Wunderbar, schön. Soeben haben wir den Text gehört. Wir befinden uns im Matthäus-Evangelium in unserer Predigtreihe. Heute werden wir mit der dämonischen Welt konfrontiert, die Jesus in ihre Schranken weist.
Kann sich jemand vorstellen, dass ich diesen Text in dieser Woche nicht ausgesucht hätte? Die Thematik um die Befreiung von dämonischen Kräften schlägt zurzeit sehr hohe Wellen und fordert auch in unserer Gemeinde sehr viele heraus.
Würde ich nach freier Wahl predigen, hätte ich das Thema heute nicht gewählt. Am liebsten würde ich diese Passage überspringen und etwas auswählen, das weniger kontrovers ist. Also, wenn jetzt jemand denkt: „Das macht der Waldemar extra“, dann kann ich euch sagen, das tue ich nicht.
Meine Erfahrung ist, dass Gott es übernatürlich vorgesehen hat und nicht selten auch prophetisch gebraucht, wenn wir Abschnitt für Abschnitt, Vers für Vers durch Gottes Wort gehen – ohne persönliche Ambitionen des Predigers, sondern uns treu am Text entlang hangeln.
Wer war in der letzten Woche im Gottesdienst oder hat die Predigt gehört? Okay, es waren einige. Ihr könnt euch wahrscheinlich daran erinnern: Ein intensiver Punkt war, wie wir einander enttäuschen können und wie wir mit Enttäuschungen umgehen.
Und ich muss sagen: Der Herr hat die letzte Predigt gebraucht, um auch mir in der vergangenen Woche Orientierung zu geben. Das, was ich nicht vorhergesehen hatte, ist in meinem Leben eingetroffen – wie schon lange nicht mehr.
In der letzten Woche wurde ich dermaßen enttäuscht, und ich habe andere ebenso enttäuscht, dass ich lieber sitzen bleiben möchte, als hier zu stehen und zu reden. Aber der Herr bereitet uns vor, er gebraucht sein Wort.
So sehe ich einen Kampf in mir, in dem sich zwei Seiten gegenüberstehen: die ausgesprochene Unlust meines Fleisches, heute über dieses Thema zu sprechen, und der absolute Glaube meines Geistes in Gottes Führung, in Gottes Souveränität. Er macht keine Fehler, und jede Situation, mit der wir konfrontiert werden – egal ob wir gerade auf dem Berg sind oder im Tal – gebraucht der Herr, um sie für uns persönlich zum Besten zu wenden. Doch das können wir manchmal nicht glauben. Ich weiß, wir stecken manchmal in Situationen, in denen wir denken: Das kann der Herr unmöglich gebrauchen, um zu seinem Ziel zu kommen.
Ich weiß das – und dieser Saal ist voll von diesen Dingen. Aber den Herrn überrascht das nicht. Uns überrascht es, sonst würden wir auch keine Enttäuschungen erleben.
Was hat Nathanael zu mir gesagt: „Die Enttäuschung ist das Ende einer Täuschung.“
Wir haben Vorstellungen, aber diese Vorstellungen treffen nicht ein. Doch beim Herrn sind alle Tage unseres Lebens in seinen Büchern festgehalten. Es gibt nichts, was den Herrn aus der Fassung bringt – uns schon. Und ich kann nur raten, dass wir uns an das biblische Wort halten, dass uns alle Dinge zum Besten dienen müssen, weil sie in seinem Buch geschrieben sind. [Römer 8,28 und Psalm 139,16]
Das heißt, wir dürfen von Gott erwarten, dass er uns dort hindurchträgt, wo wir Enttäuschung erlebt haben, aber auch dort, wo wir selbst enttäuscht haben.
Matthäus 17, Vers 14 und 15. Kontext: Worum geht es? Jesus ist gerade mit drei seiner Jünger auf dem heiligen Berg gewesen, und die Jünger – Petrus, Johannes und Jakobus – haben Jesus in seiner Herrlichkeit gesehen. Sie sahen auch Mose und Elia.
Sie waren völlig außer sich vor Freude und Staunen, Jesus, den Messias, den Retter der Welt, in dieser Herrlichkeit zu sehen.
Voller Freude über dieses wunderbare Erlebnis kommen sie vom Berg herunter. Petrus wollte nicht vom Berg herunter-gehen, er wollte am liebsten dort bleiben. Aber es gibt manchmal Zeiten, da werden wir vom Berg geschickt, und dann geht es hinunter. Und plötzlich werden sie mit Realitäten konfrontiert, die es dort oben nicht gab – doch jetzt schon.
Verse 14 und 15: Und als sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie und sprach: Herr, erbarme dich meines Sohnes! Denn er ist mondsüchtig [o. anfallskrank] und leidet arg; denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser.
Wir werden in diesen Versen mit einer Familientragödie konfrontiert. Eine außerordentliche Not begegnet der Gefolgschaft von Jesus und nun auch Jesus selbst. Was sich zunächst wie eine Krankheit anhört, ähnlich einem epileptischen Anfall, wird in diesem Kontext als ein Leiden beschrieben, das durch teuflische Mächte verursacht wird.
Allein schon die Tatsache, dass etwas, das ich von außen als eine natürliche Krankheit betrachten würde, hier eine übernatürliche Ursache hat, ist eine Herausforderung für uns. Es zeigt, dass es gewisse Leiden gibt, die nicht einfach nur eine natürliche Ursache haben, sondern ihren Ursprung in teuflischen Mächten und in diesem Leben dämonisch verursacht werden.
Und das stellt uns natürlich vor ein riesiges Dilemma: Wenn wir mit solchen Phänomenen konfrontiert sind, womit haben wir es eigentlich zu tun?
Es wäre falsch zu behaupten – und das ist wichtig, dass wir das hören –, dass jede Krankheit eine dämonische Ursache hätte. Haben wir das alle gehört? Ohren auf: Nur weil gerade dein Nachbar schnupft, heißt das nicht, dass das dämonisch verursacht ist. Nicht jede Krankheit hat eine dämonische Ursache.
Aber genauso falsch wäre es zu behaupten, dass keine Krankheit eine dämonische Ursache hat. Es gibt beides, und die Bibel unterscheidet auch sehr scharfsinnig zwischen den unterschiedlichen Ursachen.
Nur weil wir einem Phänomen gegenüberstehen, können wir nicht einfach mit unserer eigenen Weisheit oder mit unserer persönlichen Einstellung an ein Problem herantreten und sagen: Das ist der Grund für dieses Dilemma. Manchmal sind die Gründe völlig andersgeartet und entsprechen dir nicht.
Ich kenne Christen, die die übernatürliche Welt nahezu komplett ausschließen – sie kommen gar nicht auf die Idee, in diese Richtung zu denken. Und genauso kenne ich Christen, bei denen ich manchmal denke: Also, bei dir ist hinter jedem Busch ein kleiner, unreiner Geist, den du irgendwie „ausschalten“ musst.
Da muss man aufpassen, dass man nicht aus seinem eigenen Fable oder seiner eigenen Perspektive heraus automatisch alles beurteilt. Interessanterweise – und das mag vielleicht einige überraschen, vielleicht klingt das auch ein wenig krass –, können wir etwas Ähnliches beim Thema Tod feststellen.
Jeder Mensch wird sterben. Ich weiß, einige leben nicht in diesem Bewusstsein, aber jeder Mensch wird sterben. Es ist eigentlich eine natürliche Ursache unserer gefallenen Welt – wir sind noch nicht im Himmel – dass Menschen sterben.
Aber: ist es ausschließlich eine natürliche Ursache, wenn ein Mensch stirbt? Nicht immer. Manchmal ereilt Menschen der Tod nicht aufgrund einer natürlichen Ursache, sondern plötzlich aufgrund eines göttlichen Gerichts.
Ich habe gesagt, es ist hart.
Wir sehen in der Gemeinde in Jerusalem, dass Menschen sterben, weil sie den Geist Gottes belogen haben. [Apostelgeschichte 5,1-11] Plötzlich hat es sie dahingerafft – sie sind tot. Das war keine natürliche Ursache, sondern ein plötzliches Gericht Gottes.
Auch in der Gemeinde in Korinth werden Menschen krank und sterben, weil sie das Abendmahl nicht angemessen feiern. Sie nähern sich mit Unüberlegtheit und einem harten Herzen dem Tisch des Herrn und nehmen das Abendmahl leichtfertig –und deshalb werden sie krank und sterben. [1.Korinther 11, Verse 29 und 30]
Ich weiß, dass wir diese Realität in aller Regel überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Aber wir haben einen heiligen Gott. Und wenn du denkst: Ja, im Alten Testament war der Herr heilig und heute sieht er alles ein bisschen lockerer – die biblischen Texte sprechen nicht so.
Ein Mensch aus derselben Gemeinde in Korinth erlebt, dass sein Körper aufgrund seiner perversen Unmoral nieder-gestreckt wird. [1.Korinther 5, Verse 1 bis 5]
Jeder Mensch stirbt. In der Regel ist es wahrscheinlich eine natürliche Ursache, aber es gibt auch Fälle, in denen das Sterben eine übernatürliche Ursache hat.
Und jede Schlussfolgerung, die wir daraus ziehen, erfordert unbedingt ein gesundes Unterscheidungsvermögen und keine voreiligen Rückschlüsse. Versteht ihr mich? Wir müssen nicht alles übermäßig spiritualisieren, aber „entspiritualisieren“ – wenn es dieses Wort überhaupt gibt – ist auch keine Option. Wir müssen die Realitäten wahr-nehmen, wie sie sind, auch wenn sie mich herausfordern.
Vers 16 bis 17. Der Vater spricht weiter: Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern gebracht, doch sie konnten ihn nicht heilen. Jesus aber antwortete und sprach: Ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Hier ist natürlich nicht unsere Geschlechtsdebatte des 21. Jahrhunderts gemeint. Man könnte auch sagen: „Verkehrte Generation.“
Es geht nicht darum: Du bist in einem falschen Körper geboren. Das ist nicht das Thema dieses Textes. Es ist die alte Sprache: Ungläubige und verkehrte Generation. Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her!
Das Zentrum des Textes, dieser Geschichtserzählung, ist das Scheitern der Jünger. Diese Geschichte wird uns weiter-gegeben, damit wir erkennen, dass die Jünger bei dem Auftrag, den Gott ihnen gegeben hat, extrem versagen.
Und was ich sehr erstaunlich finde: Als der Vater des Jungen mit dem Vorwurf kommt: Deine Mannschaft konnte es nicht, stellt Jesus sich nicht verteidigend vor seine Jünger. Jesus verteidigt sie nicht eine Sekunde.
Er setzt sich hier nicht für sie ein. Er sagt nicht: Ja, aber das musst du verstehen … Schau doch mal so … Er beschwichtigt nicht – gar nicht.
Jesus macht genau das Gegenteil: Er übernimmt den Vorwurf, und er intensiviert ihn sogar noch mit dem, was er sagt. Er setzt noch einen darauf und nimmt die Jünger richtig in die Mangel für das, was sie hier verzapft haben.
Es heißt in unserem Text nicht, dass die Jünger nicht wollten. Es heißt, dass die Jünger nicht konnten.
Und wir werden uns gleich anschauen, was es damit auf sich hat, dass die Jünger nicht konnten.
Aber bevor wir uns das „Nicht-können“ anschauen, sehe ich eine erste Schwierigkeit in der heutigen Kirche. Und das ist Folgendes: Ein nicht geringer Teil der Christen will in solchen herausfordernden Stunden nicht helfen, einfach weil sie nicht helfen wollen. Nicht weil sie nicht helfen könnten – das steht noch gar nicht zur Debatte –, sondern weil sie schlicht und ergreifend nicht helfen wollen.
Woran mache ich das fest? Das wird vielleicht die allermeisten hier gar nicht betreffen, und trotzdem ist es eine Dimension, der wir uns stellen müssen.
In der westlichen Christenheit ist es eine Tatsache, dass wir es geschafft haben, die übernatürliche Realität weitgehend aus unserem Denken zu entfernen. Wir denken maximal rational, und das hat durchaus Vorteile. Unsere westliche Kultur hat eine Stärke darin, vernunftgemäß zu agieren und zu denken. Aber es gibt viele Prozesse in diesem Leben, die rational nicht erklärbar sind. Diese sind jedoch nicht irrational, sondern transrational.
Was bedeutet das? Es bedeutet: Sie sind nicht gegen den Verstand, sondern sie sind größer als der Verstand. Überrational, versteht ihr?
Wir leben in einem Umfeld, das vom Naturalismus durchdrungen ist. Als Kinder werden wir durch unsere Schulbildung komplett darauf getrimmt, dass wir allein auf vermeintlich wissenschaftlicher Ebene agieren und nur das für wahr und relevant halten sollen, was wir messen und beweisen können.
Es gibt viele Dinge, wie in unserem Text, die du weder messen noch beweisen kannst – und trotzdem finden sie statt. Es gibt Christen, die, wenn sie in diesem Moment mit der Not des Vaters konfrontiert wären, nicht zu dem Team gehören würden, die sagen: Ich wollte, aber ich konnte nicht, sondern zu denen, die sagen: Das überfordert mich so sehr, dass ich nicht einmal etwas damit zu tun haben will.
Die Allerwenigsten würden das Verneinen der geistlichen Realität theologisch untermauern. Warum nicht? Weil die Bibel voll von solchen Informationen ist. In den Glaubensbekenntnissen schreibt man durchaus von der geistlichen Welt, der Existenz Satans, von den Machenschaften und Strategien von Dämonen. Man kann theologisch vieles für wahr und richtig halten, aber in der Praxis dennoch ganz anders leben, als das Glaubensbekenntnis es vorgibt.
Vielleicht hast du deine Bibel gelesen und sagst: Ja, die Bibel ist Gottes Wort, sie hat Autorität in meinem Leben, das ist mein Glaubensbekenntnis. Aber wir alle wissen, dass wir oft, viel zu oft, Teile daraus einfach übergehen und in der Praxis so leben, als hätten wir es nie gelesen.
Wir würden nicht sagen: Die Bibel hat an dieser Stelle unrecht. Nein, wir würden sagen: Die Bibel hat recht. Aber in der praktischen Umsetzung, in der Konfrontation mit solchen Phänomenen, wollen wir oft nichts damit zu tun haben.
Ich möchte euch etwas vorlesen, ein Zitat von jemandem, der mir geschrieben hat.
Das Thema ist nicht leicht. Wenn jemand sagt: Boah, das Thema ist hart, wer kann das ertragen? Und du möchtest deine Sachen packen, weil dich das zu sehr mitnimmt, dann habe ich Verständnis dafür.
Eine Familie – sie ist nicht von hier, und niemand von uns kennt sie – schrieb mir folgende Zeilen, die mit unserem Text sehr viel zu tun haben, Zitat:
„Unsere Tochter braucht unbedingt Hilfe. Sie erzählt von einem Wesen in ihrem Kopf, das sie böse machen will. Sie sagt, er will auch in die Schwester. Sie rastet aus und benutzt Wörter, die sie in ihrem Alter noch gar nicht begreifen kann. Sie malt komische Dinge und streicht Kreuze durch. Wir brauchen echt Hilfe.“
Versuch einmal, wenn du das emotional aushalten kannst, dich für ein paar Sekunden in diese Situation hineinzuversetzen: „Wir brauchen Hilfe. Da ist ein Wesen in meinem Kopf und es sagt, es will mich böse machen, und ich will in deine Schwester.“
Wenn ich der Vater wäre – das würde mich absolut killen. Das würde mich richtig fertig machen. Diese Not, die dieser Vater, der mir geschrieben hat, erlebt, erlebt hat, will ich nicht erleben.
Er benötigt Hilfe, aber leider mussten diese Eltern erfahren: Sie sind zu Christen gegangen, von Gemeinde zu Gemeinde, haben unterschiedliche Gemeinden abgeklappert – und haben erfahren müssen: Konfrontiert mit Matthäus 17 und dieser Realität, wollen Christen nicht helfen!
Sie sagen: Das ist nicht möglich. Ein Kind kann so etwas nicht haben. Und on top kommt dann noch die Aussage: Das ist die Frucht einer schlechten Erziehung.
So falsch es ist, alles zu schnell zu dämonisieren – und wenn jemand denkt, dass ich die Phänomene, mit denen ich konfrontiert bin, alle schnell dämonisiere, dann befindet er sich auf Glatteis –, genauso gefährlich ist es, diese geistliche Realität hochmütig auszuschließen und zu behaupten, dass sie einfach nicht präsent sein kann.
Und dann diesen Eltern, die ohnehin schon leiden wie Hunde, das Leid noch zu maximieren und zu sagen: Und du bist mit deiner Erziehung daran schuld, dass dein Kind so leidet. Das ist der Hammer! Das ist ein solches Armutszeugnis für die Christenheit. Es ist so verwerflich, es ist zum Kotzen, es ist zum Heulen, dass Menschen so leiden – und dann trauen sie sich, mit ihrem Leid in die Öffentlichkeit zu gehen und bekommen dann noch einen Nackenschlag verpasst: Geh nach Hause, dir ist nicht zu helfen. Du bist das Problem.
Da werde ich richtig wütend. Und ich habe es schon einmal gesagt: Wenn ich bei solchen Themen wütend werde, dann entschuldige ich mich nicht dafür.
Ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Das sind die Worte, die unser Herr Jesus Christus solchen Gemeinden zu sagen hat, die bei solchen Phänomenen sagen: Raus!
Ich verstehe die drängende Frage, die – sicherlich auch bei einigen hier – gerade in den Köpfen ist: Waldemar, wie kann es sein, dass ein Kind so betroffen ist? Ich frage dich: Wie kann es nach unserem Maßstab von Gerechtigkeit gerecht sein, dass ein Kind dieses Leid erfährt?
Und bestimmt bittest du: Gib mir eine Erklärung, wie es sein kann, dass schutzlose, unmündige Kinder so drangsaliert werden.
Ich gebe euch die Antwort: Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich diesen Satz nie und nimmer ausgesprochen. Aber ich sehe, dass Bibellehrer aus allen Lagern – wen immer du aufzählst – mit der Problematik in diesem Text konfrontiert werden und versuchen, ihre Erklärung zu bringen, warum das bei so einem kleinen Kind geschieht. Aber am Ende musst du sagen: Du findest nicht auf jedes Phänomen eine befriedigende Antwort.
Und das ist gerade für wahrheitsliebende Menschen und für Menschen, die es ganz genau wissen wollen – so wie ich –, oft eine Zumutung.
Und dann bist du mit einem solchen Problem konfrontiert, und weil du es nicht erklären und nicht zuordnen kannst – du hast vielleicht eine Schlussfolgerung, aber mehr auch nicht –, stehst du davor und denkst: Ich kann es nicht greifen, und es ist für mich nicht lösbar.
Wir werden später davon hören, wie Jesus sagt, dass wir mit großen Bergen konfrontiert sind, wenn es um unseren Glauben geht. Das ist ein großer Berg – ein Berg, der nicht zu bewegen ist, der nicht zu begreifen ist.
Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal vor einer Gebirgskette standet – vielleicht wart ihr Skifahren oder Wandern – und dann befandet ihr euch auf dem Gipfel eines Dreitausenders und schautet auf das Gebirge.
Du kannst es nicht greifen. Es ist so überwältigend, so übermächtig. Du fühlst dich so klein und hilflos. Wie ein kleines Würstchen fühlst du dich.
Versetze dich in diese Situation, wenn du diesen Text liest, und denkst: Wie um Himmels willen kann das möglich sein? Ich fühle mich ohnmächtig. That’s it. Ganz genau darum geht es, ganz genau das war die Herausforderung, mit der die Jünger konfrontiert waren.
Ich weiß, dieses Thema fordert uns sehr heraus. Aber wenn wir nicht offen über solche Dinge sprechen, werden weiter-hin Menschen im Stillen leiden – weil Christen vielleicht gar nicht helfen wollen.
Und ich bitte uns, dass wir uns ehrlich prüfen. Ich glaube nicht, dass unsere größte Not darin liegt, dass wir nicht helfen wollen. Aber ich gestehe euch hier offen: Ich führe viele Gespräche, auch seelsorgerliche Gespräche, und es gibt Themen, bei denen ich denke: Auf dieses Gespräch freue ich mich, denn mit dem Thema kenne ich mich aus. Da werde ich schon helfen können.
Aber ich sage auch ehrlich: Manchmal bin ich bei Seelsorgethemen so blank, dass ich auf die Uhr schaue und denke: Ich würde die Zeit am liebsten vorspulen. Warum? Weil ich nicht will. Ich will eigentlich nicht, weil das Thema mir zu heiß ist und mich überfordert. Ich bin so blank, dass ich aus meiner eigenen Weisheit gar nichts geben kann.
Doch genau das ist der Witz von christlicher Seelsorge: Man soll sich ohnehin nicht auf sich selbst verlassen.
Jetzt denken vielleicht einige: Was haben wir denn für einen Pastor? Nun, einen Pastor, der leider auch noch zu sehr Mensch ist.
Ich kenne diese Dynamik, dass mich etwas überfordert, und dann denke ich: Wie kann ich die Sache delegieren? Vor allem bei solchen Themen. Dann denke ich: Wo ist eigentlich Dany?
Dany, wenn du da bist, ruf einmal laut: Feuer! Habt ihr das gehört?
Versteht mich nicht falsch, ich sage das nicht, um jemandem einen Vorwurf zu machen. Ich bringe dieses Thema zur Veranschaulichung.
Als mich die Nachricht, die ich euch vorgelesen habe, erreicht hat, hat es mir zunächst den Boden unter den Füßen weggerissen. Und ehrlich gesagt: Ich war dankbar, dass diese Person nicht in meiner Nähe war.
Oh Mann, ich habe nicht geplant, das zu sagen.
Aber ich habe gedacht: Gut, dass das weit weg ist und sich ein anderer Pastor damit herumschlagen kann. Ich will nicht.
Und von solchen Gedanken muss ich umkehren.
Das war aber nicht der Vorwurf des Vaters in unserem Text. Er hat nicht gesagt: Hey, deine Jünger, die wollen ja gar nicht, sondern er sagt in Vers 16: … und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten ihn nicht heilen. Die Jünger wollten helfen, aber sie konnten nicht.
Die Lektion in dieser Geschichte ist nicht, wie einige vielleicht falsch schlussfolgern, dass wir aus diesem Text lernen sollen, dass Menschen nicht helfen können. Das ist nicht die Lektion unseres Textes. Darauf will Jesus nicht hinaus, dass wir von diesem Text mit dem Gedanken weggehen: Menschen können nicht helfen.
Es ist zwar wahr, dass Menschen häufig nicht helfen können. Doch die eigentliche Lektion unseres Textes ist, dass Jesu Nachfolger in die Lage versetzt wurden, zu helfen.
Und genau hier liegt das Dilemma dieses Textes: Jesus hat die klare Erwartung, dass die Jünger helfen können.
Ihr seid schon so weit fortgeschritten, dass ihr das stellvertretend für mich tun könnt. Und es ist ein Jammer, dass ihr es nicht tut. So komisch es auch klingen mag, aber Jesus ist in dieser Passage überhaupt nicht damit einverstanden, dass er sich persönlich darum kümmern muss. Hören wir das?
Jesus sagt nicht: Ja, liebe Jünger, wie kommt ihr auch auf eine solche Idee? Das hättet ihr gleich an mich weiterleiten sollen? Nein, er hat gesagt: Wie lange soll ich dieses Hin und Her noch ertragen? Was soll denn das hier? Mit wem habe ich es hier eigentlich zu tun?
Denn einige Kapitel zuvor, das lesen wir im Matthäus-Evangelium, Kapitel 10, waren die Jünger sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass wir in Lukas 10, Vers 17 lesen: Die Jünger und noch einige andere, insgesamt siebzig an der Zahl, kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, Jesus, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.
Also Jesus hat ihnen gezeigt, wie sie Menschen von teuflischen Mächten befreien können, und hat sie dann fortgeschickt mit dem Auftrag, genau das zu tun. Und sie taten es. Sie kamen zurück und freuten sich: Herr, in deinem Namen ist Macht, und die Dämonen weichen, wenn wir ihnen gebieten, in deinem Namen.
In Lukas 10, Vers 19, sagt Jesus kurz darauf zu ihnen: Siehe, ich habe euch die Macht – oder Vollmacht – gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten – das ist in der biblischen Sprache eine Art Code für Dämonen und böse Geister – und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch schaden.
Er hat das eingeordnet und gesagt: Warum seid ihr dazu in der Lage? Weil ich euch die Vollmacht gegeben habe, das zu tun, in meinem Namen.
Und Jesus erwartet von seinen Jüngern, dass sie in geistlicher Autorität handeln und Menschen helfen können, die von finsteren Mächten erdrückt werden.
Doch nun erfahren dieselben Jünger, einige Kapitel später, genau das Gegenteil.
Wie? Ich dachte, sie haben die ganze Vollmacht bekommen, um in Autorität zu handeln? Und die Geschichte geht weiter, und jetzt heißt es: Sie können nicht?
Das lehrt mich eine wichtige Lektion: Unsere geistliche Wirksamkeit und Kraft im Kampf gegen die Mächte der Finsternis ist keine unerschütterliche Konstante.
Nur weil die Jünger in Matthäus 10 diese Kraft empfangen und den Auftrag bekommen haben, losgezogen sind und erfolgreich waren, heißt das nicht, dass sie in Matthäus 17 automatisch in derselben Kraft und Autorität wandeln, die sie einst hatten.
Es kann sein, dass du geistliche Erfolge erzielst und dich dann in einem Moment wiederfindest, wo du mit derselben Sache konfrontiert wirst und nicht in der Lage bist, durchzubrechen.
Wie kann das sein? Du warst doch hier erfolgreich. Warum nicht auch dort? Es kann passieren, dass wir unwirksam und ohne Effekt sind. Nicht, weil wir nicht helfen wollten, sondern weil wir es nicht konnten.
Auch nicht, weil es unmöglich war, in derselben Kraft erneut zu handeln. Aber sie merken, dass es in ihrem jetzigen Zustand ein Unvermögen gibt, durchzubrechen und den Sieg zu erringen, der ihnen eigentlich von Gott zugesagt und versprochen ist.
Und ich kenne genug Situationen, in denen es mir genauso ging. Ich wollte, aber ich konnte nicht. Ich wollte schon, aber in meinem Gebet war keine Kraft zu finden.
Ich habe das schon einmal erzählt: Ein Kranker kam zu mir und bat um ein Heilungsgebet. Und ich wollte nichts lieber, als dass diese Person gesund wird. Ich wollte, ich habe gebetet – aber ich konnte nicht.
Nach dem Gebet hat die Person mir gesagt: Also, das Gebet hättest du dir echt sparen können.
Wir werden auch später, im Verlauf des Textes, noch sehen, warum ich es mir hätte sparen können.
Die Person hat gemerkt: Du willst zwar, aber du hast in deinem Gebet zum Ausdruck gebracht, dass du kein Zutrauen in Gott hast, dass hier etwas passiert. Ich habe der Person geantwortet: Es tut mir leid, du hast recht. Ich wollte, aber ich konnte nicht.
Habe ich das noch nie gekonnt? Selbstverständlich habe ich das schon gekonnt. Ich muss ja irgendwie meine Ehre auch retten – die liegt ohnehin schon im Staub.
Interessant ist, dass uns in einer Parallelpassage zu diesem Text, in Markus 9 verraten wird, dass der Vater, der seinen Sohn bringt – habe ich manchmal von einer Tochter gesprochen? Okay, falls ich mich vertan habe, dann bringe ich zwei Gegebenheiten durcheinander. Vertraut lieber dem Wort und nicht dem, was ich sage.
Der Vater, der den Sohn zu Jesus gebracht hat, so wird uns in Markus 9, Vers 24 erklärt, ist auch voller Unglauben.
Wie bitte? Du kommst, hast jedoch keinen Glauben? Aber wie kannst du kommen, wenn du gar keinen Glauben hast? Nur der, der glaubt, wird doch auch kommen. Das macht doch überhaupt keinen Sinn, oder? Denn wenn ich komme, dann habe ich doch auch eine Erwartung.
Aber Leute, das menschliche Leben ist genau so!
Wir wollen etwas, aber wir können nicht. Wir haben Hoffnung, aber dann fehlt uns doch der Glaube. Wir sind völlig verloren in unseren Emotionen und wissen weder ein noch aus.
Und das zeigt mir: Manchmal wollen Menschen frei werden, aber können es nicht, weil Blockaden sie daran hindern.
Jesus adressiert es hier ganz klar: Ihr seid zwar alle um mich, aber ich bin hier extrem mit Unglauben konfrontiert.
Das kann uns auch treffen – dass wir diesen Durchbruch auf einmal nicht mehr erfahren.
Gut ist, wenn wir nicht dieselben Blockaden haben, damit wir denen helfen können, die zwar wollen, aber nicht mehr können. Ich wiederhole diesen Satz noch einmal. Es ist gut, wenn wir nicht dieselben Blockaden haben, damit wir denen helfen können, die zwar wollen, aber nicht mehr können.
Wir gehen gleich weiter, aber vorher möchte ich euch noch etwas sagen: Es ist unbedingt notwendig, dass du in deinem Leben sicherstellst, dass du Menschen um dich herum hast, die dich tragen, wenn du selbst nicht mehr laufen kannst. Die für dich beten, wenn du selbst nicht mehr beten kannst. Die für dich glauben, wenn du selbst nicht mehr glauben kannst.
Und wenn du denkst, dass dich das niemals ereilen könnte, dann mach dich auf eine sehr, sehr harte Zeit gefasst, die in deinem Leben kommen wird.
Denn das Leben kann uns so niederstrecken, dass wir unseren Jesus zwar kennen – wir kennen ihn sehr wohl –, aber es fühlt sich an, als wären uns die Hände gebunden. Und aufgrund unserer Umstände können wir einfach nicht mehr.
Viele von euch wissen, dass ich im Frühling letzten Jahres eine sehr schwere Phase durchgemacht habe und mir einen Monat Auszeit genommen habe. Eigentlich war das viel zu kurz – aber na immerhin. Mir ging es richtig dreckig. Richtig dreckig.
Ich meine, ich habe schon einiges an Weisheit in meinem Leben erlangt und auch an Bibelkenntnissen. Aber wenn dann der Berg vor dir steht und dich überrollt – da habe ich gemerkt: Ich muss ganz dringend einen Bruder anrufen und mit ihm reden. Ich kann nicht mehr.
Und wenn ich nicht aufpasse, dann wird aus: Ich kann nicht mehr ein: Ich will nicht mehr.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich in eine solche Lage kommen könnte. Alle – aber nicht ich. Dafür bin ich viel zu robust. Dafür bin ich viel zu solide. Das merkt man ja auch, wenn ich rede.
Und ich hatte einen Bruder in dieser Gemeinde. Als der Berg mich überrollte, rief ich ihn an, und er war für mich da.
Es ist gut, wenn wir nicht dieselben Blockaden haben, um denen helfen zu können, die zwar wollen, aber nicht mehr können.
Die Verse 18 und 19: Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt. Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können?
Fernab von der Begründung, die gleich zu dieser Frage kommt, möchte ich, dass wir die Beziehungsebene, die uns der Text hier zeigt, nicht verpassen.
Haben wir den Vorwurf, den Jesus gerade ausgesprochen hat, noch im Ohr? Das, was er ihnen gesagt hat? Ein guter Pastor redet normalerweise nicht so mit seiner Gemeinde.
Stellt euch vor, ich würde hierherkommen und sagen: Ihr ungläubiges Gesocks, ihr seid nicht besser als die Heiden da draußen. Euer Verhalten ist genauso wie das der Menschen, die Gott gar nicht kennen. Das sagt Jesus zu seinen Jüngern.
Würde ich es einmal machen – am nächsten Sonntag würden nur noch diejenigen kommen, die völlig verblendet sind oder nicht Jesus, sondern dem Pastor folgen. Aufgepasst: Das ist keine gute Idee.
Der Vorwurf, dass Jesus ihr Verhalten mit dem der Ungläubigen in dieser Welt gleichsetzt, ist so heftig. Und das haben die Jünger gehört.
Aber was machen die Jünger daraus? Sie haben gerade eine richtige Packung abbekommen. Wie verhalten sie sich danach?
Sowohl Jesus als auch die Jünger kommen nicht einmal eine Sekunde auf die Idee, dass diese herbe Kritik, die soeben platziert wurde, dazu führen könnte, dass die Jünger und Jesus in ihrer Jüngerschaft-Beziehung jetzt nicht mehr innig sein könnten.
Die Jünger hören diese Kritik. Und was machen sie? Sie gehen zu ihrem Jesus. Und Jesus weist sie nicht ab, sondern er redet mit ihnen.
Das ist so wichtig für mich, dass wir das hören. Was hier auf der Beziehungsebene zwischen den Jüngern und Jesus geschieht, ist sicherlich nicht die Hauptaussage dessen, was wir hier lesen, denn gleich wird es um ihr Unvermögen, um ihr Nichtkönnen gehen.
Dennoch offenbart dieser Text uns, wie Jesus und die Jünger miteinander umgehen. Selbst dann, wenn Jesus berechtigte Klage gegen seine Jünger hat, führt das nicht dazu, dass sie sich separieren. Ganz im Gegenteil: Wir gehören zusammen.
Wir Jünger hören diese Worte und die darin enthaltene Kritik, und wir gehen davon aus, dass wir gemeinsam laufen und lernen.
Jesus antwortet. Er aber spricht zu ihnen: – auf die Frage: Warum können wir nicht? – Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein.
Und jetzt lese ich einen Vers, der nicht in allen Bibelübersetzungen enthalten ist, aber vielleicht in deiner.
In Matthäus 17, Vers 21 heißt es: Diese Art – von dämonischer Kraft – aber fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.
In einigen Bibeln finden wir diesen Vers nicht. Man ist sich nicht ganz sicher, ob er ursprünglich enthalten war. Das ist eine eigene Debatte.
Auf jeden Fall sehen wir: Gebet und Fasten können durchaus eine Rolle spielen im Kampf gegen teuflische Machen-schaften.
Ich bin mir sicher: Nicht jeder wird alltäglich mit dieser Art von Herausforderungen konfrontiert. Das war sicherlich auch für die Jünger keine Alltagskonfrontation. Aber es kann sein, dass wir mit solchen Phänomenen einmal konfrontiert werden, insbesondere dann, wenn Menschen das Zutrauen gewinnen, ehrlich sein zu dürfen und zu äußern, was in ihnen vorgeht.
Und deshalb müssen wir lernen, was wir für uns aus diesem Text mitnehmen können.
Wie können wir sicherstellen, dass wir nicht dastehen – egal in welcher Situation – und sagen: Ich wollte schon, aber ich konnte nicht. Wie wird daraus ein: Ich will, und ich kann auch. Wie kann das werden?
Ein alter, schon längst verstorbener Theologe, Adolf Schlatter, sagt zu diesem Wort einen sehr, sehr schönen Satz. Ich möchte, dass wir ihn langsam lesen und ihn ergreifen. Zitat:
„Jesus hat uns durch dieses Wort nachdrücklich gesagt, dass er uns deswegen zum Glauben einlädt, damit wir empfangen, was wir selbst nicht haben und das werden, wozu die Kraft nicht in uns liegt und vollbringen, was uns unmöglich ist.“
Noch einmal: „Jesus hat uns durch dieses Wort nachdrücklich gesagt, dass er uns deswegen zum Glauben einlädt, damit wir empfangen, was wir selbst nicht haben und das werden, wozu die Kraft nicht in uns liegt und vollbringen, was uns unmöglich ist.“
Wenn Jesus vom Glauben spricht, dann sagt er nicht: Du musst mehr Vorstellungskraft in dir zusammenraffen, alles, was du hast, um etwas für möglich zu erachten, damit du in deiner Kraft dann Dinge tun kannst. Sondern Jesus gebraucht ganz bewusst das Bild eines Berges, das völlig überdimensional und irre ist.
Und weil er dieses Bild als Beispiel nimmt, zeigt er: Das, was dir völlig verrückt und unglaublich erscheint, das kann nur gelöst werden – durch Vertrauen. Das kann nur gelöst werden – durch Glauben.
Und, meine lieben Jünger: Ihr seid zwar die ganze Zeit mit mir unterwegs gewesen und wart erfolgreich, aber ihr versagt jetzt an dieser Stelle, weil ihr mit einem Berg konfrontiert seid, bei dem ihr versucht, aus eurer eigenen Kraft diese Unmöglichkeit möglich zu machen.
Erkenne du an, dass du mit einer Unmöglichkeit konfrontiert bist, und sage: Ich lege mich mit meinem ganzen Vertrauen auf Christus allein, weil es unmöglich ist, weil ich es nicht verstehe.
Und weil ich es nicht kann, versuche ich nicht, mir eine Strategie zu überlegen. Nein, ich kann nicht! Aber ich glaube an Gott und ich erwarte von ihm, dass er das tun kann, wozu ich nicht imstande bin.
Und wenn wir uns allein auf Christus verlassen, können wir auch in überfordernden Situationen – und wir stecken alle in solchen Situationen – helfen, weil unserem Jesus alles möglich ist.
Und darum sagt Jesus: Wo ist euer Vertrauen in mich? Deshalb konntet ihr nicht. Ihr habt euer Vertrauen in mich verloren und versagt. Es hat abgenommen.
Ihr habt versucht, aus eurer eigenen Kraft die Dinge zu bewegen. Und in solchen Momenten können wir tatsächlich stecken. Viel zu oft passiert das, und viel zu viele stecken genau darin.
Und Jesus ruft uns zu: Empfange das, was du selbst nicht hast. Werde das, was nicht in deiner Kraft liegt, damit du vollbringen kannst, was dir komplett unmöglich ist.
Ich möchte beten.
Vater im Himmel, ich danke dir für dein Wort. Ich danke dir für deine Wahrheit, und ich bitte dich, Herr, dass wir weise werden, wenn wir dein Wort lesen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
Herr, ich habe nicht den Wunsch, häufig in solche Konfrontationen zu kommen. Das will niemand von uns. Aber, Herr, ich will nicht, dass du dasselbe zu uns sagst: Wie lange soll ich mir das noch anschauen? Habt ihr nicht gehört?
Doch, Herr, wir haben gehört. Und lass uns nicht so sein wie die Jünger damals. Lass uns Jünger sein, die gehört haben. Und wenn wir vor solchen Bergen oder anderen Herausforderungen stehen, dass du uns gläubig wiederfindest.
Ich bitte dich, Herr – boah, dieser Raum ist voller Berge – ich bitte dich, dass du uns Vertrauen schenkst, dass du uns Glauben schenkst.
Wir können uns diesen Glauben nicht selbst geben. Dein Wort sagt, dass der Glaube eine Gabe Gottes ist. Und wir gestehen, Herr, und bekennen, dass wir viel zu oft überfordert und ungläubig sind.
Herr, deswegen rufen wir zu dir und ich hoffe, dass sich viele mit diesem Gebet verbinden und dich bitten um eine neue Packung und Erfrischung aus dem Himmel: Dass du uns erfüllst mit übernatürlichen Glauben, mit einem übernatürlichen Vertrauen, das nicht in unserer Erfahrung oder in unserer eigenen Stärke gegründet ist.
Es geht hier Null Komma Null darum, dass wir im Selbstvertrauen unterwegs sind, sondern darum, dass wir im Gottvertrauen unterwegs sind.
Wenn wir die Berge sehen, lass uns erkennen, dass wir aus uns heraus nichts tun können. Aber verbunden mit dir, in deinem Namen, finden wir Kraft und können in deiner Autorität handeln, um das Unmögliche möglich zu machen, um das zu vollbringen, wozu niemand imstande ist.
Aber nicht, weil wir so gut sind, sondern weil wir von unserem Gott erwarten, was nur er tun kann.
Herr, wir beten für die Unmöglichkeiten. Wir beten für die Berge, mit denen wir konfrontiert sind. Herr, erbarme dich! Herr, erbarme dich und gib uns Glauben, dass du größer bist als jeder Berg, dass du größer bist als jeder Fels.
Dass jede Gebirgskette, der wir begegnen, ein Hauch vor dir ist, dass du bist viel größer bist.
Ich bete, Herr, dass dort, wo Menschen – auch in diesem Raum, in Lahr und alle, die jetzt zuschauen – mit dieser Ohnmacht konfrontiert sind, dass du in deiner Kraft handelst und diese Berge versetzt, von „A“ nach „B“. Dass sie verschwinden, dass wir sie überwinden – mit deiner Hilfe, Herr.
Herr, wir wollen sagen, wie dieser Vater in Markus 9 gesagt hat: Herr, wir glauben. Hilf unserem Unglauben.
Herr, wir werfen uns voll auf dich und bekennen dich. Wir brauchen dich mehr denn je. Herr, hilf uns und vergib uns. Vergib uns, wo wir nicht in deiner Kraft gehandelt haben.
Herr, vergib uns dort, wo wir der Grund waren, dass du Unmut in dir gefunden hast. Vergib uns, dass wir nicht helfen konnten. Und hilf uns, dass wir dich in einer guten Art und Weise repräsentieren, damit dein Name geehrt wird und Menschen geholfen wird. In deinem Namen,
Amen.
Bibelstellen:
Matthäus 17,14–20; Römer 8,28 und Psalm 139,16; Apostelgeschichte 5,1–11; 1.Korinther 11,29.30; 1.Korinther 5,1–5; Matthäus Kapitel 10; Lukas 10,17; Lukas 10,19; Markus 9,24, Matthäus 17,21.
