Das Gebet für verfolgte Christen hat uns gerade gezeigt, welchen Unterschied es macht, ob Menschen in Freiheit leben oder ob Mächtige ihre Macht dazu instrumentalisieren, sich selbst groß zu machen, die Bevölkerung aber kleinzuhalten und zu drangsalieren. Und es ist gut, dass ihre Not auch unser Herz bewegt – unser Herz, das hier in Freiheit lebt.
Aber das, was uns soeben beschäftigt hat, ist eine gute Hinführung zu dem, womit wir uns heute befassen. Und Carina, hat es bereits gesagt: Der Titel unserer heutigen Predigt lautet: „Machtmissbrauch im Namen Gottes.“
Auch wenn wir kein Regime über uns haben, das uns drangsaliert, so ist es dennoch möglich, in Gefilden unterwegs zu sein – auch in religiösen Glaubensgefilden –, wo Macht eingesetzt wird, um Menschen kleinzuhalten und sie nicht in die Freiheit zu führen.
Wir befinden uns im Matthäus-Evangelium. Wenn du deine Bibel dabei hast, dann schlag mit mir auf: Matthäus 23, Verse 1 bis 12.
Mit diesem Kapitel nähern wir uns schon ziemlich dem Ende der Geschichte von Jesus. Wenn du weiterblätterst, wirst du sehen: Es kommen noch ein paar Kapitel, aber die meisten Passagen werden über die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu handeln. Sonst hören wir nicht mehr viel von Jesu Dienen auf Erden vor seinem Ende.
In den Kapiteln 24 und 25 wird Jesus detailliert über die Endzeit sprechen. Was sollen Christen über die letzten Tage wissen? Wie werden sich die Dinge entwickeln? Das wird sicherlich sehr, sehr spannend sein für uns, das zu studieren.
Aber hier im 23. Kapitel nimmt sich Jesus noch einmal ausführlich Zeit, über Machtstrukturen unter Gläubigen zu sprechen. Er spricht über die Pharisäer und Schriftgelehrten.
Und das ist insofern interessant, weil ich gerade gesagt habe: Es kommt nicht mehr viel. Jesus wird verraten und geht ans Kreuz. Was ist ihm jetzt noch auf dem Herzen, wenn er mit seinen Jüngern und mit der Volksmenge spricht?
Er könnte noch ganz viele Dinge sagen, aber er hat es auf dem Herzen, mit ihnen ausführlich über die Pharisäer und Schriftgelehrten zu sprechen, damit sie verstehen, wer diese Leute sind und was von ihnen ausgeht.
Insofern hat das, was Jesus hier präsentiert, eine außerordentliche Wichtigkeit.
Matthäus 23, Verse 1 bis 3: „Dann redete Jesus zu den Volksmengen und zu seinen Jüngern und sprach: Auf Moses Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. Alles nun, was sie sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken! Denn sie sagen es und tun es nicht.“
Wir werden uns später anschauen, was das zur Folge hat – was sie nicht tun oder auch was sie tun und wie heuchlerisch sie unterwegs sind.
Wenn man das liest, könnte man auf die Idee kommen: Jesus ist ein Nestbeschmutzer. Er ist also jemand, der in seinen eigenen Gefilden, unter den religiösen Juden, unterwegs ist und Missstände in der Öffentlichkeit kritisiert.
Und wenn du das heutzutage tust, und nicht nur auf andere zeigst, sondern in deinem Eigenen – da, wo du gerade unterwegs bist – die Missstände aufzeigst, dann hörst du häufig den Vorwurf, dass du ein Nestbeschmutzer seist. Das macht man nicht. Man stellt doch nicht in der eigenen Community Dinge an den Pranger.
Das habe hier nichts zu suchen, sagt man dann. Wir müssen unser Image wahren. Wir können gerne über andere sprechen, aber doch nicht über das Eigene.
Warum der Vorwurf kommen könnte, dass er ein Nestbeschmutzer sei, erkennt man daran: Jesus redet nicht nur mit seinen Jüngern, sondern unser Vers zeigt, dass er zu seinen Jüngern und zu der Volksmenge gesprochen hat. Jesus war es wichtig, dass die ganze Öffentlichkeit mitbekommt, was in der eigenen Community vorgeht. Denn die Bedroh-ung, die von der geistlichen Elite ausgeht – von den Leitern der damaligen Tage –, ist groß. Und für Jesus ist es ganz eindeutig: Gefährliche Strömungen müssen entlarvt werden, auch wenn es wehtut und unangenehm ist.
Die damaligen Juden werden es als einfacher empfunden haben, über die schlechten Heiden da draußen zu sprechen. Sie haben es auch ausgezeichnet verstanden, über die Feindesmacht der Römer zu reden, die gerade das Land besetzt. Über die kann man gut abledern.
Aber Jesus interessiert sich in allererster Linie nicht für die gottlosen Heiden oder für die militärische Besatzungsmacht der Römer, die den Juden auch viele Probleme bereitet hat. Er schaut auf die jüdische Community: Was passiert dort und wie verhalten sich die Leiter?
In Epheser 5, Vers 11 finden wir einen sehr, sehr starken Satz, den ich kürzlich zu einer anderen Gelegenheit schon einmal zitiert habe. Dort sagt Paulus den Christen in Ephesus: „Und habt nichts gemein mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern stellt sie vielmehr bloß!“
Bringt sie ans Licht. Die Leute sollen es sehen. Es darf nicht im Verborgenen bleiben. Das ist so massiv gefährlich, dass man aufstehen und sagen muss: Hier läuft etwas falsch. Auch wenn die Leute zu mir sagen: Nein, nein, sei ruhig, das solltest du lieber nicht sagen. Nein – die Wahrheit muss raus. Wir müssen zuallererst vor der eigenen Haustür kehren, bevor wir die Verhältnisse anderswo anprangern.
Hier gibt es ein großes Problem.
Und es ist nicht so, dass Jesus jemand war, der auf den sozialen Medien einfach raushaut. Ihr kennt doch diese Tastatursoldaten, die sich gern in den sozialen Medien tummeln, immerwährend herumballern und anderen sagen, wie schlecht sie sind.
Es ist aber nicht so, dass Jesus nur in der Öffentlichkeit über die Pharisäer und Schriftgelehrten abgeledert hat.
Nein, kurz vor unserem heutigen Text – wenn du die letzten Wochen dabei warst und wach warst –, dann hast du gesehen, dass Jesus auch im direkten Kontakt mit den Pharisäern war und schon unzählige Male die Gelegenheit hatte, mit ihnen persönlich zu sprechen und sie zu ermahnen.
Jesus ist niemand, der auf die Straße läuft und sagt, was alles schlecht ist, sondern er ist auch im Kontakt mit ihnen und hat ihnen persönlich gesagt, welches schwerwiegende Problem sie haben: dass sie eine heuchlerische Frömmigkeit haben und umkehren müssen, wenn sie ins Reich Gottes gelangen möchten. Aber so geht es nicht.
Und Jesus nimmt sich die Freiheit zu sagen: Ich habe die Dinge im Persönlichen angesprochen und jetzt ist es Zeit, dass an dieser Stelle – kurz bevor ich ans Kreuz gehe – alle mitbekommen, was mir besonders wichtig ist. Ich mache öffentlich, welche Werke der Finsternis sich hier in der jüdischen Community unter uns tummeln.
Man könnte sich fragen: Warum fokussiert Jesus so sehr die Gruppe der Pharisäer und Schriftgelehrten? Es gibt auch viele andere Missstände, die man ansprechen könnte. Es gibt viele Probleme, denen Jesus begegnet ist, von denen er hätte sagen können: Das adressiere ich, damit die Christen im 21. Jahrhundert in Emmendingen und Lahr diese Dinge lesen. Also warum ausgerechnet diese Personengruppe? Gibt es nicht noch andere Missstände, die er benennen könnte?
Ich glaube, dass Jesus hier etwas vollzieht, wovor er schon gewarnt hatte und wovor auch später Jakobus in seinem Brief warnt. Denn in Lukas 12, Vers 48, sagt Jesus: „Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.“
Natürlich ist es schwer, Missstände in ein Ranking zu bringen: Was ist besonders schlimm und was weniger? Jede Not ist schlimm. Jedes Problem ist ein Problem.
Und dennoch sagt Jesus: Wo viele Privilegien einhergehen, dort gibt es eine besondere Verantwortung. Es ist nicht alles auf derselben Ebene. Und er sieht die Pharisäer und die Schriftgelehrten. Jesus sagt ja selbst: Sie haben sich auf den Lehrstuhl Moses gesetzt.
„Lehrstuhl“ – das kennen wir auch: häufig von den Universitäten. Dort bekleidet jemand als Lehrer, als Dozent, einen Lehrstuhl. Das sind respektable Persönlichkeiten, die die Akademiker für die nächste Generation ausbilden und einen massiven Einfluss haben.
Und so auch diese Leute. Sie haben massive Privilegien, und Jesus sagt: Dort, wo es massive Privilegien gibt, dort gibt es auch eine besondere Verantwortung. Man kann sie nicht einfach mit denen vergleichen, die weniger privilegiert sind. Auch diese werden zur Rechenschaft gezogen. Aber insbesondere diejenigen, die sich trauen, so herauszutreten, sind besonders gefordert, nach dem entsprechenden Standard zu leben.
Deswegen sagt Jakobus in Kapitel 3, Vers 1, in seinem Brief: „Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil – oder du kannst auch übersetzen: Gericht – empfangen werden.“
Das ist eine außerordentliche Warnung. Und es ist etwas schwierig, wenn man dann dazu ermutigen möchte: Hey, ist nicht der Lehrdienst, der Predigtdienst etwas für dich? Möchtest du dich ausprobieren? Vielleicht hat Gott dich darin begabt.
Wenn man diesen Vers liest, würde man denken: Nee du, mach du mal.
Das war auch der Vers, der mich gehindert hat, als Gott mich auf eine sehr dramatische Art und Weise berufen hat. Ich habe gesagt: Nee, das mache ich nicht. Ich kenne Jakobus 3, Vers 1.
Und es ist gut, dass wir eine heilige Ehrfurcht vor diesen Dingen haben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten – Leiter wie diese gibt es auch heutzutage – haben keine Ehrfurcht vor diesem Vers. Und jeder, der sich so herausstellt – und auch ich heute Morgen –, stehen unter diesem Eindruck und unter dieser Herausforderung: Habe ich, haben wir als Leiter in dieser Gemeinde, haben wir als Leiter in unserem Land Ehrfurcht vor dem Herrn?
Und sehen wir, dass wir – als Menschen die wir privilegiert sind, mit besonderen Rechten, andere zu lehren, zu leiten und zu lenken – auch eine besondere Verantwortung haben? Und dass wir genau hinhören müssen, wenn durch unser Verhalten Missstände hervorgerufen werden?
In den Versen 3 und 4 differenziert Jesus, wie man sich zu diesen Autoritäten verhalten muss. Und es ist ganz interessant: Er differenziert und sagt nicht: Schluckt einfach alles, was sie sagen, oder lehnt sie komplett ab. Das ist ganz wesentlich, was Jesus sagt.
Er nennt zwei Verhaltensweisen.
Vers 3: „Alles nun, was sie euch sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken! Denn sie sagen es und tun es nicht.“
Das Erste ist: Alles, was sie predigen – ausgehend von Mose –, sprich, alles, was sie an biblischer Wahrheit kommunizieren, hat Autorität für euer Leben. Sie predigen oft die richtigen Dinge – wir kommen gleich zu ihrer Heuchelei und dem Verdorbenen in ihrem Leben – und das, was richtig ist, musst du ernst nehmen.
Du kannst nicht einfach sagen: Na ja, aus ihrem Mund werde ich das nicht annehmen. Doch! Wenn es in Übereinstimmung mit der Schrift steht, respektiere das, weil es biblische Wahrheit ist, die aus ihrem Mund kommt.
Bereits in 5. Mose 17, Vers 11, finden wir diesen Hinweis: „Dem Gesetz gemäß, das sie dich lehren, und nach dem Recht, das sie dir sagen werden, sollst du handeln. Von dem Spruch, den sie dir verkünden werden, sollst du weder zur Rechten noch zur Linken abweichen.“
Also: Hör hin und prüfe alles, und das Gute halte fest. Daran darfst du nicht vorbeigehen.
Aber wir dürfen diesen Satz natürlich nicht so lesen, als ob Jesus alles billigte, was aus dem Mund der Pharisäer und Schriftgelehrten kam.
Er hat nicht alles geschluckt und für bare Münze genommen. Das sehen wir allein daran, dass er sie oft korrigieren musste und gesagt hat: Gerade war etwas richtig, aber jetzt kommen wir zu einer Thematik, bei der etwas schwer-wiegend falsch läuft.
Und darum gilt als Zweites:
Alles, was sie sagen und tun entgegen dem Wort Gottes, entgegen dem, was Gottes Wille ist, ist falsch und darf nicht beachtet werden.
Das ist ein ganz, ganz wichtiger Hinweis – vor allem für diejenigen, die ihren Leitern sehr hörig sind, sodass sie denken: Es gibt doch dieses Gute, das ich geprüft habe und festhalte. Sicherlich meinen sie es auch mit dem ganzen anderen Kram, den sie fabrizieren, gut. Und darum schlucke ich diese Pille, weil ich auch nicht illoyal werden möchte.
Und Jesus sagt: Das ist eine falsche Loyalität.
Jesus predigt hier: Es kann keine uneingeschränkte Loyalität zu Menschen geben. Es ist unmöglich, sich an einen Menschen zu halten und zu sagen: Alles, was von ihm kommt und alles, was er tut, ist für mich Gesetz.
Jesus sagt: Das, was mit dem übereinstimmt, was Mose gelehrt hat – dem folgt und bewahrt es. Aber wenn sie darüber hinausgehen, dann sollen bei euch die Alarmglocken läuten, und ihr sollt protestieren.
Und deshalb sind wir eine protestantische Kirche. Aber das Dilemma in den heutigen Tagen ist, dass die Protestanten vergessen haben, wogegen man protestiert.
Denn es gibt eine andere Kirchenbewegung, die sehr groß und massiv ist, die sagt – in der Konsequenz –: Das, was von menschlichen Institutionen kommt, wird an uns heruntergereicht, und wenn es gesagt ist, dann tun wir es und folgen dem.
Martin Luther und Co. haben gesagt: Nein, nein. Es gibt nämlich Matthäus 23. Und das bedeutet: Menschliche Institutionen, so gut sie gemeint sind, können Fehler machen. Und wenn es ganz dicke kommt, muss man sich auch öffentlich dazu stellen und sagen: Bis hierhin und nicht weiter.
Es gibt Dinge, die wir respektieren, bei denen wir sagen: Ja, das ist wahr, das stimmt. Aber es gibt auch Dinge, bei denen wir unbedingt sagen müssen: Das kann ich nicht annehmen und nicht vervielfältigen in meinem Leben – nach dem Prinzip: Das Gute bewahren, das Schlechte übergehen.
Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dieses Prinzip findest du auf allen Ebenen – im Alten und Neuen Testament.
Auf jeder Ebene.
Egal, ob es für dich als Staatsbürger … Wer ist Bürger in einem Staat? – Sind alle …? Einige haben sich nicht gemeldet. Der Status ist bei euch vielleicht nicht ganz geklärt.
Auch innerhalb des Staates – oh, wir können uns noch wunderbar an die Zeit der Coronamaßnahmen erinnern. Bei diesem Thema bitzelt es bei einigen gleich ein wenig.
Das war für die Christen in Deutschland gefühlt das allererste Mal – zumindest für die neue Generation –, dass sie sich gefragt haben: Wie ist unser Verhältnis zum Staat eigentlich?
Die meisten Christen haben sich bis zu dem Tag, an dem Corona ausgebrochen ist, nicht einmal ansatzweise Gedanken darüber gemacht: Wie verhalte ich mich zum Staat? Warum? – Weil es einfach keinen Anlass dazu gab.
Deshalb waren wir deutschen Christen extrem ungebildet, was die christliche Rolle in einem säkularen Staat ist.
Und das war eine mühselige Aktion, sich da hindurchzunavigieren und zu einer Position zu kommen, in der wir sagen können: Wir wollen Gott und auch den Obrigkeiten gehorchen – aber nur bis zu dem Punkt, an dem es beginnt, gegen unseren Glauben und unser Gewissen zu gehen.
Also: In unserem Verhältnis zum Staat findest du dieses Prinzip. Du findest dieses Prinzip in der Ehe. Du findest dieses Prinzip in der Familie, zwischen Eltern und Kindern. Und du findest – und das ist wohl der stärkste Bezug zu unserem Text – dieses Prinzip auch in der Gemeinde.
Hebräer 13, Vers 17 – ein Lieblingsvers von Pastoren und Ältesten – lautet: Gehorcht und fügt euch euren Leitern! Hallelujah. Amen. Sagt keiner Amen? Es war nicht hineingemogelt, das steht da tatsächlich.
Es ist schon schwierig, dazu Amen zu sagen. Ja, kommt, ich lese auch noch den Rest: „Gehorcht und fügt euch euren Leitern, denn sie wachen über eure Seelen …“ Amen.
Und jetzt kommt’s: Hier kommen das Privileg und die Verantwortung direkt in einem Vers: „… als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch.“
– Also: Verhaltet euch so, dass wir nicht traurig werden. –
Aber einige nehmen diesen Vers und sagen: „Siehst du, also Kadavergehorsam. Tu all das, was ich sage. Du sollst deinen Kopf ausschalten und mir folgen, komme was wolle.“
Und so sehr dieses Wort wahr ist und wir auch darauf achten müssen, wie wir uns zu den Leitern verhalten und dass wir nicht ständig in einer anzweifelnden, hinterfragenden, rebellischen Art und Weise innerhalb der Gemeinde agieren, sondern unsere Herzen weit machen, wenn Gottes Wort proklamiert wird und die Prinzipien auch für unser Leben anwenden – gibt es doch dieses wichtige Wort in Offenbarung 2, Vers 2.
Jesus selbst adressiert Folgendes an eine Gemeinde: „Ich kenne deine Werke und deine Mühe und dein Ausharren, und dass du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner befunden.“
Hier sehen wir die massive Spannung im neutestamentlichen Text: Gehorche und füge dich! Und andererseits sagt Jesus: Schalte deinen Kopf nicht aus, sondern prüfe!
Und ich lobe das, dass – sogar wenn Leute sich in Gemeinden aufschwingen und sagen: „Auf meiner Visitenkarte steht Apostel Waldemar Justus“ – das ist schon mal … Im Neuen Testament, wenn du da mit „Apostel“ um die Ecke kommst, dann ist das schon die höchste Liga, mit der du da auftrittst – würde ich mal sagen. Das ist ehrfurchtgebietend.
Oder wenn du mit einem Pastor unterwegs bist: ein Pastor Waldemar Justus, ein Pastor Jakob Justus – schöner Nachname übrigens –, ein Pastor Nathanael Mertens – das ist doch irgendwie ehrfurchtgebietend.
Und Jesus sagt: Ich lobe es, dass du das geprüft hast. Dass du das Gute behalten und dich vom Bösen ferngehalten hast. Und wenn du eine Lüge identifizierst, dann hältst du dich auch fern von dieser Lüge.
Ich möchte ein Zitat lesen – zu dem Vers 17 von Hebräer 13: „Gehorcht und fügt euch euren Führern – oder Leitern!“ – von Sam Storms, der Folgendes dazu schreibt:
„Das Wort, das mit Gehorchen übersetzt wird, bedeutet wörtlich: überzeugt werden, vertrauen, sich auf jemanden verlassen. Die Idee ist also, dass die Gläubigen auf das hören sollen, was ihre Leiter sagen, und es annehmen sollen. Natürlich wird euer Gehorsam letztlich vom Wort Gottes bestimmt und nicht von irgendeinem Menschen. Wenn ich oder irgendein anderer Ältester oder Pastor euch jemals etwas lehren oder euch zu etwas raten sollte, das der Schrift wider-spricht und im Widerspruch zu den Wahrheiten von Gottes Wort steht, tut es nicht. Der Gehorsam oder das Vertrauen eines Christen gegenüber seinen geistlichen Leitern ist nicht absolut. Wir sind nicht eure Herren, nur Christus ist das. Folgt uns nur so weit, wie wir Christus folgen. Ahmt unser Leben nur insoweit nach, wie wir seines nachahmen. Hört auf unsere Lehre nur so weit, wie sie mit der Bibel übereinstimmt.“
Also: Solange wir in dieser Spur unterwegs sind – hör das, glaube dem, folge dem, vertraue dem. Aber in dem Augen-blick, wo man von diesem Standard abweicht und andere Dinge hineinkommen und du merkst: Das ist nicht deckungs-gleich mit Gottes Wort, das kann ich unmöglich tun mit einem reinen Gewissen vor Gott –, in dem Augenblick ist es recht zu sagen: Lieber Leiter, bei aller Liebe, bis hierhin und nicht weiter.
Und einige sind in einem knechtenden Verständnis, dass sie ihr reines Gewissen vergewaltigen müssen, um einem Leiter zu folgen und damit gleichzeitig Christus untreu werden. Und einige denken, es ist sogar Gottes Wille, dies zu tun, weil er ja nun mal ein „Leiter“ ist.
Das ist nicht die Idee, die uns Jesus in Matthäus 23, Verse 1 bis 3, präsentiert. Lass uns den Vers 4 anschauen.
Jesus fährt fort – also, es geht jetzt um die Pharisäer und Schriftgelehrten. Was tun sie so Schlimmes im Leben der Gläubigen? –:
„Sie binden aber schwere und schwer zu tragende Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbst aber wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen.“
Jesu Kritik ist maximal pauschal. Also pauschaler als Jesus kannst du nicht reden. Wenn du ein Fan von differenzierter Redeweise bist, dann ist die Rede von Jesus wirklich kein Leckerbissen für dich, weil Jesus mit einem broad brush einfach so darübergeht und alle niederrasiert, die ihm gerade in die Quere kommen.
Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass es auch Pharisäer gab, die nicht so waren. Aus Johannes 3 wissen wir, dass der vielleicht berühmteste – Nikodemus – nicht so war wie die anderen. Aus Lukas 12 bekommen wir auch einen Hinweis, dass es in dieser Gruppierung andere gab, die von dieser Kritik nicht betroffen waren. Und trotzdem verwendet Jesus dieses Stilmittel der Übertreibung.
Jesus übertreibt. Jesus übertreibt – aber bewusst –, weil er einen Effekt erzielen möchte. Differenzierte Redeweise ist gut, aber manchmal sterben wir auch in Schönheit – nicht in äußerer Schönheit –, sondern wir verlieren uns immerzu in Differenzierungen, und dann weiß am Ende niemand, was du eigentlich sagen wolltest.
Und deshalb gebraucht die Bibel tatsächlich sehr, sehr häufig Übertreibungen, um Alarm zu schlagen, damit selbst die Letzten mitbekommen: Es gibt unter uns ein großes Problem, und der letzte treue Überrest soll merken: Das System ist korrupt. Es braucht tiefgreifende Umkehr, damit wir Befreiung erfahren.
Und darum ist es manchmal wichtig, dass es solche Personen wie Jesus und Johannes der Täufer gibt, die von den Kanzeln auch pauschalisierend sprechen, damit wir wieder sensibilisiert werden für eine grundlegende Not.
Die betrifft natürlich nicht jeden Einzelnen. Aber es braucht Leute wie einen Rammbock, der einfach mal die Tür auf-stößt, damit die Menschen merken: Hier gibt es ein Problem, das wir bislang nicht gesehen haben.
Besonders massiv macht Jesus das später in Vers 37, wo er ausruft:
„Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.”
Das sagt er über ganz Jerusalem. Ist das adäquat? Ist das differenziert? Ist das austariert? Nein, ist es nicht. Ist es nicht. Es gibt auch in Jerusalem Menschen, die treu sind. Es gibt auch in Jerusalem Menschen, die auf den Messias warten. Es ist nicht so, dass immer alle gemeint sind.
Und trotzdem möchte Jesus hier einen Punkt setzen: Ich will hier nicht differenziert reden. Ich will hier nicht in Schönheit sterben, sondern ich möchte sagen, dass das ganze System ins Kippen geraten ist. Und hier braucht es Heilung und Wiederherstellungsprozesse.
Und er spricht davon, dass die Pharisäer und die Schriftgelehrten im Großen und Ganzen missbräuchliche Strukturen etablieren, die andere in Knechtschaft führen, aber für sie selbst gelten häufig andere Regeln. – Mit sich selbst sind sie gnädiger als mit den anderen.
Ja gut, das kennen wir vielleicht nicht auf geistlicher Ebene, aber kommen wir noch einmal kurz zur Coronapolitik zurück, weil es dort für viele so griffig wurde.
Da gab es Szenen, nicht nur in unserem Land – besonders in England gab es einen krassen Fall mit Boris Johnson: Niemand darf feiern oder zum Essen gehen, alle müssen zu Hause bleiben. Ihr kennt das ganze Geschwafel. Und dann kam heraus: Die in ihren Hinterzimmern machen einfach ihr Ding, als wäre nichts gewesen. Und in diesem Augenblick merkte die Bevölkerung: Inwiefern sind wir in Gefahr, wenn wir zusammenkommen, aber wenn ihr zusammenkommt, seid ihr nicht in Gefahr?
Ich möchte jetzt nicht über die Gefahren in den jeweiligen Phasen der Coronazeit sprechen – auf dieses Thema will ich gar nicht hinaus. Ich möchte auf die ungleiche Behandlung hinaus und darauf, dass Mächtige dazu neigen, ihre Macht vorrangig für sich selbst einzusetzen und sich selbst zu schützen, anstatt ihre Macht dazu …
Und jeder Leiter hat Macht. Jeder! Auch wenn du diesen Begriff nicht magst. Jeder, der Verantwortung hat – egal, wie groß oder klein –, auch wenn du Familienvater oder Familienmutter bist, hast du Macht.
Jeder, der in einer Leitungsposition steht, eine Verantwortungsposition hat, hat Macht. Und Menschen mit Macht nutzen diese häufig nicht, um anderen zu dienen, zu helfen und aufzuerbauen. Stattdessen wird Macht häufig missbraucht, anstatt gebraucht. Sie wird missbraucht, um sich selbst zu schützen und seine Privilegien zu sichern. Und wenn mir einer in die Quere kommt, dann werde ich ihn herunterrasieren, damit ich oben bleibe.
Das ist ein Phänomen, das wir überall finden. Und in dieser Zeit – ich nenne es mal so – der Doppelzüngigkeit wurde diese Heuchelei einiger, der Bevölkerung sehr, sehr stark vor Augen geführt. Man hat gemerkt: Moment mal, ihr bindet uns gerade heftig schwere Lasten auf – zurecht oder unrecht, das ist nicht mein Thema. Aber warum tragt ihr sie eigentlich nicht? Warum gilt für uns etwas, das für euch nicht gilt?
Ah ja, Entschuldigung, das war ein Fehler. Irgendwie haben wir das verpasst. Termine im Kalender haben mich geleitet, da zu sein. Eigentlich wollte ich das nicht. Bla, bla, bla, bla.
Hey, dieses Verhalten – die da oben lassen es sich gut gehen und sind fein damit, dass es den Kleineren schlecht geht – das gibt es auch häufig in Kirchen und Gemeinden.
Besonders in denjenigen, in denen viel mit exklusiven Gesetzen operiert wird, die du in deiner Bibel einfach nicht findest. Und dann setzen sich Leute auf den Lehrstuhl Moses – eigentlich müsste man sogar sagen: auf den Lehrstuhl Christi – und sagen: Wir fügen jetzt noch etwas hinzu, und du musst nach unserer Pfeife tanzen; du musst die Dinge so tun, wie wir sie wollen. Ansonsten fällst du in Ungnade, und wir werden es dich spüren lassen.
Vielleicht können sich einige noch daran erinnern: Vor einigen Monaten hatten wir schon einmal diese Auseinandersetzung mit der Gesetzlichkeit und dass sie in einigen Kreisen wirklich massiv ist. Mir ist es wichtig, dass wir das adressieren, weil es in unserem Land viele, viele, viele, Gemeinschaften gibt, die Menschen offenkundig in eine Knechtschaft führen – und nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei haben.
Und viele Menschen sind mit uns verbunden. Einige kommen auch aus solchen Gemeinschaften zu uns, flüchten förmlich. Sie suchen Unterschlupf und schreien nach Gnade vor diesen Unrechtsregimen.
Ihr könnt euch vielleicht an ein Beispiel erinnern, dass ich euch von einer Person erzählte, die mir sagte: Bei uns war es verboten, dass man an den Badesee geht und mit Badebekleidung badet, weil das zu freizügig ist. Das darfst du nicht tun. Und das war Gesetz. Und wenn du das tust, bekommst du große Probleme.
Und dann war diese Person aus der Gemeinde an einem anderen Ort, in der Nähe eines Badesees. Und zufällig sieht sie aus der Ferne einen Leiter der Gemeinde, der auch zufällig an diesem ferngelegenen Badesee ist – und mit seiner Badehose die Zeit seines Lebens hat und da eine ordentliche Arschbombe platziert und Freude dabei empfindet.
Und sie sieht das und denkt: Was ist das? Was sind das für Dynamiken in dieser Gemeinschaft? Du hast uns gesagt, wir dürfen das aus diesen und jenen Gründen nicht. Ich darf keine Badehose oder keinen Badeanzug tragen. – Wir können uns gerne an anderer Stelle noch einmal über Bademode unterhalten. Das ist jetzt nicht mein Punkt. Amen. – Aber solche Systeme gibt es. Du denkst: Okay, baden. Ja. So what?
Es gibt viele, die mich kontaktieren und sagen: „Hey, ich bin in einer Gemeinschaft, und ich wollte heiraten. Und als ich mich auf die Hochzeit vorbereitet habe, ging es darum: Wie können wir heiraten?“
Und wir möchten uns natürlich auch kirchlich trauen und segnen lassen. Aber in unzähligen Gemeinden gibt es Gesetze – man wird gescannt. Und wenn dann jemand sagt: Mein Leben ist nicht einwandfrei verlaufen, beim Thema sexuelle Reinheit habe ich keine reine Weste. Ich bin gefallen. Ich hatte Sex vor der Ehe. Ich bin nicht stolz darauf, bin aber um-gekehrt. Ich möchte ein Leben in Reinheit leben. Das ist meine Geschichte. Es tut mir leid, ich kann sie nicht ändern, aber ich bin umgekehrt.
Und was ist die Reaktion darauf? Die Gemeinden reagieren, indem sie sagen: Ihr dürft heiraten, aber wir verbieten dir, dass du in Weiß heiratest. An der Farbe deiner Bekleidung soll erkennbar sein, dass du in Sünde gefallen bist und nicht rein in diese Ehe gehst.
Und das Interessante ist: Häufig – nicht immer – findet diese optische Markierung nur bei den Frauen statt.
Braut und Bräutigam kommen herein – und ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Dynamiken da freigesetzt werden. Doch, ihr könnt es euch vorstellen, oder?
Der Tag deines Lebens – du bist nicht stolz auf deine Vergangenheit – du kommst in den Raum der Gnade, der Gemeinde Jesu Christi, und dann musst du in der Öffentlichkeit zeigen, wie unheilig du bist?
Niemand kennt die Geschichte. Einfach nur dieses Statement: unrein.
Einige Gemeinden wollten fair sein: Die Männer dürfen keinen Blumenanstecker tragen. Und das ist dann sein Zeichen für Unreinheit. Und darum ist das Wichtigste, wenn du zu einer Hochzeit gehst: Trägt die Frau ein weißes Kleid und hat der Mann einen Blumenanstecker am Revers – und dann können wir aufatmen.
Und viele fragen mich: Warum ist das so? Warum ist das in meiner Gemeinschaft so? Die Gesetze und Gebote verur-sachen so viel Schmerz. Sie fragen: Woher haben sie das? Die Menschen wissen es nicht. Sie haben Fragen, aber sie trauen sich nicht, hinzugehen und sie zu stellen.
Und auch ich frage mich dann: Woher? Woher nehmen sie das? Aber ich weiß es auch nicht.
Ich frage mich: Was fällt geistlichen Leitern eigentlich ein, mit Scham zu arbeiten, wenn es darum geht, sich von Gott segnen zu lassen? Wer macht so etwas? Wer operiert mit Scham? Ist es wirklich der Heilige Geist, der dieses Gefühl unter uns freisetzen möchte? Arbeiter er mit Scham?
Natürlich ist Scham eine Realität, und es ist auch in gewisser Weise eine gesunde Haltung, zu merken: Hier ist etwas aus den Fugen geraten.
1. Mose 3: Adam und Eva. Sie waren in Rebellion gegen Gott, haben gegen Gottes Gebot gesündigt – und sie schämten sich. Zurecht! Das ist ein gesundes Anzeichen.
Aber was tut dann der Herr? Sagt er: „Schämt euch, bleibt darin, und ich maximiere eure Scham für alle Ewigkeit?“
Nein, eben nicht!
Er sieht, dass sie sich über ihren Zustand schämen, dass da etwas passiert ist in ihnen. Und er macht ihnen Felle und bedeckt ihre Scham.
Das ist unser Gott. Gott lässt uns nicht in der Scham, wenn wir diese empfinden. Er ist ein fürsorglicher Gott, und er lässt dich nicht in einer selbstverdammenden Spirale.
Kommt, das nehmen wir noch – das ist nämlich echt wichtig. Offenbarung 7, Vers 9 und Verse 13 und 14.
Das sollten wir uns wirklich überlegen: Wie kleidet Gott uns eigentlich, wenn er mit uns zu tun hat?
Offenbarung 7, Vers 9. Dort schreibt der Apostel Johannes: „Nach diesem sah ich: Und siehe, eine große Volks-menge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen.“
Vers 13: „Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit den weißen Gewändern bekleidet sind – wer sind sie, und woher sind sie gekommen?
Vers 14: Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes.“
Der Herr bekleidet uns mit Weiß.
Und wenn Ehepaare zum Traualtar gehen, dann beweisen sie mit ihrem Weiß nicht allen anderen, wie selbstgerecht und heilig sie sind, sondern sie kommen und sagen:
„Meine Gerechtigkeit wäre in Schwarz gekleidet. Mein Mantel der eigenen Gerechtigkeit nutzt mir gar nichts. Aber der Mantel der Gerechtigkeit Jesu Christi macht mich rein und weiß. Und ich stehe vor ihm und proklamiere sein Blut, das für meine Sünde vergossen wurde.“
Bei jeder Hochzeit, was die Frauen – oh Mann, es tut mir so weh im Herzen –, häufig junge Mädels, dann durchleben müssen, welch falsches Bild ihnen vom Evangelium propagiert wird … Das ist solch ein Unrecht! Und das passiert in Deutschland tausendfach – und niemand steht gegen diese knechtenden Systeme auf.
Sie gehen dort hinein und das, was sie lernen und erleben, ist: Hier wird mit Demütigung und Angst operiert. Und wenn ich in einer solchen Gemeinschaft vor den anderen „rein“ dastehen möchte – Leute, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als ein Leben in der Lüge zu leben.
Das ist vorprogrammiert. Denn dort, wo nicht nur Heiligkeit, sondern Perfektion etabliert wird, muss jeder von uns eine Lügenmaske tragen. Weil niemand von uns vollkommen heilig und rein ist.
Das ist Knechtschaft. Und das ist Machtmissbrauch im Namen Gottes.
Wenn du in Lahr oder Emmendingen zu Gast bist und aus einer solchen Gemeinde kommst und dich fragst: Was soll ich tun? – Verlass diese Gemeinden. Verlass diese Gemeinschaften. Sie sind es nicht wert, dass du auch noch einen Tag länger in diesen knechtenden Systemen bleibst.
Der Herr Jesus hat über diese Dinge gesprochen, kurz bevor er ans Kreuz gegangen ist. Er billigt das nicht. Er findet das nicht okay. Es ist auch nicht „gerade noch so zu ertragen“. Es ist ihm zuwider.
Verlasst Gemeinden, die euch schwer zu tragende Lasten auf die Schultern legen. Denn Jesus weist uns einen anderen Weg.
Matthäus 11, Verse 28 bis 30: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und „ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“
Hey, und natürlich ist es leicht, auf die anderen zu schauen. Aber wir müssen auch auf uns selbst schauen. Wir müssen uns prüfen. Und das sage ich auch in unsere Leiterschaft hinein.
Auch wir müssen überlegen: Gibt es Dinge, die wir tun? Gibt es Dinge, die wir äußern? Gibt es vielleicht Dinge, die wir mit oder ohne Worte etablieren, die anderen die Luft zum Atmen rauben, die andere in eine gefühlte Knechtschaft hineinversetzen?
Vielleicht nicht mit diesen Mechanismen, die wir hier lesen. Und ich bin mit dem Thema noch nicht durch: Gestern hat mich eine Nachricht erreicht, die mich wirklich in die Knie getrieben hat und bei der ich gedacht habe: Warum bekomme ich so eine Nachricht von einer sehr treuen und aufrichtigen Person, die ich sehr schätze? Und ich predige heute über dieses Thema und merke: Hey, Waldemar, pass auf, schau nicht nur auf die anderen, sondern prüfe dich selbst. Dinge führen dazu, dass andere fragen: Regiert Gnade oder regiert sie nicht?
Und du kannst über Gnade reden und predigen, und trotzdem kannst du manchmal in ein Verhalten hineinfallen, für das du blind bist. Und andere ächzen unter deiner Leiterschaft. Das soll so nicht sein.
Herr, vergib mir! Vergib uns als Leiter dort, wo wir uns falsch verhalten, und lass Licht hineinkommen, damit wir die Dinge ändern.
So, wir sind bis Vers 4 gekommen. – Herr, hab Gnade. – Kommt, wir gehen weiter.
In den nächsten Versen (5 bis 7) knüpft Jesus noch einmal daran an und beschreibt ihre Werke. Lasst uns das noch anschauen, weil es wichtig ist.
“Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen sehen zu lassen; denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten – an der Kleidung – groß. Sie lieben aber den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten und von den Menschen Rabbi genannt zu werden.“
Also: Jesus sagt, wo diese Typen sich tummeln … Und das Interessante ist: Das, was sie tun, ist nicht das Problem, sondern warum sie es tun und wie sie es tun. Es ist in Ordnung, dass sie diese frommen Accessoires getragen haben. Gebetsriemen und Quasten – da gehen wir jetzt nicht tiefer hinein –, aber optische Signale der Frömmigkeit sind nicht das Problem. Es ist auch kein Problem, dass sie bei Gastmählern sind, dass sie in den Synagogen – in ihren Gottes-häusern – sind oder auf den Märkten herumspazieren. Das ist nicht das Problem.
Das Problem ist, dass ihre Accessoires breit und groß sind. Sie sitzen nicht einfach auf den ersten Plätzen, sondern sie lieben die ersten Plätze, sie brauchen die ersten Plätze. – Damit hat die Christusgemeinde in Emmendingen und Lahr überhaupt kein Problem, weil die meistens frei bleiben. Aber ihr hier in der ersten Reihe solltet euch schon fragen, wie es euch bei diesen Sätzen geht. – Und sie lechzten nach der Aufmerksamkeit von anderen, dass sie begrüßt werden.
Schau, wenn du eine Person von öffentlichem Interesse bist, dann reicht es dir nicht, unerkannt durch einen Markt zu gehen – du möchtest erkannt werden. Du möchtest, dass die Leute wissen, wer du bist, und das soll auch zum Aus-druck kommen.
Und wenn dann jemand Unkundiges dabei ist, dann ist das für eine Person des öffentlichen Interesses komisch. So: Hm, weiß er eigentlich, mit wem er es zu tun hat? Der behandelt mich ja so wie einen Niemand.
Das ist so: Wenn du eine Rolle spielst, dann möchtest du, dass andere diese Rolle auch sehen.
Alles, was sie im Namen Gottes heucheln, missbrauchen sie für ihr eigenes Ziel: dass ihr Name vor den Menschen – sagt Jesus – gesehen wird und sie dadurch natürlich ihre Macht in der Community ausbauen.
Lesen wir weiter, Verse 8 bis 10: „Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel. Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus.“
Bis hierhin.
Es ist nicht ungewöhnlich, Personen mit Autorität Titel zu geben, die ihre Rolle und ihre Stellung in der Gemeinschaft verdeutlichen. Damals, zur Zeit von Jesus, war es üblich, mit Begriffen wie Rabbi, Lehrer und Meister zu arbeiten, um ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Man zeigt, was man von einer Person hält.
Heute sind es andere Begriffe. Ich habe in der Gemeinde noch niemanden gesehen, der sich Rabbi nennt. Heute sind es eher Titel wie: Priester, Pfarrer, Pastor, Lehrer, Doktor – manche haben einen Doktortitel, auch das macht auf einige Eindruck, wenn jemand mit einem Doktortitel um die Ecke kommt – oder Bischof, Kardinal, Papst, Apostel, Prophet, Missionar – ein ganz unverdächtiger Titel.
Aber hey, in der Missionsgeschichte … Einige, die ein wenig kundig sind in dem Thema, wissen: Missionare sind nicht nur Glücksfälle in der Geschichte der Menschheit gewesen. Auch sie haben ihre Stellung als Missionar massiv miss-brauchen können.
Und darum die Frage: Wie gehen wir jetzt mit dem ganzen Titelgeklapper um? Das ist nämlich nicht ganz unwichtig.
Es ist interessant: Auch Paulus stellt sich später in seinen Briefen als eine Art Vater dar. Er nimmt eine väterliche Rolle ein und bezeichnet Leute sogar als Sohn – was natürlich eine logische Konsequenz ist: Ich bin dein Vater, du bist mein Sohn – auf geistlicher Ebene. Wisst ihr, wie ich es meine?
Und Jesus sagt hier, man soll sich auch nicht Lehrer nennen.
Nun aber lesen wir später in Epheser 4, Vers 11, dass sogar Jesus Leitungsdienste einsetzt und sie selbst auch mit Lehrer betitelt. Hä?
Also: Er setzt Lehrer in der Gemeinde ein, aber man soll sich nicht so nennen?
Ich denke, wir werden daraus nur klug, wenn wir verstehen, dass es Jesus hier nicht um eine Vokabel geht, sondern um die dahinterliegende Herzenshaltung, die mit dieser Vokabel verbunden sein kann.
Es gibt einige Leute, die – ausgehend von diesen Versen – nicht studieren gehen, weil nach dem Bachelor der Master (Meister) kommt.
Und dann mache ich den Master nicht, weil ich mich nicht so nennen darf. Das gibt es alles.
Aber es ist nicht das Herz dessen, was Jesus hier sagt. Darum geht es nicht. Wenn du einen Doktortitel hast oder einen „Master of …“ – was weiß ich, was du studiert hast –, dann ist das nicht der Punkt. Jesus bekämpft die Tendenz, dass wir uns durch Titel über andere erheben und uneingeschränkte Autorität für uns in Anspruch nehmen. Dass wir diesen Titel so ausbauen – beispielsweise in der Gemeinde –, dass Leute mit Titeln unantastbar werden. Na ja, aber der Pastor hat gesagt – und darum ist es auch recht.
Und es werden Menschen auf einen Sockel gehoben, wo sie um Himmels willen und im Namen Jesu nicht hingehören. Respekt, ja! Aber das ist nicht eine gänzlich andere Kategorie von Mensch.
Und ich verkneife mir jetzt, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, in die Debatte über die katholische Kirche und ihren Papst hineinzugehen, der sich als großer Vater inszeniert und als Haupt der gesamten Kirche.
Es heißt in den Texten: Der den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat und der Lehrer aller Christen ist. – Well, this is a bit too much –, das ist etwas zu viel des Guten, aber da gehen wir jetzt nicht hinein.
Wir kommen zum Schluss.
Wir sehen hier: Titel können instrumentalisiert werden, um seine Macht zu stärken und andere Menschen einzuschüch-tern. Wir sind hier jedoch – egal, welchen Titel du trägst und wie viel Respekt du auch zurecht verdienen magst – alle Gottes Diener und Gottes Kinder.
Alles andere – so können wir Jesus hier verstehen – macht dem Vater und dem Sohn nur Konkurrenz. Und es ist besser, dass du nicht mit Vater und Sohn konkurrierst.
Stattdessen gilt für uns Vers 11: „Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.
Bibelstellen:
Matthäus 23,1–12; Epheser 5,11; Lukas 12,48; Jakobus 3,1; 5. Mose 17,11; Hebräer 13,17; Offenbarung 2,2; Johannes 3,1.2; Lukas 12,49ff; Matthäus 23,37; 1. Mose 3, Offenbarung 7,9.13.14; Matthäus 11,28–30; Epheser 4,11
