13. Oktober 2024

Gehorsamer Nachfolger statt widersprechender Satan

Gehorsamer Nachfolger statt widersprechender Satan

Matthäus 16 ist unser Text. Wir sind schon seit einiger Zeit in diesem Kapitel. Und ich vermute mal, diejenigen, die die letzten Male dabei waren, können sich noch erinnern, dass es ein mächtiges Kapitel mit sehr vielen kontroversen Inhalten ist. Und ja, wir sind heute wieder in einem Text, der uns an einigen Stellen herausfordern wird. Ich bekomme langsam ein Gefühl dafür, wie es für Jesus gewesen sein musste, als er Inhalte weitergegeben hat, die für die Menschen schwer zu hören waren. Was das auch in den Menschen auslöst, wenn man diese Worte hört, die Jesus sagt, wenn er seine Lehre platziert und die Gedanken der Menschen komplett auf den Kopf stellt. Ich bekomme langsam ein Gefühl dafür, was das eigentlich bewirkt.

Es ist eine Sache, dass wir hier miteinander lesen, was Jesus sagt. Was das alles mit sich bringt, habt ihr vielleicht aus den letzten Botschaften mitbekommen. Häufig ist das, was Jesus vermittelt, auch konträr zu unseren Überzeugungen. Hey, das macht ganz schön was mit den Menschen. Und wie wird Jesus damit umgegangen sein, als er die ganzen Inhalte weitergegeben hat, die wir hier miteinander lesen?

Wir befinden uns in Matthäus 16 an einem wichtigen Abschnitt in der Geschichte von Jesus. Ihr könnt euch vielleicht erinnern, dass die Jünger an einen Punkt gekommen sind, an dem sie zum ersten Mal Jesus nicht nur als einen guten Lehrer und Rabbi erkannt haben, sondern plötzlich wurde ihnen klar, dass Jesus der Christus ist. Ihnen wurde etwas vom Himmel offenbart. Der Vater im Himmel hat ihnen Erkenntnis gegeben. Er hat ihnen den Blick dafür geöffnet, dass Jesus in Wahrheit der Christus ist. Er ist der Messias.

Und anstatt diese Botschaft, dass der Retter der Welt jetzt da ist, weithin bekannt zu machen, hatte Jesus einen anderen Plan. Wir lesen in Matthäus 16, Vers 20, dass es heißt: Dann gebot er den Jüngern, dass sie niemandem sagten, dass er der Christus sei. Das ist etwas irritierend, denn unser Bekenntnis ist, dass Jesus der Christus ist. Wir lassen uns taufen auf den Namen von Jesus Christus. Wir nennen uns Christen, weil wir zu Jesus gehören und Jesus bezeugen. Doch hier sagt er, verratet es niemandem.

Einige freuen sich vielleicht, dass sie jetzt nicht hinausgehen müssen, um den Leuten zu bekennen, dass sie Christen sind. Jesus sagt doch, wir sollen es geheim halten. Also können wir das für uns behalten und müssen niemanden damit traktieren. Und wenn uns jemand fragt, dann verraten wir nicht, mit wem wir es eigentlich zu tun haben und dass wir an Jesus glauben. Das ist an dieser Stelle natürlich nicht gemeint, dass wir nicht erzählen sollen, dass Jesus der Christus ist. Aber in diesem Augenblick sollten seine Jünger es noch verbergen. Das irritiert schon sehr. Warum sagt Jesus das eigentlich?

Wir werden gleich lernen: Nur weil wir das Richtige bekennen – dass Jesus der Christus ist – heißt das nicht automatisch, dass wir verstanden haben, was wir sagen. Wir sagen manchmal richtige Dinge; wir erkennen sie. Aber das Erkennen der Bedeutung des Richtigen und wie sich das dann entfaltet, das steht häufig auf einem ganz anderen Blatt.

Und das wirst du höchstwahrscheinlich erleben, wenn du Jesus kennengelernt hast und im Glauben lebst, in deiner Nachfolge. Du wirst erleben, dass du viele Prinzipien im Gottesdienst gehört hast, in der Bibel gelesen hast und auch nachsprichst, dass du diese Überzeugungen hast. Aber was es eigentlich bedeutet, wenn es dann wirklich darum geht, da sind wir dann an einem Punkt, wo wir fragen: Ja, was bedeutet das eigentlich, was ich gelernt habe? Was lese ich da eigentlich? Was glaube ich?

Und Petrus glaubt sehr richtig, dass er erkannt hat, dass Jesus der Christus ist. Aber was das bedeutet, davon hat er noch keinen Schimmer. Und weil er noch ganz falsche Vorstellungen davon hat, sollen er und die elf anderen Jünger noch dicht halten und nicht darüber reden. Mit diesem herausragenden Titel „Christus“ – Christus ist nicht der Nachname von Jesus, sondern sein Titel – ist es wie bei Menschen mit Doktortitel: „Doktor so und so.“

Ist Dany heute da? Dany, hören wir dich? Ist er nicht da? Das gibt es doch gar nicht. Wer hat einen Doktortitel? Bitte? Ah okay, ich dachte, ich hätte ihn gesehen. Aber jetzt traut sich niemand zu sagen, dass er einen Doktortitel hat. Also es gibt auch einige unter uns, die einen Doktortitel haben. Das bedeutet nicht, dass sie von ihren Eltern als Vornamen „Doktor“ bekommen haben, sondern es steht für etwas. Es ist eine Auszeichnung für eine Leistung, für etwas, was diese Person geleistet hat und was sie kann. Und bei Jesus ist es im Prinzip recht ähnlich. Er bekommt einen Titel verliehen. Mit diesem Titel hat das damalige Israel sehr große Hoffnungen verbunden. Ihnen wurde verheißen, dass ein König aus der Linie Davids kommen wird.

Die damaligen Juden wussten sehr genau, was im Alten Testament steht und was ihnen versprochen wurde. Dieser glorreiche David war ein Vorbild und ein Mann nach dem Herzen Gottes. Und es wird wieder eine Zeit in Israel geben, in der sie zur alten Stärke zurückkehren werden. Es wird ein „David“ aufstehen und dieses Land wieder in eine Ordnung bringt. Die Juden, die verstreut leben, werden wieder in Israel vereint sein, und die Nation Israel wird geeint sein und wie ein Juwel auf diesem Planeten leuchten. So werden alle Nationen dieses helle Licht, diesen Juwel sehen und sagen: Wir wollen genau dorthin, um Gottes Gegenwart zu erleben und Gottes Herrlichkeit zu schauen.

Und das war ihre Vorstellung: Vorrangig, dass dieser Christus – niemand wusste, wer das ist, der da kommen wird – eine krasse politische Figur sein wird. Sozusagen „Bundeskanzler Jesus“, der es jetzt hier reißen wird. Aber in unserem Text sollen die Jünger nun erfahren, was es wirklich bedeutet, dass Jesus der Christus ist.

In Vers 21 unterrichtet Jesus seine Jünger über die eigentliche Bedeutung dessen, dass er der Christus ist: Von dieser Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse.

Schauen wir uns noch einmal die erste Hälfte an: Von der Zeit an begann Jesus, seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse. So weit, so gut. Mit der ersten Hälfte des Unterrichts sind die Jünger sicherlich noch ganz gut klargekommen, das war nachvollziehbar für sie. Los, auf nach Jerusalem! Lasst uns zur Hauptstadt gehen und genau das machen, wovon wir denken, was du machen solltest: Die Herrschaft an dich reißen, und der neue König nach dem Vorbild David werden und unser Land wieder groß machen. Make Israel great again.

Auf nach Jerusalem! Das hört sich gut an, Jesus, wir sind noch voll auf Kurs. Die Jünger gingen sicherlich davon aus, dass Jesus in Jerusalem große Verehrung erfährt und inthronisiert und gefeiert wird. Aber Jesus sagt, er gehe nach Jerusalem, nicht um verehrt, inthronisiert und gefeiert zu werden, sondern um vieles zu leiden, getötet und auferweckt zu werden.

Wir hören die Geschichte 2000 Jahre nach Christus und denken: Wo ist jetzt die Überraschung? Für uns ist es klar, dass Jesus gestorben und auferstanden ist; das kennen wir von Kindesbeinen an, aber für die Jünger war das pure Irritation, als Jesus das sagte.

Du wirst nach Jerusalem gehen und du wirst vieles leiden. Du wirst getötet und das mit der Auferstehung haben wir noch gar nicht richtig verstanden. Doch Moment einmal, du bist derjenige, der die Feinde in die Flucht schlagen muss.

Israel ist bis in die heutigen Tage ein Krisenherd, und auch damals war es in Israel nicht einfach. Die Römer waren als Besatzungsmacht im Land und hatten dort das Sagen. Sie waren die politischen Drahtzieher, und die Juden konnten in ihrem eigenen Land nicht einfach machen, was sie wollten. Die Römer waren mit ihren Soldaten überall und kontrollierten alles.

Und anstatt, dass sie Ihren Feinden sagen, wohin sie sich zurückziehen sollen und dass sie vieles leiden und getötet werden, sagt Jesus ihnen auch noch, dass er viel leiden und getötet wird. Und dann setzt er noch hinzu, von wem er Leid erfahren und wer ihn töten wird? Für die Jünger wäre es logisch gewesen zu denken: Na ja, es sind unsere Feinde, die Römer, die unser Land besetzt haben und es uns nicht so einfach wieder überlassen.

Doch der Text sagt, Jesus hat gesagt: Ich werde nicht aufgrund der Römer leiden, von denen ihr denkt, dass sie das größte Problem in Israel sind. Die größten Probleme und Feindschaften, denen ich ausgesetzt bin, geschehen durch wen? Durch die Ältesten, die Hohepriester und die Schriftgelehrten – die Frommen, die Religiösen, die Glaubensleute, die Vorbilder in unserem Land, die erklärt haben, was es mit der Bibel auf sich hat, wer Gott ist, wer der Mensch ist, und wie man mit Gott zusammenlebt.

Das sind diejenigen, die Jesus benennt: Das sind die Personen, die mir besonders Bauchschmerzen bereiten werden. Das sind diejenigen, die mir viel Leid zufügen und mich töten werden. Fromme Menschen, ich glaube, es gibt unter uns einige, die von sich glauben, dass sie eine Beziehung zu Gott und eine wahre Gotteserkenntnis haben und sich bemühen, so im Glauben zu leben, dass es Gott gefällt. Fromme Menschen müssen bei solchen Versen, die wir hier lesen, immer sehr genau hinhören, besonders diejenigen, die in Ämtern sind. Diejenigen, die Macht haben, auf die man schaut, die Vorbilder sind – die Pastoren und die Priesterschaft. Und damit predige ich auch zu mir selbst.

Wenn wir Christen sind und Gottes Wort lesen, dann sagen wir in verzwackten Situation nicht: Die Bösewichte sind immer die Anderen. Versteht ihr, was ich meine? Wir gehen oft so durch den Alltag: Die Anderen sind die Miesen und ich bin der Gute. Und wir legen unseren Alltag häufig so aus, dass wir uns am Ende des Tages unglaublich darüber aufregen, wie unmöglich die Anderen sich verhalten haben und wie schlimm sie waren. Wir kommen aber nicht auf den Gedanken, dass wir unseren Mitmenschen selbst viel Grund zum Kummer gegeben haben.

Unsere Mitmenschen ächzen und stöhnen manchmal über unser Verhalten, über unser Reden, über unsere Taten und auch über unsere Versäumnisse. Einige liegen abends im Bett, schreien zum Herrn und rufen um Hilfe. Warum? Weil wir ihnen Probleme gemacht haben. Wenn du dieses Prinzip in dir wieder findest, dann lass das nicht an dir vorübergehen. Es sind nicht immer die Anderen, die die Probleme bereiten. Zuallererst müssen wir uns in das Licht Gottes stellen und uns fragen, wie viel Kummer bereite ich eigentlich anderen?

Und ich befürchte, wenn wir diese Texte lesen, denken wir: Ah, immer diese bösen Schriftgelehrten … Leute, ganz ehrlich, im Vergleich – so hat mir einmal ein Bibellehrer gesagt – waren die Schriftgelehrten und die Pharisäer zu unserer heutigen Gesellschaft in etwa so wie die Freikirchler. Denn das waren diejenigen, die es besonders ernst meinten mit dem Glauben. Das ist natürlich eine totale Vereinfachung und lässt sich nicht direkt vergleichen, aber wir sollten, wenn wir diese Texte lesen, uns nicht automatisch herausnehmen. Stattdessen sollten wir uns fragen: Wie steht es eigentlich tatsächlich mit uns und Jesus? Sind wir wirklich für Jesus und für das, was er sagt?

Für Jesus waren zu seiner Zeit nicht die offensichtlichen Feinde die erste Bedrohung, sondern das, was ihn zur Strecke gebracht hat, waren ausgerechnet diejenigen, die ganz viel von sich hielten und von denen alle sagten: Na ja, wenn es jemand ernst meint, dann werden es bestimmt diese Leute sein. Und ich will mich, wenn ich euch diesen Text lese, nicht da herausnehmen.

Ein Bibellehrer sagte einmal: In der Regel, wenn wir die Kreuzigungsszene von Jesus lesen – wie er gedemütigt, ans Kreuz genagelt und aufgerichtet wird – haben wir das Gefühl, wir wären diejenigen, die am Kreuz geblieben wären, wie die wenigen Frauen und der Jünger Johannes, und hätten Jesus die Treue gehalten. Aber machen wir uns nichts vor: Die Mehrheit hat gespottet und gespuckt; hat ihn links liegen lassen oder ist geflohen.

Und weiter sagte er: Die allermeisten von uns hätten zu dieser Gruppe gehört, und die allerwenigsten wären ihm am Kreuz treu geblieben. Wir müssen bei diesen Bibelstellen sehr gut hinhören, denn ausgerechnet diejenigen, von denen man denkt, sie sollten doch dabei sein, sind die, die Jesus nicht ins Vertrauen gezogen hat. Diese Gruppe sieht in Jesus eine Bedrohung für ihren Status quo, für das, was sie immer für richtig gehalten haben. Und auf einmal kommt jemand und macht alles zunichte, was sie für lieb und teuer empfinden.

Das erste Mal erklärt Jesus hier in Matthäus 16 – vorher ist das in der Geschichte der Jünger mit Jesus nicht passiert – seine volle Mission. Es heißt, dass er nach Jerusalem hingehen muss und vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden muss. Das sollte uns auffallen, wenn wir diesen Text lesen. Jesus sagt nicht: Es scheint so zu werden – als ob es sein könnte – und Jünger, wenn wir nicht aufpassen, dann wird das so für Furore sorgen, dass ich dann als Führer dieser religiösen Bande niedergestreckt werde. Er spricht hier nicht von Eventualitäten, sondern Jesus spricht von einer absoluten Dringlichkeit. Es steht ein „Muss“ im Raum.

Jetzt geht es uns allen hier noch gut, liebe Jünger, aber von jetzt an – von Kapitel 16 – ist mein Blick auf Jerusalem gerichtet und ich muss dorthin gehen, ich muss vieles leiden, ich muss getötet werden und ich muss auferweckt werden. Erkennst du hier das Herz von Jesus? Was Jesus ans Kreuz gebracht hat, war kein Unfall. Was Jesus ans Kreuz gebracht hat, war eine absolute Notwendigkeit im Herzen Gottes. Gott hat bereits vor Grundlegung der Welt den Herzschlag in sich gehabt: Es wird der Tag kommen, wo diese Menschheit gerettet werden muss, und das wird nur dann gehen, wenn ich, Gott, Mensch werde und stellvertretend für die Menschen vieles leiden muss, getötet werden muss und auferweckt werden muss.

Gott hat in sich diese starke Sehnsucht und Notwendigkeit, das Problem der Menschen zu seinem Problem zu machen und dieses Problem zu lösen, das wir nicht lösen können, damit wir in Freiheit leben können und die ewige Trennung, die zwischen Mensch und Gott besteht, weggerissen und eine Brücke geschlagen wird, sodass Mensch und Gott in Ewigkeit vereint werden können. Und weil dieses Problem zwischen Mensch und Gott so dramatisch ist, muss es geschehen, dass Jesus gekreuzigt wird.

Im Kreuz von Jesus sehen wir keinen Zufall und auch keine tragische Geschichte wie: Mensch, er hat es doch so gut gemeint. Hätten die Menschen doch verstanden, was er eigentlich wollte. Jesus musste sterben. Wenn du in eine versöhnte Beziehung zum Vater im Himmel kommen willst, dann kommst du an diesem Fakt nicht vorbei, dass es absolut notwendig war, dass der Sohn Gottes für dich gelitten hat, für dich sterben musste und für dich stellvertretend auferstehen musste.

Jeder, der denkt: Meine Frömmigkeit und meine Bemühungen, ein guter Mensch zu sein und das Beste aus mir herauszuholen, die beste Version meiner selbst zu sein, sind das, was mich mit Gott verbindet, muss an dieser Stelle kapitulieren. Und wenn du deine einzige Hoffnung bist, dann wirst du mit dieser Hoffnung sterben und auf ewig von Gott getrennt bleiben.

Wie kann das sein? Waldemar, bist du so hochmütig? Bist du etwa besser als ich? Nein, eben nicht! Es geht darum, sich vor Gott zu demütigen und zu erkennen, welche Regeln er uns zeigt. Und er zeigt mir: Deine Situation, Waldemar, ist so hoffnungslos. Du bist nicht besser als die anderen. Hey, Waldemar, du bist vielleicht sogar schlimmer, weil du mehr Erkenntnis hast als sie. Und trotzdem machst du immer, immer und immer wieder Fehler. Hier ist kein Rühmen von meiner Seite. Ich sage nicht: Schaut mich an, aus diesem Grund habe ich eine versöhnte Beziehung zu Gott und eine herrliche Zukunft, im Gegensatz zu dir. Nein, es geht darum, sich zu demütigen und zu erkennen, was absolut notwendig war. Und zwar, dass Gott sich selbst hinrichten ließ, stellvertretend für mich, was ich eigentlich verdient hätte. Und zu sagen: Herr, in mir selbst ist gar nichts. Nichts kann ich hier aufbieten.

Petrus ist auch nicht aufgestanden und hat gesagt: „Aber Herr, ich habe doch gerade etwas ganz Tolles erkannt. Ich habe doch jetzt schon viel Erkenntnis über dich. Gott, der Vater im Himmel, hat mir eine Offenbarung gegeben. Reicht das nicht?“ „Ja, was hat er dir offenbart?“ „Dass du der Retter der Welt bist.“ „Und jetzt erkläre ich dir, was das konkret bedeutet. Und indem ich dir das erkläre, Petrus, zeige ich dir, wie es um dich steht und was für dich und alle anderen, die mir folgen, nötig ist.“ Jesus muss das tun; nicht kann! Doch er macht es nicht gezwungenermaßen, sondern freiwillig. In Johannes 10, Verse 17 und 18, sagt Jesus Folgendes: Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, um es wiederzunehmen. – Hier haben wir wieder: Tod und Auferstehung. – Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen und habe Vollmacht, es wiederzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.

Es gibt in unseren Tagen eine ziemlich perverse und kaputte Theologie, die sagt: Wenn ihr von dem gekreuzigten Sohn Gottes sprecht, dann sprecht ihr davon, dass Gott seinen eigenen Sohn misshandelt und hier ein Kindesmissbrauch stattfindet. Dieses Argument geht seit einigen Jahren in der evangelikalen Welt so richtig durch die Decke. Und dieser Gedanke kommt direkt aus der Hölle und hat nichts mit Wahrheit zu tun. Kindesmissbrauch ist ein sehr schweres Thema, aber wir wissen alle, die Dynamiken, die darin entstehen, sind nicht von Freiwilligkeit geprägt. Lassen wir es an diesem Punkt.

Jesus steht nicht hier und sagt: Der Vater hat mir ein Gebot gegeben, und jetzt kann ich nicht anders und ich werde hier vieles leiden und sterben. Jesus sagt: Der Vater hat mir ein Gebot gegeben, und Vers 18: Niemand nimmt mein Leben von mir. Ich habe die Vollmacht. Ein Missbrauchsopfer hat keine Vollmacht – im Gegenteil. Jesus sagt: Ich habe die Vollmacht. Ich gebe es und ich nehme es wieder.

Was zeigt uns das? Vater und Sohn sind nicht getrennt in ihrem Willen, sondern sind absolut eins – Stichwort: Dreieinigkeit, dreieiniger Gott. Sie sind absolut eins, innig in ihrem Entschluss, diesen Weg zu gehen.

Philipper 2, Vers 5 bis 8. Da sagt Paulus den Christen in Philippi, Verse 5 und 6: Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Was heißt das? Er hielt seine Herrlichkeit, die er bei Gott hatte, nicht wie eine Beute fest, nicht wie ein Räuber, der etwas gestohlen hat. Wisst ihr, der Räuber, der etwas stiehlt, der gibt es nicht wieder her. – Das ist meins, ich habe das jetzt –. Und genau dieses Bild verwendet Paulus. Er hielt seine Göttlichkeit nicht fest wie einen Raub, den er nicht wieder hergeben möchte.

Verse 7 und 8: Aber er entäußerte sich und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Der Vater gibt dem Sohn den Auftrag, aber der Sohn ist in keiner Sekunde im Gegensatz zum Vater; ganz im Gegenteil: Er lässt sich nicht erniedrigen, sondern er erniedrigt sich selbst.

Und das jetzt einmal miteinander zu verbinden und zu sagen: Ich muss dorthin gehen, und ich muss dort vieles leiden, und ich muss getötet werden. Hier lesen wir: Er erniedrigte sich selbst. Jesus sieht eine Notwendigkeit darin, den schweren Weg des Leids stellvertretend für dich zu gehen. Und darin erkennen wir, was hinter diesem Müssen steht – nämlich aufopferungsvolle Liebe und Barmherzigkeit zu dir.

Zeige mir einen Gott, der bereit ist, sich so für seine Geschöpfe einzusetzen. Zeige mir irgendeine Ideologie, irgendeine Lehre, irgendeine Philosophie, die uns erklärt, dass der lebendige Gott bereit ist, deine Schuld auf sich zu nehmen, sie für dich zu tragen, damit du fein raus bist. Was für eine Liebe, was für eine Barmherzigkeit! Höre ich darauf ein Amen?

Unfassbar! Wir sprechen hier gerade über das Wichtigste, was die Christenheit zu bieten hat – und wir schlafen. – Wir wollen, dass die Predigt weitergeht. Zugabe? Ich gebe euch eine Zugabe. Wir lesen, was für Jesus besonders wichtig ist. Wir lesen, was er besonders muss –.

Ich frage dich und ich frage mich: Was ist für uns eigentlich absolut notwendig? Was muss bei uns eigentlich geschehen? Welche Prioritäten haben wir? Was ist für dich unverzichtbar? Was ist die angemessene Reaktion auf das, was Jesus dir heute sagt: Ich muss mein Leben für dich geben. Was ist die angemessene Reaktion, wenn wir sehen, was der lebendige Gott aus Liebe zu dir tun muss und auch unbedingt tun will? Ich frage dich: Wenn du das hörst, was bei Gott unbedingt geschehen muss, was ist bei uns unverzichtbar, dringlich und wichtig?

Welche Agenda hast du auf deinem Zettel? Was willst du in deinem Leben realisieren? Ganz ehrlich, all deine Pläne und Ziele für dein Leben kannst du aufschreiben und diese Liste gegen diesen Vers legen. Das kann vergehen – es ist alles nichtig. Es ist alles egal, wenn du das liest und dein Herz nicht voll wird und sagt: Wenn du das musstest, wie viel mehr muss ich sagen: Ich will dich und ich kehre von meiner Agenda um.

Alle meine Ambitionen, Pläne und Sehnsüchte sind ein Nichts. Sie stehen manchmal sogar im vollen Gegensatz zu dem, was du willst. Herr, vergib mir, ich kehre um von dem Dreck und kehre um zu dir. Das ist das Einzige, was ich muss, wenn ich sehe, wie sehr du musstest, um mich zu retten.

Wenn du heute hier bist, das hörst, dein Leben kennst und denkst: Es gab einige religiöse Traditionen in meinem Leben, und ich habe gedacht, die haben mir irgendwie geholfen, über Wasser zu bleiben. – Junge, lass dich doch darauf nicht ein und vertraue nicht darauf. Stattdessen sage ich dir: Kehre um! Jesus liebt dich und ist barmherzig.

– Boah, das war jetzt nur ein Vers. Willkommen zu Hause, ja. Herr, komm mit deiner Ewigkeit schnell, in der Zeit und Raum vergeht –.

Vers 22: Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren. – Ach ja, Petrus, ich liebe ihn so sehr. Seht ihr, wie höflich Petrus ist? Jesus, komm mal beiseite. Vielleicht kennt ihr solche Situationen auch: Jemand haut irgendetwas in der Runde raus und du denkst: Uh, schwierig. Und dann ist es immer gut, wenn dich jemand beiseite nimmt und nicht vor allen sagt: Hey, was war denn das jetzt für ein Mist? Petrus ist richtig höflich. Er nimmt Jesus beiseite, er möchte ihn nicht bloßstellen vor den anderen und will mit Jesus ins Gespräch gehen.

Aber Petrus hat keine Frage und sucht auch kein besseres Verständnis. Petrus will Jesus tadeln. Was bedeutet das? Er möchte ihm Anweisungen geben. Dieses Wort wurde übrigens auch benutzt, als Jesus dem heftigen Sturm begegnete und diesen Sturm zum Schweigen bringen wollte. Da heißt es: Und er tadelte, er bedrohte den Sturm, dass er schweigen solle. [Matthäus 8, Vers 39] Jetzt kommt Petrus, ganz höflich, nimmt Jesus beiseite und bedroht ihn. Er  tadelt ihn, und Petrus möchte gerne seine eigene Agenda nehmen und Jesus erklären, was es in Wahrheit damit auf sich hat, was der Christus tun sollte.

Jesus, du hast es vielleicht noch nicht ganz verstanden. Deshalb komme ich voller Respekt, bedrohe dich und deinen Auftrag und sage dir, wie es zu laufen hat. Und das tut er sogar mit einem Anschein von Respekt. Ich finde es sehr interessant. Er fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: Gott behüte dich, Herr. Er sagt: Ich bin nicht der Herr, du bist der Herr, du bist die Respektsperson, ich respektiere dich. Aber eigentlich möchte ich dir sagen, wie es zu laufen hat.

Wow, wie sehr ist dieser Vers ein Spiegelbild von unserem Leben, wie wir auch mit Gott ringen – ihn Herr, König, Gott und alles Mögliche nennen, was wir so herunterleiern können, nur um am Ende doch zu versuchen, ihn davon zu überzeugen, dass unsere Ideen und Gedanken viel besser wären als das, was er uns gesagt hat. Ja, das musste man nicht so verstehen, das muss man ganz anders verstehen. Und ich habe das mit Gott so ausgemacht, dass das in meinem Leben so passt.

Ich weiß, dass die ganze Christenheit seit 2000 Jahren das anders gesehen hat, aber hier und heute bin ich mit meinem Herrn übereingekommen, dass es jetzt besser ist, so wie ich mein Leben leben möchte. Der Bibelausleger Douglas O’Donnell sagt, Zitat: „In dem Moment, in dem wir denken, wir denken besser als Christus, denken wir nicht richtig.“ Noch einmal, Zitat: „In dem Moment, in dem wir denken, wir denken besser als Christus, denken wir nicht richtig.“ 

Ich finde es interessant: Petrus nimmt sich das Recht heraus, Jesus zur Seite zu nehmen – dass Jesus das überhaupt zulässt, dass Jesus überhaupt in dieses Zwiegespräch geht. Was für ein Jesus, dass er diesen Dialog mit Petrus führt.

Er geht zur Seite – Jesus hat Petrus nicht nach seinem Rat gefragt. Jesus hat ihnen gesagt, er hat gerade gepredigt, was passieren wird. Nun fühlt sich Petrus dazu berufen, Jesus zu predigen, aber wir sind nicht dazu bestimmt, Jesus zu predigen. Wir sind dazu bestimmt, Jesus zu gehorchen. – Oh, Delikat, böses Wort, Fettnapf – Wir sind dazu berufen, zu hören und dann zu tun. Und nicht dazu, Jesus davon zu überzeugen, dass seine Ideen doch nicht so ganz treffend sind für diese Stunde, für diesen Moment und für diese Person. – Lass uns das bitte anders machen.

Und ich möchte dich und mich fragen: Was bedeutet das eigentlich für unser Leben? An welchen Stellen stehen wir gerade und versuchen, uns so hindurchzuschlängeln und uns irgendwie hinauszunavigieren aus dem, was Gott in seinem Wort zu uns gesagt hat? Wie versuchen wir in der Nachfolge Jesu, unsere eigenen Spielregeln aufzustellen, um unser Ding zu machen? Wo wir uns dann beispielsweise einreden: Gott ist damit einverstanden, wenn ich mit meinen Finanzen so verfahre, wie ich das möchte. Dass ich mit meinem Ehepartner umspringe, wie ich das für gut heiße. Wenn ich mit meinen Kindern so umgehe, wie ich das für richtig halte. Wenn ich meine Sexualität so auslebe, wie es mir gefällt. Wenn ich Unversöhnlichkeit und Bitterkeit gegen andere in meinem Leben behalte, weil ich das will. Und wir könnten jede Facette unseres Daseins durchgehen, und ich hoffe, dass wir alle ehrlich sind und jeder sagen muss: Okay, das passiert in meinem Leben – und zwar jeden miesen Tag. Jeden Tag. Denn unser Fleisch, so sagte einmal Dany Pokem – ich liebe ihn – unser Fleisch schläft nicht. Und ich zitiere Dany Pokem: „Und das Fleisch bekehrt sich auch nicht. Man muss es töten.“

Psalm 119, Vers 18: Öffne meine Augen, damit ich schaue die Wunder aus deinem Gesetz.

Öffne du meine Augen, damit ich schaue die Wunder aus deinem Gesetz. Darum geht es. Herr, was sagst du? Ich will erkennen, was du sagst. Und in diesem Einklang möchte ich dann auch mein Leben gestalten.

Vers 23: Er, Jesus, aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Anstoß, denn du sinnst nicht auf das, was Gott, sondern auf das, was der Menschen ist. Also, du hast deinen Blick nicht auf das gerichtet, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Das ist wirklich eine absolut kraftvolle Passage. Soeben versicherte Jesus noch, dass Petrus Worte empfangen hat, die ihren Ursprung im Vater im Himmel haben. Daraufhin sagt er: Ich nenne dich von nun an Petrus – Felsen. [Matthäus 16, Verse 17 und 18] Gerade hatte er noch diesen heiligen Moment mit dem Vater im Himmel. Und nun erkennt Jesus, dass die Worte von Petrus aus einer ganz anderen Quelle stammen.

Habt ihr die Worte gehört? Welcher Pastor redet so mit seinen Gemeindemitgliedern? Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Anstoß. Jesus sagt hier nicht bloß: Petrus, du denkst ja wie Satan. Petrus, das, was ich von dir höre, hat Ähnlichkeiten mit dem, was ich bei Satan kennengelernt habe. Zum Beispiel als es in Matthäus 4 bei der Versuchung in der Wüste zum Gefecht zwischen Satan und Jesus kam. Nein, Jesus geht so weit, dass er Petrus als personifizierten Satan anspricht und ihn so konfrontiert, als wenn er es mit Satan selbst zu tun hat. Und spricht diese Worte: Geh hinter mich, Satan!

Jesus, wie kannst du so zu jemandem sprechen, der doch gerade sehr deutlich gezeigt hat, wessen Geistes Kind er ist, dass er zum Vater im Himmel gehört, dass der Vater im Himmel ihm übernatürliche Offenbarungen gibt – so wie niemanden sonst. Und das ist jetzt im nächsten Moment deine Anrede: Satan, geh hinter mich? Als Satan Jesus in der Wüste versucht hatte und ihn von seiner Mission abhalten wollte, hat Jesus mit Bibelworten dagegengehalten. Er sagte: Es steht geschrieben und zitierte die entsprechenden Verse aus der Bibel. Die ganze Szenerie endet mit den Worten: Geh hinweg, Satan! Und er ging. [Matthäus 4, Vers 10]

Die gleichen Worte, die Jesus in der Wüste verwendet hat, um Satan fortzujagen, finden wir hier, als Jesus mit Petrus spricht. Jesus schaut Petrus in die Augen und er fordert Satan erneut auf, zu verschwinden.

Wie kann das sein, fragen sich einige. Mach was daraus. Ich finde diese Dynamik ungeheuerlich. Das Besondere an dieser Passage ist für mich, dass Petrus gerade noch einen richtig hellen Moment hatte. Eben war er noch so auf Kurs, er war der Überflieger. Von den Zwölfen konnte er sagen: Ich habe es zuerst gesagt: Jesus ist der Christus. Ich bilde hier die Speerspitze der Gläubigen. Er war vielleicht zu diesem Zeitpunkt auf seinem höchsten geistlichen Niveau. Und ausgerechnet hier fällt er sehr, sehr tief.

Paulus sagt in 1. Korinther 10, Vers 12: Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle. Ich denke, diese Begebenheit soll uns Folgendes lehren. Wir dürfen uns über die Segnungen freuen, die Gott für unser Leben hat. Wir dürfen uns freuen, wenn Gott uns Offenbarung schenkt und Erkenntnis gibt, damit wir wirklich im Glauben wachsen und die Intimität zwischen Gott und uns zunimmt, damit wir diese besondere Innigkeit mit Gott auch erfahren. Aber wir sollten immer aufpassen: Dort, wo uns viel anvertraut ist, bedeutet das nicht, dass wir völlig außerhalb des Gefechts wären und uns nichts antasten könnte. Im Gegenteil, die Momente, in denen wir glauben, sicher zu stehen, in denen wir denken, uns könnte nichts etwas anhaben, sind oft die gefährlichsten Momente, die wir erleben können.

Das sehen wir bei Petrus: In dem Augenblick, in dem er Gottes Offenbarung erfahren hat, schlägt das plötzlich um, und er findet sich in einem ganz anderen Einflussbereich wieder.

Vers 24 bis 26: Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüßte? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben?

Unser Text zeigt uns nicht nur, dass Jesus vieles leiden muss, sondern alle, die ihm nachfolgen, sind aufgerufen, es ihm gleichzutun. Und das ist eine sehr interessante Dynamik: Petrus geht hin und sagt: Jesus, ich möchte nicht, dass du Leid erfährst. Und Jesus zeigt ihm nicht nur, dass er selbst vieles leiden muss, sondern er intensiviert sogar das Problem für Petrus und sagt: Nicht nur ich werde vieles leiden, sondern du auch.

Du wolltest nicht, dass ich leide? Okay, ich sagte, ich werde vieles leiden. Aber Petrus, die Sache ist sogar noch viel, viel schlimmer, als du dachtest – du wirst auch sehr vieles leiden. Und hier kommen wir zu dem eigentlichen Problem, das Petrus hat kommen sehen. Aus der Sicht von Petrus gestaltet sich das so: Wenn mein Anführer, mein König, sein ganzes Leben einsetzt und ich Diener dieses Königs bin, dann geht es hier auch um mein ganzes Leben.

Und deshalb wollte Petrus keinen leidenden Christus, keinen leidenden König haben, denn wenn der König leidet, dann leide ich mit. Wenn der König bereit ist, sein ganzes Leben einzusetzen, dann bedeutet es für mich, dass auch ich mein ganzes Leben aufgeben muss. Dietrich Bonhoeffer hat mal gesagt, Zitat: „Wenn Christus einen Menschen ruft, dann fordert er ihn auf zu kommen und zu sterben.

Herzlich willkommen! Herzlich willkommen bei dieser wunderbaren guten Nachricht, die wir das Evangelium nennen. Wir laden dich ein, zu kommen und zu sterben. Denn wenn du kommst und stirbst, wirst du in die Lage versetzt, das wahre Leben zu leben, das Jesus Christus dir versprochen hat. Aber wenn du kommst, um zu bleiben, dann wirst du mit allem, was du bist und hast, vergehen. Und du wirst nie das Leben genießen können, das Jesus für dich vorbereitet hat.

Wir sind berufen zum Leiden. Wir sind dazu berufen, unser Fleisch zu kreuzigen. Wir müssen nicht wie Jesus für die Sünde der Welt sterben. Das Kreuz, das wir tragen, ist von einer anderen Art.

Jesus musste stellvertretend für uns den Preis für die Trennung zwischen Gott und Mensch bezahlen. Wir müssen nicht für die Sünde der Welt sterben. Aber wer sich zu Jesus Christus bekehrt und ihm sein Vertrauen schenkt – das bringen wir übrigens in der Taufe zum Ausdruck, und morgen beginnt der Taufkurs, den Andi und Dori halten werden – bekennt, dass er mit Jesus gemeinsam gestorben ist.

Was bedeutet das? Wenn Jesus für den Dreck meines Lebens gestorben ist und ich bekenne: Jesus ist mein Herr und er rettet mich aus diesen Dingen, dann habe ich kein Recht, das am Leben zu erhalten, wofür Jesus bereits gestorben ist. Und das bedeutet es, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Wir müssen nicht für die Dinge büßen. Das meint Jesus hier nicht. Aber er sagt: Das, wofür ich stellvertretend für dich sterbe und die Strafe abtrage – willst du das in deinem Leben wirklich noch aufrechterhalten? Möchtest du das in deinem Leben am Leben erhalten, wofür ich gestorben bin? Herr, wenn diese Sache deinen Tod erforderte und ich mit dir verbunden bin, dann ist diese Sache in deinem Grab, und sie soll auch dort bleiben; ich will sie nicht hervorholen. Und deswegen halte ich diese Dinge aus meinem Leben fern, mit aller Kraft, die du mir für diesen Prozess gibst, Gott.

Diese Selbstaufgabe klingt wirklich verrückt. Für den Menschen, der Gott nicht kennt und nicht will, ist das die dümmste Botschaft, die du im 21. Jahrhundert predigen kannst. Es ist genau das Gegenteil von dem, wovon unsere Medien tagein, tagaus voll sind, die dir ununterbrochen predigen, ob auf sozialen Medien, auf deinem Handy oder wenn du das Fernsehgerät anschaltest: Verwirkliche dich. Sei du selbst. Sei echt. Authentisch sein ist sozusagen das höchste Gut des Menschen des 21. Jahrhunderts. Lass dir von niemandem etwas einreden. Sei die Version, die du sein willst. Und wir predigen: Gib dein Leben auf. Komm, um zu sterben. Das ist wirklich irre.

Warum sollte ich das tun? Warum sollte ein Mensch das tun? Jesus macht klar, dass es einen Grund gibt, warum sich dieser Verzicht lohnt. Und es ist ein Verzicht, es ist manchmal auch schwer, hart und schmerzhaft. Kreuzigen ist in der Regel keine angenehme Angelegenheit. Manchmal sind es harte Lektionen. Doch Jesus gibt uns einen Grund, warum es sich lohnt.

– Wir kommen gleich zum Schluss –.

Verse 27 und 28: Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. – Bist du in meiner Nachfolge, dann wirst du dementsprechend auch deine herrliche Ewigkeit genießen. Bist du nicht in meiner Nachfolge, wirst du das empfangen, wofür du dich entschieden hast.

Ich meine, C.S. Lewis war es, der einmal gesagt hat, Zitat: „Am Ende der Tage wird Jesus uns sagen: Dein Wille geschehe. Das, was du von ganzem Herzen wolltest, wird sich in alle Ewigkeit fortsetzen – in die eine Richtung oder in die andere.

Vers 28: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod keinesfalls schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich. Oder wie der Evangelist Markus es sagt, Markus 9, Vers 1: … bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen.

Das, was Jesus seinen Anhängern hier in Aussicht stellt, ist das, was ihnen eine heilige Motivation gibt und eine Begeisterung in ihnen entfacht. Wir lassen alles los, um dafür im Tausch das ewige Leben zu bekommen. Ich lasse alles los in meinem Leben, auch wenn das für die Menschen dieser Welt völlig verrückt ist. Aber warum tue ich das? Weil das, was in der Ewigkeit auf mich wartet, viel größer ist als das, was ich hier jetzt haben könnte.

Das Problem ist, dass wir einen verschobenen Blick auf die Realität haben. Wir denken, wir leben nur für diesen Moment, und weil wir das denken, versuchen wir in jeder Sekunde das Maximale für uns herauszuziehen und dieses Leben auszupressen. Am Ende der Tage werden wir jedoch merken, dass kein Saft mehr übrig geblieben ist – alles vergeudet, alles für die Katz. Du warst ein Mensch des Augenblicks, ein Mensch für diesen Moment. Aber wir, die wir Jesus Christus kennen, sind keine Menschen des Moments; wir sind Menschen für die Ewigkeit, in Herrlichkeit. Und deswegen sind wir bereit, allen Dingen, die sich gegen diese Herrlichkeit auflehnen, zu entsagen und sie hinter uns zu lassen.

Als wir in Amerika waren, waren wir auf einer Konferenz, und einige von euch haben es vielleicht auch mitbekommen – ich habe es auf Telegram geteilt. Nathanael und ich haben dort einen Missionar kennengelernt. Keith ist sein Name, und er hat uns von seinem Leben erzählt. Ich meine, er ist ungefähr so alt wie Nathanael, also um die 30 oder vielleicht 29, genau weiß ich es nicht. Ein junger Mann, der sein ganzes Leben für die Mission gegeben hat, und zwar in der islamische Welt, um dort zu missionieren.

Ich weiß nicht, in diesem Alter könnte man auch andere Dinge tun – es sich im Westen gut gehen lassen, eine Familie gründen, ein Business aufbauen und vieles mehr. Aber dieser Mann geht einfach in eine ganz andere Kultur hinein und möchte, dass Muslime dort Jesus Christus kennenlernen. Und er erzählte uns, wie Menschen dort zum Glauben kommen. Er sagt: Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Muslime in diesen Ländern aktuell zum Glauben kommen. Das ist unglaublich. – Die ganze Gemeinde sagt: „Unglaublich.“ –

Das ist verrückt. Er sagt, wir müssen als Missionare teilweise gar nichts tun. Sie sehen, wir sind weiß und wirken amerikanisch, und die Muslime kommen zu uns. In diesen Ländern darf man nicht konvertieren – wenn du als Muslim zum Christentum konvertierst, ist das keine gute Idee, dann musst du im Untergrund unterwegs sein. Und sie kommen zu ihm und fragen: Bist du Amerikaner? – Ja. – Bist du Christ? – Ja, ich bin Missionar. Ich darf Menschen von Jesus erzählen. Das ist erlaubt, aber ich darf niemanden konvertieren. – Gut, dass ich dich treffe. Ich habe von Jesus geträumt. Ein Mann in einem weißen Gewand, ich habe die Male in seinen Händen gesehen, und er hat zu mir gesagt: Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Kannst du mich taufen?

Ständig erlebt er eine Geschichte nach der anderen, wie Muslime zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kommen. Was kostet das diesen Menschen in den islamischen Ländern, zu sagen: Jesus Christus ist mein Retter. Hey, dich hier in unserem Land kostet das gar nichts. Gar nichts. Und wir heulen. Wir heulen hier herum. Und sie müssen damit rechnen, wenn das herauskommt, dass sie alles verlieren – ihre ganze Familie und, wenn es noch bitterer wird, ihr Leben. Und sie tun es trotzdem, weil sie das Leben gesehen haben und sagen: Ich will nichts anderes als diesen Jesus.

Und wir haben ihn gefragt: Was machst du als Nächstes? Ich gehe jetzt in den Irak. Warum gehst du in den Irak? Was willst du dort? Und dann erzählt er, dass ein Muslim seinen besten Freund umgebracht hat und er hat Frau und Kinder hinterlassen. Und er geht in den Irak, um das Gefängnis aufzusuchen, in dem dieser Mörder einsitzt, und er möchte ihm von Jesus Christus erzählen, dass es bei Jesus Vergebung gibt. Er möchte dem Mörder das Evangelium erzählen, der seinen besten Freund getötet hat. Warum tut dieser junge Mann das?

Er gibt alles auf. Er gibt alles auf, weil er weiß, dass das, was hier und jetzt an Leid, Verfolgung und Schwierigkeit auf ihn warten könnte, überhaupt nicht im Vergleich steht zu dem, wovon unser Herz erfüllt ist. Aber nicht nur die Ewigkeit wartet auf uns, wie wir es gerade gelesen haben, sondern schon in diesem Leben wird den Jüngern versprochen, dass sie die Herrschaft Gottes in Kraft erfahren werden. Und diese Kraft haben sie erfahren. Bei der Auferstehung von Jesus und zu Pfingsten haben sie die Kraft des Reiches erfahren. Und wir alle, meine Lieben, werden es eines Tages erfahren, wenn wir die Fülle des Reiches sehen, wenn Jesus wiederkommt. Amen.

 

Bibelstellen:

Matthäus 16,21–28; Matthäus 16,20; Johannes 10,17.18; Philipper 2,5–8; Matthäus 8,39; Psalm 119,18; Matthäus 16,17.18; Matthäus 4,10; 1.Korinther 10,12; Markus 9,1.