Wir haben gerade gehört: Das Thema, das uns heute in der Predigt beschäftigen wird, heißt: Fake News vom Weltuntergang.
Wir befinden uns in Matthäus 24, in der berühmten Rede Jesu über die Endzeit. Damit haben wir uns schon in meiner letzten Predigt beschäftigt. Dort habe ich einleitend gesagt, dass dieses Kapitel tatsächlich zu den kompliziertesten Kapiteln im Matthäusevangelium gehört. Die Bibellehrer hadern mit der richtigen Interpretation.
Wie soll man die Dinge verstehen, die Jesus sagt?
Ich habe es damals gesagt, und ich wiederhole mich wahrscheinlich immerzu, wenn ich über die Endzeit predige: Bibeltreue Lehrer kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Und auch unter uns wird es unterschiedliche Ergebnisse geben, wenn wir diese prophetische Rede von Jesus lesen.
Ich möchte euch ein Zitat mitbringen darüber, was der Theologe Dr. Roland Hardmeier über diese ganze Debatte der Endzeit geschrieben hat.
Und ich finde hier sehr viel Weisheit, die er in diese Worte hineingelegt hat.
Er schreibt: „Die endzeitliche Debatte hat das Potenzial, zu verunsichern. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen endzeitlichen Standpunkten ist nicht einfach … Es wäre viel einfacher, wenn wir einen Fahrplan für die Zukunft hätten. In der Tat sind schon viele der Versuchung erlegen, jede Einzelheit der biblischen Prophetie zu erklären und in einen endzeitlichen Ablauf stellen zu wollen. Das hat mitunter zu Spekulation, Haarspalterei und Rechthaberei geführt. Es scheint mir, dass manche bibeltreue Christen sich sehr bewusst sind, was sie von anderen Gläubigen trennt.
Fragen über das Tausendjährige Reich, die Rolle Israels oder den Zeitpunkt der Entrückung sind nicht selten zu einem Stein des Anstoßes geworden. Hier wirkt der Blick in das Neue Testament befreiend. Es gab vieles, wofür es sich für die ersten Christen zu streiten lohnte. Es gab heftige Debatten über die Frage der Rechtfertigung“ – also wie ein Mensch gerecht vor einem heiligen Gott stehen kann. „Das zeigt sich in Apostelgeschichte 15 oder im Galaterbrief. Es gab ähnliche Auseinandersetzungen über das Wesen Christi, wovon die Johannesbriefe Zeugnis ablegen.
Über endzeitliche Fragen aber wurde nicht gestritten. Das Wissen um die Wiederkunft des Herrn, der Glaube an die Auferstehung der Toten und die Gewissheit eines neuen Himmels und einer neuen Erde standen im Zentrum der urchristlichen Hoffnung. … Wir wissen jedoch von keiner endzeitlichen Auseinandersetzung, die zu Streit oder Spaltung geführt hätte. Das muss uns heute nachdenklich stimmen, denn gerade in Endzeitfragen wird oft mit unerwarteter Härte argumentiert, und Andersdenkende werden ausgegrenzt.“
Bei Endzeitfragen passiert irgendetwas mit den Menschen, sodass sie hochemotional reagieren, wenn sie mit einer anderen Theorie konfrontiert werden. Und somit hat es mich nicht verwundert, dass auch die Predigt vom letzten Sonntag für Furore gesorgt hat.
Man kann sich einfach mal die YouTube-Kommentare zu Gemüte führen: „Der hat doch gar keine Ahnung.“ „Der hat eine Unkenntnis vom Wort Gottes.“ „Er lädt schwere Schuld auf sich mit dem, was er predigt.“ Bis hin zu: „Das, was du tust, wird dir den Fluch Gottes bescheren.“ – Gut, dass nur kleine Brötchen gebacken wurden bei den Kommentaren.
Ich möchte dir empfehlen, wenn auch du ähnliche Dynamiken in dir erlebst: Vor einigen Jahren habe ich eine Lehrreihe über Endzeitmodelle gehalten, die in der Kirchengeschichte unter bibeltreuen Christen groß geworden sind.
Führt euch das einfach mal zu Gemüte und merkt: Okay – die ganze Weisheit der Welt ist nicht allein in mir festgehalten, sondern es gibt auch andere treue Christen, die versuchen, Gottes Wort zu verstehen und richtig anzuwenden.
Und das versuche ich auch – mit allen meinen Mängeln –, und ihr dürft auch gerne anderer Meinung sein bei den Details.
Wir befinden uns in Matthäus 24, und Jesus beginnt dort eine große Rede zu halten. Es ist so, dass er mit seinen Jüngern gerade noch in dem großen Tempel war. Er verlässt den Tempel, und sie befinden sich jetzt auf dem Ölberg und betrachten die herrliche Tempelanlage. Und als die Jünger sich diese herrlichen Gebäude anschauen, staunen sie darüber.
Und obwohl sie das, was sie vor sich haben, gerade so sehr feiern – diesen wunderbaren Tempel, in dem Gott seine Gegenwart wohnen lässt –, schreibt Matthäus in Kapitel 24, Vers 2: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: ‚Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.‘“
Das ist ein starkes Gerichtswort, das Jesus ankündigt. Und diese harte Warnung knüpft an Warnungen an, die Jesus wenige Minuten vorher noch im Tempel an seine Zuhörer adressiert hatte, die seine Rede hörten.
In Matthäus 23, Vers 35 sagt er seinen Zuhörern nämlich Folgendes: „… damit über euch kommt alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde …“ Vers 36: „Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über diese Generation kommen.“ Vers 38: „Siehe, euer Haus wird euch öde (verwüstet) gelassen.“
Jesus wird später – im Verlauf unseres Kapitels – erneut bekräftigen, dass bereits seine Zuhörer schreckliche Dinge erleben werden. Er sagt in Kapitel 24, Vers 34: „Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht (Generation) wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist.“
Also Jesus hat in seiner Endzeitrede sehr stark den Fokus auf seine Zuhörer, die ihn gesehen haben, die ihn gehört haben. Und er sagt: „Gottes Gericht, Gottes Zorn wird kommen über diese Generation. Ihr werdet schreckliche Dinge erleben, und sie werden euch das Fürchten lehren.“
Die Jünger sind geschockt über diese Aussichten, die Jesus ihnen ankündigt, und sie stellen ihm zwei Fragen: „Wann wird dieser Tempel zerstört? Und: Woran erkennt man, dass deine Ankunft nahe ist oder das Ende der Welt bevorsteht?“
Und so sind wir zunächst durch die Verse 4 bis 14 gegangen, und dort beschreibt Jesus, dass Verführungen, Hungersnöte, Kriege – wer hat gestern Fernsehen geschaut, was gerade im Iran geschieht? – Kriege geschehen, schwere Verfolgungen werden sein, und sie werden uns bis zum Ende der Welt begleiten.
Aber diese ganzen Dinge markieren noch nicht das absolute Ende. Einige Christen werden die schrecklichen Nachrichten mit dem Konflikt Israel/Iran sehen und werden spekulieren: Ist jetzt das Ende gekommen?
Kriege gehören zur Endzeit dazu und markieren nicht das absolute Ende.
Dann in den Versen 15 bis 22 beantwortet Jesus ihre Frage konkret: Es gibt ganz viele Dinge, die da passieren werden, aber sie markieren nicht das Ende. Aber auf eure erste Frage, wann dieser Tempel verwüstet wird, möchte ich euch Antwort geben. Und Jesus beschreibt dies als maximale Katastrophe.
Und wie vorher angekündigt, hat die Generation, zu der er gesprochen hat, genau das erlebt, was er in Aussicht gestellt hat: heftige Kriegsszenen im Jahr 70 nach Christus innerhalb einer Generation. Die Leute haben es gehört. Jesus hatte davon gesprochen. Jetzt ist es wahr geworden. Der Tempel ist zerstört.
Und ich habe in der letzten Woche den Kirchenhistoriker der damaligen Tage, Josephus, zitiert, welche schrecklichen Szenarien sich dort abgespielt haben.
Gott lässt aber nicht zu, dass diese Verwüstungen die Rettung seiner Auserwählten gefährden.
Die letzte Predigt endete damit, dass um der Auserwählten willen Gott die Tage des Zornes Gottes über Jerusalem verkürzen wird und die Auserwählten gerettet werden und nicht unter die Räder kommen.
Wie wir wissen, bedeutete für die Jünger die Zerstörung des Tempels gleichzeitig auch das Weltende und damit einhergehend die Wiederkunft Jesu. In ihrem Denken gab es nicht die Möglichkeit: Dieser Tempel ist zerstört, und trotzdem geht es irgendwie weiter.
Für sie war gedanklich verschmolzen: Wenn dieser Tempel nicht mehr existiert, ist unsere ganze Identität, unsere ganze Hoffnung weg. Dann ist das Weltende eingeläutet, und Jesus Christus wird wiederkommen.
Und Jesus erklärt ihnen, dass es Missverständnisse oder Fake News über seine Wiederkunft geben wird, die unbedingt von uns gemieden werden müssen, sodass er ihnen gleich zweimal in dem Text, den wir gleich lesen werden, sagt: So glaubt nicht.
Also, es gibt Theorien über die Wiederkunft von Jesus, denen wir keinen Glauben schenken sollen, weil es Missverständnisse über seine Wiederkunft sind. Und das hört er bei seinen Jüngern. Ihr denkt das als Einheit, lasst uns das einmal miteinander betrachten, aber isoliert.
Also, Jesus hat die große Verwüstung des Tempels im Jahr 70 nach Christus im Blick – prophetisch.
Wir lesen die Verse 23 bis 28: „Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es nicht! Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus! Siehe, in den Kammern!, so glaubt es nicht! Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln.“
Okay, was macht Jesus hier?
Jesus macht klar, dass nach der Tempelverwüstung seine Wiederkunft nicht unmittelbar kommen wird, sondern dass religiöse Verführungen stattfinden. Er spricht hier von falschen Christussen, falschen Propheten, die zwar mit einem göttlichen Anstrich daherkommen, aber in Wahrheit nicht von Gott gesandt sind.
Auch wenn die Jünger die prophezeite Verwüstung gerne mit dem Weltuntergang und mit Jesu Wiederkunft koppeln, sollen die Ereignisse unterschieden werden. Wenn ihr eure Bibel zur Hand habt, dann werdet ihr sehen: Falsche Propheten, falsche Messiasversprechen hat Jesus schon in Vers 4 angekündigt. Das hatten wir uns vor zwei Wochen angeschaut.
Es wird falsche Propheten geben, und sie werden ihr Unwesen treiben. Und diese verführerische Kraft wird auch nach diesem Desaster – dem, was Jesus prophezeit hat – existieren. Lasst euch nicht irre machen, damit habe ich nichts zu tun. Jesus sagt ausdrücklich: So glaubt es nicht!
Damit, und das ist wichtig – hier heißt es ja: Sie kommen und werden mit Zeichen und Wundern argumentieren und werden die Leute damit beeindrucken und verführen –, spricht Jesus sich nicht grundsätzlich gegen natürliche Zeichen und Wunder aus.
Einige lesen das und sagen: Und darum müssen Christen grundsätzlich skeptisch sein, wenn sie von Zeichen und Wundern hören.
Aber was Jesus uns hier sagt, ist, dass wir prüfen sollen, womit wir es zu tun haben. Nicht jeder, der im Namen Gottes spricht, wirkt auch in der Kraft Gottes. Nicht jeder, der das religiöse Vokabular drauf hat, ist auch gesandt und bevollmächtigt von Gott. Er beeindruckt zwar Menschen und zieht sie hinter sich, aber ist in Wahrheit nicht gesandt. Wir sind angehalten zu prüfen und sollen nicht einfach sämtlichen Wunderberichten naiv Glauben schenken.
Schaut, ich sehe zwei Lager in der Christenheit. Die einen, die alles in Bausch und Bogen verdammen und verurteilen, was irgendwie wundersam ist. Sie sagen: „Nein, das gibt es nicht. Damit wollen wir nichts zu tun haben.“ Und dann sehe ich das andere Camp, das alles naiv schluckt und für wahr hält. Hauptsache, es kommt irgendwie wunderbar daher.
Beide Camps haben ein enormes Problem. Beide müssen in die Lage versetzt werden zu prüfen, um das Echte vom Falschen zu unterscheiden. Das Echte nicht zu verdammen, sondern zu loben. Gott darum zu bitten, dass er das Echte unter uns schenkt und dass er uns bewahrt vor den falschen Versuchungen, die uns nur von Jesus abziehen wollen.
Doch zu biblischen Zeiten wurden nicht alle Wunder auf das Wirken Gottes zurückgeführt. Einige müssen das hören. Vor allem diejenigen, die jede Prophetie, jeden Heilungsbericht, der auf Social Media gerade um die Ecke flitzt, sofort teilen. Oh, wunderbar, teilen, teilen, teilen, teilen.
Zu biblischen Zeiten wurden nicht alle Wunder auf das Wirken Gottes zurückgeführt.
Hey Leute, wir sind in einer Zeit, in der okkulte Praktiken, Esoterik, New Age so verbreitet sind und so mit christlichem Gedankengut verschmelzen, dass einige denken: Na ja, er ist irgendwie ein bisschen anders, er kommt aus der esoterischen Richtung, aber er hat Jesus gesagt, aber er hat ein Bibelwort zitiert bei den Praktiken, die er dort tut. – Und es ist doch besser geworden. Es hat doch geholfen.
Dort sollen wir nicht blind sein. Hört mich gut!
Auch Christen stehen in der Gefahr, fragwürdige okkulte Praktiken in ihrem Leben zu erlauben, mit der Begründung: Es dient ja einem guten Zweck. Wie kommt Paulus sonst auf die Idee, im 1. Korintherbrief, Kapitel 5 davon zu sprechen, dass die Christen aus Korinth sogar Götzendienst getrieben haben, wiedergeborene Christen, die Gemeinschaft mit Dämonen gepflegt haben?
Wir sollten nicht denken, dass wir viel klüger sind als die Korinther. Und so mancher Christ pflegt Gemeinschaft mit Dämonen, weil er ominöse Praktiken legitimiert, die fromm daherkommen und doch dem Guten dienen.
Jesus wiederholt in Matthäus 24 – und wenn du auch mit dem nicht einverstanden bist, was ich sage, wie ich die Dinge einteile – das, was wir hören, ist: „Seht zu, dass euch niemand verführt.“
Und diese Warnung vor dem Verführen ist sehr präsent. Auf der nächsten Folie habe ich es dargestellt. In Vers 4: Seht zu, dass euch niemand verführt. Vers 5: Und sie werden viele verführen. Vers 11: … und werden viele verführen. Vers 24: … um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Verführung, Verführung, Verführung, Verführung.
Das sollte uns einfach bereit machen, damit, wenn wir merken, wir sind in den letzten Tagen – und die letzten Tage haben nach biblischer Perspektive mit dem Kommen des Heiligen Geistes begonnen und sie enden, wenn Christus wiederkommt –, das ist die Endzeit, in der wir uns befinden. Das sind die letzten Tage, in denen wir alle leben, weben und Jesus nachfolgen.
Und Jesus sagt hier: Lasst euch nicht verführen. Warum sagt er das? Und warum wiederholt er das? Weil wir uns gerne verführen lassen. Und wie viele wurden schon verführt durch trickreiche, charismatische – im Sinne von Menschen, die sich gut inszenieren und verkaufen können – Persönlichkeiten, die nicht dein Bestes im Sinn haben.
Besonders gefällt mir, was Jesus in Vers 24 über diese Verführungsaktivität sagt: Sie verführen, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Das bedeutet: Die Verführungen werden so schwerwiegend und massiv sein, dass sie, wenn dies möglich wäre, sogar die Auserwählten zum Abfall vom Glauben bringen würden.
Aber es ist nicht möglich. Das ist das, was der Text uns sagen möchte. Das ist das, was Jesus weitergeben möchte.
Könnt ihr euch daran erinnern, was Jesus gesagt hat, als er von der krassen Zerstörung des Tempels sprach? Um wessen Willen verkürzt Gott die Zeit, damit sie gerettet werden? Um der Auserwählten willen verkürzt er die Zeit. Gott kümmert sich um die Seinen. Der Hirte schützt seine Schafe, und um der Auserwählten willen soll das nicht geschehen.
Aber Jesus sagt, die Verführungen werden so drastisch zunehmen, so massiv sein, dass, wenn es möglich wäre, sie sogar Auserwählte verführen würden. Aber es ist nicht möglich.
In 1. Johannes 2, Verse 18 und 19 heißt es von dem Apostel, der das mit angehört hat und der dann einige Jahre später die christliche Landschaft sieht und Folgendes sagt: „Kinder, es ist die letzte Stunde.“ – Merkt ihr wieder diese Zeitangabe? Letzte Stunde! Wir sind in dieser Phase. Wir sind in dieser Epoche – „Kinder, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen aufgetreten; daher erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist. Von uns sind sie ausgegangen – seid ihr mit mir? Diese antichristliche Bewegung kommt nicht von irgendwo, sondern von uns ist sie ausgegangen –, „aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, würden sie wohl bei uns geblieben sein; aber sie blieben nicht, damit sie offenbar wurden, dass sie alle nicht von uns sind.“
Das ist dieselbe Wahrheit, die wir in Matthäus 24 lesen, was Jesus sagt über die große verführerische Kraft, die sogar die Auserwählten verführen würde, wenn es möglich wäre. Aber es ist nicht möglich. Was Johannes hier sagt, ist: Habt acht, seid nicht naiv, habt eure Sinne geschärft. Die Verführungen sind heftig, aber seid gewiss: Diejenigen, die in diesem Strom bleiben und verharren und das vielleicht sogar noch multiplizieren, die sind nicht von uns und die waren auch noch nie von uns.
Das stellt eine große Anfrage an unsere eigene Persönlichkeit, an unseren eigenen Glauben.
Nicht jeder, der bekennt: Herr, Herr, ist auch in dieser lebendigen Beziehung zu diesem Herrn, sodass am Ende der Tage dieser Herr zu ihm sagt: „Ich kenne dich, komm in mein Reich.“ Aber Jesus sagt in Matthäus 7 ab Vers 21: „Viele sagen: ‚Herr, Herr‘, aber ich kenne sie gar nicht. Sie operieren in meinem Namen. Sie tun so, als wären sie mit mir verbunden, aber in Wahrheit sind sie es nicht.“
Das ist ein schwerwiegendes Wort, weil wir uns selbst in das Licht Gottes stellen müssen. Herr, wie steht es um mich? Bin ich einfach nur ein elendiger Mitläufer, der eigentlich gar nicht wirklich dazugehört? Oder habe ich wirklich ein erneuertes Herz vom Herrn? Gehöre ich zu denen, die auserwählt sind? Ja, woher weiß man das?
Diejenigen gehören zu den Auserwählten, die achtgeben. Matthäus 24, Vers 4: „Seht zu, dass euch niemand verführt.“
Das sind diejenigen, die dann auch nicht verführt werden. Diejenigen, die achtsam sind, die durch den Heiligen Geist eine Sensibilität in ihrem Herzen haben und darauf achten: Ist der Herr hier drin oder nicht?
Aber diejenigen, die nicht darauf achten, werden in die Falle laufen, und sie sind nicht diejenigen, die sensibilisiert wurden – durch den Heiligen Geist –, um verführerische Kräfte zu erkennen.
Aber Jesus stellt hier bereit, er sagt: „Große Warnung, habt acht, alle miteinander. Legt nicht die Hände in den Schoß und sagt: ‚Ach, es ist alles vom Herrn, was dieser macht.‘ Legt nicht die Hände in den Schoß. Seid wachsam. Aber ich möchte euch auch eine Versicherung mitgeben, und zwar: Die, die zu mir gehören, die werden sicher sein.“
Jesus geht weiter. Jesus wiederholt sich und sagt in Vers 26: Wenn sie nun zu euch sagen, meine Wiederkunft wird im Geheimen geschehen, irgendwo in der Wüste oder in einer Kammer, also dort, wo es vor der Öffentlichkeit verborgen bleibt … Die Wiederkunft von Jesus – so verstehe ich diesen Text, ich kann ihn gar nicht anders verstehen – ereignet sich nicht im Isolierten und auch nicht im Geheimen. Es ist unmöglich, dass dies nicht zu beobachten ist. Und einige sagen, dass es im Verborgenen, im Geheimen geschehen wird.
Jesus sagt: Glaubt es nicht. Weder in der Wüste noch in der Kammer. Der Messias verbirgt sich nicht vor der Öffentlichkeit, um zu einer auserwählten Gruppe zu kommen, von der nur einige Kenntnis haben.
Die Wiederkunft wird von einer Art sein – so zeigt uns dieser Text –, dass sie offensichtlich ist; öffentlich und von der ganzen Welt zu beobachten.
Mit welchem Bild sagt Jesus das? „Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet.“ Das ist nichts, das im Kleinen, Isolierten, Verborgenen geschieht. Es wird für jedes Auge sichtbar sein. Was Jesus hier beschreibt, wird unübersehbar sein, für alle. Alle werden es sehen, wenn er wiederkommen wird.
Und dann dieses eigenartige Wort in Vers 28: „Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln.“ Was ist das für ein Wort?
Jesus bringt ein Sprichwort mit hinein und sagt: „Genauso sind von Weitem die Adler schon zu sehen, die über dem Aas kreisen.“ Wo Aas ist, da werden die Adler sein – öffentlich. Die Adler kommen nicht durch den Seiteneingang oder buddeln sich im Geheimen einen Weg zu dem Aas. Sondern sie kommen aus der Ferne, und du kannst sie schon von Weitem kommen sehen. Sie sind da.
Der Herr segne dich.
Ich möchte mit euch die Verse 29 bis 31 lesen. Ich habe heute ein bisschen Gas gegeben, weil wir mit dem prophetischen Wort und der Gebetszeit hier vorher gut beschäftigt waren. Wir liegen aber besser in der Zeit, als ich dachte. Nun lasst uns weitermachen und keine Zeit verlieren. Die Zeit der Wiederkunft ist nahe. Fake News, oder?
Jesus verlässt das Thema der Wiederkunft nicht. Er stellt immer noch richtig, welcher Art seine Wiederkunft ist; dass sie wie ein Blitz ist. Und das beschreibt er dann noch dramatischer mit folgenden Worten.
Vers 29: „Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage“ – wir haben uns vor zwei Wochen angeschaut, welche Arten von Bedrängnis es geben wird – „wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.“ Vers 30: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen …“ – Jesus spricht hier über sich selbst. Der Menschensohn ist eine prophetische Figur im Alten Testament gewesen, ein ominöser Menschensohn mit sehr viel Kraft und Macht – „… am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde“ – oder des Landes –, „und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.“ Vers 31: „Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.“
Also: Jesus erklärt das Wesen seiner Wiederkunft und stellt einige Dinge richtig. Wenn Jesus wiederkommt, dann sehen wir den Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. So wie er in den Himmel aufgefahren ist, so wird er wiederkommen. Und damit erfüllt sich, was der Prophet Daniel bereits im Alten Testament vorausgesagt, schon vorausgesehen hat.
Daniel 7, Verse 13 und 14: „Ich schaute in Visionen der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben.“
Das, was Daniel hier gesehen hat, das wendet Jesus in Matthäus 24 jetzt auf sich an und sagt, dass genau dies geschehen wird. Und Daniel hat schon lange, bevor Jesus da war, das in einer Vision gesehen. Er konnte es noch nicht so artikulieren, wie wir es vielleicht können. Und wir können wiederum Dinge noch nicht richtig artikulieren, ehe sie dann geschehen werden. Aber Daniel hatte schon diese Sichtweise, wie dieser Jesus kommen wird, und zwar mit Herrschaft und mit Ehre.
Das heißt, Jesus spricht davon, dass die ganze Welt erschüttert wird. Sonne, Mond und Sterne … Es wird aber kein schönes Gedicht sein, das wir dann aufsagen, oder ein nettes Kinderlied, das wir singen, sondern die ganze Erde – so wie wir sie kennen – wird erschüttert werden, wenn Jesus als Richter zum Tag des Gerichts auftritt.
Diese Botschaft müssen wir hören.
Jesus ist gekommen, um der Menschheit eine Zeit der Gnade zu geben. Und es wird einen Tag geben, an dem er wiederkommt, und das im Gericht.
2. Petrus 3, Vers 10. Dort beschreibt der Kollege von Johannes und der anderen Apostel die Worte von Jesus auf diese Weise. Petrus sagt dasselbe voraus: „Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr im Gericht erfunden werden.“
Jesus kündigt eine Zeit an, in der diese Welt, wie wir sie kennen, nicht länger existieren wird. Das müssen vor allem diejenigen unter uns hören, die mit einem sehr starken „Jetzt“-Bezug ihr Leben leben. Die, die nur diesen Tag sehen. Die, die ihr Ziel im Leben darin sehen, das Maximum aus diesem Tag zu ziehen und nur für dieses Leben leben wollen.
Freund, hör mich. Dieses Leben, so wie wir es kennen, wird eines Tages nicht mehr existieren. Dann wird das, was uns jetzt so lieb und teuer ist, woraus wir unsere Hoffnung ziehen, in dieser Art und Weise nicht weitergehen. Jesus hat es vorausgesagt, damit wir darum wissen. Es wird einen Tag des Gerichts geben, wo alles niedergestreckt wird, wo alles herausgefordert wird, wenn der König mit Macht und seinem Feuer kommt.
Warum diese dramatische Sprache?
Unser Gott ist ein heiliger Gott, und diese Welt ist in schwere Rebellion gefallen. Und das sollte keine Neuigkeit sein, wenn wir das miteinander teilen. Schau dir doch dein Leben an. Schau dir an, was andere Menschen mit dir machen. Schau an, was du mit anderen Menschen machst – wozu wir alle in der Lage und fähig sind.
Gottes Herz blutet darüber, und er ist ein gerechter Gott. Der Herr wird am letzten Tag nicht mit einem großen Teppich kommen und alles unter den Teppich kehren. Nach dem Motto: Ach, das war ja gar nichts, das habe ich ja gar nicht gesehen.
Das wird im Universum auffallen, wenn auf einmal so ein großer Teppich da ist mit so einer fetten Kugel darunter. Da wird man stolpern, wenn man durchs Universum gleiten will. Das geht nicht. Die Gerechtigkeit wird kommen, und niemand wird am Ende der Tage sagen: Herr, wie konntest du nur? Sondern jeder wird die Dinge aus der Perspektive Gottes sehen und merken: Gott, du hast vollkommen recht. Die ganzen Jahre, die wir in unserer Rebellion gegen dich hier verbracht haben – warum bist du eigentlich nicht schon früher gekommen und hast uns den Garaus gemacht?, denn eigentlich ist es das, was wir verdienen.
Darum verkündigen wir das Evangelium: Dass Jesus gekommen ist, um uns vor diesem schrecklichen Tag zu erretten. Damit, wenn das jüngste Gericht kommt, alles, was in Sünde und Schuld lebt, mit dem Vater im Himmel versöhnt sein kann.
Aber das ist kein Automatismus, der einfach so passiert, weil du ein hervorragendes Geschöpf wärst, sondern es passiert nur auf der Grundlage, weil Jesus so hervorragend ist und dich liebt und dir gerne vergeben will.
Wenn du bereit bist, dich zu demütigen … Was bedeutet das? Sich zu beugen, nicht an dem Alten festzuhalten, nicht besserwisserisch zu sein, nicht zu sagen: „Na ja, ich habe doch alles beieinander. So schlimm ist es doch gar nicht.“
Nein, diejenigen, die aufrichtig und demütig sind, sagen: „Herr, ich kapituliere, ich habe versagt, vor dir und vor den Menschen.“ Aber es gibt nur wenige, die genau zu dieser Geisteshaltung bereit sind. Wir sind sehr damit beschäftigt, unseren eigenen Ruf zu sichern, anstatt uns zu beugen, uns zu demütigen und zu sagen: „Herr, ich habe schwer gesündigt, und das noch viel mehr, als ich selbst erkenne.“
Wie lange braucht es manchmal, bis unser blinder Fleck aufgedeckt wird? Wie lange braucht das manchmal? Und dann denken wir, wenn er aufgedeckt wurde: „Boah, jetzt habe ich eine Offenbarung über mein Ich.“
Hey, das ist vielleicht nur die Spitze des Eisbergs, die du und die ich erkennen.
Paulus erklärt in 2. Thessalonicher 1, Verse 7 und 8, dass all dies geschieht, der Tag des Gerichts: „… bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer. Dabei übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen.“
Wenn das geschieht, werden alle Stämme der Erde in Traurigkeit fallen, wie der Prophet Sacharja voraussah. Auch ein alter Prophet.
Jetzt merke ich doch, dass die Zeit ganz schön fortgeschritten ist. Der Eifer des Herrn hat mich gepackt.
Der Prophet Sacharja sagt in Sacharja 12, Vers 10: „… und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint.“
Wie um Himmels willen konnte lange vor Jesus der Prophet Sacharja sehen, dass es einen Tag geben wird, an dem alle über den weinen, den sie durchbohrt haben?
Dieser Tag wird kommen. Dieser Tag wird kommen. Alle, die heute noch über den spotten, den sie durchbohrt haben, an dem Tag werden sie wehklagen und bitterlich weinen über diesen Richter, den sie verspottet haben.
Aber ich möchte zum Schluss kommen.
Das ist nicht das, womit unser Predigttext endet, sondern es endet wieder mit etwas, was sich durch die ganze Rede von Jesus zieht.
Für diejenigen, die zu den Auserwählten Gottes gehören, gilt, [Matthäus 24, Vers 31]: dass sie am Ende von den Engeln versammelt werden. Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie zusammen, aus allen Enden der Erde. So wie Gott uns eins gemacht hat, so werden am Ende der Tage alle miteinander vereint werden.
Dreimal wiederholt Jesus in Matthäus 24, dass seine Auserwählten sicher sind. Egal, ob bei der Verwüstung 70 nach Christus – die Auserwählten sind sicher in der guten Hand des guten Hirten. Auch wenn die Verführung kommt, egal wie massiv sie ist – die Auserwählten werden sicher sein und von Gott geschützt.
Und wenn Gott in seiner Vergeltung kommt, wird der Tag des Gerichts ein heftiger, drastischer Tag sein – aber du, der du an Jesus glaubst, kannst diesem Tag fröhlich entgegengehen, weil du weißt: Du wirst versammelt mit unzähligen, Tausenden, Massen von Menschen, die diesen Jesus liebhaben, so wie du ihn lieb hast, die bereit waren, den schweren Weg, den schmalen Weg zu gehen, Bedrängnisse und Spott auf sich zu nehmen für den Namen Jesus.
Und an diesem Tag werden wir alle versammelt, und Jesus wird seine Auserwählten zu sich nehmen. Auch wenn der Tag bitter und schwer wird, wird er für uns süß und leicht werden, weil Jesus sicherstellt, dass wir bei ihm ankommen werden. Amen.
Bibelstellen:
Matthäus 24,23–31; Matthäus 24,2; Matthäus 23,35.36.38; Matthäus 24,34; Matthäus 24,4-14; Matthäus 24,15-22; 1.Korinther 5; Matthäus 24,4.5.11.24; 1. Johannes 2,18.19; Matthäus 7 ab Vers 21; Daniel 7,13.14; 2.Petrus 3,10; 2.Thessalonicher 1,7.8; Sacharja 12,10.
