommt jetzt das Ende?

Einige Christen sind heiß darauf, die Tagespolitik fortwährend einzuordnen, um dann zu sagen: Jetzt aber. Jetzt steht die Welt Kopf – jetzt aber. Massive religiöse Verführungen – jetzt aber.

Jesus sagt: Das ist der Anfang der Wehen. Ihr werdet es erleben. Das wird immer so sein. Lasst euch nicht auf naive Spekulationen ein.

All diese Warnungen werden nicht irgendwann stattfinden, sondern alle genannten Gefahren, von denen Jesus in Vers 4 bis 14 spricht, waren seit dem ersten Jahrhundert präsent – bis zum heutigen Tag.

Meine persönliche Überzeugung ist: Jesus redet hier in Vers 4 bis 14 nicht über Dinge, die irgendwann in ferner Zukunft geschehen, sondern er redet zu seinen Jüngern. Ihr habt mir eine Frage gestellt, und ich antworte auf diese Frage. Aber ich leite damit ein: Bevor wir über Zeitpunkte und Ereignisse sprechen, möchte ich euch sagen: Werdet nicht irre an diesen Dingen. Kommt runter. Diese Dinge werdet ihr erleben. Und einige werden ausflippen und sagen: Aber jetzt! Aber jetzt!

Nein – es ist der Anfang der Wehen. Und das wird über die ganze Zeit da sein, bis das Ende kommt.

Aus meiner Überzeugung finden wir hier eine Anweisung von Jesus, sich innerlich fit zu machen, bei diesen Merk-malen nicht irre zu werden, sondern damit zu rechnen, offene Augen zu haben und zu sehen: Jawohl, genau von diesen Dynamiken hat Jesus gesprochen.

Und so sehen wir, wenn wir diese Merkmale durchgehen: Jesus beginnt mit religiösen Verführungen. Leute werden aufstehen und verheißungsvoll auftreten: „Ich bin der Christus.“ Und Menschen werden vom wahren Glauben abgezogen.

Religiöse Verführungen traten schon wenige Jahre nach dieser Warnung ein. Das ist nichts, was irgendwann in ferner Zukunft liegt. Du siehst es bereits, wenn du die Apostelgeschichte liest – das ist die Phase direkt nach dem Wirken von Jesus.

Wenn du in die Apostelgeschichte hineingehst, musst du nicht weit blättern, und du bist im fünften und im achten Kapitel. Und dort findest du sogar namentlich genannte Personen: Theudas, Judas und Simon. – Es ist nicht der Judas, der sich später das Leben genommen hat, sondern es gab mehrere Judasse. Es gibt nicht nur den einen. So wie es unter uns Russlanddeutschen auch mehrere Waldemars gibt – Amen –, gab es damals auch mehrere Judasse. Aber natürlich ist Waldemar ein viel schönerer Name.

Und diese drei Personen – allein in der Apostelgeschichte – waren Leute, die viele Menschen hinter sich hergezogen haben. Sie waren charismatische Figuren, bei denen die Leute dachten: Hier ist eine Bewegung Gottes. Aber in Wahrheit haben sie Menschen von der Wahrheit weggeführt – hinter sich her. Und viele Juden sind darauf hereingefallen.

Darum kann der Apostel Johannes im 1. Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 1, folgendes Wort sagen: „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen.“

Johannes sagt nicht: Das wird irgendwann passieren, sondern: Das ist jetzt Fakt. Und Johannes ist einer der Jünger, der mit Jesus unterwegs war. Und er hat, als er in die religiöse Landschaft schaute, gesagt: Es sind viele unterwegs, die die Leute mit ihren Lehren und mit ihren Prophezeiungen in die Irre führen.

Die Lehren haben nichts mit dem zu tun, was Jesus gesagt hat. Und sie hatten einen massiven Einfluss, schon im ersten Jahrhundert.

Was Jesus hier sagt, ist nicht: irgendetwas, irgendwann. Sondern: Leute, das wird sofort geschehen. Ihr braucht nicht lange darauf zu warten. Ihr braucht nicht im Kalender blättern und zu sagen: Ach, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, in dem das eintritt.

Nein, das wird über die ganze Zeit ein Merkmal sein – von meiner Himmelfahrt bis zur meiner Wiederkunft. In dieser Phase werdet ihr fortwährend religiöse Verführungen erleben.

Jesus beschreibt, dass es Hungersnöte geben wird. Und auch das sehen wir schon in Apostelgeschichte 11. Dort wird eine Hungersnot von extremen Ausmaß überliefert. Und natürlich – wenn du selbst darin involviert bist, denkst du: Jetzt ist das Weltende. Es ist vorbei. Finito!

Gott sei Dank habe ich das noch nicht erlebt – und ich will das auch nicht erleben. Ich kann mir nicht vorstellen, was mit einer Gesellschaft, mit einem Individuum passiert, wenn man in so etwas hineingerät. Und dass man dann denkt, das ist das Weltende, und apokalyptische Gedanken hat – unweigerlich wird das passieren. Du denkst: Wie soll das weitergehen? Offenkundig wird der Herr bald das Buch zuklappen – und dann war’s das.

In Apostelgeschichte, Kapitel 11 sehen wir heftige Hungersnöte. Aber das ist noch nicht das Ende.

Jesus spricht von Verfolgung. Er spricht von Bedrängnis oder Drangsal. Und einige Christen lesen diesen Text und sagen: Die Drangsalzeit oder Bedrängniszeit, die Verfolgungszeit, von der Jesus redet, ist etwas, das irgendwann später passieren wird.

Wenn ich meine Bibel lese, komme ich nicht zu dieser Ansicht. Wenn ich meine Bibel lese, sehe ich, dass diese Bedrängnis, von der Jesus spricht, nicht lange auf sich warten ließ, sondern dass Bedrängnis zu aller Zeit ein signifikantes Merkmal der Christenheit war.

Ich möchte euch einige Passagen aus dem Neuen Testament lesen, weil ich denke, dass das ein gewichtiger Punkt ist.

Johannes 16, Vers 33. Dort sagt Jesus: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seit guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“

In Apostelgeschichte 14, Vers 22 heißt es: „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.”

Bedrängnisse, Verfolgungen sind nichts, das irgendwann passiert. Sie waren schon Merkmale der ersten Christen – und das gilt bis zum heutigen Tag. Und das sind auch nicht nur wenige Bedrängnisse, sondern die Verfolgung wird vielfältig sein.

Es sind viele Bedrängnisse, die uns ereilen, um in das Reich Gottes zu kommen. Das ist eine Botschaft, die wir nicht so häufig am Sonntagmorgen hören.

Vor allem diejenigen, die neu dabei sind, werden sich fragen: Das mit Jesus – ist das was für mich?

Herzlich willkommen. Schön, dass du da bist.

Höre: In das Reich Gottes zu kommen, wird kein Spaziergang sein. Wir werden durch viele Bedrängnis in das Reich Gottes hineingehen. Und wer nicht dazu bereit ist, wird nicht in das Reich Gottes eingehen.

Wir haben keine Wohlfühlbotschaft, sondern eine realistische Botschaft. Diese Welt hasst die Werte des Reiches Gottes. Diese Welt hasst Jesus Christus – mit allem, was dazugehört.

Ich rede nicht nur über die schönen Dinge, die man sich herauspickt, sondern über das Ganze, das Jesus anzubieten hat.

Und insofern ist es eine wichtige Botschaft für Christen, damit wir erkennen, dass wir in einer Zeit leben, die unter anderem das Merkmal trägt, dass wir viele Bedrängnisse erleiden.

1.Thessalonicher 1, Vers 6. Dort sagt Paulus den Christen in Thessalonich: „Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort in viel Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes aufgenommen habt.“

1.Thessalonicher 3. Verse 2 bis 4. Im selben Brief geht Paulus noch einmal auf dieses Thema ein: „… und wir sandten Timotheus, unserem Bruder und Mitarbeiter Gottes in dem Evangelium des Christus, um euch zu stärken und zu trösten eures Glaubens wegen, dass niemand wankend wird in diesen Bedrängnissen. – Denn ihr selbst wisst, dass wir dazu bestimmt sind; denn auch als wir bei euch waren, sagten wir euch vorher, dass wir bedrängt sein würden, wie es auch geschehen ist und ihr wisst.“

Junge – die Leute sind damals zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Da war nicht alles easy peasy, sondern da wurde wirklich etwas von dir abverlangt, an Jesus Christus zu glauben.

Wir haben keine Ahnung, was es bedeutet, sich in diesen Breitengraden zu Jesus zu bekennen. Wir leben so sehr im Luxus – und wir haben Probleme, uns zu Jesus zu bekennen, obwohl es uns in unserem Breitengrad nahezu nichts kostet. Du hast keinen signifikanten sozialen Preis zu zahlen, wenn du Jesus Christus als Retter und Herrn bekennst.

„Oh doch – die Leute könnten mich komisch anschauen.“

Die Christen damals hätten darüber gelacht: „Die können dich komisch anschauen.“ Es ging um Leben und Tod, sich zu Jesus zu stellen.

„Oh Herr, gib uns die Fülle des Heiligen Geistes, damit wir bereit sind, uns zu Jesus zu stellen – komme, was wolle.“

Wir haben vorhin einen Bericht von Open Doors gehört. Das ist eine Organisation, die sich weltweit besonders um das Schicksal der verfolgten Christen einsetzt.

Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir hier immer wieder zusammenkommen, das von Zeit zu Zeit highlighten und miteinander beten. Ich weiß, für einige ist es komisch, in Gruppen zu beten. Aber hey – sie brauchen unser Gebet. Sie brauchen unser Gebet.

Und es ist so wichtig, dass wir uns von unserem Wohlstand einen Moment abwenden und die Not von Brüdern und Schwestern in den Fokus nehmen und dafür beten. Dass wir uns von unseren eigenen Bedürfnissen einmal einen Moment abwenden.

Open Doors schreibt, dass wir uns in der größten Christenverfolgung aller Zeiten befinden. Folgendes kann man auf ihre Internetseite nachlesen: Die Verfolgung hat sich weltweit gegenüber dem Vorjahr weiter leicht verschärft. Weltweit sind mehr als 388 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt.

Junge – was ist das für eine Zahl? Was ist das?

Ich kann diesen Bibeltext nicht lesen und dann sagen: Das ist etwas für irgendwann. Wir haben aktuell die größte Christenverfolgung in der gesamten Zeit der Christenheit, die man aufzeichnen konnte.

Die Dinge, die wir hier lesen, sind nicht für irgendwann – sie sind für hier und jetzt. Wir sollen uns jetzt bereit machen. Wir sollen jetzt ready sein für diese Dinge.

Auch die anderen Dinge, von denen Jesus da redet: Abfall, Verrat, dämonische Lehren, das Erkalten der Liebe.

Wir haben keine Zeit, uns jetzt beispielsweise in den 2. Timotheusbrief hineinzuvertiefen, in dem Paulus all das erwähnt, was Jesus hier prophezeit hat – dass all diese Dinge bereits im ersten Jahrhundert Realität sind.

All diese Dinge, die Jesus hier von Vers 4 bis 14 auflistet, sagen uns nichts darüber, wann Jesus kommt und wie Jesus wiederkommt.

Jesus nimmt seinen Jüngern die Vorstellung, dass sie spezifische Weltereignisse ständig bewerten und in ihren Endzeitkalender eintragen sollen. Wenn wir diese Dinge beobachten, dann wissen wir: Wir befinden uns in der Phase der Bedrängnis. Das ist das, was uns gegeben ist.

Und wir sollen erkennen, wenn Jesus sagt, dass diese Zeit davon gekennzeichnet ist: Jesus weiß es. Jesus hat es angekündigt. Das bedeutet: Jesus hat uns nicht verlassen. Jesus hat uns nicht vergessen.

Das ist so wichtig: Wenn wir in solche Bedrängnisse kommen sollten oder auch massiven Verführungen sehen, dann sollen wir nicht entmutigt sein, sondern uns daran erinnern: Jesus hat es vorausgesagt. Jesus ist mit uns. Jesus hat uns nicht vergessen. Und besonders unsere verfolgten Geschwister hat er nicht vergessen.

Statt Endzeitspekulationen zu betreiben, setzt Jesus deutlich den Fokus darauf, dass bis zum Ende zwei Dinge geschehen sollen: Wir sollen ausharren bis zum Ende. Und wir sollen auf dem ganzen Globus von Jesus erzählen, bis alle es hören.

Das ist das, was er seinen Jüngern weitergibt.

Hört auf, alle Ereignisse ständig deuten zu wollen. Ihr habt zwei Dinge: Ausharren – Jesus verkündigen. Ausharren – Jesus verkündigen. Ausharren – Jesus verkündigen!

Darum ist es auch keine Überraschung, wenn wir uns das Matthäus-Evangelium ganz zum Schluss anschauen – Kapitel 28, die Verse 19 und 20 –, dass die allerletzten Worten dieses Evangeliums, der Abschluss, folgendermaßen lauten: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern … Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“

Das ist genau die Frage, die die Jünger an Jesus gestellt haben: Wann wird das sein?

Leute, entspannt euch. Die Zeit wird hart werden. Harrt aus. Bleibt dran. Haltet fest und verbringt eure Zeit nicht mit Spekulation, sondern macht Werbung für Jesus bis zum Ende. Und ich werde bei euch sein bis zu dem finalen Tag, wenn ich wiederkommen werde. Soweit die Verse 4 bis 14.

Aber Jesus hat weitergesprochen. Er ist dort nicht stehengeblieben. In den nächsten Versen wird Jesus sehr konkret. Und er wird neben diesen allgemeinen Merkmalen – Bedrängnisse unterschiedlicher Art –  zu einem ganz konkreten, schrecklichen Ereignis kommen. Und das lesen wir in den Versen 15 bis 21.

Matthäus 24,15 bis 21: „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Städte stehen seht – wer es liest, der merke auf! –, dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen; wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die Sachen aus seinem Haus zu holen; und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschieht noch am Sabbat! Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird.“

Wenn Jesus hier von den Schwangeren und Stillenden spricht – „wehe denen“ –, dann sagt er nicht, dass sie einen Fehler gemacht haben, weil sie Babys bekommen haben, sondern: Für sie wird das, was dort passieren wird, besonders hart sein.

Fliehen zu müssen ist schon schlimm genug, aber mit Babys zu fliehen ist alles andere als witzig.

Und sie sollen dafür beten, dass es nicht im Winter oder am Sabbat geschieht. Denn da sind die Reisebedingungen, die Fluchtbedingungen natürlich wesentlich schwerer als zu anderen Zeiten – damals für die Juden.

Okay. Wir lesen hier von einem ganz konkreten Ereignis, das schrecklich sein wird. Und hier kommen wir in schwieriges Gewässer: Wovon spricht Jesus hier? Was ist das – dieser Moment der maximalen Verwüstung? Wann wird das sein? Wie können wir das beobachten?

Einige Bibelausleger meinen, dass Jesus nicht über die jetzige Zeit spricht, sondern über die ferne Zukunft.

Sie sagen: Jesus – so die Experten der Endzeitauslegung – spricht von einem weiteren Tempel, der später, in ferner Zukunft, aufgerichtet wird. Für sie ist das Ereignis futuristisch – Und das bedeutet, dass es sich um ein Ereignis handelt, das noch nicht geschehen ist – auch aus heutiger Sicht noch nicht –, in der Zukunft liegt und wir es noch zu erwarten haben.

So soll alles, was wir gelesen haben oder was Jesus hier seinen Jüngern erzählt, keine Relevanz für die Christen der

damaligen Tage gehabt haben – jetzt wird es etwas technisch, aber diesen Begriff muss ich mit hineinbringen, weil es vielleicht einige doch interessiert –, weil einige sagen: Die Christen werden von der Erde entrückt sein, sodass sie das nicht erleben werden und nicht beobachten können.

Vielleicht haben schon einige die Lehre von der Entrückung gehört. Einige Ausleger sagen: Das, was wir hier sehen und was hier geschildert wird, daran werden Christen nicht beteiligt sein. Sie werden das nicht miterleben, weil sie vorher entrückt wurden und das nicht mitmachen müssen.

Also: Es hat keine Relevanz für die christliche Gemeinde – und es hat dann offenkundig auch keine Relevanz für die Jünger, die das gerade gehört haben.

Das glaube ich persönlich nicht. Wenn du das anders siehst, dann bist du mein Bruder und meine Schwester, und ich habe dich lieb.

Ich bin überzeugt, dass Jesus hier auf die Frage antwortet, die die Jünger Jesus gestellt haben: Wann wird der Tempel zerstört? Ich glaube nicht, dass Jesus über einen zukünftigen Tempel spricht. Ich glaube, dass Jesus von dem spricht, was sie ihn gerade gefragt haben: Wann wird das geschehen?

Jesus gibt seinen Jüngern Anweisungen, was sie tun sollen, wenn – so wie er in Vers 2 einleitete – kein Stein mehr auf dem anderen sein wird. Jesus hat nicht über etwas spekuliert, das in der Zukunft liegt. Die Jünger haben gesagt: Schau mal, dieser schönen Tempel. Und Jesus hat diesen Tempel angesehen und hat ihnen gesagt: Das alles hier wird herunterradiert werden. Kein Stein wird auf dem anderen stehen. Hier wird tabula rasa sein.

Und ich glaube, Jesus hat genau diesen Tempel im Blick und sagt: Dieser Tempel wird so, wie ihr ihn jetzt seht, nicht mehr existieren. Es wird eine gewaltige Verwüstung geben, und das wird ein massiver Einschnitt sein in der Menschheitsgeschichte.

Und der Tempel, den die Jünger gerade noch bewunderten, wurde tatsächlich einige Jahrzehnte später von den Römern vernichtet.

Im Jahre 70 nach Christus gab es genau das, was Jesus hier ankündigte. Der Tempel wurde zerstört. Es gab ein großes Massaker in Jerusalem. Die Zerstörung des Tempels ging mit einer großen Katastrophe einher – eine Katastrophe, wie sie für die damaligen Juden gar nicht größer hätte sein können. Denn hier ist nicht einfach nur irgendetwas passiert, sondern ihre ganze Hoffnung und ihre ganze Identität sind dahin. Das Zentrum religiösen Glaubens ist zerstört und ist bis heute nicht wieder aufgerichtet. Und ist bis heute nicht wieder aufgerichtet.

Gottes Gericht kam über sein Volk – wie angekündigt.

Und dieses Gericht hat Jesus nicht nur in unserem Kapitel angekündigt: „Hier wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.“ Sondern wenige Verse vor unserem heutigen Bibeltext, in Matthäus 23, Vers 38, hat Jesus sehr deutlich in Aussicht gestellt: „Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.“ Es wird dort kein Leben mehr sein. Der Lebenshauch wird aus diesem Haus herausgenommen.

Dieses Haus wird nicht mehr sein. Es hat seinen Zweck erfüllt.

„Ich bin der wahre Tempel.  Ich bin die wahre Gegenwart Gottes. Bei mir findest du Identität. Bei mir findest du Hoffnung. Bei mir findest du Leben. Bei mir findest du Zukunft.“

Jesus spricht über den Tempel, den er vor Augen hat – nicht über eine Zeit, die irgendwann einmal kommen wird. Für die Jünger lag es in der Zukunft, aber wenige Jahrzehnte später haben sie genau das gesehen.

Wenn wir uns die Parallelstelle aus dem Lukas-Evangelium anschauen, dann sehen wir, dass Jesus dort – in Lukas 21, Vers 20 – noch konkreter beschreibt, was dort passieren wird. Er sagt: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe gekommen ist!“ Und jeder Jünger aus der damaligen Zeit, der – pi mal Daumen – dann 40 Jahre später die maximale Verwüstung in Jerusalem und die Zerstörung des Tempels gesehen hat, wird sich an diese Ölbergrede erinnert haben.

Jesus hat es gesagt: Die maximale Verwüstung wird kommen. Und wir sehen das Dilemma. Das ist genau das, was Jesus angekündigt hat. Wie konnte er das wissen?

In den damaligen Tagen hat ein sehr berühmter Historiker gelebt, der die jüdische Geschichte aufgeschrieben hat. Vielleicht kennen einige Hobbytheologen ihn. Sein Name ist Flavius Josephus. Und er ist insofern sehr interessant für uns, weil er selbst kein Christ war. Aber er beschreibt die Zeit, in der die Christen gelebt haben. Und er schreibt in seinem sehr berühmten Werk „Der jüdische Krieg“ detailliert über die grauenvolle Verwüstung Jerusalems, die 70 nach Christus passiert ist.

Wir werden uns nicht den ganzen Text anschauen – dafür haben wir keine Zeit, und er ist auch ziemlich derbe. Der Auszug, den ich euch gebe, reicht schon für die Ohren. Er beschreibt, wie römische Soldaten jeden Juden abschlachteten, den sie fanden.

Er beschreibt, dass das Blut so überströmend war, dass die Gassen in Jerusalem davon gefüllt waren. Dass es Blutströme gab in den Gassen, die so gewaltig waren, dass sie sogar kleine Feuer gelöscht haben.

Die Erde war gepflastert von Leichenbergen. Unweigerlich brach die Pest aus. Die Kämpfe verursachten eine extreme Hungersnot, sodass Mütter sich gezwungen sahen, ihre Säuglinge zu kochen und zu essen. Tausende Juden wurden versklavt und verschleppt.

Eine Katastrophe für die Juden der damaligen Tage – eine Katastrophe für ihre Identität.

Und ich bin überzeugt: Dieses apokalyptische Szenario hatte Jesus vor Augen, als er seine Jünger mit konkreten Hinweisen veranlasste: Wenn ihr seht, dass das kommt, dann nehmt beide Beine in die Arme und lauft. Lauft. Geht nicht nach Hause. Sucht nicht noch die wichtigsten Sachen. Rennt. Geht.

Tatsächlich sehen wir Berichte, wie Christen – ich hoffe, ich erinnere mich richtig, ich habe das jetzt nicht schriftlich fixiert – im Jahr 66 nach Christus, als das Ganze ins Rollen kam, durch eine Offenbarung Gottes gewarnt wurden. Sie sollten auf die Berge fliehen, und genau das haben sie auch getan und wurden somit vor dieser großen Verwüstung gerettet. Der Herr hat seine Gemeinde noch einmal gewarnt und sie letztendlich noch einmal daran erinnert, was wir in Matthäus 24 lesen.

Wir kommen jetzt zum Schluss.

Einige Ausleger sind der Meinung, dass Jesus in diesen Worten nicht über die Phase, die ich gerade beschrieben habe, spricht, sondern noch eine viel größere Bedrängnis am Ende der Zeit prophezeit.

Und ich sage: Es ist nicht unmöglich, dass dies auch zutrifft, dass sich dieses Wort, das Jesus hier sagt, noch einmal in einem größeren Ausmaß erfüllen wird.

Erinnert euch an die Worte: Die Geburtswehen beginnen. Sie werden heftig – und sie werden noch heftiger werden. Und insofern kann ich mir durchaus vorstellen, dass wir in eine Zeit kommen werden, in der diese Form der massiven Bedrängnis noch einmal intensiver sein wird.

Das ist am Sonntagmorgen keine gute Nachricht für uns.

In diesem Fall dürfen wir nicht einfach ängstlich nach Hause gehen und sagen: „Oh Herr, um Himmels Willen, was wird aus mir? Was wird aus all meinen Lieben? Ich habe keine Hoffnung. Werde ich standhalten können?“

Wir müssen diesen Predigttext mit einem wichtigen Wort beenden, das Jesus direkt nach den Versen, die ich gerade gelesen habe, den Jüngern weitergibt.

In Vers 22 gibt er den Jüngern ein Versprechen, das den damaligen Christen im ersten Jahrhundert galt – und auch allen Generationen danach.

Jesus sagt: „Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“

Gott ist im Regiment. Und Gott ist König. Gott sendet sein Gericht. Aber er weiß auch, wann er seine Hand zum Gericht auch wieder zurückziehen muss. Und er weiß, wie er die, die ihm gehören, bewahren kann.

Egal, wie furchterregend die Aussichten auch sein mögen – hört diesen Trost von Jesus: Die Rettung ist sicher für seine Auserwählten.

Es ist so wichtig, dass wir dieses Wort hören, denn das ist das maximale Gegengewicht zu all diesen Szenarien.

Als die Jünger das gehört haben, muss das unglaublich verstörend gewesen sein – so etwas in dieser Breite von Jesus zu empfangen, dieses schreckliche Szenario. Wer kann diese Rede hören? Wer kann das ertragen, was Jesus dort in Aussicht stellt?

Und dann bringt Jesus diese eine Wahrheit wie ein Gewicht auf die Waage, die gerade aus dem Gleichgewicht geraten ist – und auf die andere Seite legt er dieses Versprechen.

Die Rettung ist sicher für Gottes Auserwählte.

Das musst du hören, und das musst du glauben. Du musst wissen, dass du zu Gott gehörst, dass er dein Gott ist, dass er dein Herr ist, dass er dich liebt – und du ihn liebst. Das ist nämlich die einzige Wahrheit, die uns helfen kann.

Und ich bin so dankbar, dass Jesus genau diese Worte wählt. Warum? Denn wenn ich mit dieser Bedrängnis konfrontiert werde, dann frage ich: Werde ich in mir die Kraft finden, dieser Bedrängnis irgendetwas entgegenzusetzen? Und ich befürchte, dass die Antwort sein wird: Nein.

Aber Jesus lenkt unsere Hoffnung und unsere Zuversicht nicht auf das, was du in dir findest, sondern auf die Zusage, dass Gott mich auserwählt hat, dass er mich gesehen hat und gesagt hat: Du gehörst zu mir. Nichts und niemand wird dich aus meiner Hand reißen.

Du wirst, wenn du nach links und rechts schaust, sagen: „Ich kann nicht mehr und ich werde es nicht schaffen.“ Aber dein Gott im Himmel wird es schaffen. Er wird dich durchtragen, und er wird dir die Kraft geben, durchzuhalten.

Darum: Kenne deine Identität. Wisse darum, wer du in Christus bist.

Wer auserwählt ist, wird gerettet werden.

Bade in dieser Wahrheit, denn die Zeiten werden taff, die Wehen werden intensiver.

Über dieses Thema ist in Deutschland schwer zu predigen, weil unsere Realität uns das nicht so sehr vor Augen malt. Aber wir werden sehen, dass die Wehen zunehmen werden – und wir sollen nicht in Angst verfallen.

Seid getrost.

„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes – habt keine Angst – ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33)

Ihr gehört zu mir. Ihr seid meine Auserwählten. Vertraut darauf – und ihr werdet ans Ziel gelangen.

 

 

Bibelstellen:

Matthäus 24,1–22; Matthäus Kapitel 23; Apostelgeschichte Kapitel 5 + 8 + 11; 1.Johannes 4,1; Johannes 16,33; Apostelgeschichte 14,22; 1.Thessalonicher 1,6; 1.Thessalonicher 3,2–4; 2.Timotheusbrief; Matthäus 28,19–20; Matthäus 23,38; Lukas 21,20.